Grner Donnersdag m. ‘der Donnerstag vor Ostern, Gründonnerstag’ verstr. – Gröndunnersdag namm heht sick vör, Woo’t Wäder grad so schlecht nich wer ... Francke 1904,57. – Brauch, Volksgl.: Zu Mittag wurde ein grünes Gericht auf den Tisch gebracht. Dabei konnte es sich um Grünkohl oder um die ersten sprießenden Pflanzen des Jahres handeln, wobei bes. frische Kräuter vor Krankheiten schützen sollten. verstr. Gebacken wurden Brezeln (Brauch-wAltm 34 – GA-Wal) oder Kringel, die die Kinder im Nharz. von ihren Verwandten erhielten (Vk-Harz 8,40, BLA-Hü). Als Schutz vor Blitzschlag bringt man in die Wohnräume einen Strauß Weidenkätzchen (Bewohner-Altm 2,248) oder Hartheu und Eisenhart (Vk-Anhalta 222). Trotz der Verbote der Karwoche ( Krfrdag, Karwoche) ist dieser Tag für bestimmte Handlungen segensreich. Das gilt in erster Linie für das Säen und Pflanzen, bes. von Kohl, Flachs, Bohnen, Erbsen oder Kartoffeln, denn was an diesem Tag in den Boden gebracht wird, wächst gut und erfriert nicht. verstr. Außerdem sind diese Gewächse vor Erdflöhen geschützt und wenn das Pflanzen unter Geläut passiert auch vor Raupen. Bewohner-Altm 2,248. Günstig ist dieser Termin auch für das Umtopfen von Blumen bzw. das Einpflanzen von Ablegern. a.a.O. 2,248. Hühner, die aus Eiern schlüpfen, die am G. gelegt wurden, erhalten ein buntes Gefieder, dessen Farbe wechselt. vereinz. Altm., Brauch-Ma 260 (WO-Ir, HA-Sü), Vk-Anhalta 222 (KÖ-Wu). Hexen kann man erkennen, wenn man mit einem Gründonnerstagsei nach dem 1. Mai in die Kirche geht. Abergl-Ma 242 (GA-Mie, HA-Alv). In Halberstadt wurden am G. alle während der Fastenzeit ausgestoßenen Sünder wieder in die Gemeinschaft aufgenommen. Vk-Harz 8,40.
Lautf.: de gräune Donderschdag Vk-Harz 8,40; greun’ Dönnersdag WE-Oster; greunen denderstch Mda-Weg 116; gräun’n Dönderdag HA-Erx; greun’ Dönderdch HA-Oh; Gröndunnersdag Francke 1904,57; sonstige Formen in der Standardspr.
gurdeln Vb. 1. ‘ungeschickt schneiden’, auch ‘mit stumpfem Messer schneiden’,  kaddeln, 3: WO-Ir, OSCH-Da, QUE-Fr Que, BA-Ho Rie, 4: BA-Ha, vereinz. w anhalt. – 2. ‘am Spinnrad arbeiten, spinnen’ 3: Wb-Nharz 91. – 3. ‘oberflächlich, ohne Sorgfalt arbeiten’,  fummelndrewerhen jurlen 3: a.a.O. 91.
Lautf., Gram.: [jurdln] Wb-Be; jurl(e)n Wb-Nharz 91, BA-Rie; jurreln WO-Ir, BA-Ha Ho; jurl’l, jur’l OSCH-Da, QUE-Que, Wb-Ak 82; jurweln QUE-Fr; Nbff.: [jardln] Wb-Be; jarlt 3. Sg. Präs. CA-Sa.
Heilebr m. TiN ‘Storch’,  Stork, 1: SA-Gla We, 2: vereinz. s Altm., 3: verbr. elbostf. (außer Nharz. CA). – Kinderreim:Heilebrt du Langbein,
wennr wutt de wegflein,
wenn de Rogge ripet,
wenn de Müse pipet,
wenn de Plaug tau Felle geit,
wenn de Möle stille steit
. Wb-We 49;
Heilebert bester,
brink mik ne lüttje Swester,
Heilebert guter,
brink mik n’ lüttjen Bruder!
