Mittelelbisches Wörterbuch, Band 2 (H-O), Spalte 726
krgen Vb. 1. allg. – a. ‘erhalten, in den Besitz von
etw. kommen’, auch ‘kaufen können’ – jiff mi dütt, krüs-
du dat
SA-Die; Ich hawwe an Brf jekricht. Wb-Ak 98;
mor schlachden mrjen, d graisde  ne glne Worschd
DE-Ca; bai Aisenschulzen krichtemor alles DE-Els;
Rda.: wat ek hewwe, dat wett ek, wat ek kre, dat mott’n
erst sin
Wb-We* 222. – b. ‘als Belohnung, Bezahlung,
Vergeltung bekommen’ – dovor hatte ‘n Doaler ekricht
JE1-Pre; hei kreich noch Jelt fon mik HA-Oh; hei hat
Knast ekren
CA-Fö. – c. ‘verabreicht bekommen’ – ne
Wucht krgng
‘Prügel bekommen’ JE2-Scho; ne Ziehung
kreigen
dass., BLA-Ta; wat in nakken krn Wb-Nharz
107; du krist wecke hinder de eren HA-Oh. – d. ‘zu
etw. kommen, sich verschaffen’ – Rda.: Nu hem se sek
doch noch kricht.
‘Sie haben geheiratet.’ Spr-Asch 31.
– 2. allg. – a. ‘in einen bestimmten Zustand geraten’,
auch ‘sich etw. zuziehen, etw. erleiden’ – hei kricht de
Msern
HA-Oh; se krg’n glk dat Lopen Wb-Altm 117;
… keen’n Aden kreien! Wäschke 41910,123; Äwer so
wie dät Füer nu Luft kreeg, prasselt et mang dät Koarne
Heimatkalender-Ma 1932,45 (JE2-Vie); et met der
angest krn
Wb-Nharz 107; h het mik antickt un d heff
ik an Schreck krgng
JE2-Scho; Rda.: dae kan’n Hals
ok nich full krjen
‘er kann nicht genug bekommen’
BLA-Brau. – b. ‘in den Stand versetzt werden, die Mög-
lichkeit haben, etw. zu tun’ – te wetten (wissen) krn Wb-
Nharz 107; W Frdrich … dat te hr’n kraich, word’e
rsich …
Tiedge 1954,39; Ob wie wat te eten krie’n
können?
Lindaua o.J. 5; Rda.: töw (warte) nochn büt-
schen, seggt de Hohn tumm Pierworm
(Regenwurm),
dunn kreeg he imm to faten und fret imm upp
STE-Kre.
– c. ‘bewerkstelligen, schaffen’, auch ‘hervorbringen,
entstehen lassen’ – … det wie dann Krohm wärrer run-
ner droagn kreegn
OST-Los; Se hat’n Kind krg’n. Wb-
Altm 116. – d. ‘jmdn. zu einer bestimmten Tätigkeit
veranlassen’ – bi’t lsen krn Wb-Nharz 107. – e. ‘etw.
zu erwarten haben’ – heite Nacht kriemer a Jewitter
BE-Grö; Rda.: mor kreien noch was uff de Mitze ‘es
wird bald regnen’ Vk-Anhalta 68. – 3a. ‘fassen, ergrei-
fen, erwischen’ allg. – kriech mick doch Wb-Holzl 127;
teuf (warte) man, dick will ick schon kriej’n HA-Bee;
Sprw.: Wenn de Hund nich eschetten harre, harre’n
Hasen ekrejjen.
Zurückweisung von Ausreden, Sprw-
Harzvorld 374. – 3b. auch subst. ‘Haschen spielen’ 1 verbr[727]
nwaltm., 2: verbr. Altm., 2: verstr. JE2 JE1 ZE, 3:
verbr. elbostf., 4: verstr. omd. – Krieg’n spöln OST-Gen;
Abzählreim:Wi will’n uns nich lange stri’n
un du moßt krie’n.
HA-Vö.
Eine Variante des Spiels ist das englische Krgen, bei
dem der Abgeschlagene nur eine Hand zum Haschen frei
hat, da er die andere Hand auf die Stelle legen muss, an
der er abgeschlagen wurde. OST-Kau, JE2-Ge.  afsln
ankrgen fangen ften grpen Hasche haschen Kter-
krgen Kluckhasche Krger packen zecken
.
Lautf., Gram.: krieg(e)n, [krg()n], [krg] verbr. nwaltm.
