Mittelelbisches Wörterbuch, Band 2 (H-O), Spalte 423
Kse m. 1. Nahrungsmittel, wie Standardspr., allg.
– Zur Käseherstellung wurde saure Milch in eine Schüs-
sel gegossen und up’n Torm (auf den Ofen) gestellt,
damit sich bei mäßiger Wärme eine Käseschicht bil-
den konnte. Zum Abgießen der Molke schüttete man
die geronnene Milch in ein Leinentuch ( Ksebdel,
-dk
) oder in ein mit Löchern versehenes Tongefäß
( Ksekorf, -napp, -pott), wo die restliche Masse ver-
blieb, bis sie utjestehn harre (lange genug gestanden
hatte). Nach der Zugabe von Gewürzen (Salz, Küm-
mel) wurde der entstandene Quark (vgl. 2.) noch einmal
durchgeknetet und stand nun zu allen Mahlzeiten des Ta-
ges zur Verfügung. Bes. die Knechte mussten sich meist
damit begnügen. Bauernwelt-Ze. Käs un Brod das mak
ich nich, Meester gib mich Speck!
Lieder-Ma Nr. 842
(DE). Mit der Hand wurden aus dem Quark Klumpen
geformt, die man zum Trocknen auf eine Lage Stroh leg-
te. Hatte der Käse die notwendige Reife erreicht, wurde
er in Tontöpfe gepackt und mehrfach in Bier getaucht.
Er blieb so lange liegen, bis er ällerte (alt zu werden
begann). Bauernwelt-Ze. Kese in’n Steinpott lejjen; de
Kese hat’n Blessen
(ist innen noch weiß) HA-Oh; d
Ksen löppt
JE2-Scho; Rda.: er ist durch und durch wie
ahler Käse
‘er ist leicht erregt’ Spr-Anhalt 167; hei st
t w Kese an’ner Wand
‘er sieht blass und krank aus’
Wb-We 64; d hasd w Gse uff de Bne? DE-Ca; De
denken, Kees’ und Brod regn’t van’n Himmel.
wird von
jungen Leuten gesagt, die ohne finanzielle Absicherung
heiraten, Bewohner-Altm 1,343; steht ein Junge untätig
herum, wird ihm gesagt: ga man na Hus un pisse diene
Mutter op de Kese, dat se olt wern
CA-Bie; Sprw.: Kees’
un Brod mockt de Backen rod.
Bewoh-[424]
ner-Altm 1,343; man kann tau’n halben Keese sau veel Brot äten, wie
tau’n ganzen
WE-Oster; Wer ens bn Ksen geit, geit ok
öfter b.
‘Wer einmal Gefallen an einer Sache gefunden
hat, wird wieder darauf zurückkommen.’, sagt z.B. ein
Mädchen von einem Mann, der abstreitet, sich mehr
als einmal mit ihr eingelassen zu haben, Wb-Altm* 73;
Rätsel: Worumme schroaft man’n Käse aff ?Wenn he
Feddern harre, kün’n afrupp’n.
Lieder-Ma Nr. 484 (GA-
Grau); Neckreim:Biste beese, kruup in de Keese.
Biste wedder gut, kruup wedder rut!
Vk-Harz 3,78.
– 2. ‘ Quark’ 1: vereinz. nwaltm., 2: vereinz. SA,
OST-Bre. – a. in der Verbdg.: witt(en)/witter Kse dass.,
1: vereinz. nwaltm., 2: verbr. Altm., JE2-Sy, verbr.
n mbrdb., 3: verbr. elbostf. – b. in der Verbdg.: wken
Kse
dass., 2: SA-Pü, OST-Poll, vereinz. n mbrdb., 3:
vereinz. n elbostf. – 3a. Übertragung auf andere käsear-
tigen Substanzen, die Ekel erregen können, 4: Wb-Be.
– 3b. ‘Smegma’ 2: ZE-Roß. – 4a. ‘Frucht der Malve’
1: SA-Dä, 2: JE2-Scho, 4: Wb-Ak 85 – d Kinna t’n
ümma Kse fan dät Krt d
JE2-Scho. – 4b. ‘Frucht des
Hirtentäschels’ 2: ZE-Roß. – 5. ‘Taschenuhr’, scherzh.,
3: Id-Queb 2. – 6. ‘Geld’,  Zaster, 2: WO-Wo.
Lautf.: Käse, [kz] GA-Rö, vereinz. mittleres JE2, verstr.
mbrdb., GA-Grau, vereinz. ö. elbostf., verstr. anhalt.; [gz]
Mda-Fuhne 72 (verstr. anhalt.); Ks, Kß SA-Bo Ko, OST-Deu,
STE-Hü; Kese, [kz] STE-Arne, verstr. s Altm. JE2 mbrdb.,
verbr. elbostf.; Ks, Kß, [ks] verbr. w SA nö Altm.; Kese
HA-Oh, WE-Wa, [kes] Id-Eilsa 71; Kase BLA-Sti; [kiez],
Kiëse
OSCH-Di, WE-Rok; Keis, Kais, Keiß verstr. mittleres
SA, GA-Jem; [käiz]CALV-Zo; [käis] verstr. mittleres SA,
OST-Bi, GA-Ku; [kis] SA-Die Ev; Käsen OST-Da Polk; Ke-
sen, [kzn]
verstr. ö Altm., Siedler-Je § 87 (JE2), JE2-Scho;
Keisen SA-Gü Siep, OST-Klä, verstr. n GA; [käizn] vereinz.
nw GA, STE-Ber; Keeisen Mda-Ost 47 (OST-Gla). – Gram.: n.
belegt SA-Dä, HA-Bee, f. belegt vereinz. elbostf.