HA-Oh.
– Volksgl.: Wenn de Heilebart sau musselich (schmutzig) utsieht, wart et schlechtes Wäder. OSCH-NWe. Ein sehr weißer Storch kündigt einen heißen Sommer an. Feuer bricht in dem Hause aus, auf dem die Störche in einem Jahr nicht brüten (HA-Sü). Der Storch bringt dem Haus Glück, auf dem er nistet (WO-Ir). Wo ein Storchennest ausgenommen wird, droht Blitzschlag (HA-NHa). Abergl-Ma 239.
Lautf.: Heilebar HA-NHa, Wb-We 49; -bart verbr. elbostf. (außer Nharz. CA); -bert HA-Oh; -boart GA-Bo Kli Nie, WO-Me, JE1-Me, HA-Ro, OSCH-De, WE-Re, QUE-Hau; -brt GA-Hö; Helebard SA-Gla We; [hlbrt] QUE-Di; Hallebart GA-Et Sie; Nbf.: Heidelbart GA-Wef; Heide- GA-Rä.
Hexe f. 1. ‘Frau, die dem Volksgl. nach über Zauberkünste (und Verbindungen zu dämonischen Wesen) verfügt und mit diesen schädigend auf Menschen, Tiere oder Gegenstände einwirkt’, häufig auch Schimpfwort und Schreckgestalt für Kinder,  Spkeding, 1: verstr. nwaltm., 2: verstr. Altm., JE2-GrWu Ki, 3: verstr. elbostf., 4: verstr. omd. – toif man, de le Hexe kummet WE-Strö; Kinderreim:3 mal 3 ist 9
Mädchen um die Scheune,
Mädchen um den Ring,
Alte Hexe spring
. Lieder-Ma Nr. 623 (WO-Ol);
Morjen froih um sechse kimmete olle Hexe,
Morjen froih um sieben jait se noa de Riebm,
Morjen froih um achte jait se noa de Pachte,
Morjen froih um neune jait se noa de Scheune,
Morjen froih um zehne jait se noa de Schwaene,
Morjen froih um elve jait se int Jewelve,
Morjen froih um zwölve schpringet se in de Elve
. Lieder-Ma
Nr. 1055 (WA-Eg).
– Volksgl.: In der Walpurgisnacht reiten die H. auf Besenstielen oder Ziegenböcken zum Blocksberg. BrauchwAltm 55. Hexen trecken no n Blocksberg (STE-Schi). Dass. tun sie in der Michaelisnacht (Nacht zum 29. September). Abergl-Ma 248 (GA-Mie). H. schlagen Menschen, so dass diese sich nicht mehr oder nur unter Schmerzen bewegen können. Die Kühe schädigen sie, so dass diese rote Milch geben. Genauso können sie ihnen die Milch auch völlig entziehen oder verhindern, dass sich die Milch zu Butter verarbeiten lässt. Vk-Anhalta 124 und 211. Sie nehmen gern versch. Gestalt an, bes. die eines dreibeinigen Hasen, eines großen Frosches (Vk-Anhalta 124f.) oder nachts die einer Katze. BrauchwAltm 55f., Abergl-Ma 242 (HA-Sü). Ein Sonntagskind kann H. erkennen. Abergl-Ma 242 (WO-Ol). Trägt man beim Kirchgang zu Neujahr einen Radnagel in der Tasche, dann kann man H. daran erkennen, dass