Mittelelbisches Wörterbuch, Band 1 (A-G), Spalte 541
1Brt n. 1. ‘aus Mehl, Wasser, Salz und Sauerteig
durch Backen hergestelltes Grundnahrungsmittel’, auch
der Brotlaib, allg. – bemehltes Brot SA-Sa; runnes Brot
WA-Dom; wittet Brot ‘Weißbrot’ JE1-Bü; dröh (trocke-
nes) Brot äten JE2-Red; hammer tennoch Prt tse Hau-
se?
Wb-Be; d Plötz frett jan Brt anne Angel JE2-
Scho; Deatt Mehl was schöeun; deatt Brout woard got.
Matthies 1903,17; ... und schnitt sich mits Messer an
Happ Brot na’n annern ... ab.
Wäschke 61915,52; Den
andern Morjen brochte Winnemann öhne en Pott vull
heiten Kaffee un en Stücke Brot.
Wedde 1938,54;Un männichenns was d’ Not so grot,
Dat s’ nich ‘maol Tüffeln ha’ un Brot.
Pohlmann 1905,14;
Rda.: dat leiwe Bret HA-Oh; hei verlrt dat Brt t der
Kipe
von jmdm., der einen Verlust erleidet, Wb-We 65;
der kann mehr wie Brot eten von einem klugen Men-
schen, Sprw-Börde; fon denne nimmet keinder ’n Stücke
Bret
von einem von der Gesellschaft verachteten Men-
schen, HA-Oh; ach, dr is nt bret ewnt, der blift nich
te!
‘jmd. kommt immer wieder dorthin zurück, wo er[542]
Vorteile genießen kann’ Mda-Weg 89; Wer söcht Brot in
Hunnestalle?
‘von armen Leuten kann man nichts ver-
langen’ WE-Be; der ett ken Brod mihr ‘er ist tot’ JE2-
Brie; et geiht ’ne w lenspei’, ml harre keine Wost un
ml harre kein Bret
HA-Oh; Danzen ahn Musik, dat
is aber grad, as wenn’n drög Brot ett.
Bewohner-Altm
2,135; Jenn’ Frau woll Brod spar’n, har Koken backt.
a.a.O. 1,323; Sprw.: Breot wt allawaigngs (überall)
backt ‘auch in der Fremde findet man sein Auskommen’,
bes. zu jmdm. gesagt, der die Heimat nicht verlassen will,
SA-Dä; Lang töw’n iss kn Brot spaorn. ‘Langes Zögern
ist oft nicht förderlich.’ Wb-Altm 275; Vöärgäten Brot
(Brot, das bereits vor dem Bezahlen aufgegessen ist) is
Sorgenbrot.
Spr-Altm 52; Beddelbrot is ’n bitter Brot
HA-No; ile (ohne Belag) Brd mkt de Wangen rd Wb-
We 22; in där aldergrötsten Not, smecket Wost ok one
Brot
WE-Be; Weck’r schimmlig Brt itt, de find’ Geld.
‘Sparsamkeit führt zu Wohlstand.’, vgl. aber auch Volksgl.,
Wb-Altm** 46; Denn sn Brot ick t, denn sn Ld ick
sing.
Wb-Altm 275. – B. gehört(e) zu den wichtigsten
Nahrungsmitteln, was sich in der Wendung dat lwe Brt
widerspiegelt. verbr. Bei jeder Mahlzeit lag B. zur belie-
bigen Benutzung auf dem Tisch. Kost-Ma 75. Bis ins
20. Jh. hinein wurde der Teig noch zu Hause bereitet und
nur zum Backen dem Bäcker des Ortes gebracht. verstr.
Verschiedentlich wurde es auch im eigenen Backofen,
der sich häufig im Garten befand, gebacken. Essen-
nwAltm 19, Kost-Ma 75. Zu den Zutaten gehörten u.a.
zu 65 % ausgemahlenes Roggenmehl (Vk-Anhalta 44),
an das man Gerstenschrot mengte, um es kräftiger wer-
den zu lassen (Kost-Ma 75) und Sauerteig als Treibmit-
tel. Der angesäuerte Brotteig befand sich im Backtrog
und stand über Nacht auf dem Ofen. Am folgenden Mor-
gen wurde der Teig geknetet und geformt. verstr. Zu der
früher verbreiteten runden Form des B. (wie z.T. noch im
Kreis ZE), trat zunehmend die längliche. Vk-Anhalta 44.
