mulmig Adj. 1. ‘staubig, schmutzig’ 2: Mda-Ar 30. – 2. ‘ morsch, brüchig’, bes. von Holz, das zu faulen beginnt, 3: Wb-Holzl 143, 4: Mda-Sti 175. – 3. ‘trübe, unrein’, vom Wasser,  glmig, 1: SA-Se, 2: SA-Kal, Mda-Ar 30, 3: HA-Ma, verstr. mittleres/sö elbostf., 4: BA-Neu, verstr. anhalt. – dat Water is mulmich QUE-PrBör. – 4. ‘bewölkt, trübe, neblig’,  munkelig, auch ‘unbestimmt’, vom Wetter, 3: Beiträge-Nd 66 (WO-HWa), HA-Bee, Id-Eilsa 79, OSCH-Ba – ‘t süht mulmij ut, wie kriejet ‘n Jewitter HA-Bee. – 5. ‘unbehaglich, bedenklich, gefährlich’ 2: ZE-Roß, 3: vereinz. elbostf. – mich schwant so wat, als ob de Sache jetzt mulmich word ZE-Roß.
Lautf.: mul(l)mig, -ich, -ij; außerdem: [mulmi] Wb-Be; mulmicht Mda-Sti 175; [mlmi] Mda-Ar 30.
Nacken m. 1a. ‘Genick, hinterer Teil des Halses’ 2: vereinz. Altm., 3: vereinz. elbostf., 4: Mda-Sti 13 – ‘n Sack oppn Nacken nem’n HA-Oh; Schoof sette sine Mütze in’n Nacken … Lindaua o.J. 33; in’n nakken schln ‘jmdm. einen Genickschlag versetzen’ Wb-Nharz 131; Sprw.: Külk’n (Grübchen) in d’ Back’n hät’n Schelm in’n Nacken. Spr-Altm 15. – 1b. ‘Mähnenpartie des Pferdes’, z.T. einschließlich des Widerristes, 2: GA-Da, JE1-Bü, 3: BLA-Be Hü, 4: BA-Neu. – 2. ‘stumpfe Rückseite von Arbeitsgeräten’, bes. von Axt und Beil, 3: HA-Oh, Wb-Nharz 131, 4: Wb-Be. – 3. ‘Oberseite des Pflugsattels mit Verstellvorrichtung für die Furchenbreite’ 2: Bauernwelt-Ze.
Lautf.: Nack(e)n; außerdem: [nag] GA-Da; ncken Mda-Sti 13; Näck’n Wb-Altm* 63; Nacke Bauernwelt-Ze.
Njr n. 1. ‘erster Tag des neuen Jahres’ verbr. – in’t Njer hüppen HA-Oh; Prost Nijaar, schitt opp’t ool Jaar! Glückwunsch zum neuen Jahr, Wb-Holzl 146 (HA-Eil); Neujahrswünsche:‘nen ganzen Stall vull Rinner,
‘ne ganze Stuuw vull Kinner,
‘ne ganze Taß
(Banse) vull Müüs,
‘nen ganzen Kopp vull Lüüs.
Vk-Altm 219 (SA-Be);
Ich wünsche fröhliches, neues Jahr!/
Bei jedwedes Schaf ein Lämmchen,/
Bei jedwede Kuh ein Kälbchen,/
Eine brave Scheune voll Korn!
Vk-Anhalta 39 (ZE-Rie);
Wetterregel: Moangrout (Morgenrot) an Naijoasdach bringkt Unvra (Unwetter) un mannich Ploach. SA-Rist. – Brauch: Das neue Jahr wurde durch das Läuten der Kirchenglocken am Nachmittag des Silvestertages (Vk-Harz 8,21) oder unmittelbar nach dem Jahreswechsel (Gesch-Ro 107) begrüßt. Im Harz stellten sich die Knechte auf einen freien Platz und ließen durch taktmä- ßiges Knallen der Peitschen ein Lied ertönen. Vk-Harz 8,22f., Pröhle 1858,260 (WE-Rok). In Quedlinburg wurde das Neujahr “abgeholt”, d.h. die Herren des Stifts zogen mit einem Monstranzkasten zur Äbtissin, Pröbstin und Dechantin, um Gaben einzusammeln. Vk-Harz 8,22. Im gesamten Gebiet gingen am Silvesterabend oder am Neujahrstag Knechte, Hirten oder die Burschen des Ortes singend und meist mit versch. Lärminstrumenten ( Tte,  Rumpelpott) von Haus zu Haus, um Gaben wie Eier, Wurst, Früchte, Brot oder um Geld zu erheischen ( umsingen). Heischevers:Nüsse ‘raus, Äpfel raus!
Sonst schmeiß ich’n großes Loch ins Haus.
Sing ich wenig,
Krieg’ ich ‘nen Pfennig;
Sing ich mehr,
Krieg’ ich ‘nen Zweer.
Ackerbau-Anhalt 275 (BA-Neu).
