Mittelelbisches Wörterbuch, Band 2 (H-O), Spalte 434
Katte f. 1. TiN ‘Hauskatze’ allg. – zahlreich in kom-
parativen Rda., meist mit Bezug auf den Menschen: d
is natt w ne Katte
(völlig durchnässt) JE2-Scho; falsch
wie ane Katze
Vk-Anhalta 62; sliken (drum rummer gn)
w de Katte um den heiten Brei
Wb-We 63; De mockt’n
Gesicht, as wenn’t de Katt dunnern hürt.
‘Er blickt er-
schrocken oder verstört.’ Bewohner-Altm 1,342; H geit
daovon ass de Katt von’ Duwenslag.
‘Er entfernt sich
stillschweigend, ohne sich um seine Verantwortung zu
kümmern.’ Wb-Altm 96; Hei weet so väöl daovan as
de Katt van’n Sönndäg.
‘Er hat keine Ahnung von einer
Sache.’ Bewohner-Altm 1,343; sich wie Hund un Katze
vordrn
CA-Ak; mit umschpringen, wie de Katte mit de
Mus
‘etw. schnell und ohne Aufsehen erledigen’ Sprw-
Börde; von Schmeichlern: … w d Kaddn, d vrn
liggng un hin’n kradsen
GA-Da; weitere Rda.: wenn d’
Katt ‘n Ei leggt
‘niemals’ Wb-Altm* 72; dagegen zum
Vertrösten von kleinen Kindern: r de Katze an Ei lt.
‘bald’ Wb-Ak 86; Man kann ok de Katt’ in Sack köpen.
Spr-Altm 82; Katte un Ms spelen ‘jmdn. hinhalten’
Wb-We 63; der katte de schelle nhengen ‘eine unan-
genehme oder gefährliche Aufgabe allein übernehmen’
Wb-Nharz 93; nich wetten, w de katte in’n heu lt ‘über[435]
eine Sache nicht unterrichtet sein’ a.a.O. 93; du kennst
k wr keinen Vogel as ne Katte
Antwort auf eine törich-
te Äußerung, Wb-We 63; daovan weet de Katt hinnern
Fürheerd nist
von einer unbedeutenden Festlichkeit oder
zu deren Herabminderung, Bewohner-Altm 1,339; dai
hat ümma greot Weoad
(Worte) un kann kain Katt fan
Fahaiad
(Feuerherd) treckng von einem Prahler, SA-
Dä; dei geit vr de Katten ‘er muss sterben’ Wb-We 63;
dat is vör d Katt ‘das ist vergeblich, wertlos’ STE-Wi;
dat drcht de Katte op’n Swanz weg ‘das ist unbedeu-
tend, minimal’ HA-Oh; dat fritt weder Katte noch Hund
dass., Wb-We 63; da fengen zehn Katten keine Mus drin
von einem durchlöcherten Sack, Sprw-Börde; t man,
dat krit doch bles de Katten
scherzh. Aufforderung zum
Essen, HA-Oh; hat aber jmd. zu viel gegessen: n drcht
de Katte de M
(Magen) nich wech HA-Oh; Et scha’et
nich, de Katte sall’t aflicken.
zum Trösten eines Kindes,
das sich geringfügig verletzt hat, Sprw-Harzvorld 399;
in ders. Verwendung: heile heile kätzken, werde wedder
gaut!
Id-Quea 158; de Katten prusten, et jift ander Wäder
zu jmdm., der niest, Sprw-Börde;
Sprw.: de Katte lett dat Musen nich HA-No; Wat van’t
Katt is, lihrt musen.
Bewohner-Altm 1,343; ‘t is ne
schlechte Katt, de blot vor een Lock must
STE-Wi; de
Katte lert erst musen, wenn se jungen deit
CALV-Zo;
Laot de Katt män lopen, de Kaoter kriegt se doch. Be-
wohner-Altm 1,343; wenn de katte nich te hs is, denn
schplen de mse op disch un benken
Wb-Nharz 93;
nachts sind alle Katten grau WE-Oster; Watt’n spaort
vör’n Mund, datt fritt Katt un Hund.
