Mittelelbisches Wörterbuch, Band 1 (A-G), Spalte 1059
[1059]Fr f. 1. verbr. – a. ‘erwachsene weibl. Person’ – De
Fru is prächtig: ...
Pohlmann 1905,46; Dört (weibl. RN)
was ’ne rendliche Fru ... Hausfr-Altm 1930,8 (SA-Die);
d olle Frauens köddan (schwatzen) a wärra JE2-Scho;
... satt da oppen Grabenrand ne öldere Frue. Rauch 1929,5; Anne Fraue met veeln Kinnern ... Spr-Asch 49;
Meine Mutter, die immer ’ne jude Frau jewäst is ...
Richter o.J. 10; Rda. (bei den Rda. und Sprw. sind auch
Bezüge zu 1b. und umgekehrt bei 1b. zu 1a. möglich):
Wasch’n tär’t (zehrt), har jene Fru seggt, dao har ’s en
Nachtmütz wuschen.
Spr-Altm 15; Geit doch nicks äöwer
de Rennlichkeit, sagt jene Fru, un kehrt all Sünndag
morgen är Hem’ üm.
a.a.O. 15; Sprw.: Fruen het lange
Haare un korten Verstand.
Chr-Em 429; Is keen Frau so
riek, Se geit d’ Koh gliek.
‘Auch die Schwangerschaft
einer reichen Frau ist den Gegebenheiten der Natur un-
terworfen.’ Firmenich 1854,123 (OST-See). – b. ‘Ehe-
frau’ – de junge Fru HA-Bee; “Lieschen un keen anner
werd mal dien Fru!”
Heimatkalender-Ma 1931,84
(Altm.); dän seine Frau kann ick dorch’n Tod nich
vorrknusen
ZE-Roß; Rda.: Dänn Weg münn’ s’ all gaohn,
sä jenn Frau, dao führten s’ ähren Mann non’n Gallig’n.

Bewohner-Altm 1,333; Ach watt sall dät lang’ Toben, sä
de Frau, har de Mann ähr väör rutsmeten, har s’ hinn
wärr ringaohn.
a.a.O. 1,333; Sprw.: De Fru un de Katte
höört hinder de Döör, de Mann un de Hund höört daföör.

Wb-Holzl 33; de Fraun un de Besens, de her’n ins Haus
Spr-Asch 18; dä Mann kann mit sien Wagen nich sau vel
infeuern wie dä Frue mit de Schörte rut dröcht
HA-Sü;
De Fru kann mehr to’t Finster ruutlangen, as der Mann
to’t Schüündöhr ’rinföhrt.
Blicke-Drömling 1,120; de
Fre kann nischt erwarben, aberst vl verdarben
Wb-
We 160; ee der liewe Jott lett en Mäken vordar’m, ee
lett’e den Mann de Fru star’m
BA-Re; Twee go’ Fruns
gewt män up de Welt, de een is dod un de änner kann
keener finn’.
Bewohner-Altm 1,333; Reim:‘Gud’n Dach, gud’n Dach, Vadd’r Kooberenck,
Wat moakt denn oere Fru?’
‘Se wascht sick nich, se kämmt sick nich,
Se iss ne olle Suu.’
Lieder-Ma Nr. 843 (WO-Ol).
– c. ‘sozial höher gestellte weibl. Person’, bes. ‘Hausher-
rin, Bäuerin, Dienstherrin, Frau des Dienstherren’ – unse
Fraue
Wb-Ak 60; de Fr Pastor HA-Oh; So junks nu de
Fra Amtmänn’n.
Wäschke 61920,28; Fraü giff mik enns
mn Leon
(Lohn) SA-Dä; Sprw.: Gode Magd werd gode
Fru.
Spr-Altm 14; Keen schärper Ro’ (Rute), as wenn de
Knecht Herr wärd un de Mawd Frau.
