Gemt n. ‘Sinnesart, Wesensart eines Menschen’, auch ‘geistiges und seelisches Empfindungsvermögen’ 1: Hausfr-Altm 1930,5 (SA-Die), 2: Firmenich 1854,125 (STE-Ste), 3: Sprw-Börde, 4: vereinz. anhalt. – Öwer Heinrich hadd’ ein fidel Gemäud ... Hausfr-Altm 1930,5 (SA-Die); tr hat an jdes jemte Wb-Be; Rda.: Det namm se dänn sick to Gemöth ... Firmenich 1854,125 (STE-Ste).
Lautf.: Gemöth Firmenich 1854,125 (STE-Ste); -mäud Hausfr-Altm 1930,5 (SA-Die); Jemüte Sprw-Börde; -miete, jemte vereinz. anhalt.
gnglich Adj. 1. ‘mürrisch, verdrießlich, nörgelig, zänkisch’,  brummig, 2: Wb-Altm 66. – 2. ‘kränklich’ 2: STE-Ste.
Lautf.: gnäglich Wb-Altm 66; knäg- STE-Ste.
gnarrig Adj. 1. ‘weinerlich, quengelig’, bes. von kleinen Kindern, 2: STE-Ste, 3: verstr. elbostf., 4: Wb-Be, DE-Or – sie nich sau gnarrich Sprw-Börde. – 2. dass. wie  gnglich 1., 3: JE1-Pre, QUE-He.
Lautf.: gnarrig, -ch; außerdem: knarrich, [knari] JE1-Pre, Wb-Be.
gt Adj. verbr. 1a. ‘den Zwecken genügend, zufrieden stellend, einwandfrei’ – w hem’m k jjen Acka JE2-Scho; dat is’n g Pert HA-Oh; ... Kohlzupp ... un de wör gaud naug för ehr Knechtens un ehr Deerns. EssennwAltm 91 (SA-Han); De Geschichte ... hät ville Lüede guet gefalln ... Heimatkalender-Je 1924,59 (JE2-Vie); Verbdg.: maket gut Abschiedsgruß, Sprw-Börde; schn gt abwehrend, wenn sich jmd. bedanken will, Wb-Nharz 66; Rda.: gd tau Wege ‘gesund, rüstig’ Wb-We 44; lat man gut sien ‘lass es dabei bewenden’ HA-Bee; Sprw.: Wer goot schmeert, de goot föhrt. Firmenich 1854,132 (STE-Ste). – 1b. ‘tüchtig, den Aufgaben gewachsen’ – ... un weilse anne jude Hausfrau war, da dachte se schon in’n Sommer dran, was in’n Winter wern solle ... Wäschke 41919,28; Sprw.: Wat’n goden Vaogel is, de but’n god Nest. Spr-Altm 83. – 1c. ‘wirksam, nützlich, hilfreich’ – dat is gt fr’n hausten Wb-Nharz 66; Rda.: Awwer wer weeß wofor’s jut is. Heimatkalender-Be 1936,155; Sprw.: Wat een god don kann, dät werd twee ook nich to vöäl. Bewohner-Altm 1,330. – 1d. ‘passend, geeignet, günstig’ – jder Wind ‘günstiger Wind zum Segeln’ Elbschifferspr. 437 (JE2-Mi). – 1e. ‘nicht für den alltäglichen Gebrauch bestimmt, bes. Anlässen vorbehalten’ –Wer et man ichtens maaken kann,
Schafft sick ne “Gue Stube” an.
Gorges 1938,51.
