Frter m. 1. ‘gefräßiger Mensch’, abw., 3: vereinz. w elbostf. – Sprw.: en Freter ward nich eborn, de ward e’togen HA-No. – 2. ‘Tier, das frisst’, in Verbdg. mit charakterisierenden Attr., 3: Sprw-Börde, 4: Wb-Ak 61 – guer Freter Sprw-Börde. – 3a. ‘junges, gerade entwöhntes (weibl.) Rind’ 2: GA-Da, 3: QUE-Hau, Vk-Anhaltb 7 (BA-Ba), 4: CA-Ak. – 3b. ‘junges, fleischiges Schwein’, von der Entwöhnung bis zu einem Alter von einem halben Jahr,  Polk, 2: GA-Trü, JE2-Kar, 3: OSCH-Wu.
Lautf.: Freter, Frter HA-No Oh, Sprw-Börde; Fräter, frëter JE2-Kam, vereinz. w elbostf.; Fresser, [fresr] GA-Da Trü, Vk-Anhaltb 7 (BA-Ba), Wb-Ak 61, CA-Ak; [fresr] QUE-Hau.
gratulren Vb. ‘Glückwünsche aussprechen, jmdn. beglückwünschen’ 2: Kredel 1929,167, Francke 1904,84, 3: vereinz. elbostf., 4: vereinz. anhalt. – Ich gratteliere dich o zu dein’n Jeburtsta. Wäschke61915,48; ok de Kerchenrat hat tau den seltenen Feste grateliert OSCH-Wu.
Lautf., Gram.: gratulirn, jratuliern Francke 1904,84, Krause 1964,51; jratullire 1. Sg. Präs. Richter o.J. 66; grtelren Wb-Nharz 64; grat(t)elier(e)n, grat(t)elr(e)n, j-, [jratlrn] Inf., grat(t)eliert, j- Part. Prät. vereinz. elbostf., Wb-Ak 80, Wb-Be; gratteliere 1. Sg. Präs. Wäschke 61915,48; gratoleern Kredel 1929,167.
half Adj. verbr. 1. ‘die Hälfte von etw. umfassend, zur Hälfte’ – an hallewes Fund Wb-Ak 64; ne hall Schtunne JE2-Scho; so umme half Klock veiere rum OSCH-Wu; op halben wje Wb-Nharz 67; in Bruchzahlen: achtehalf ‘siebeneinhalb’ (die von der Ordinalzahl acht angezeigte letzte Stufe der Summe ist nur halb erreicht) Wb-Nharz 1; drittehalf Punt ‘zweieinhalb Pfund’ HA-Oh; Driddehalfdeile ‘Drittelteile’ Sprw-Börde; Rda.: half ein, half ander ‘zu gleichen Teilen’ Wb-We 45; n’ half Kalf half Wortspiel, HA-Oh; Sprw.: Rau un Rast is halwe Mast HA-Oh. – 2. ‘unvollständig, unvollkommen’ – du deist alles man immer half BLA-Brau – Rda.: nich half un nich heile ‘halbherzig, unzureichend’ Wb-Nharz 67; et is nich half, nich ganz dass., Wb-We 45; de Kranke is man ‘n half Minsche HA-Oh. – 3. ‘fast, beinahe so gut wie etw.’ – Sprw.: greot Minsch is hf Lerra (Leiter) in Hius SA-Dä.
Lautf., Gram.: half; außerdem: [half] Mda-nwJe1a 41 (JE1-The), Mda-Ze (vereinz. ZE), OSCH-Di, QUE-Di; [hf] SA-Dä Die; halbe st. f. Nom. Sg. WE-Asp; hallep, [halp] Mda-Ze (ZE-Roß), Wb-Be, Heese 21919,11; halleb Wb-Ak 64; [hlep] Mda-Sti 47.
Handdkendrell m. ‘Leinengewebe (für Handtü- cher)’ 3: HA-No, OSCH-Wu – ne Stiege (20 Ellen) Handaukendrell HA-No.
