Mittelelbisches Wörterbuch, Band 1 (A-G), Spalte 1245
Grner Donnersdag m. ‘der Donnerstag vor Ostern,
Gründonnerstag’ verstr. – Gröndunnersdag namm heht
sick vör, Woo’t Wäder grad so schlecht nich wer ...
Francke 1904,57. – Brauch, Volksgl.: Zu Mittag wurde ein
grünes Gericht auf den Tisch gebracht. Dabei konnte es
sich um Grünkohl oder um die ersten sprießenden Pflan-
zen des Jahres handeln, wobei bes. frische Kräuter vor
Krankheiten schützen sollten. verstr. Gebacken wurden
Brezeln (Brauch-wAltm 34 – GA-Wal) oder Kringel, die
die Kinder im Nharz. von ihren Verwandten erhielten
(Vk-Harz 8,40, BLA-Hü). Als Schutz vor Blitzschlag bringt
man in die Wohnräume einen Strauß Weidenkätzchen
(Bewohner-Altm 2,248) oder Hartheu und Eisenhart (Vk-
Anhalta 222). Trotz der Verbote der Karwoche ( Krfr-
dag, Karwoche
) ist dieser Tag für bestimmte Handlungen
segensreich. Das gilt in erster Linie für das Säen und
Pflanzen, bes. von Kohl, Flachs, Bohnen, Erbsen oder
Kartoffeln, denn was an diesem Tag in den Boden ge-
bracht wird, wächst gut und erfriert nicht. verstr. Außer-
dem sind diese Gewächse vor Erdflöhen geschützt und
wenn das Pflanzen unter Geläut passiert auch vor Raupen.
Bewohner-Altm 2,248. Günstig ist dieser Termin auch für
das Umtopfen von Blumen bzw. das Einpflanzen von
Ablegern. a.a.O. 2,248. Hühner, die aus Eiern schlüpfen,
die am G. gelegt wurden, erhalten ein buntes Gefieder,
dessen Farbe wechselt. vereinz. Altm., Brauch-Ma 260
(WO-Ir, HA-Sü), Vk-Anhalta 222 (KÖ-Wu). Hexen kann
man erkennen, wenn man mit einem Gründonnerstagsei
nach dem 1. Mai in die Kirche geht. Abergl-Ma 242 (GA-
Mie, HA-Alv). In Halberstadt wurden am G. alle während
der Fastenzeit ausgestoßenen Sünder wieder in die Ge-
meinschaft aufgenommen. Vk-Harz 8,40.
[1246]Lautf.: de gräune Donderschdag Vk-Harz 8,40; greun’ Dön-
nersdag
WE-Oster; greunen denderstch Mda-Weg 116;
gräun’n Dönderdag HA-Erx; greun’ Dönderdch HA-Oh;
Gröndunnersdag Francke 1904,57; sonstige Formen in der
Standardspr.
Expandiere:
Lemma
Grner Donnersdag
Grammatische Angabe
m.
Bedeutung
‘der Donnerstag vor Ostern, Gründonnerstag’
Verbreitung
verstr.
Belege
  • Gröndunnersdag namm heht sick vör, Woo’t Wäder grad so schlecht nich wer ... Francke 1904,57.
  • Brauch, Volksgl.: Zu Mittag wurde ein grünes Gericht auf den Tisch gebracht. Dabei konnte es sich um Grünkohl oder um die ersten sprießenden Pflanzen des Jahres handeln, wobei bes. frische Kräuter vor Krankheiten schützen sollten. verstr. Gebacken wurden Brezeln (Brauch-wAltm 34
  • GA-Wal) oder Kringel, die die Kinder im Nharz. von ihren Verwandten erhielten (Vk-Harz 8,40, BLA-Hü). Als Schutz vor Blitzschlag bringt man in die Wohnräume einen Strauß Weidenkätzchen (Bewohner-Altm 2,248) oder Hartheu und Eisenhart (Vk-Anhalta 222). Trotz der Verbote der Karwoche ( Krfrdag, Karwoche) ist dieser Tag für bestimmte Handlungen segensreich. Das gilt in erster Linie für das Säen und Pflanzen, bes. von Kohl, Flachs, Bohnen, Erbsen oder Kartoffeln, denn was an diesem Tag in den Boden gebracht wird, wächst gut und erfriert nicht. verstr. Außerdem sind diese Gewächse vor Erdflöhen geschützt und wenn das Pflanzen unter Geläut passiert auch vor Raupen. Bewohner-Altm 2,248. Günstig ist dieser Termin auch für das Umtopfen von Blumen bzw. das Einpflanzen von Ablegern. a.a.O. 2,248. Hühner, die aus Eiern schlüpfen, die am G. gelegt wurden, erhalten ein buntes Gefieder, dessen Farbe wechselt. vereinz. Altm., Brauch-Ma 260 (WO-Ir, HA-Sü), Vk-Anhalta 222 (KÖ-Wu). Hexen kann man erkennen, wenn man mit einem Gründonnerstagsei nach dem 1. Mai in die Kirche geht. Abergl-Ma 242 (GA-Mie, HA-Alv). In Halberstadt wurden am G. alle während der Fastenzeit ausgestoßenen Sünder wieder in die Gemeinschaft aufgenommen. Vk-Harz 8,40.