Mittelelbisches Wörterbuch, Band 2 (H-O), Spalte 717
Kreie f. 1. TiN ‘Krähe’, in versch. Arten vorkom-
mend, 1: verbr. nwaltm., 2: verbr. w Altm., verstr.
ö Altm., verbr. JE2 mbrdb., 3: verbr. elbostf., 4: verbr.
anhalt. – Dee Krahen waren noch swarrter wie dee
Acker.
Hbl-Ohre 1928 Nr. 3/4/Wöhlbier (HA-Eim); de
Gren gom’m, es ward Windor
BE-GrWi; Rda.: den
trecken de Kreihen hindern Tun
‘er stirbt bald’ WO-Me;
wat vorsteiht de Kreie von’n Sönndag? Bemerkung über
jmds. Unwissenheit, WO-Schn; He is as de Ul mang de
Kreih’n.
‘Er befindet sich in unpassender Gesellschaft.’
Spr-Altm 83; dät is’n Verdragg as twischen len un
Kren
‘es herrscht beständig Zank und Streit’ STE-Wa;
Sprw.: eine Kreie hakkt der annern dat e nich t Wb-
We 74; Kinderreim zur Ausdeutung des Krächzens:Krei, Krei
bring Schnei,
nich tau wennich,
krist’n Pennich.
HA-Wef;
Bauernregel: ‘n rscht’n Mai muß sich anne Kr in[718]
Rocken vorstechen ken’n.
Wb-Ak 96. – Brauch, Volks-
gl.: K. künden durch ihr Erscheinen oder ihren Ruf, der
als Starb, starb oder Grab, Grabgedeutet wird (Vk-
Anhalta 270), einenTodesfall in der Familie an. verstr.
Tote Krähen werden als Vogelscheuchen benutzt oder
an das Hoftor genagelt. Vk-Anhalta 271.  Galgenvo-
gel Humpel Hupf-die-Krähe Jakob Kker 1Kks Kkser
Kolster Krähenkopf Krks Kreis Luderkrähe N-wel-
kreie Rauke Rwe Totenvogel
. – 2. Sammelbezeich-
nung für andere, der Krähe ähnliche Vögel wie z.B. Doh-
le ( Dle) oder Rabe, 2: GA-Da, 3: vereinz. mittleres
elbostf. – 3. Schimpfwort für eine (unordentliche oder
alte) Frau, auch in der Verbdg.: olde Kreie 2: ZE-Roß,
3: HA-Bee, QUE-He, 4: BE-Am. – 4. NeckN für die
Bewohner von Neundorf, 4: BE-Ra. – 5. ‘auffälliger,
verschrobener Hut’ 2: JE2-Wa. – 6.le.
Lautf.: Krei(h)e, Krai(h)e, [krae] SA-Gla, OST-Gies, GA-
Rö Wen, verstr. s Altm.; vereinz. w JE1, verbr. elbostf., CA-
Brei; [grai] BE-He; Krei(h), Krai(h), [krai] verstr. nwaltm.
w Altm., vereinz. ö Altm., JE1-Me, verstr. w elbostf., QUE-
Su; Kreije, Kraije vereinz. s elbostf.; Kreige CA-Bie; Kraai,
[kri]
vereinz. nwaltm., verstr. w Altm., STE-Sa, vereinz. n
JE2; [kre] verbr. nwaltm., JE2-Scho; Kraä HA-Uep; Kraei
vereinz. nwaltm.;
Kra(h)e Sg., Kra(he)n Pl. JE1-Wall, vereinz. mittleres ZE, Hbl-
Ohre 1928 Nr. 3/4/Wöhlbier (HA-Eim), QUE-Di, BA-Ho, CA-
Kü; Kra(h), [kr] vereinz. s nwaltm. mittleres SA, GA-Ku,
verbr. s JE1 ZE, HA-Ost, verstr. mittleres anhalt.; [gr] BE-Ad,
DE-Ca; Kraje, [krj] JE2-Reh, vereinz. n WO; Krj SA-Dä
Im, QUE-Di;
Krä(h)e, [kr] OST-Drü We, JE2-NeuWa, verstr. s JE2, verbr.