Altm., vereinz. JE2 n JE1, JE1-Flö, ZE-We, verbr. n elbostf.,
verstr. mittleres/s elbostf., BA-Sil, vereinz. w anhalt.; [kr]
verstr. SA, OST-Har, GA-Le, STE-Ber Wa; krieken JE1-Scha;
kriejen verstr. ö Altm., JE2-Schö, JE1-Re, verstr. nw elbostf.,
vereinz. s elbostf.; [grjn] vereinz. w anhalt.; krie(h)en, [krn]
OST-Ga Ko, STE-Scho, verstr. mittleres/s JE1 mittleres el-
bostf., Wb-Be; [grn] BE-Am; krien, [krn] verstr. mittleres/sö
Altm., vereinz. s JE2 w JE1, JE1-Ho, ZE-Roß, verbr. mittleres/s
elbostf., Mda-Sti 54, CA-Sa; [grn] DE-Ca; kregen (3b.) SA-
Pre, WO-Ke Ma, JE1-Me Ran, ZE-Stre, HA-AHa, BA-Ha;
krägen (3b.) SA-Hen; kreen OSCH-KlQue; kreigen WE-Is,
BLA-Ta; krei(e)n, [krai()n] Mda-Ma 65 (JE1-Prö), JE1-Kra,
verstr. ZE, QUE-Tha, Vk-Ask 379, vereinz. omd.; [grai()n]
BE-Gier KlSchie, DE-Ca; krein QUE-Su; [krin] Mda-Ze
(ZE-Gro); kräin WE-Gö;
2. Sg. Präs.: kriegst JE1-Zep; krst Wb-Ak 98; [krist] SA-Dä,
Bewohner-Altm 1,349, Matthies 1903,21, JE2-Scho, ZE-Roß,
verstr. elbostf., Wb-Be; [krüsd] mit Enklise des Personalpron.
SA-Die; [kraist] verstr. ZE; [graisd] BE-Gier, DE-Ca; [grais-
d]
mit Enklise des Personalpron. DE-Ca;
3. Sg. Präs.: kriegt Bewohner-Altm 1,343, Spr-Altm 15, ZE-Dor
KlLei, HA-Hu, vereinz. s elbostf., CA-Do Mi; kricht, [krit]
SA-Dä, JE1-Pre, ZE-Cob Jü, verstr. elbostf., DE-Els; kritt ZE-
Roß, Wb-Be; kriet, krtJE1-Walt, Vk-Anhaltb 83 (ZE-Steu),
WE-Ro, Wb-Ak 98; kreit Spr-Anhalt 168; [graid] BE-Scha;
3. Sg. Prät.: st.: kre(e)g vereinz. nbrdb.; krch OSCH-Har;
krch QUE-Di; kraich, kreich Tiedge 1954,39, HA-Oh, Vk-
Harz 3,23 (BLA-Be); kre-ich Wb-Holzl 127, Wb-Nharz 107;
sw.: kriegte WE-Si; krichte Wb-Ak 98, Wäschke 71913,59;
kreiete (veralt.) Wb-Ak 98;
Part. Prät.: st.: kreg(e)n, kräg(e)n SA-Roh, verstr. Altm.;
[krg] JE2-Scho; kreng SA-Ben; [krjn] JE2-Scho; ekrejen
HA-Bo; ekre-in Wb-Holzl 127, Wb-Nharz 107; [krig] SA-
Dä; (e)kreggen, (e)krejjen Dialekt-Ma 10 (JE1-Ra), vereinz.
w elbostf., QUE-Di; (e)krn HA-All Um, OSCH-Da KloGrö,
QUE-Ga, CA-Fö; ekren HA-Oh, OSCH-Eils; sw.: kriegt ver-
str. ö Altm., JE2-Fi; ekriegt WO-El Me; gekriegt, je- vereinz.
mbrdb.; kriggt Wb-Altm 116, WO-Ri, JE1-Try Wol; kricht
vereinz. STE, Spr-Asch 31; ekricht verstr. w JE1, ZE-Göd;
jekricht, [jkrit] Mda-Ze (verstr. ZE), QUE-GrSchie, Wb-Ak
98, Wäschke 71913,49; jekritt ZE-Roß; jekreit Alt-Cöthen 8;
(e)kreggt WA-Ost Schl Ste.
Zuss.: zu 1.: hr-, in-, ls-, mit-; zu 2a.: nedder-, wer-; zu 2b.:
wer-; zu 3a.: hr-, in-; sonstiges: wer-.
Expandiere:
Lemma
krgen
Grammatische Angabe
Vb.
Gliederung
1.