Lautf.: Handaukendrell HA-No; -dreel OSCH-Wu.
Himmelsstürmer m. ‘langer, schwarzer Tuchrock der Männer, der stark in Falten gelegt war und nur im Winter unter einem weiteren Rock getragen wurde’, reich mit Knöpfen verziert, 3: Tracht-ProvSachs 186 (OSCH-Wu).
hitzig Adj. 1. ‘erhitzt’ 3: Wb-Nharz 80. – 2. ‘hastig, erregt’ 3: Wb-Nharz 80, 4: Wb-Be. – 3a. ‘brünstig’, von der Hündin,  lpsch, 1: SA-Han, 2: verstr. brdb., 3: verstr. w elbostf., 4: CA-Ak Ma, DE-Lau Vo. – 3b. ‘brünstig’, von der Katze,  bolzen, 2: JE1-Ist, 3: OSCH-Wu, BLA-Tr, CA-Ca, 4: BA-Ha. – 3c. ‘brünstig’, von der Ziege,  böcksch, 3: WO-Eich, Wb-Nharz 80. – 3d. ‘brünstig’, von der Sau,  brümmsch, 2: OST-See. – 3e. ‘brünstig’, vom Kaninchen, 3: HA-Oh.
Lautf.: hitzig; außerdem: hitzich, [hitsi] HA-Oh, Wb-Nharz 80, Wb-Be.
Klocke f. 1a. ‘Glocke’, bes. die Kirchenglocke, verbr. – Der Klang der K. ist in zahlreichen Reimsprüchen nachempfunden: Bim, bam, bohler, Kost nen halben Daoler GA-Ga; Kümmt all to Kerk! Kümmt all to Kerk! OST-Sa; bimm baum, bälaumWE-Ve; Rätsel: Gät un schlät int Holt, Dag in, Dag ut: Un kümmt doch nich rut! Volksspr-Altm 93 (SA-Vi); Rda.: an de grte Klocke schlahn ‘etw. überall herumerzählen, aufbauschen’ CA-Fö; De hät de Klock lü’n hürt, weet äöwer nich wo’s’ hangen. ‘Er weiß nicht genau Bescheid.’ Bewohner-Altm 1,344; Nu weet ick, wo de Klocken hangen. a.a.O. 344; nu wettste, wat de Klocke eschlahn hat CA-Fö. – Brauch: Die K. wurde nicht nur zum Kirchgang geläutet, u.a. erinnerte das Läuten an bestimmten Tagen die Dorfbewohner an deren Ablieferungspflicht: Eier für den Pastor, Schütten (Abliefern) des Zehntgetreides, die Schüttenden bekamen Schnaps und Tabak. Brauch-Anhalt 92ff. (KÖ-Wa, DE-Ro). Am Michaelstag (29. September) läuten die Glocken Zinsen, Pachte, Swinegeld (OSCH-Krop). – Volksgl.: Die K. gilt vielfach als Vorzeichen des Todes: Vom Klang der Kirchenglocken heißt es, wenn sie singen, stirbt bald jmd. (GA-Ro). Klingt bei einer Beerdigung eine Glocke nach oder haben beim Leichenzug die Glocken einen traurigen Klang, so folgt bald ein weiterer Todesfall. Vk-Anhalta 174 (BE-Pei, KÖ-Kö Ost). Schlägt beim Trauergeläut die große Glocke zuerst an, ist das nächste Todesopfer ein Mann, bei der mittleren Glocke eine Frau, bei der kleinen ein Kind. a.a.O. 174 (BE-Pei). – 1b. ‘ Klingel an der Haustür’ 1: SA-Ah, 2: verstr. n/mittlere Altm., CALV-Calv, verstr. JE2, JE1-Mö, ZE-Wö Ze, 3: JE1-Pre, Wb-Nharz 100, BA-Rie, BE-He, 4: QUE-Frie, BA-Neu, DE-Grie Wö. – 1c. ‘kleine Glocke’, bes. für weidende Kühe und Schafe, auch am Schlitten, 2: SA-Sta, 3: Wb-Nharz 100. – 2a. ‘Uhr’, bes. die Turmuhr, 1: SA-Dä, 3: WO-Gu, Wb-Holzl 121, CA-Fö, 4: Wb-Ak 91 – uns Klock gaet to l aot ‘die Uhr geht nach’ SA-Dä. – Volksgl.: Das Schlagen der Uhren kann den nahenden Tod ankündigen: Schlägt die Turmuhr (Glocke) dem Geistlichen ins Vaterunser oder ins Amen, stirbt ein Kirchgänger. Vk-Anhalta 174 (KÖ-Ar, DE-Go). Gleiches tritt ein, wenn die Uhren vom Rathaus und vom Kirchturm gleichzeitig schlagen. a.a.O. 174 (DE-Je). Steht eine Wanduhr plötzlich still, stirbt am anderen Tag zur gleichen Stunde ein Verwandter. a.a.O. 174 (KÖ-Thu). – 2b. ‘Uhrzeit’ 2: Wb-Altm 106, Hausfr-Altm 1927,45 (STE-Ber), JE2-Scho Schön, verstr. ZE, 3: Rauch 1929,13, vereinz. HA OSCH, Wb-Nharz 100, Wb-We 67, 4: Wb-Ak 91, Wäschke 41920,8 – W hk is denn de Klocke? ‘Wie spät ist es?’ Wb-Ak 91; so umme half Klocke veiere rum OSCH-Wu; Ik ha äin Morr’n van Klock dree bet Klock nä’n Gras mäht … Hausfr-Altm 1927,45 (STE-Ber); Klocke fünwe is et doch all düster HA-Bo; … von Klockener viere bes Klockener achte …’ungefähr von 4 bis 8 Uhr’ Wäschke 41920,8. – 3a. ‘glockenförmiges, unten geschliffenes Gerät aus Metall zum Enthaaren gebrühter Schweine’ 1: SA-Roh, 3: HA-Oh, Wb-Holzl 121 (HA-Wo), QUE-Hau, 4: Wb-Ak 91. – 3b. ‘Glasglocke’, zum Abdecken von Nahrungsmitteln, 4: Wb-Be.
Lautf., Gram.: Klocke, [klok] Sg.; Klock(e)n, [klok] Pl.; außerdem: Klock SA-Ah Dä, verbr. Altm., JE2-Kam; Klöcke JE2-Schön; Glocke Sg., Glocken Pl., [glok] Pl. SA-Roh, STE-Grie, CALV-Calv, JE2-Scho, ZE-Wö, OSCH-Eils, QUE-Frie, BA-Neu, DE-Grie; Glock OST-Bre Na, GA-Jä; Jlocke, [jlok] JE1-Pre, Mda-Ze (ZE-Roß), Ldk-Anhalt 2,64 (ZE-Kö), CA-Ak, Wb-Be; Klockener Wäschke 41920,8: zur Angabe der ungefähren Zeit, Bildg. mit -er: ist ein abgeschwächtes der, ausf. vgl. der 5. Zuss.: zu 1b.: Hs-, Klinge(l)-, Klinger-; zu 3.: Kse-, Lampenglocke; sonstiges: ster-.
Klunz m. 1. dass. wie  Klump(en) 1a., 3: vereinz. s elbostf., 4: Mda-Sti 160, BA-Ha, BE-Me – Reim:Det Sönndaas gift’t bie’n Richter Klunz,
Det Maandaas Klunz un Möhren,
Det Dinsdaas het der Buer Kunz
Allwege Klunz un Beeren.
Firmenich 1854,139 (BA-Ba).
