Mittelelbisches Wörterbuch, Band 2 (H-O), Spalte 259
Hund m. 1. TiN ‘Hund’, z.T. bes. das männl. Tier,
verbr. – Rda.: dat kein Hund ‘n Schticke Brot von ne
nimmt
die Schwere eines moralischen Versagens kenn-
zeichnend, Sprw-Börde; uffen Hund kom’m ‘verarmen,
abmagern’ Wb-Ak 72; de geit vor de Hunne ‘er stirbt’
WE-La; da liet der Hund bejraben ‘das ist der ent-
scheidende Punkt’ Sprw-Börde; wickelt sich in’n Hund
‘er schweigt, gibt keine Antwort’ Sprw-Börde; Dao
krei’t wädder Hund noch Haohn noa
. ‘Das ist völlig
unwichtig.’ Bewohner-Altm 1,340; kann keinen Hund
ut’n Backoben locken
Sprw-Börde; met allen hunnen
gehisst
‘raffiniert, durchtrieben’ Id-Quea 158; Hei denkt
ümmer, grod Hund is sin Päd’
(Pate), un klein hät nich
maol Vadder staohn
. ‘Er ist eingebildet.’ Bewohner-
Altm 1,340; nimmt wie der Hund ‘n Schwanz mank de
Beine
‘er geht kleinmütig davon’ Sprw-Börde; h is
bekand asn bundn hund
‘er ist überall bekannt’ GA-
Da; dai schütt sik dat af as Hund dann Raigng ‘er ist
völlig gleichgültig’ SA-Dä; sei lwet w Hund un Katte
‘sie vertragen sich nicht’, meist von Eheleuten, HA-Oh;
Dat is gerade, wie wenn’n en dob’n Hunne wat seggt
mit Bezug auf einen Schwerhörigen, Sprw-Harzvorld 374;[260]
junke Hunne met Schtickebrn scherzh. Antwort
auf die Frage, was es zu Mittag gibt, HA-Neu; mit dem
Hund gemessen und den Schwanz vergessen
‘zu knapp
gemessen’ WE-Dee; der Wech is mit’n Hund emet’t
und der Schwanz tauejeben
von einer ungenauen Entfer-
nungsangabe, Sprw-Börde; dei wett sienen Hund woll te
lei’n, dat’e nich owern Strick schitt
‘er versteht es, seine
Interessen durchzusetzen’ WO-Gu; Wenn de Hund nich
eschetten harre, harre’n Hasen ekrejjen
Zurückweisung
von Ausreden, Sprw-Harzvorld 374; deck schitt de Hund
wat
schroffe Verneinung, Ablehnung, WE-Dee; bei dn
is der Knippel bei’n Hund jelt
‘dort geht es ärmlich zu’
Wb-Ak 72; Von de Hund, de en bät’n hat, davon mütt’n
Haar uppleng’n
. ‘Um einen Kater zu beseitigen, muss
man erneut Alkohol trinken.’ Spr-Altm 82;
Sprw.: en blöen Hund ward selten fett HA-No; je dröjer
de Hund, je gröter de Fleuen
Sprw-Börde; De Hunn’,
d am fründlichst’n swänzeln, de bt’n toerst
. Wb-Altm
278; Hunn, dee veöhl blaffen, biet’n nich GA-Trü; Oll’
Hunn’ blaffen lihren, hölt swar
. Bewohner-Altm 1,340;
Väöl Hunn’ is ‘n Haos’n sin Dod. Spr-Altm 29; liet
(liegt) Harre, liet Hund HA-Sü; ein Hund bellt nich
lange
‘ein Mensch allein kann nicht lange streiten’ WO-
Ma; Den letzten biet’t de Hunne. Wb-Holzl 33; Wo de
Tun ‘n legst’n
(am niedrigsten) is, da will’n all Hun’
räwerspring’n
. Spr-Altm 82; Hunne pissen un Fruuns-
lüü weenen, wenn’s willen
OST-Sta; Wenn’t Flesch up
is, bieten sick de Hünn’ um de Knaoken
. Bewohner-Altm
1,332; Wer’n Hund hang’n will, findt ok’n Strick dato.
Spr-Altm 82; wer’n Hund hauen will, findt ok en Knüp-
pel
WO-HWa; kimmet mor ewwern Hund, kimmet mor
 ewwern Schwans
Wb-Ak 72; liewer der grote Hund in
Dörpe wie der kleine in de Stadt
Sprw-Börde; wöcker sik
as’n Hund verhrt, mutt Knoaken fräten
SA-Ab;
Neckreim:Wenn Schult’n Hund ‘n Köter weer
un denn bittschen gröter weer
un denn ‘n bittschen bunt,
denn weerd’ ‘n schön’n Hund
. Matthies 1912,30 (OST-
GrRo);
Kinderreim:ek wil dek eml wat forteln
fon Peter Sneln,
d har en klein hinneken,
dat konne bten un konne beln,
konne eppelkens fscheln,
konne nete knakken
un konne in emmer kakken
. Mda-Weg 98.