Verbreitung
allg.
a.
Bedeutung
‘erhalten, in den Besitz von etw. kommen’, auch ‘kaufen können’
Belege
  • jiff mi dütt, krüsdu dat SA-Die
  • Ich hawwe an Brf jekricht. Wb-Ak 98
  • mor schlachden mrjen, d graisde  ne glne Worschd DE-Ca
  • bai Aisenschulzen krichtemor alles DE-Els
  • Rda.: wat ek hewwe, dat wett ek, wat ek kre, dat mott’n erst sin Wb-We* 222.
b.
Bedeutung
‘als Belohnung, Bezahlung, Vergeltung bekommen’
Belege
  • dovor hatte ‘n Doaler ekricht JE1-Pre
  • hei kreich noch Jelt fon mik HA-Oh
  • hei hat Knast ekren CA-Fö.
c.
Bedeutung
‘verabreicht bekommen’
Belege
  • ne Wucht krgng ‘Prügel bekommen’ JE2-Scho
  • ne Ziehung kreigen dass., BLA-Ta
  • wat in nakken krn Wb-Nharz 107
  • du krist wecke hinder de eren HA-Oh.
d.
Bedeutung
‘zu etw. kommen, sich verschaffen’
Belege
Rda.: Nu hem se sek doch noch kricht. ‘Sie haben geheiratet.’ Spr-Asch 31.
2.
Verbreitung
allg.
a.
Bedeutung
‘in einen bestimmten Zustand geraten’, auch ‘sich etw. zuziehen, etw. erleiden’
Belege
  • hei kricht de Msern HA-Oh
  • se krg’n glk dat Lopen Wb-Altm 117
  • … keen’n Aden kreien! Wäschke 41910,123
  • Äwer so wie dät Füer nu Luft kreeg, prasselt et mang dät Koarne …Heimatkalender-Ma 1932,45 (JE2-Vie)
  • et met der angest krn Wb-Nharz 107
  • h het mik antickt un d heff ik an Schreck krgng JE2-Scho
  • Rda.: dae kan’n Hals ok nich full krjen ‘er kann nicht genug bekommen’ BLA-Brau.
b.
Bedeutung
‘in den Stand versetzt werden, die Möglichkeit haben, etw. zu tun’
Belege
  • te wetten (wissen) krn Wb-Nharz 107
  • W Frdrich … dat te hr’n kraich, word’e rsich … Tiedge 1954,39
  • Ob wie wat te eten krie’n können? Lindaua o.J. 5
  • Rda.: töw (warte) nochn bütschen, seggt de Hohn tumm Pierworm (Regenwurm), dunn kreeg he imm to faten und fret imm upp STE-Kre.
c.
Bedeutung
‘bewerkstelligen, schaffen’, auch ‘hervorbringen, entstehen lassen’
Belege
  • … det wie dann Krohm wärrer runner droagn kreegn OST-Los
  • Se hat’n Kind krg’n. Wb-Altm 116.
d.
Bedeutung
‘jmdn. zu einer bestimmten Tätigkeit veranlassen’
Belege
bi’t lsen krn Wb-Nharz 107.
e.
Bedeutung
‘etw. zu erwarten haben’
Belege
  • heite Nacht kriemer a Jewitter BE-Grö
  • Rda.: mor kreien noch was uff de Mitze ‘es wird bald regnen’ Vk-Anhalta 68.
3a.
Bedeutung
‘fassen, ergreifen, erwischen’
Verbreitung
allg.
Belege
  • kriech mick doch Wb-Holzl 127
  • teuf (warte) man, dick will ick schon kriej’n HA-Bee
  • Sprw.: Wenn de Hund nich eschetten harre, harre’n Hasen ekrejjen. Zurückweisung von Ausreden, Sprw-Harzvorld 374.
3b.
Grammatikalische Angabe
auch subst.
Bedeutung
‘Haschen spielen’ 1 verbr nwaltm.
Verbreitung
  • 2: verbr. Altm.
  • 2: verstr. JE2 JE1 ZE
  • 3: verbr. elbostf.
  • 4: verstr. omd.
Belege
  • Krieg’n spöln OST-Gen
  • Abzählreim:Wi will’n uns nich lange stri’n
    un du moßt krie’n.
    HA-Vö.
  • Eine Variante des Spiels ist das englische Krgen, bei dem der Abgeschlagene nur eine Hand zum Haschen frei hat, da er die andere Hand auf die Stelle legen muss, an der er abgeschlagen wurde. OST-Kau, JE2-Ge.