sie das Gesicht auf dem Rücken tragen. Brauch-Ma 255. Auch wenn man beim Kirchgang nach dem 1. Mai ein Gründonnerstagsei mit sich führt, kann man H. erkennen. Abergl-Ma 242 (GA-Mie). Ein in der Johannisnacht auf die Türschwelle genageltes Hufeisen bringt H. zu Fall (Vk-Anhalta 124), ebenso kreuzweise auf dem Weg liegende Strohhalme, ein quer vor der Tür liegender alter Schuh oder ein Besen. Abergl-Ma 242 (WO-Ol). Legt man sich am 1. Mai an einem Kreuzweg unter eine Egge, dann kann man die H. reiten sehen (GA-Ack). Um sich vor H. zu schützen, zieht man einen Strumpf verkehrt an oder geht nicht ungewaschen aus dem Haus (WO-Ir), in das Mieder sollte man Salz, Kreuzkümmel und Brot geben (WO-HWa). Schutz vor H. erzielt man auch durch dreimaliges Ausspucken. Abergl-Ma 242 (HA-Sü). Ebenso durch ein Gründonnerstagsei. Abergl-Ma 243 (STE-Bo). Flachs- und Kornfelder werden geschützt, indem man die Distelbüsche stehen lässt. Abergl-Ma 234 (WO-HWa). Um den Hexenzauber von der Butter zu nehmen, muss man einen Topf Milch in den Backofen schütten, man hört dann auch ein Schreien. Vk-Anhalta 124. Das Butterfass muss vor H. sorgsam verwahrt werden, in die Milch soll etw. Salz gestreut werden. Abergl-Ma 234 (GA-Fle). Das Vieh kann geschützt werden, indem man aus der Schwelle des Stalls einen Span herausschneidet (WO-Ir) oder an bestimmten Stellen Kreuzdorn anbringt (HA-Sü). Abergl-Ma 242, Wb-Altm 167. Sagt man zur H. Kumm, ick will dick miene Kauh moal wiesen, so ist die Kuh geschützt. Abergl-Ma 242 (HA-Sü). Das Kalb wird mit Salz und Dill bestreut. Abergl-Ma 234 (GA-Mie). Spruch gegen H.:Die Hexe kann hexen,
Ich führ dich an den Swanz,
Du sollst nu stoahn
Un’ nich mehr goahn,
Dat Hex’n nich mehr drieb’m
Dat schall ‘er nu verblieb’m
. Zauber-Ma 88 (GA-Mie).
–2. ‘Wassergeist als Schreckgestalt für Kinder’,  Nicker, 4: Vk-Anhaltb 46 (BE-Pob). – 3. Bezeichnung für kleinere Schmetterlingsarten, bes. auch für die Motte,  Smetterling, 2: Wb-Altm 79. – 4. in der Verbdg.: blinn’ HecksTiN ‘Eintagsfliege’ 2: Wb-Altm 20. – 5. in der Verbdg.: Häxe, wo wist’n henn ein Spiel der Kinder, 2: JE2-Schm. – 6. ‘schwacher Wirbelwind’ 4: Vk-Anhalta 124 (KÖ-KlPa).
Lautf., Gram.: Hekse, Hexe STE-Je, verstr. elbostf. omd.; Häxe JE2-Schm; Hexen Pl. STE-Schi, JE2-GrWu Ki; Hex verstr. nwaltm., GA-Schw, Hecks Wb-Altm 79; Heckze WE-Be; Nbf.: Hetsche CA-Fö. Zus.: zu 1.: Korn-.