– Volksgl.: Frisst ein H. Gras (vereinz.) oder jault er
(GA-Da), so wird es regnen. Sein Jaulen kann auch einen
Todesfall ankündigen (GA-Da), bes. bei Nacht (CA-Lö),
beim Glockenläuten (Vk-Altm 206) oder wenn er die
Schnauze dabei nach unten hält (Vk-Anhalta 31). Hält er
die Schnauze nach oben, zeigt das einen bevorstehenden
Brand an. a.a.O. 31 (CA-Zu, BE-GrMü). Nach
H. schlägt der Blitz, deshalb ist bei Ge-
witter zu ihnen Abstand zu halten. a.a.O. 31 (BA-Bad).[261]
Einen Hundebiss behandelt man durch Auflegen von
Haaren des H. a.a.O. 286.
– 2. Schimpfwort, vereinz. – Hund for’n Jroschen Wb-
Ak 72; dullen Hund HA-Oh; saun vorfluchten Hund
Wb-We 54. – 3. NeckN für die Bewohner von Win-
ningen, mit Bezug auf die ihnen unterstellte Durchtrie-
benheit, 3: Vk-Ask 167. – 4. in der Verbdg.: bunt Hund
‘mit grünem Laub geschmückte Gestalt beim Pfingst-
umzug’,  Pingsten, 2: Brauch-wAltm 63 (SA-Rie).
5.
in der Verbdg.: der tolle Hund ‘Schreckgestalt für
Kinder, die angeblich im Getreidefeld sitzt’,  Rog-
genmme
, 2: ADVk Nr. 49 (JE2-Mö). – 6. ‘(hintere)
Querstange am  Ldetg’ 2: ZE-Roß, 3: HA-Uep,
OSCH-Har, QUE-Hau, 4: verstr. anhalt. – 7. in der
Verbdg.: verwassener Hund ‘verwachsener Holzklotz,
der schwer zu spalten ist’,  Knorren, 2: JE2-Bu, JE1-
Stei. – 8. in der Verbdg.: hölten Hund ‘Flachsbreche’
– Rda.: wenn erst de hölt’n Hunne bellt, is de Sömmer
vorbie
3: HA-Bee.
Lautf., Gram.: Pl.: Hunne, [hun]; außerdem: Hunn’, [hu]
verbr. nwaltm. n/mittlere Altm.; Hünn’ Bewohner-Altm 1,332.
Zuss.: zu 1.: Haff-, Halwen-, Hellen-, Hrden-, Hoff-, Jagd-,
Jammer-, Khrden-, Lnen-
; zu 2.: Hellen-, Himmel-, Jammer-,
Lumpen-, Mess-
; zu 6.: Hinder-.
Expandiere:
Lemma
Hund
Grammatische Angabe
m.
Gliederung
1.
Bedeutung
TiN ‘Hund’, z.T. bes. das männl. Tier, verbr.
Belege
  • Rda.: dat kein Hund ‘n Schticke Brot von ne nimmtdie Schwere eines moralischen Versagens kennzeichnend, Sprw-Börde
  • uffen Hund kom’m ‘verarmen, abmagern’ Wb-Ak 72
  • de geit vor de Hunne ‘er stirbt’ WE-La
  • da liet der Hund bejraben ‘das ist der entscheidende Punkt’ Sprw-Börde
  • wickelt sich in’n Hund ‘er schweigt, gibt keine Antwort’ Sprw-Börde
  • Dao krei’t wädder Hund noch Haohn noa. ‘Das ist völlig unwichtig.’ Bewohner-Altm 1,340
  • kann keinen Hund ut’n Backoben locken Sprw-Börde
  • met allen hunnen gehisst ‘raffiniert, durchtrieben’ Id-Quea 158
  • Hei denkt ümmer, grod Hund is sin Päd’ (Pate), un klein hät nich maol Vadder staohn. ‘Er ist eingebildet.’ Bewohner-Altm 1,340
  • nimmt wie der Hund ‘n Schwanz mank de Beine ‘er geht kleinmütig davon’ Sprw-Börde
  • h is bekand asn bundn hund ‘er ist überall bekannt’ GA-Da
  • dai schütt sik dat af as Hund dann Raigng ‘er ist völlig gleichgültig’ SA-Dä
  • sei lwet w Hund un Katte ‘sie vertragen sich nicht’, meist von Eheleuten, HA-Oh
  • Dat is gerade, wie wenn’n en dob’n Hunne wat seggt mit Bezug auf einen Schwerhörigen, Sprw-Harzvorld 374
  • junke Hunne met Schtickebrn scherzh. Antwort auf die Frage, was es zu Mittag gibt, HA-Neu
  • mit dem Hund gemessen und den Schwanz vergessen ‘zu knapp gemessen’ WE-Dee
  • der Wech is mit’n Hund emet’t und der Schwanz tauejeben von einer ungenauen Entfernungsangabe, Sprw-Börde
  • dei wett sienen Hund woll te lei’n, dat’e nich owern Strick schitt ‘er versteht es, seine Interessen durchzusetzen’ WO-Gu