JE1, ZE-Bur Reu, vereinz. sö elbostf. w anhalt.; [gr] verbr.
w BE; [gr] vereinz. w BE; Krä(h), [kr] verbr. ö SA w
OST n GA, vereinz. ö OST, STE-Bin, verstr. s JE2 JE1; Kr
SA-Brie; Kräie JE2-GrMa Schar; Krä-i, [kri] SA-Hen, OST-
Pol, GA-Mie Schw, vereinz. STE n JE2; Krä-j OST-Me, STE-
Schö; Kräije JE2-Gru; Kräij JE2-Wa; Krä(h)je, [krj] vereinz.
n WO sw JE1, ZE-Roß, Mda-Ma 64 (CA-Gli Pö), Richter
o.J. 31, DE-De; Krehje, [krj] WO-El, Mda-Ma 64 (CA-We);
Krähge JE1-Ran; Kraägg OST-Go.
Zuss.: zu 1.: Luderkrähe, Nwel-.
Expandiere:
Lemma
Kreie
Grammatische Angabe
f.
Gliederung
1.
Bedeutung
TiN ‘Krähe’, in versch. Arten vorkommend
Verbreitung
  • 1: verbr. nwaltm.
  • 2: verbr. w Altm., verstr. ö Altm., verbr. JE2 mbrdb.
  • 3: verbr. elbostf.
  • 4: verbr. anhalt.
Belege
  • Dee Krahen waren noch swarrter wie dee Acker. Hbl-Ohre 1928 Nr. 3/4/Wöhlbier (HA-Eim)
  • de Gren gom’m, es ward Windor BE-GrWi
  • Rda.: den trecken de Kreihen hindern Tun ‘er stirbt bald’ WO-Me
  • wat vorsteiht de Kreie von’n Sönndag? Bemerkung über jmds. Unwissenheit, WO-Schn
  • He is as de Ul mang de Kreih’n. ‘Er befindet sich in unpassender Gesellschaft.’ Spr-Altm 83
  • dät is’n Verdragg as twischen len un Kren ‘es herrscht beständig Zank und Streit’ STE-Wa
  • Sprw.: eine Kreie hakkt der annern dat e nich t Wb-We 74
  • Kinderreim zur Ausdeutung des Krächzens:Krei, Krei
    bring Schnei,
    nich tau wennich,
    krist’n Pennich.
    HA-Wef
  • Bauernregel: ‘n rscht’n Mai muß sich anne Kr in Rocken vorstechen ken’n. Wb-Ak 96.
  • Brauch, Volksgl.: K. künden durch ihr Erscheinen oder ihren Ruf, der als Starb, starb oder Grab, Grabgedeutet wird (Vk-Anhalta 270), einenTodesfall in der Familie an. verstr. Tote Krähen werden als Vogelscheuchen benutzt oder an das Hoftor genagelt. Vk-Anhalta 271.
2.
Bedeutung
Sammelbezeichnung für andere, der Krähe ähnliche Vögel wie z.B. Dohle ( Dle) oder Rabe
Verbreitung
  • 2: GA-Da
  • 3: vereinz. mittleres elbostf.
3.
Bedeutung
Schimpfwort für eine (unordentliche oder alte) Frau, auch in der Verbdg.: olde Kreie
Verbreitung
  • 2: ZE-Roß
  • 3: HA-Bee, QUE-He
  • 4: BE-Am.
4.
Bedeutung
NeckN für die Bewohner von Neundorf
Verbreitung
4: BE-Ra.
5.
Bedeutung
‘auffälliger, verschrobener Hut’
Verbreitung
2: JE2-Wa.
6.
Bedeutung
le.