Die B. wogen teilweise vier bis sechs Pfund, die zu
backende Anzahl hing von der Größe des Haushalts ab,
pro Tag und Person rechnete man fünf große dicke Schei-
ben. Essen-nwAltm 19. Aufbewahrt wurde es im Keller
oder in der Speisekammer, das B. für den täglichen Ge-
brauch befand sich im Brotschrank. verstr. – Volksgl.:
Auf den angesäuerten Teig werden drei Kreuze gemacht,
ebenso auf den fertigen Teig, damit soll ein Missraten
vermieden werden. verstr. Dies wiederholt sich vor dem
Backofen nach dem Hineinschieben des B., dabei wird
folgender Vers gesprochen:Dat Brot is in’n Oawen,
de Herrgott ist doa boawen.
Wenn’t nu kein Brot werd’n will,
müt’t luter Semmel un Bodderkok’n werde’n.
Spr-Altm 52.
Der Strohwisch, mit dem der Ofen gesäubert wurde, wird
anschließend verbrannt. Bewohner-Altm 2,289, Vk-
Anhalta 45. Reißt im Backofen ein Brot auf, gibt es ein
Unglück (Vk-Anhalta 45) oder es stirbt jmd. in der Fami-
lie. Bewohner-Altm 2,290, Abergl-Ma 235 (JE1-Ran).[543]
Auch ein im Backofen vergessenes B. kündigt den Tod
eines Mitbewohners an. Vk-Altm 266. Das B. darf nicht
angeschnitten werden, solange es noch warm ist. Be-
wohner-Altm 2,290, Abergl-Ma 235 (GA-Mie). Vor dem
Anschneiden eines frischen B. werden mit dem Messer
ein oder drei Kreuze auf die mehlige Unterseite des Bro-
tes gemacht. verbr. Angeschnittenes B. soll mit der Schnitt-
fläche zur Tischmitte zeigen, sonst geht der Segen aus
dem Haus. Ähnlich verhält es sich, wenn das B. auf der
runden Seite liegt. verstr. Schneidet jmd. das B. schief an,
so hat er an diesem Tag gelogen (Bewohner-Altm 2,290,
Vk-Anhaltb 58), ist es ein junges Mädchen, wird sie sich
nicht verheiraten (Abergl-Altm 18). Wer schimmliges
B. isst, findet Geld (Bewohner-Altm 2,290, Vk-Anhalta
46) oder verfügt danach über die Gabe des Hellsehens
(a.a.O. 46). Das Wegwerfen von B. ist eine Sünde. Vk-
Anhaltb 58.
Wer B. auf die Straße wirft, muss es später mit blutigen
Augen wieder aufsuchen (Bewohner-Altm 2,290), wer es
tritt, wird einmal Hunger leiden. a.a.O. 2,290, Brauch-
Anhalt 17. Weiteres  Hochtt, Kant(en), Knst. – 2.
‘Brotscheibe’,  Stulle, 3: verstr. elbostf., 4: verstr. omd.
– Rda.: sich nich de Butter vons Brt n’m lßen ‘sich
nicht alles gefallen lassen’ Wb-Ak 118; er jinnt an annern
nich de Butter uff’s Brot
von einem neidischen Men-
schen, Spr-Anhalt 167. – 3. ‘Nahrung, Lebensunterhalt’
verstr. – Rda. (z.T. noch semantische Nähe zu 1.): b
einen in ln un br schtn
Wb-Nharz 33; dat leiwe Bret
fordeinen
HA-Oh; De mütt sick sin Brod met’t Mul
verdeenen.
von Menschen, in deren Beruf das Sprechen
eine große Rolle spielt, Bewohner-Altm 1,323; vor ande-
re Lüe Dör sin Brot seuken
‘betteln’ Sprw-Börde.