– 2a. dass. wie  Klump(en) 2., 1: SA-Dä, 2: Wb-Altm 107 – dai hat an schoin Kluns an Bn SA-Dä. – 2b. ‘Acker, der bei großer Nässe Klumpen bildet’ 3: Wb-Nharz 101. – 3. ‘hinterer, noch stark angeschwollener Bauchteil junger Vögel’ – H hat den Klunz noch nich affschet’n ‘der Vogel ist noch nicht flügge’ 2: Wb-Altm 107. – 4. ‘dickes Ende einer Keule’ 2: Wb-Altm 107. – 5a. ‘Haut auf der gekochten Milch’,  Pelle, 3: OSCH-Wu. – 5b. ‘dünner Kaffee’,  Plurre, 2: OST-Go. – 6a. ‘unausgebackenes, feuchtes Brot’ 3: WO-Ma. – 6b. ‘unausgebackener, feuchter Kuchen’ 4: Wb-Ak 91. – 7. dass. wie  Klunsterbäcker, 3: ADVk Nr. 238b (verstr. mittleres elbostf.).
Lautf., Gram.: Klunz, [kluns]; außerdem: [gluns] veralt. BE-Me; Klunch WA-Schl; Klunsch OST-Go, WA-West, Wb-Ak 91; Klinze Pl. Vk-Harz 5,69 (BLA-Be). Zuss.: zu 1.: Lp-, Ml-.
knitterdrge Adj. ‘sehr, vollständig trocken’,  knkendrge, 3: OSCH-Wu, BA-Op – dat is knitterdrehe druten a.a.O.
Lautf.: knitterdröh OSCH-Wu; -drehe BA-Op.
Knken m., (f.) 1. ‘Knochen’ 1/2/3: verstr. nd., 4: Vk-Anhalta 285, Wb-Ak 93, Wb-Be – Ich hawwe Hols jehackt, mich tn alle Knochen w. Wb-Ak 93; se harre Rietn (Reißen) in de Knochen OSCH-Wu; Rda.: nist wi Ht un Knken von jmdm., der sehr abgemagert ist, HA-Oh; opp andere Lü’ öre Knoken raisen ‘andere Leute ausnutzen’ Wb-Holzl 123 (HA-Um); Sprw.: Wenn’t Flesch up is, bieten sick de Hünn’ um de Knaoken. Bewohner-Altm 1,332. – 2. ‘Arm, Bein’ 4: Wb-Ak 93. – 3. Schimpfwort, bes. für Mädchen unterer Stände, 2: Wb-Altm 110.
Lautf., Gram.: Kno(o)ken, [knkn] GA-Klö, STE-Wa, vereinz. elbostf.; Kno(o)ken Pl. vereinz. elbostf., Heimatkalender-Je 1927,74 (JE2-Fi); [knkn]Vk-Ask 382; Knoke, knke Wb-Nharz 103, Id-Eilsa 73; Knoaken, [knkn], [knkn] verstr. Altm., JE2-Ni, Mda-Ma 68 (JE1-Prö, ZE-Dor), Dialekt-Ma 4 (verstr. w JE1), QUE-Di; Knoakn Pl. Heimatkalender-Je 1927,121 (JE2-Vie); [knk], [knk] verstr. Altm., WO-Mei, JE2-Scho; [kk] STE-Wa; Knoake JE2-Mi; [knk] f. Dialekt-Ma 8 (verstr. JE1); Knoak, Knaok SA-Bre Fa Pe, Wb-Altm 109, GA-Kak; [knaok] SA-Ch Hi Hö; Knochen Wb-Altm 110, QUE-GrSchie, Wb-Ak 93; Knochen Pl. Sprw-Börde, Vk-Anhalta 285; [knon] Mda-Ze (ZE-Roß), Wb-Be; Knoche f. (2.) Wb-Ak 93; [knaok] SA-Dä; [knakn] Mda-Ma 68 (JE1-Dan Lei Pre, CA-El); [knak] ZE-Göd; [knak] f. Mda-Ze (vereinz. ZE); [knake] f. ZE-Kö; Knuoken OSCH-Di; Knaken SA-Hen; [knak] f. Mda-Ma 66 (JE1-Lei Prö, ZE-Dor); Knäökelk’n Dim. Wb-Altm 109. Zuss.: zu 1.: Hausknochen, Hüft-, Krz-, Marks-, Musikanten-; zu 2.: Hessknkens, Lk-.