Wb-Altm 96; d fo-
gels, d sau freu singen, frit de katte jren
Wb-Nharz 93;
Schnellsprechübung: Katte kuckt in Fettpott. “Kuck”,
seggt de Katte.
Vk-Harz 3,100 (WE-Oster); Kiek, seh de
Katte, kiekt von’n Bodd’n in’n Fettpott.
Lieder-Ma Nr.
183 (WO-Ol); Kinderreim:Ains, zwai, drai!
Katte laip in’n Snai.
Wie se wedder ruut’r koam,
Harr si witte Steww’ln an.
Lieder-Ma Nr. 152 (WO-HWa);
Johann, spenn an!
twei Katten foran
twei Mse foropp
denn geit dat galopp!
HA-Oh;
– Volksgl.: de Katte putzt sick, et gifft Besuch WO-Gu.
Kratzt sie an der Tür, steht ein Todesfall bevor (DE-De).
Wenn man sie mit ins Bett nimmt, vertreibt sie Krank-
heiten (KÖ-Dro, DE-Que). Verschluckt man dagegen
ein Katzenhaar, wird man schwindsüchtig (BA-Fro).
Vor allem die schwarze K. gilt als unheimlich, obwohl
ihr auch Glück bringende Eigenschaften zugeschrieben
werden. Wer K. leiden kann, bekommt keinen Mann
bzw. keine Frau. Vk-Anhalta32. Vergisst ein Mädchen
die K. zu füttern, so regnet es ihm in den Kranz; tritt
es aber gar eine K., so findet sie nur einen hässlichen
Mann. Hochzeit-Altm 10. weiterf. s. Vk-Anhalta 32.
– 2a. in der Verbdg.: Katten schmieten ‘flache Steine so[436]
auf eine Wasserfläche werfen, dass sie mehrmals sprin-
gen’,  Botterstulle, 2: JE1-Gü. – 2b. in der Verbdg.:
Katte miau Haschespiel, bei dem der die K. spielende
Junge versuchen muss, einen der auf einem Ackerwagen
sitzenden Mitspieler abzuschlagen, nachdem diese ihn
mit Aussicht auf Beute (Bratwurst) zu sich lockten, 3:
OSCH-Schl. – 3. vorw. im Pl., vorw. Dim. – a. ‘Blüten
des Hasel- und Weidenstrauchs’ 1/2/3: allg. nd., 4: verbr.
omd. – anne W’n sitt’n in Frja d asten Kätzchen
JE2-Scho.  Blschp Bummel Frjrskättjen Lamm
Lämmerswanz Maikatte Ndel Palme Palm(en)kätzchen
Primmel Rpe Schp Schpswänze Troddel Wdenkatten
Wulltappen
. – b. ‘Samenträger der Kiefer’,  Knappel,
3: HA-Vö. – 4. ‘am Gürtel getragener Geldbeutel’ 2:
Wb-Altm* 59, 3: Wb-Nharz 93. – 5. ‘Verbindung zwi-
schen Leine und drei Flaschenzuggehäusen der Spriet-
takelage’, Schifferspr., 2: Elbschifferspr. 222 (STE-Bit
Tan, WO-Ro, JE2-Mi), 4: a.a.O. 222 (CA-Ak).
Lautf., Gram: Katte, [kat] Elbschifferspr. 222 (STE-Bit, WO-
Ro), JE2-Scho, verbr. JE1, Mda-Ze (ZE-Reu), allg. elbostf.;
Katt, [kat] SA-Dä Die, allg. nbrdb.; [katn] Pl. verbr. nwaltm.