Lautf.: Brot, Brod, [brt], [brd]; außerdem: prt Mda-Sti 23,
Wb-Be; Bret, Broed HA-Oh, vereinz. OSCH, WE-Wa; Broat
OST-Flee; Braout GA-Mie, vereinz. mittlere Altm.; Brout, [brout]
SA-Ben, verstr. sw Altm.; Braut, Braud, [braut] SA-Ku Zie,
verbr. w Altm.; bruot OSCH-Di Schl; Bruet, bret, [brd]
Mda-Gö/Is 142, Mda-Ro, Wäschke41910,9, Mda-Fuhne 79
(vereinz. sw KÖ, KÖ-Me, DE-Ca Que, veralt.); [breot, -d] verbr.
nwaltm.
Expandiere:
Lemma
Brt (Homonymziffer 1)
Grammatische Angabe
n.
Gliederung
1.
Bedeutung
‘aus Mehl, Wasser, Salz und Sauerteig durch Backen hergestelltes Grundnahrungsmittel’, auch der Brotlaib, allg.
Belege
  • bemehltes Brot SA-Sa
  • runnes Brot WA-Dom
  • wittet Brot ‘Weißbrot’ JE1-Bü
  • dröh (trockenes) Brot äten JE2-Red
  • hammer tennoch Prt tse Hause? Wb-Be
  • d Plötz frett jan Brt anne Angel JE2-Scho
  • Deatt Mehl was schöeun; deatt Brout woard got. Matthies 1903,17
  • ... und schnitt sich mits Messer an Happ Brot na’n annern ... ab. Wäschke 61915,52
  • Den andern Morjen brochte Winnemann öhne en Pott vull heiten Kaffee un en Stücke Brot. Wedde 1938,54
  • Un männichenns was d’ Not so grot,
    Dat s’ nich ‘maol Tüffeln ha’ un Brot.
    Pohlmann 1905,14
  • Rda.: dat leiwe Bret HA-Oh
  • hei verlrt dat Brt t der Kipe von jmdm., der einen Verlust erleidet, Wb-We 65
  • der kann mehr wie Brot eten von einem klugen Menschen, Sprw-Börde
  • fon denne nimmet keinder ’n Stücke Bret von einem von der Gesellschaft verachteten Menschen, HA-Oh
  • ach, dr is nt bret ewnt, der blift nich te! ‘jmd. kommt immer wieder dorthin zurück, wo er Vorteile genießen kann’ Mda-Weg 89
  • Wer söcht Brot in Hunnestalle? ‘von armen Leuten kann man nichts verlangen’ WE-Be
  • der ett ken Brod mihr ‘er ist tot’ JE2-Brie
  • et geiht ’ne w lenspei’, ml harre keine Wost un ml harre kein Bret HA-Oh
  • Danzen ahn Musik, dat is aber grad, as wenn’n drög Brot ett. Bewohner-Altm 2,135
  • Jenn’ Frau woll Brod spar’n, har Koken backt. a.a.O. 1,323
  • Sprw.: Breot wt allawaigngs (überall) backt ‘auch in der Fremde findet man sein Auskommen’, bes. zu jmdm. gesagt, der die Heimat nicht verlassen will, SA-Dä
  • Lang töw’n iss kn Brot spaorn. ‘Langes Zögern ist oft nicht förderlich.’ Wb-Altm 275
  • Vöärgäten Brot (Brot, das bereits vor dem Bezahlen aufgegessen ist) is Sorgenbrot. Spr-Altm 52
  • Beddelbrot is ’n bitter Brot HA-No
  • ile (ohne Belag) Brd mkt de Wangen rd Wb-We 22
  • in där aldergrötsten Not, smecket Wost ok one Brot WE-Be
  • Weck’r schimmlig Brt itt, de find’ Geld. ‘Sparsamkeit führt zu Wohlstand.’, vgl. aber auch Volksgl., Wb-Altm** 46
  • Denn sn Brot ick t, denn sn Ld ick sing. Wb-Altm 275.