Hfsen n. 1. ‘flaches, dem Pferdehuf angepasstes, geschmiedetes Eisenstück, das zum Schutz des Hufes auf dessen Unterseite genagelt wird’ 1: SA-Die, 2: Wb-Altm 83, Bewohner-Altm 1,339, Mda-nwJe1a 37 (JE2-HSe), verstr. JE1, Mda-Ze (verstr. ZE), 3: verstr. elbostf., 4: Mda-Sti 33, Wb-Be – Hauwsen opsln HA-Oh; dat Haufisen is schon aweloopen HA-Um; Rda.: De hät ‘n Hofisen verlar’n. ‘Das Mädchen ist nicht mehr jungfräulich.’ Bewohner-Altm 1,339. – Volksgl.: Das H. wurde mit der offenen Seite nach außen weisend auf die Schwelle genagelt, um das Glück herein-, aber nicht wieder herauszulassen. Zauber-Ma 95 (WO-Ir). ‘n jefun’n Haufiesen nimm midde! Nagel’t anne Dör – ‘t bringet Glücke! HA-Bee. Genauso konnte es Unglück fern halten. Brauch-Anhalt 118 (BE-GrMü). – 2. ‘Eisenbeschlag unter dem Absatz des Stiefels’ 3: WE-Oster, 4: Wb-Be.
Lautf.: [hfzn] verstr. JE1, Hofisen Bewohner-Altm 1,339; Hfis’n Wb-Altm 83; Haufisen, Hauwsen, [haufzn] SA-Die, verstr. elbostf.; hausen Wb-Nharz 72 (BLA-Neu); [hfzn] Mda-nwJe1a 37 (JE1-Ih Pa), Mda-sJe1 4 (JE1-Ge KlLü); [-zn] Mda-Ze (verstr. ZE); huwsen Mda-Sti 33; [hfaizn] Wb-Be.
Hwe f. 1. ‘Haube, Kopfbedeckung der Frau’, vorw. in der Rda.: under de Hwe kmen ‘verheiratet werden’ 2: Wb-Altm 88, Bewohner-Altm 2,168, 3: HA-Oh, Wb-We 48, Wb-Nharz 72, 4: Mda-Sti 32, Wb-Be. – 2. ‘hochragendes Federbüschel am Kopf von Vögeln’  Noll(e), 1: SA-Gla We, 2: vereinz. Altm., JE2-Ma Red Scho, verstr. w JE1 s ZE, 3: verstr. elbostf. (außer s GA), 4: BA-Ha Schie, verstr. anhalt. (außer ö DE) – d Jants het ne He JE2-Scho. – 3a. ‘Haut auf der gekochten Milch’,  Pelle, 3: WO-Ir. – 3b. ‘Haut auf der Ölfarbe’ 3: Id-Eilsa 69. – 3c. ‘Schimmelbildung auf Milch und anderen Esswaren’ 3: Wb-Nharz 85 (BLA-Hei).
Lautf.: Huwe WO-Ir, HA-Bee, Id-Eilsa 69 (3b.), [hv] WO-Zie, hwe Wb-Nharz 85 (BLA-Hei) (3c.), Mda-Sti 32; Hube SA-NFe, OSCH-Grö; [h] JE2-Scho; Hw’ Wb-Altm 88 (1.), Huw Bewohner-Altm 2,168, SA-Gla We; [haov] WO-HWa, Hauwe GA-So, HA-Oh Ost, Wb-We* 213, CA-Ak, hauwe Wb-Nharz 72 (1.), Mda-Sti 32, [hauwe] Wb-Be; Hauw, Hauf OST-Gies Ziem, STE-Ka KlSchwa; Haube vereinz. ö Altm., JE2-Ma Red, verstr. w JE1 s ZE elbostf. (außer s GA), BA-Ha Schie, verstr. anhalt. (außer ö DE); Haup OST-Polk; Häuweken Dim. QUE-St. Zuss.: zu 1.: Morgenhaube; sonstiges: Kajütenhaube.