  • Wenn de Hund nich eschetten harre, harre’n Hasen ekrejjen Zurückweisung von Ausreden, Sprw-Harzvorld 374
  • deck schitt de Hund watschroffe Verneinung, Ablehnung, WE-Dee
  • bei dn is der Knippel bei’n Hund jelt ‘dort geht es ärmlich zu’ Wb-Ak 72
  • Von de Hund, de en bät’n hat, davon mütt’n Haar uppleng’n. ‘Um einen Kater zu beseitigen, muss man erneut Alkohol trinken.’ Spr-Altm 82
  • Sprw.: en blöen Hund ward selten fett HA-No
  • je dröjer de Hund, je gröter de Fleuen Sprw-Börde
  • De Hunn’, d am fründlichst’n swänzeln, de bt’n toerst. Wb-Altm 278
  • Hunn, dee veöhl blaffen, biet’n nich GA-Trü
  • Oll’ Hunn’ blaffen lihren, hölt swar. Bewohner-Altm 1,340
  • Väöl Hunn’ is ‘n Haos’n sin Dod. Spr-Altm 29
  • liet (liegt) Harre, liet Hund HA-Sü
  • ein Hund bellt nich lange ‘ein Mensch allein kann nicht lange streiten’ WO-Ma
  • Den letzten biet’t de Hunne. Wb-Holzl 33
  • Wo de Tun ‘n legst’n (am niedrigsten) is, da will’n all Hun’ räwerspring’n. Spr-Altm 82
  • Hunne pissen un Fruunslüü weenen, wenn’s willen OST-Sta
  • Wenn’t Flesch up is, bieten sick de Hünn’ um de Knaoken. Bewohner-Altm 1,332
  • Wer’n Hund hang’n will, findt ok’n Strick dato. Spr-Altm 82
  • wer’n Hund hauen will, findt ok en Knüppel WO-HWa
  • kimmet mor ewwern Hund, kimmet mor  ewwern Schwans Wb-Ak 72
  • liewer der grote Hund in Dörpe wie der kleine in de Stadt Sprw-Börde
  • wöcker sik as’n Hund verhrt, mutt Knoaken fräten SA-Ab
  • Neckreim:Wenn Schult’n Hund ‘n Köter weer
    un denn bittschen gröter weer
    un denn ‘n bittschen bunt,
    denn weerd’ ‘n schön’n Hund
    . Matthies 1912,30 (OST-
    GrRo)
  • Kinderreim:ek wil dek eml wat forteln
    fon Peter Sneln,
    d har en klein hinneken,
    dat konne bten un konne beln,
    konne eppelkens fscheln,
    konne nete knakken
    un konne in emmer kakken
    . Mda-Weg 98.
  • Volksgl.: Frisst ein H. Gras (vereinz.) oder jault er (GA-Da), so wird es regnen. Sein Jaulen kann auch einen Todesfall ankündigen (GA-Da), bes. bei Nacht (CA-Lö), beim Glockenläuten (Vk-Altm 206) oder wenn er die Schnauze dabei nach unten hält (Vk-Anhalta 31). Hält er die Schnauze nach oben, zeigt das einen bevorstehenden Brand an. a.a.O. 31 (CA-Zu, BE-GrMü). Nach H. schlägt der Blitz, deshalb ist bei Gewitter zu ihnen Abstand zu halten. a.a.O. 31 (BA-Bad). Einen Hundebiss behandelt man durch Auflegen von Haaren des H. a.a.O. 286.
2.
Bedeutung
Schimpfwort
Verbreitung
vereinz.
Belege
  • Hund for’n Jroschen Wb-Ak 72
  • dullen Hund HA-Oh
  • saun vorfluchten Hund Wb-We 54.
3.
Bedeutung
NeckN für die Bewohner von Winningen, mit Bezug auf die ihnen unterstellte Durchtriebenheit
Verbreitung
3: Vk-Ask 167.
4.
Bedeutung
in der Verbdg.: bunt Hund ‘mit grünem Laub geschmückte Gestalt beim Pfingstumzug’,  Pingsten
Verbreitung
2: Brauch-wAltm 63 (SA-Rie).
5.
Bedeutung
in der Verbdg.: der tolle Hund ‘Schreckgestalt für Kinder, die angeblich im Getreidefeld sitzt’,  Roggenmme
Verbreitung
2: ADVk Nr. 49 (JE2-Mö).
6.
Bedeutung
‘(hintere) Querstange am  Ldetg
Verbreitung
  • 2: ZE-Roß
  • 3: HA-Uep, OSCH-Har, QUE-Hau
  • 4: verstr. anhalt.
7.
Bedeutung
in der Verbdg.: verwassener Hund ‘verwachsener Holzklotz, der schwer zu spalten ist’,  Knorren
Verbreitung
2: JE2-Bu, JE1-Stei.
8.
Bedeutung
in der Verbdg.: hölten Hund ‘Flachsbreche’
Belege
Rda.: wenn erst de hölt’n Hunne bellt, is de Sömmer vorbie 3: HA-Bee.