  • B. gehört(e) zu den wichtigsten Nahrungsmitteln, was sich in der Wendung dat lwe Brt widerspiegelt. verbr. Bei jeder Mahlzeit lag B. zur beliebigen Benutzung auf dem Tisch. Kost-Ma 75. Bis ins 20. Jh. hinein wurde der Teig noch zu Hause bereitet und nur zum Backen dem Bäcker des Ortes gebracht. verstr. Verschiedentlich wurde es auch im eigenen Backofen, der sich häufig im Garten befand, gebacken. EssennwAltm 19, Kost-Ma 75. Zu den Zutaten gehörten u.a. zu 65 % ausgemahlenes Roggenmehl (Vk-Anhalta 44), an das man Gerstenschrot mengte, um es kräftiger werden zu lassen (Kost-Ma 75) und Sauerteig als Treibmittel. Der angesäuerte Brotteig befand sich im Backtrog und stand über Nacht auf dem Ofen. Am folgenden Morgen wurde der Teig geknetet und geformt. verstr. Zu der früher verbreiteten runden Form des B. (wie z.T. noch im Kreis ZE), trat zunehmend die längliche. Vk-Anhalta 44. Die B. wogen teilweise vier bis sechs Pfund, die zu backende Anzahl hing von der Größe des Haushalts ab, pro Tag und Person rechnete man fünf große dicke Scheiben. Essen-nwAltm 19. Aufbewahrt wurde es im Keller oder in der Speisekammer, das B. für den täglichen Gebrauch befand sich im Brotschrank. verstr.
  • Volksgl.: Auf den angesäuerten Teig werden drei Kreuze gemacht, ebenso auf den fertigen Teig, damit soll ein Missraten vermieden werden. verstr. Dies wiederholt sich vor dem Backofen nach dem Hineinschieben des B., dabei wird folgender Vers gesprochen:Dat Brot is in’n Oawen,
    de Herrgott ist doa boawen.
    Wenn’t nu kein Brot werd’n will,
    müt’t luter Semmel un Bodderkok’n werde’n.
    Spr-Altm 52.
    Der Strohwisch, mit dem der Ofen gesäubert wurde, wird anschließend verbrannt. Bewohner-Altm 2,289, Vk-Anhalta 45. Reißt im Backofen ein Brot auf, gibt es ein Unglück (Vk-Anhalta 45) oder es stirbt jmd. in der Familie. Bewohner-Altm 2,290, Abergl-Ma 235 (JE1-Ran). Auch ein im Backofen vergessenes B. kündigt den Tod eines Mitbewohners an. Vk-Altm 266. Das B. darf nicht angeschnitten werden, solange es noch warm ist. Bewohner-Altm 2,290, Abergl-Ma 235 (GA-Mie). Vor dem Anschneiden eines frischen B. werden mit dem Messer ein oder drei Kreuze auf die mehlige Unterseite des Brotes gemacht. verbr. Angeschnittenes B. soll mit der Schnittfläche zur Tischmitte zeigen, sonst geht der Segen aus dem Haus. Ähnlich verhält es sich, wenn das B. auf der runden Seite liegt. verstr. Schneidet jmd. das B. schief an, so hat er an diesem Tag gelogen (Bewohner-Altm 2,290, Vk-Anhaltb 58), ist es ein junges Mädchen, wird sie sich nicht verheiraten (Abergl-Altm 18). Wer schimmliges B. isst, findet Geld (Bewohner-Altm 2,290, Vk-Anhalta 46) oder verfügt danach über die Gabe des Hellsehens (a.a.O. 46). Das Wegwerfen von B. ist eine Sünde. Vk-Anhaltb 58. Wer B. auf die Straße wirft, muss es später mit blutigen Augen wieder aufsuchen (Bewohner-Altm 2,290), wer es tritt, wird einmal Hunger leiden. a.a.O. 2,290, Brauch-Anhalt 17. Weiteres  Hochtt, Kant(en), Knst.
2.
Bedeutung
‘Brotscheibe’,  Stulle
Verbreitung
  • 3: verstr. elbostf.
  • 4: verstr. omd.
Belege
  • Rda.: sich nich de Butter vons Brt n’m lßen ‘sich nicht alles gefallen lassen’ Wb-Ak 118
  • er jinnt an annern nich de Butter uff’s Brot von einem neidischen Menschen, Spr-Anhalt 167.
3.
Bedeutung
‘Nahrung, Lebensunterhalt’ verstr.
Belege
  • Rda. (z.T. noch semantische Nähe zu 1.): b einen in ln un br schtn Wb-Nharz 33
  • dat leiwe Bret fordeinen HA-Oh
  • De mütt sick sin Brod met’t Mul verdeenen. von Menschen, in deren Beruf das Sprechen eine große Rolle spielt, Bewohner-Altm 1,323
  • vor andere Lüe Dör sin Brot seuken ‘betteln’ Sprw-Börde.