Altm.; Kadden, [kadn] Pl. verstr. Altm.; Katze, [káts] verbr.
s JE1 ZE, vereinz. s elbostf. anhalt.; [kads] Elbschifferspr. 222
(JE2-Mi, CA-Ak); ktze Mda-Sti 2; Dim.: kätzken Id-Quea 158;
Kättschk’n Wb-Altm 96; ketjen Wb-Nharz 96; Kettje f. WE-La,
[kétsn] Wb-Be; nur (3.) vorw. Pl.: Kätz(e)ken vereinz. el-
bostf.; Kättchen SA-Han Jah, GA-Rö, JE2-Fi, OSCH-Ba Di Eil;
Kättschen SA-Die, STE-Na Wa; Kätzchen verbr.; Kätzschern
SA-Ah; Kettchen GA-Rö; Ketzchen Wb-Ak 87, [ketsn] JE2-
Scho; [gedsn] verbr. BE.
Zuss.: zu 1.: Klter-, Klau-, Klei-, Klster-, Mai-, Mau-, Mse-,
Msemaukättken, Mze-, Nachtkatze
; zu 3a.: Mai-; sonstiges:
Mai-, Nasch-.
Expandiere:
Lemma
Katte
Grammatische Angabe
f.
Gliederung
1.
Bedeutung
TiN ‘Hauskatze’ allg.
Belege
  • zahlreich in komparativen Rda., meist mit Bezug auf den Menschen: d is natt w ne Katte (völlig durchnässt) JE2-Scho
  • falsch wie ane Katze Vk-Anhalta 62
  • sliken (drum rummer gn) w de Katte um den heiten Brei Wb-We 63
  • De mockt’n Gesicht, as wenn’t de Katt dunnern hürt. ‘Er blickt erschrocken oder verstört.’ Bewohner-Altm 1,342
  • H geit daovon ass de Katt von’ Duwenslag. ‘Er entfernt sich stillschweigend, ohne sich um seine Verantwortung zu kümmern.’ Wb-Altm 96
  • Hei weet so väöl daovan as de Katt van’n Sönndäg. ‘Er hat keine Ahnung von einer Sache.’ Bewohner-Altm 1,343
  • sich wie Hund un Katze vordrn CA-Ak
  • mit umschpringen, wie de Katte mit de Mus ‘etw. schnell und ohne Aufsehen erledigen’ Sprw-Börde
  • von Schmeichlern: … w d Kaddn, d vrn liggng un hin’n kradsen GA-Da
  • weitere Rda.: wenn d’ Katt ‘n Ei leggt ‘niemals’ Wb-Altm* 72
  • dagegen zum Vertrösten von kleinen Kindern: r de Katze an Ei lt. ‘bald’ Wb-Ak 86
  • Man kann ok de Katt’ in Sack köpen. Spr-Altm 82
  • Katte un Ms spelen ‘jmdn. hinhalten’ Wb-We 63
  • der katte de schelle nhengen ‘eine unangenehme oder gefährliche Aufgabe allein übernehmen’ Wb-Nharz 93
  • nich wetten, w de katte in’n heu lt ‘über eine Sache nicht unterrichtet sein’ a.a.O. 93
  • du kennst k wr keinen Vogel as ne Katte Antwort auf eine törichte Äußerung, Wb-We 63
  • daovan weet de Katt hinnern Fürheerd nist von einer unbedeutenden Festlichkeit oder zu deren Herabminderung, Bewohner-Altm 1,339
  • dai hat ümma greot Weoad (Worte) un kann kain Katt fan Fahaiad (Feuerherd) treckng von einem Prahler, SA-Dä
  • dei geit vr de Katten ‘er muss sterben’ Wb-We 63
  • dat is vör d Katt ‘das ist vergeblich, wertlos’ STE-Wi
  • dat drcht de Katte op’n Swanz weg ‘das ist unbedeutend, minimal’ HA-Oh
  • dat fritt weder Katte noch Hund dass., Wb-We 63
  • da fengen zehn Katten keine Mus drin von einem durchlöcherten Sack, Sprw-Börde
  • t man, dat krit doch bles de Katten scherzh. Aufforderung zum Essen, HA-Oh
  • hat aber jmd. zu viel gegessen: n drcht de Katte de M (Magen) nich wech HA-Oh