2Junge m. 1. ‘Kind männl. Geschlechts’ verbr. – das is a richor (richtiger) Junge DE-Ca; Rda.: Dat is en dummen Jungen sien Brauder. ‘Er ist dumm.’ Wb-Holzl 36; Junge, Junge!Ausruf der Verwunderung, des Erstaunens, CA-Ak; Sprw.: Jung’s sind Jung’s Bewohner-Altm 1,341.  TZ: Hsenmatz Hsenschter Kwer Kgel Knabe Knirps 1Kter. – 2. ‘Sohn’ 2: Wb-Altm 78, Spr-Altm 14, JE2-Gü, 3: Rauch 1929,7, Wb-Holzl 114, HA-Oh No, OSCH-Di, 4: Wb-Ak 82, DE-Ca – Fritze Müldern sn Junge HA-Oh; Unse Junge word stern komformrt. Wb-Ak 82.; Sprw.: Giwt Gott Jung’ns, so giwt hei ok Böcksen (Hosen). Spr-Altm 14. – 3a. ‘Lehrling’ 1: Hausfr-Altm 1930,7 (SA-Die), 2: Wb-Altm 93, 4: KÖ-GrPa. – 3b. ‘Schiffsjunge’, Schifferspr., 2: Elbschifferspr. 337 (JE2-Mi Pa), 4: a.a.O. 337 (CA-Ak), Wb-Ak 82. – 4. ‘ Kleinknecht’ 1: SA-Pe, 2: verstr. n Altm., JE1-Scha, 3: verstr. n elbostf., CA-Löd, 4: CA-Ak – Kinderreim:Junge drief, Junge drief,
Slaah’n Witt’n oppt Lief,
Slaah’n nich int Oegelken,
Verdeinst dick kein gut Löhnek’n!
Lieder-Ma Nr. 756 (HA-
Um).
– 5. ‘Unter’, Spielkarte, 3: HA-Oh, 4: BE-Grö. – 6. in der Verbdg.: bunter Junge ‘mit grünem Laub geschmückte Gestalt beim Pfingstumzug’,  Pingsten, 1: SA-Bre, 2: verstr. SA – Brauch: Urspr. wurde der Hirte, der am ersten Pfingsttag zuletzt mit seiner Herde auf der Weide erschien, von den übrigen Hirten mit Feldblumen und Grün geschmückt und abends beim Heimtrieb von Hof zu Hof geführt:Wir bringen enen bunten Jungen int Huus,
wer em sehn will, de kom heruut.
De Blomen hebben wi vör uns geplückt,
do hebben wi uns met uutgeschmückt.
Un hödden wi uns noch eher bedacht,
so hödden wi em noch bätter gemakt.
Söß Eier, söß Dreier, ‘n Stück Speck,
so gahn wi gliks wedder weg!
Brauch-wAltm 73.
– 7. in der Verbdg.: rder/rtjackiger Junge ‘Hausgeist’ 2: vereinz. OST, Kuhn 1843 Nr. 43 (JE2-Fe), JE2-Sa Schön, 3: Bewohner-Altm 2,293 (GA-Nie), Abergl-Ma 243 (WO-Ir, HA-Sü) – Volksgl.: Der rde J. rumort im Haus und richtet kleinere Schäden an. Kuhn 1843 Nr. 43 (JE2-Fe), Abergl-Ma 243 (HA-Sü). Er bringt häufig auch Glück und Geld und muss gefüttert werden. Wird er jedoch vertrieben, bringt er Unglück. JE2-Sa.
Lautf.: Junge, [ju] verstr. s Altm. JE2 JE1 ZE elbostf. omd.; Jung, [ju] verstr. nwaltm. Altm. (außer s), vereinz. n JE2; [u] SA-Dä El Hö; Junke Wb-We 60. – Gram.: Pl.: Jungens, [juns] ZE-Roß, vereinz. elbostf. anhalt.; Jung’ns Spr-Altm 14; [jus] verstr. nwaltm. Altm., JE2-Scho; [us] SA-Hö; [ju] SA-Ah; [u] SA-El. Zuss.: zu 1.: Mkens-, Mords-; zu 3a.: Lr-; zu 4.: Hde-, Hoff- , Kälwer-, Khrden-, K-, Kler-, Lämmer-, Ossen-; zu 5.: Klein-, Krz-; sonstiges: Hunde-, Kse-, Kgel-, K-, Läute-, Lp-, Lse-.