Bewohner-Altm
1,358. – 2a. in der Verbdg.: de Fru von Zicksn Zacksn
Kinderspiel, 2: GA-Wern. – 2b. in der Verbdg.: Frau
Holle hät meck en Pott eschenkt
Kinderspiel, 3: QUE-
Di. – 3. ‘Hebamme’,  Hfamme. – a. in der Verbdg.:
Fr Wse 3: WE-Kö Ve. – b. in der Verbdg.: die weise
Frau
2: OST-Ost. – 4. ‘in den  Twölften umherziehende
Gestalt des Volksglaubens’, ausf. und mit weiteren Quel-
len s. Flechsig 1975. – a. in der Verbdg.: Fr Fren/Fren
3: a.a.O. 89 (vereinz. w WE). – b. in der Verbdg.: Fr[1060]
Frke
a.a.O. 89 (WE-De Strö). – c. in der Verbdg.:
Fr Gde 2: a.a.O. 88 (n Altm.). – d. in der Verbdg.: Fr
Harke
2Harke. – e. in der Verbdg.: Fr Holle 3:
Flechsig 1975,89 (Harzv. Nharz.). – f. in der Verbdg.:
Frau Wulle 3: a.a.O. 89 (BLA-Brau).
Lautf., Gram.: Fru, [fr] Hausfr-Altm 1930,8 (SA-Die), ver-
einz. n/mittlere Altm., verstr. s Altm., vereinz. JE2 JE1 (neben
-au-), verbr. w elbostf., vereinz. nö elbostf., WA-KlWa, vereinz.
QUE, BA-Ba; Frue, [fr] verstr. s Altm., Mda-Ohre 356 (GA-
Rä), vereinz. sw elbostf., verbr. ö elbostf.; [fr] SA-Kal; Froa
OST-Klei; [fro()] veralt. Siedler-Je § 144a (JE2 JE1); froe ZE-
Kö; [fraö] verbr. n/w nwaltm.; [fraü] SA-Dä; [frau] SA-Wü;
Frau, [frau], [frao] verstr. ö/s nwaltm., verbr. n/mitttlere Altm.,
vereinz. sw JE2, Mda-nwJe1a 40 (vereinz. nö JE1), verstr. ZE,
BE-Gü, verstr. anhalt.; Fraue, [frau] verstr. n/mittleres JE2,
verbr. mbrdb., vereinz. w JE1, Spr-Asch 50, QUE-GrSchie, Wb-
Ak 60, verbr. BE, vereinz. KÖ; fraugge Mda-Sti 32; Fra nur in
Verbdg. mit dem Nachnamen oder einer Amtsbezeichnung
Wäschke61920,28, Heese21919,35; Pl.: auf -n belegt: Spr-
Altm 15, Chr-Em 429, vereinz. s elbostf., Krause 1964,16, DE-
Vo; auf -ns belegt: vereinz. nbrdb., verstr. elbostf.
Expandiere:
Lemma
Fr
Grammatische Angabe
f.
Gliederung
1.
Verbreitung
verbr.
a.
Bedeutung
‘erwachsene weibl. Person’
Belege
  • De Fru is prächtig: ... Pohlmann 1905,46
  • Dört (weibl. RN) was ’ne rendliche Fru ... Hausfr-Altm 1930,8 (SA-Die)
  • d olle Frauens köddan (schwatzen) a wärra JE2-Scho
  • ... satt da oppen Grabenrand ne öldere Frue. Rauch 1929,5
  • Anne Fraue met veeln Kinnern ... Spr-Asch 49
  • Meine Mutter, die immer ’ne jude Frau jewäst is ... Richter o.J. 10
  • Rda. (bei den Rda. und Sprw. sind auch Bezüge zu 1b. und umgekehrt bei 1b. zu 1a. möglich): Wasch’n tär’t (zehrt), har jene Fru seggt, dao har ’s en Nachtmütz wuschen. Spr-Altm 15
  • Geit doch nicks äöwer de Rennlichkeit, sagt jene Fru, un kehrt all Sünndag morgen är Hem’ üm. a.a.O. 15
  • Sprw.: Fruen het lange Haare un korten Verstand. Chr-Em 429
  • Is keen Frau so riek, Se geit d’ Koh gliek. ‘Auch die Schwangerschaft einer reichen Frau ist den Gegebenheiten der Natur unterworfen.’ Firmenich 1854,123 (OST-See).
b.