– 2a. ‘angenehm, erfreulich, positiv wirkend’ – he hat goe Doch (Tage) GA-Si; enes guin Dages JE2-Gü; jumorjen Gruß, Wb-Ak 82; guen Dag Gruß, HA-Ack; wenn et Wäder guut is HA-Neu; düsse Tüffel schmeckt jt JE2-Scho; ... Stund mei sön witten Schlips ok good ... Francke 1904,8; hei hat’t ganz gt HA-Oh; Warsch bis dahin jut jejangn ... Krause 1964,22; Is doch gaud, Mudder, wenn’ öfter ünner de Lüd’ kümmt. Hausfr-Altm 1930,7 (SA-Die); Rda: Seck’n jutn Dach maken ‘angenehme Tage verleben’ Spr-Asch 19. – 2b. ‘gesund, wohl’ – hei süht nich gut ut ‘er sieht kränklich aus’ HA-Bel; ne (ihm) is nich gt Wb-Nharz 66; dat wart balle wer gt ‘es heilt bald’ HA-Oh; ... sau lange wie miene Mutter na nich wedder jut iss ... Firmenich o.J. 161 (WA-Ost). – 3. ‘mühelos, einfach, bequem’ – Rda.: de hat gt köären (reden) HA-Oh; dat kannste woll nich gut behaupten CA-Fö. – 4a. ‘viel, reichlich, umfangreich’, auch ‘ertragreich’ – en gt deil ‘eine gehörige Menge’ Wb-Nharz 66; die Ärn (Ernte) diss Joar iss jut CA-Lö; got wat antrecken ‘sich warm einhüllen, anziehen’ STE-Döl; Det jaab daa for die imm’r ’n jutes Drinkjeld ab. Heimatkalender-Ze 1962,93 (ZE-Ze). – 4b. ‘mindestens, bestimmt so viel’ – dat is ne g Stunne wt henne HA-Oh; ... un die so breet war, dät guet fünf Wane näenen änder ... führn künnten ... Heimatkalender-Ma 1930,81 (JE2-Vie); Verbdg.: Das is jt un jarne zn Mark wrt. Wb-Ak 82. – 4c. ‘sehr, überaus, stark’,  bannigen gden hausten hebben Wb-Nharz 66. – 5. ‘anständig, charakterlich und moralisch einwandfrei, tadellos’, auch ‘gütig’ – ’n gun Minschen Id-Eilsa 66; hei is’n guen Jungen OSCH-Har; dor had ne jle Frau DE-Ca; wist k gd dn? ‘willst du nun folgsam sein?’ Wb-Altm 67; Rda.: got en gden man sn lten ‘sich keine Sorgen um etw. machen’ Wb-Nharz 66; Sprw.: All tu juut is liederlich JE1-Dan; alder gden dinge sint’er dreie Wb-Nharz 66. – 6a. ‘freundlich, wohlmeinend’ – n’ gt Wert jbn HA-Oh; Rda.: Dat is jans un jar juder Wille. ‘Das ist sein freier Entschluss.’ Spr-Asch 19; hei hat woll en guden Willen datau, kann et awer nich schaffen Sprw-Börde. – 6b. ‘freundschaftlich gesinnt, zugetan, gewogen’ – en’n gd sn Wb-We 44; sek nich gt sn ‘verfeindet sein’ Wb-Nharz 66; Wedder met’n ander jut sin ‘sich wieder vertragen’ Spr-Asch 19; ... sek mit unsen Harregott gut de stellen wett ... Wedde 1938,8; Rda.: in’n Gen utkemen HA-Oh.
Lautf., Gram.: go(o)t, -d, j-, [gt], [jt] vereinz. ö/s nwaltm., verbr. nbrdb., vereinz. w JE1; gout Matthies 1912,25 (SA-Fa), vereinz. nw WE; jut Mda-Sti 33; gaut, -d, [gaut] verbr. nwaltm.; gu(u)t, -d, j-, [gt], [jt] vereinz. s SA s OST ö GA, verstr. STE n WO, vereinz. mittleres JE2, verbr. mbrdb. elbostf. omd.; guet verstr. mbrdb.; in flekt. Formen: m. Akk. Sg.: goden Id-Altm, Spr-Altm 83; goon, gn vereinz. Altm.; [jjn] JE2-Scho; [jijn] Elbschifferspr. 437 (STE-Bit, JE2-Pa); [jn] Teuchert o.J. 83 (JE2-GrMa); [gau] SA-Dä; guden, gden Sprw-Börde, Wb-Nharz 66; guhen HA-Bo; gu’en, gen verstr. elbostf.; guun, ju’n QUE-Di, Krause 1964,15; [jijn] Elbschifferspr. 437 (WO-Ro); guin (Gen. Sg.) JE2-Gü; juten Spr-Asch 19; f. Nom./Akk. Sg. und st. Nom./Akk. Pl.: goot, joot, [gt], [jt] vereinz. ö/s nwaltm., verstr. w/mittlere Altm. (außer s Rand); gode, jode Spr-Altm 14, STE-Ost, WO-Ucht; goe, joe, [j] vereinz. OST, STE-GrSchwa Po, vereinz. sw Altm.; [j] MdanwJe1a 48 (JE1-HWa Lo); go’ Sprw-Altma 22; [jj] OST-Dü Hi, vereinz. nö STE, JE2-Scho; [gi], [ji] SA-Vie, verstr. nö Altm., STE-Ber, WO-Mahl; gaut verstr. nwaltm.; [gau] SA-Da; gaue SA-Net; gude, jude vereinz. s elbostf., Wäschke 41919,28; guhe STE-Ba; gue, jue, [g], [j] OST-Ein, CALV-Uth, vereinz. elbostf.; gu, ju HA-Oh, Id-Eilsa 66; [gt], [jt] GA-Bo, vereinz. n WO; [jj] Mda-nwJe1a 48 (JE1-Rie); juije Dialekt-Nd 12 (WO-An); [j] Mda-nwJe1a 48 (JE2-HSe, vereinz. n JE1); [jl] DE-Ca; [jud] Mda-Ze (ZE-Roß); [jur] a.a.O. (ZE-Reu Stre); [jul] a.a.O. (ZE-Gro); Kürze bes. in Grußformeln: [judn] m. Akk. Sg. DE-Ca; gun(n), jun(n) m. Akk. Sg. vereinz. elbostf., Wb-Ak 82; judde f. Akk. Sg. Wäschke71913,61; Kompar.  2bet, bter; Superl.  best.