  • Et scha’et nich, de Katte sall’t aflicken. zum Trösten eines Kindes, das sich geringfügig verletzt hat, Sprw-Harzvorld 399
  • in ders. Verwendung: heile heile kätzken, werde wedder gaut! Id-Quea 158
  • de Katten prusten, et jift ander Wäder zu jmdm., der niest, Sprw-Börde
  • Sprw.: de Katte lett dat Musen nich HA-No
  • Wat van’t Katt is, lihrt musen. Bewohner-Altm 1,343
  • ‘t is ne schlechte Katt, de blot vor een Lock must STE-Wi
  • de Katte lert erst musen, wenn se jungen deitCALV-Zo
  • Laot de Katt män lopen, de Kaoter kriegt se doch. Bewohner-Altm 1,343
  • wenn de katte nich te hs is, denn schplen de mse op disch un benken Wb-Nharz 93
  • nachts sind alle Katten grau WE-Oster
  • Watt’n spaort vör’n Mund, datt fritt Katt un Hund. Wb-Altm 96
  • d fogels, d sau freu singen, frit de katte jren Wb-Nharz 93
  • Schnellsprechübung: Katte kuckt in Fettpott. “Kuck”, seggt de Katte. Vk-Harz 3,100 (WE-Oster)
  • Kiek, seh de Katte, kiekt von’n Bodd’n in’n Fettpott. Lieder-Ma Nr. 183 (WO-Ol)
  • Kinderreim:Ains, zwai, drai!
    Katte laip in’n Snai.
    Wie se wedder ruut’r koam,
    Harr si witte Steww’ln an.
    Lieder-Ma Nr. 152 (WO-HWa)
  • Johann, spenn an!
    twei Katten foran
    twei Mse foropp
    denn geit dat galopp!
    HA-Oh
  • Volksgl.: de Katte putzt sick, et gifft Besuch WO-Gu. Kratzt sie an der Tür, steht ein Todesfall bevor (DE-De). Wenn man sie mit ins Bett nimmt, vertreibt sie Krankheiten (KÖ-Dro, DE-Que). Verschluckt man dagegen ein Katzenhaar, wird man schwindsüchtig (BA-Fro). Vor allem die schwarze K. gilt als unheimlich, obwohl ihr auch Glück bringende Eigenschaften zugeschrieben werden. Wer K. leiden kann, bekommt keinen Mann bzw. keine Frau. Vk-Anhalta32. Vergisst ein Mädchen die K. zu füttern, so regnet es ihm in den Kranz
  • tritt es aber gar eine K., so findet sie nur einen hässlichen Mann. Hochzeit-Altm 10. weiterf. s. Vk-Anhalta 32.
2a.
Bedeutung
in der Verbdg.: Katten schmieten ‘flache Steine so auf eine Wasserfläche werfen, dass sie mehrmals springen’,  Botterstulle
Verbreitung
2: JE1-Gü.
2b.
Bedeutung
in der Verbdg.: Katte miau Haschespiel, bei dem der die K. spielende Junge versuchen muss, einen der auf einem Ackerwagen sitzenden Mitspieler abzuschlagen, nachdem diese ihn mit Aussicht auf Beute (Bratwurst) zu sich lockten
Verbreitung
3: OSCH-Schl.
3.
Grammatikalische Angabe
vorw. im Pl.
Bedeutung
vorw. Dim.
a.
Bedeutung
‘Blüten des Hasel- und Weidenstrauchs’
Verbreitung
  • 1/2/3: allg. nd.
  • 4: verbr. omd.
Belege
anne W’n sitt’n in Frja d asten Kätzchen JE2-Scho.
b.
Bedeutung
‘Samenträger der Kiefer’,  Knappel
Verbreitung
3: HA-Vö.
4.
Bedeutung
‘am Gürtel getragener Geldbeutel’
Verbreitung
  • 2: Wb-Altm* 59
  • 3: Wb-Nharz 93.
5.
Bedeutung
‘Verbindung zwischen Leine und drei Flaschenzuggehäusen der Spriettakelage’, Schifferspr.
Verbreitung
  • 2: Elbschifferspr. 222 (STE-Bit Tan, WO-Ro, JE2-Mi)
  • 4: a.a.O. 222 (CA-Ak).