Das erhaltene Geld wurde in einen mit Häcksel gefüllten Zweischeffelsack gelegt. Brauch-Ma 251 (WO-HWa). Am Neujahrssingen beteiligten sich z.T. Pfarrer und Kantor, die zusammen mit ihren Schülern durch den Ort zogen, um das Geld einzutreiben, das ihnen von allen Einwohnern gezahlt werden musste und zu ihrem Gehalt gehörte (verstr. elbostf., verbr. anhalt.); statt Geld erhielten sie auch Eier (verstr. Nharz.) oder Würste, die beim Schlachten extra für diesen Zweck hergestellt wurden. Vk-Anhalta 203 (KÖ-KlPa). In Aken unternahmen die mit einer weißen Schürze bekleideten Fährleute einen Heischegang. Wb-Ak 120. N. war ein Termin für den Gesindewechsel (verbr.). – Volksgl.: Zu N. sollte man etw. Quellendes wie Reis oder Hirse essen, damit das Geld nicht schwindet. Brauch-Rie 746, CA-Lö, Vk-Anhalta 202 (verstr. anhalt.). Bereitet man Hering, muss es Rogener sein. Vk-Altm 219. Aus versch. Handlungen oder Beobachtungen konnten Aussagen über das kommende Jahr gewonnen werden: Üblich waren z. B. Bleigießen (Vk-Altm 220, Brauch-Ma 255) oder das Aufschlagen des Gesangbuchs, bei dem aus dem zufällig gefundenen Lied auf die Zukunft geschlossen wurde. Brauch-Ma 255 (WO-HWa). Blickt man um Mitternacht durch das Schlüsselloch der Kirche, sieht man die Menschen, die im kommenden Jahr sterben werden. Vk-Altm 220, Brauch-Ma 255 (HA-Sü). Geht man zwischen 23 und 24 Uhr in ein halbdunkles Zimmer und sieht einen Schatten ohne Kopf, muss man im neuen Jahr sterben. Brauch-Ma 255 (HA-Alv). Die Mädchen konnten den zukünftigen Ehemann erblicken, indem sie in der Stunde vor Mitternacht entweder durch die Beine hindurch in den Ofen blickten (Vk-Altm 220) oder sich unbekleidet auf den Ofen setzten. Brauch-Ma 255 (HA-Alv). Weist ein über die rechte Schulter geworfener linker Pantoffel mit der Spitze hausauswärts, wird das Mädchen aus dem Haus gehen, also heiraten. Vk-Altm 220. Damit die Hühner im neuen Jahr gut Eier legen, wird am Neujahrstag im Hof eine Kette kreisförmig ausgebreitet und das Futter hineingestreut. Brauch-Rie 746. Sonnenschein zu N. verspricht eine gute Ernte im Jahr. SA-Net. Scheint die Sonne auf den Altar, gerät der Flachs gut. Vk-Altm 219. Durch Gewehrschüsse in der Neujahrsnacht wird die Fruchtbarkeit der Obstbäume gefördert (OST-Sa, STE-Scha); aus dem gleichen Grund wird um jeden Baum eine Hand voll Stroh gebunden (STE-Scha Scher, Sagen-Havel 324). – 2.Großneujahr.
Lautf.: Niejahr, -jaar; außerdem: Njer HA-Oh; Niejaohr Brauch-Ma 255 (WO-Ol); [naij] SA-Rist; Neijr Wb-Ak 120, [naijr] Wb-Be; Nijahr Bewohner-Altm 1,351; Neujahr verstr. anhalt.; Ntjr QUE-Di.
Njrshilligwend m. ‘Abend des 31. Dezembers’ 3: BLA-Brau, 4: Vk-Anhaltb 22 (BA-Neu, verstr. KÖ).
Lautf.: Neijarsch-Hellij-Obend Vk-Anhaltb 22 (BA-Neu, verstr. KÖ); Njrshiljerbend BLA-Brau.
Nottbm m. 1. PflN ‘Walnussbaum’ 2: Pohlmann 1905,36, STE-GrMö, JE2-HBe, 3: vereinz. n elbostf., 4: Wb-Ak 122, Wb-Be, Richter o.J. 62 – … de ha’ vöär d’ Dör Een’ bännig groten Nöätboom vöär Pohlmann 1905,36. – 2. ‘Weihnachtsbaum’ 2: Brauch-wAltm 14 (verstr. CALV), 3: a.a.O. 14 (verstr. s GA), ADVk Kt. 38 (Einzelbeleg HA), HA-Bee, 4: Vk-Anhaltb 21 (BA-Neu Schie) – ick döre dütt Jahr all hilp’n, wenn Mudder ‘n Nottboom ankleet HA-Bee.
Lautf.: Not(t)boom Brauch-wAltm 14 (verstr. CALV s GA), HA-Bee Um; -bem HA-Oh; Nötenboom JE2-HBe; Notte- verstr. Holzl.; Nußboom, -bm Wb-Ak 122, Richter o.J. 62; [nuspm] Wb-Be; Nootboom Wb-Holzl 147; Ntbm STE-GrMö; Nöätboom Pohlmann 1905,36. – Etym.: (2.): Benennung nach den am Weihnachtsbaum hängenden vergoldeten Nüssen, vgl. Brauch-wAltm 14.
ma f. ‘Großmutter’,  Grtmudder, 2: CALV-Calv, JE2-Vie, 3: vereinz. elbostf., 4: BLA-All, BA-Neu – se ma is krank HA-Oh.
rfge f. ‘Ohrfeige, Schlag mit der flachen Hand auf die Wange’,  Prgel, 2: Bewohner-Altm 1,349, OST-Meß, 3: verstr. elbostf., 4: BA-Neu, Wb-Be – et jift ane Ohrfaje Spr-Asch 17.
Lautf.: rfge OSCH-Har, Wb-We 96; Oorfi’e Wb-Holzl 150; -fi, [rf] OST-Meß, vereinz. mittleres/s elbostf., BA-Neu; -fie’n Pl. Lindau o.J. 146; [-faije] Wb-Be; Ohrfaje Spr-Asch 17; erf HA-Oh; Uhrfig’ Bewohner-Altm 1,349.