Bedeutung
‘Ehefrau’
Belege
  • de junge Fru HA-Bee
  • “Lieschen un keen anner werd mal dien Fru!” Heimatkalender-Ma 1931,84 (Altm.)
  • dän seine Frau kann ick dorch’n Tod nich vorrknusen ZE-Roß
  • Rda.: Dänn Weg münn’ s’ all gaohn, sä jenn Frau, dao führten s’ ähren Mann non’n Gallig’n. Bewohner-Altm 1,333
  • Ach watt sall dät lang’ Toben, sä de Frau, har de Mann ähr väör rutsmeten, har s’ hinn wärr ringaohn. a.a.O. 1,333
  • Sprw.: De Fru un de Katte höört hinder de Döör, de Mann un de Hund höört daföör. Wb-Holzl 33
  • de Fraun un de Besens, de her’n ins Haus Spr-Asch 18
  • dä Mann kann mit sien Wagen nich sau vel infeuern wie dä Frue mit de Schörte rut dröcht HA-Sü
  • De Fru kann mehr to’t Finster ruutlangen, as der Mann to’t Schüündöhr ’rinföhrt. Blicke-Drömling 1,120
  • de Fre kann nischt erwarben, aberst vl verdarben Wb-We 160
  • ee der liewe Jott lett en Mäken vordar’m, ee lett’e den Mann de Fru star’m BA-Re
  • Twee go’ Fruns gewt män up de Welt, de een is dod un de änner kann keener finn’. Bewohner-Altm 1,333
  • Reim:‘Gud’n Dach, gud’n Dach, Vadd’r Kooberenck,
    Wat moakt denn oere Fru?’
    ‘Se wascht sick nich, se kämmt sick nich,
    Se iss ne olle Suu.’
    Lieder-Ma Nr. 843 (WO-Ol).
c.
Bedeutung
‘sozial höher gestellte weibl. Person’, bes. ‘Hausherrin, Bäuerin, Dienstherrin, Frau des Dienstherren’
Belege
  • unse Fraue Wb-Ak 60
  • de Fr Pastor HA-Oh
  • So junks nu de Fra Amtmänn’n. Wäschke 61920,28
  • Fraü giff mik enns mn Leon (Lohn) SA-Dä
  • Sprw.: Gode Magd werd gode Fru. Spr-Altm 14
  • Keen schärper Ro’ (Rute), as wenn de Knecht Herr wärd un de Mawd Frau. Bewohner-Altm 1,358.
2a.
Bedeutung
in der Verbdg.: de Fru von Zicksn Zacksn Kinderspiel
Verbreitung
2: GA-Wern.
2b.
Bedeutung
in der Verbdg.: Frau Holle hät meck en Pott eschenkt Kinderspiel
Verbreitung
3: QUE-Di.
3.
Bedeutung
‘Hebamme’,  Hfamme.
a.
Bedeutung
in der Verbdg.: Fr Wse
Verbreitung
3: WE-Kö Ve.
b.
Bedeutung
in der Verbdg.: die weise Frau
Verbreitung
2: OST-Ost.
4.
Bedeutung
‘in den  Twölften umherziehende Gestalt des Volksglaubens’, ausf. und mit weiteren Quellen s. Flechsig 1975.
a.
Bedeutung
in der Verbdg.: Fr Fren/Fren
Verbreitung
3: a.a.O. 89 (vereinz. w WE).
b.
Bedeutung
in der Verbdg.: Fr Frke a.a.O. 89 (WE-De Strö).
c.
Bedeutung
in der Verbdg.: Fr Gde
Verbreitung
2: a.a.O. 88 (n Altm.).
d.
Bedeutung
in der Verbdg.: Fr Harke2Harke.
e.
Bedeutung
in der Verbdg.: Fr Holle
Verbreitung
3: Flechsig 1975, 89 (Harzv. Nharz.).
f.
Bedeutung
in der Verbdg.: Frau Wulle
Verbreitung
3: a.a.O. 89 (BLA-Brau).