Kant(en) m. 1. ‘Anfangs- und Endstück des Brotes’ 1: verbr. nwaltm., 2: verbr. brdb., 3: verstr. elbostf., 4: verbr. anhalt. – dai Kand’n schmeckt am besd’n SA-Dä; en Gandn ess ich DE-Ca; Rda.: Dät schafft Känt, wenn Grotmutter luter Krum’ ät. gebraucht, wenn eine Unternehmung großen Gewinn einbringt, Bewohner-Altm 1,347. – Volksgl.: Der K. eines frisch anzuschneidenden Brotes darf nicht an Arme verschenkt werden, sonst gibt man auch den Segen aus dem Haus. Deshalb schneidet man den K. ab und gibt das nächste Stück. Abergl-Ma 233f. (GA-Mie, WO-Ir).  Brtkant(en) Brtknst Kanft Kippelkante Knaggel Knagge(n) Knwel Knst Ranft; Anfangsstück: Kusskanten Kussknst Lacheknst; Endstück: Knurrkant Knurrknst Schrknst Wneknst; die wichtigsten Synonyme s. Kt. – 2. dass. wie  Kante 5., 2: Id-Altm, Volksspr-Altm 91, Mda-Ze (verstr. ZE).
Lautf.: Kant vereinz. s Altm., verbr. mbrdb., verstr. n anhalt.; [gand] Mda-Fuhne 241 (verbr. anhalt.); Känt Bewohner-Altm 1,347, OST-Har, JE2-Alt Ge, JE1-Ih; Kanten verbr. nwaltm. Altm., vereinz. JE2 JE1, verstr. elbostf., vereinz. anhalt.; [kand] SA-Dä Rist, JE2-Scho; [gandn] verstr. anhalt.; Känt(e)n verbr. n nbrdb.; Dim.: Käntchen JE2-Bö, [gendn] verstr. n BE. – Etym.: wie Kante zu mndl. cant < afrz. cant ‘Ecke’, das seinerseits gall. Ursprungs ist, vgl. Kluge 231995,423., Teuchert 21972,287f. Zuss.: zu 1.: Kippelkante, Knurrkant, Kuss-.
Krfrdag m. ‘Karfreitag’ verstr. – Brauch, Volksgl.: Dem Charakter des Feiertages entsprechend musste man den K. in Stille verbringen. Brauch-Ma 261. Neben den allg. Beschränkungen der  Karwoche galten am K. zusätzliche Verbote: Handarbeiten wie z.B. Stricken waren nicht erlaubt; Fleisch durfte nicht gegessen werden, dafür aber Fisch, Eier und Käse. Der Verzehr von Hülsenfrüchten war ebenfalls untersagt, anderenfalls würden sich Geschwüre bilden. Brauch-wAltm 32. Durch das Schütteln der Bäume am K. vor Sonnenaufgang konnten Raupen fern gehalten werden. Vk-Anhalta 18 (KÖ-Wu). Dem Regen an diesem Tag wurden unterschiedliche Auswirkungen auf die Natur zugeschrieben: Wenn es regnet in Christi Grab, dann vertrocknet Laub und Gras. Brauch-Ma 261 (HA-Sü, WO-Ir). Musste also einerseits eine schlechte Ernte erwartet werden (vereinz. Altm.), so stand dem andererseits ein beschleunigtes Wachstum der jungen Feldfrüchte, bes. aber des Flachses, entgegen. Ackerbau-Anhalt 255 (ZE-Ke), Brauch-Rie 747.
Lautf.: Krfrdach, Krfrdach, -frdch verstr. nd.; -freitag, -freitach verstr. omd.
Kibbekenml n. ‘von  Kibbeke(n) 1. befallene Mundwinkel’, auch Schimpfname für die von dem Ausschlag betroffene Person, 3: Beiträge-Nd 64 (WO-HWa), WO-Ir.
Lautf.: Kiwekenmuhl, [kivknml].