Zuss.: zu 1.: Hand-, Harz-, Klapp-, K-, Napp-; zu 2.: Hack-
ups-, Jkobs-, Matz-
; zu 4a.: Katten-; sonstiges: Krümel-.
Expandiere:
Lemma
Kse
Grammatische Angabe
m.
Gliederung
1.
Bedeutung
Nahrungsmittel, wie Standardspr., allg.
Belege
  • Zur Käseherstellung wurde saure Milch in eine Schüssel gegossen und up’n Torm (auf den Ofen) gestellt, damit sich bei mäßiger Wärme eine Käseschicht bilden konnte. Zum Abgießen der Molke schüttete man die geronnene Milch in ein Leinentuch ( Ksebdel, -dk) oder in ein mit Löchern versehenes Tongefäß ( Ksekorf, -napp, -pott), wo die restliche Masse verblieb, bis sie utjestehn harre (lange genug gestanden hatte). Nach der Zugabe von Gewürzen (Salz, Kümmel) wurde der entstandene Quark (vgl. 2.) noch einmal durchgeknetet und stand nun zu allen Mahlzeiten des Tages zur Verfügung. Bes. die Knechte mussten sich meist damit begnügen. Bauernwelt-Ze. Käs un Brod das mak ich nich, Meester gib mich Speck! Lieder-Ma Nr. 842 (DE). Mit der Hand wurden aus dem Quark Klumpen geformt, die man zum Trocknen auf eine Lage Stroh legte. Hatte der Käse die notwendige Reife erreicht, wurde er in Tontöpfe gepackt und mehrfach in Bier getaucht. Er blieb so lange liegen, bis er ällerte (alt zu werden begann). Bauernwelt-Ze. Kese in’n Steinpott lejjen
  • de Kese hat’n Blessen (ist innen noch weiß) HA-Oh
  • d Ksen löppt JE2-Scho
  • Rda.: er ist durch und durch wie ahler Käse ‘er ist leicht erregt’ Spr-Anhalt 167
  • hei st t w Kese an’ner Wand ‘er sieht blass und krank aus’ Wb-We 64
  • d hasd w Gse uff de Bne? DE-Ca
  • De denken, Kees’ und Brod regn’t van’n Himmel. wird von jungen Leuten gesagt, die ohne finanzielle Absicherung heiraten, Bewohner-Altm 1,343
  • steht ein Junge untätig herum, wird ihm gesagt: ga man na Hus un pisse diene Mutter op de Kese, dat se olt wern CA-Bie
  • Sprw.: Kees’ un Brod mockt de Backen rod. Bewohner-Altm 1,343
  • man kann tau’n halben Keese sau veel Brot äten, wie tau’n ganzen WE-Oster
  • Wer ens bn Ksen geit, geit ok öfter b. ‘Wer einmal Gefallen an einer Sache gefunden hat, wird wieder darauf zurückkommen.’, sagt z.B. ein Mädchen von einem Mann, der abstreitet, sich mehr als einmal mit ihr eingelassen zu haben, Wb-Altm* 73
  • Rätsel: Worumme schroaft man’n Käse aff ?
  • Wenn he Feddern harre, kün’n afrupp’n. Lieder-Ma Nr. 484 (GA-Grau)
  • Neckreim:Biste beese, kruup in de Keese.
    Biste wedder gut, kruup wedder rut!
    Vk-Harz 3,78.
2.
Bedeutung
‘ Quark
Verbreitung
  • 1: vereinz. nwaltm.
  • 2: vereinz. SA, OST-Bre.
a.
Bedeutung
in der Verbdg.: witt(en)/witter Kse dass.
Verbreitung
  • 1: vereinz. nwaltm.
  • 2: verbr. Altm., JE2-Sy, verbr. n mbrdb.
  • 3: verbr. elbostf.
b.
Bedeutung
in der Verbdg.: wken Kse dass.
Verbreitung
  • 2: SA-Pü, OST-Poll, vereinz. n mbrdb.
  • 3: vereinz. n elbostf.
3a.
Bedeutung
Übertragung auf andere käseartigen Substanzen, die Ekel erregen können
Verbreitung
4: Wb-Be.
3b.
Bedeutung
‘Smegma’
Verbreitung
2: ZE-Roß.
4a.
Bedeutung
‘Frucht der Malve’
Verbreitung
  • 1: SA-Dä
  • 2: JE2-Scho
  • 4: Wb-Ak 85
Belege
d Kinna t’n ümma Kse fan dät Krt d JE2-Scho.
4b.
Bedeutung
‘Frucht des Hirtentäschels’
Verbreitung
2: ZE-Roß.
5.
Bedeutung
‘Taschenuhr’, scherzh.
Verbreitung
3: Id-Queb 2.
6.
Bedeutung
‘Geld’,  Zaster
Verbreitung
2: WO-Wo.