Gramm m. ‘Kummer, Verdruss, Betrübnis’, auch ‘Ärger, Zorn’ 2: vereinz. Altm., 3: vereinz. sw elbostf., Id-Queb 21, 4: Mda-Sti 2 und 147, Wb-Be – mk dek man keinen Gramm BLA-Brau; De Groam, de steeg öhr in’t Geblöt ... Firmenich 1854,125 (STE-Ste); Rda.: tn hatter Jrm uffjefressn Wb-Be.
Lautf.: Gramm vereinz. sw elbostf., jrm Mda-Sti 2 und 147; gram, grm Wb-Nharz 64, Id-Queb 21; Graom, Groam vereinz. Altm.; [jrm] Wb-Be.
grantig Adj. dass. wie  gransig, auch ‘finster, unfreundlich’, vom Aussehen, 2: OST-Wal, STE-Ste, 3: Beiträge-Nd 63 (WO-HWa) – wat bis du grantig OST-Wal.
Lautf.: grantig, [granti].
Halsrmen m. ‘Halsriemen zum Anbinden von Pferden oder Rindern’ 1: SA-Die Rist, 2: STE-Ste.
Lautf.: Halsreem STE-Ste; [hsrm] SA-Rist; [hsraim] SA-Die.
Holtklwe(n) m. 1. dass. wie  Holtklotz 2., 2: SA-Kön, GA-Klin, STE-Ste, JE2-Neu Reh Scho, 3: WO-Ol, OSCH-Crot, WA-West, BA-Op, 4: BA-Fro. – 2. ‘klein gehacktes (Stück) Brennholz’,  Klwe(n), 1: SA-KlGe, 2: verstr. Altm., 3: HA-Oh Uhr, OSCH-Har.
Lautf.: Holtkloben WO-We, HA-Uhr, OSCH-Har, WA-West, BA-Op; Hold- JE2-Neu; Holtklobm GA-Klö, OSCH-Crot; [holtkl] JE2-Scho; Holtkleben HA-Oh; -kloawen GA-Klin; -klaown STE-Ste; -kloam SA-Kön; -kloof SA-Ra, OST-Lin Pe, -klow OST-Gla; -kloaw vereinz. mittlere Altm., -klaov GA-Jä; -klao JE2-Reh; Hootklaow SA-KlGe; Holzkloben WO-Ol, BA-Fro.
Hrn n. 1a. ‘spitzer, harter Auswuchs am Kopf bestimmter Tiere’ verstr. – d Osse het tw Hne JE2-Scho; Rda.: sek dat Sl ümme de Hören smiten laten ‘sich zur Heirat bewegen lassen’ Wb-We 53; einen in horne hebben ‘betrunken sein’,  dn, Wb-Nharz 82; Hei nämmt sick vöäl up de Höär’n. ‘Er bürdet sich viel auf, stellt sich schwierige Aufgaben.’ Bewohner-Altm 1,338; Wenn ‘r Häörn hr, denn stött ‘r. ‘Wenn er könnte, wie er wollte, so käme man mit ihm nur schwer aus.’ Wb-Altm 278; j elder de bok, j schtwer et horn obszö- ne Anspielung, Wb-Nharz 82. – 1b. ‘Geweih’ 3: OSCH-Di. – 1c. ‘die von Tieren an Hörnern und Hufen gebildete harte Substanz’ 3: Wb-Holzl 106, OSCH-Di. – 2. ‘schmerzhafte Beule, die man sich durch Stoß oder Schlag zugezogen hat’,  Brsche, 1: SA-Bee, 2: GA-Wu, JE1-Schor, ZE-Cob, 3: vereinz. elbostf., 4: BA-Ha Sil, Wb-Ak 71, CA-Löb, verbr. BE – d hasd awwor an Horn n Gobb BE-Gü; ich hawwe mich an orntlijes Horn ’n Tts jerennt Wb-Be. – 3. ‘das spitze Ende einer Leiter’ 3: Wb-Nharz 82. – 4. ‘hornförmiges Gerät des Schmieds, das in den Amboss gesteckt wird’ 4: Wb-Ak 71. – 5. Dim. ‘Gebäckstück von gekrümmter Form’ 2: STE-Ste, JE1-Scha, 3: WE-Elb, BLA-Hü. – 6. ‘Winkel, auslaufendes Ackerstück, in eine Niederung oder ein Gewässer hineinragende hohe Landzunge, Halbinsel’, in FlN, 2: vereinz. Altm., verbr. JE2 JE1, 3: verstr. elbostf., 4: vereinz. anhalt – … dat hus geleghen up dem horne … 1428, SchB-Akenc 37; … izlicher hat zu seinem hauß 2 stucken oder 1 horn oder 1 kabel graß zu Nawendorf. Amt Dessau und Lippehne 1547/49, Landreg-Anhalt 1,54.
Lautf.: Hoorn, Hrn Wb-Holzl 106 (1c.), verstr. s elbostf.; [hrn] GA-Da; [hn] OST-Ko; Hern HA-Oh; Horn, [horn] SA-Bee, GA-Wu, JE1-Schor, Mda-Ze (ZE-Roß), ZE-Cob, HA-All, verstr. s elbostf., verbr. nthür. w anhalt.; horne, [horn] verstr. ZE; huoren (1c.) OSCH-Di; Höörn, Hrn verstr. w elbostf.; Hern WE-Wa; [hn] SA-Ku, OST-Kru; [hn] WO-HWa; Hören Wb-We 53; Häörn Wb-Altm 77; [hr] Siedler-Je § 117 (s JE2); [härn] Siedler-Je § 117 (s JE2, n JE1); [hn] SA-Jü, verstr. n/ö Altm.; [hän] Siedler-Je § 117 (n JE2); [hn] Mda-Ar 30; [hn] verstr. s Altm.; [hon] GA-Bo; [hn] JE2-Scho; Hörn HA-Sie, OSCH-Hor; hüören OSCH-Di (1b.); [hr] Siedler-Je § 117 (mittleres JE2); [hr] a.a.O. § 117 (s JE1); [hrn] a.a.O. § 117 (s JE1); [hn] WO-Mei; [haen] SA-Hö; [hoin] SA-Die Pe Wü; [häin] SA-Da El; [hurn] DE-Ca (veralt.); Dim.: Hörnchen STE-Ste, JE1-Scha, WE-Elb, BLA-Hü. – Gram.: Pl.: Höörn Wb-Holzl 107; Häörn Wb-Altm 278, Höär’n Bewohner-Altm 1,338; [hn] SA-Ku, OST-Ko Kru; [hn] GA-Bo, WO-HWa; Hern HA-Oh; Hörner Spr-Altm 78; Hören Wb-We 53; [hrn] GA-Da; [hn] SA-Jü, verstr. n/ö Altm.; [hn] verstr. s Altm.; [hon] GA-Bo; [hn] JE2-Scho; [hn] WO-Mei; [hoin] SA-Die Pe Wü; [häin] SA-Da El; [haen] SA-Hö; [hernr] Mda-Fuhne 67 (verstr. s anhalt.); hernder Mda-Sti 46; [horner] ZE-Roß, Horner Wb-Ak 71; [hornr] Mda-Ze (verstr. ZE); Harrner QUE-Di; [harnr] Mda-Fuhne 67 (verstr. anhalt.); harnr Mda-Ro; harnder Wb-Nharz 82. Zuss.: zu 1.: Hirsch-, K-; zu 5.: Martins-; sonstiges: K-.
Huggel m., n. TiN ‘ Krte (Kt.)’ 2: Schwartz 1895,259 (STE-Ste), verbr. n JE2.
Lautf.: Huggel; außerdem: [hl] Siedler-Je Kt. X (nw JE2). – Gram.: m. belegt JE2-Mo Wul; n. belegt Schwartz 1895,259 (STE-Ste). – Etym.: Kontamination von  Muggel und Hucksche (s. Wb-BrdbBerl 2,729), vgl. Siedler-Je § 247.