Mittelelbisches Wörterbuch, Band 2 (H-O), Spalte 937
Maie f. 1. ‘junge Birke oder Birkengrün’, bes. als
Festschmuck zu Pfingsten verwendet, 1: SA-Lag Pü, 2:
verstr. Altm., ZE-Roß, 3: vereinz. elbostf., 4: vereinz.
anhalt. – mor hann  ne Maie forr de Dre DE-Ca
– Brauch: Am Tag vor Pfingsten fuhren die Burschen des
Ortes mit mehreren Wagen in den Wald, um M. zu schla-
gen. Unter dem Jubel der Bewohner zogen sie wieder ins
Dorf ein und verteilten die Zweige unter den Hausbesit-
zern, die dafür ein geringes Entgeld zu entrichten hatten.
Vk-Anhalta 230 (DE-Que). Die jungen Männer stellten
eine M. vor das Fenster ihrer Geliebten auf: Die Maien
pflanzen se denn vor ihre Breitchens
(Bräuten) ihre Tiere
(Tür). Wäschke 71913,71, vgl. Maienstken. Wo Bir-
ken nicht vorhanden waren, konnten auch Pappeln ge-
nommen werden. Vk-Anhalta 229 (BA-Ho, KÖ-KlPa).
Mit den M. wurden nicht nur Privathäuser und Ställe,
sondern auch öffentliche Gebäude, vor allem Kirchen,
geschmückt. Wb-Altm 136, Vk-Anhalta 230. Auch zu
anderen Anlässen wie zur Konfirmation (Mda-Sti 174),
zu Sommerfesten von Vereinen (Brauch-wAltm 58)
oder bei Umzügen (Vk-Anhalta 231) verwendete man
M. als Schmuck. – Volksgl.: In die Wohnstube wurden
M. gestellt, um das Haus vor Blitzschlag zu schützen.
Brauch-wAltm 58. Zur Vertreibung von Raupen und
anderem Ungeziefer trug man in Würflau eine bereits
verwelkte Maie um ein Kohlfeld. Ackerbau-Anhalt 306,
Vk-Anhalta 231. Aufbewahrte M. wurden später beim
Rösten auf den Flachs gelegt, damit dieser fester würde.
Bewohner-Altm 254. – 2. dass. wie  Maibm 1., 4: Vk-
Anhalta 230. – 3. in der Verbdg.: le Maie Schimpfwort,
4: Wb-Be.
Lautf., Gram.: Maie, Meie, [mai]; außerdem: Mai HA-Bee
Oh, OSCH-Di; Maien, Meien, [main] Pl. SA-GrGe, Id-Queb
10, Wäschke 71913,71; Mei’n Pl. Wb-Altm 136; [main] Pl.
SA-Pü; maije Wb-Nharz 121, Mda-Sti 174.
Zus.: zu 1.: Kltermai.
Expandiere:
Lemma
Maie
Grammatische Angabe
f.
Gliederung
1.
Bedeutung
‘junge Birke oder Birkengrün’, bes. als Festschmuck zu Pfingsten verwendet
Verbreitung
  • 1: SA-Lag
  • 2: verstr. Altm., ZE-Roß
  • 3: vereinz. elbostf.
  • 4: vereinz. anhalt.
Belege
  • mor hann  ne Maie forr de Dre DE-Ca
  • Brauch: Am Tag vor Pfingsten fuhren die Burschen des Ortes mit mehreren Wagen in den Wald, um M. zu schlagen. Unter dem Jubel der Bewohner zogen sie wieder ins Dorf ein und verteilten die Zweige unter den Hausbesitzern, die dafür ein geringes Entgeld zu entrichten hatten. Vk-Anhalta 230 (DE-Que). Die jungen Männer stellten eine M. vor das Fenster ihrer Geliebten auf: Die Maien pflanzen se denn vor ihre Breitchens (Bräuten) ihre Tiere (Tür). Wäschke 71913,71, vgl. Maienstken. Wo Birken nicht vorhanden waren, konnten auch Pappeln genommen werden. Vk-Anhalta 229 (BA-Ho, KÖ-KlPa). Mit den M. wurden nicht nur Privathäuser und Ställe, sondern auch öffentliche Gebäude, vor allem Kirchen, geschmückt. Wb-Altm 136, Vk-Anhalta 230. Auch zu anderen Anlässen wie zur Konfirmation (Mda-Sti 174), zu Sommerfesten von Vereinen (Brauch-wAltm 58) oder bei Umzügen (Vk-Anhalta 231) verwendete man M. als Schmuck.
  • Volksgl.: In die Wohnstube wurden M. gestellt, um das Haus vor Blitzschlag zu schützen. Brauch-wAltm 58. Zur Vertreibung von Raupen und anderem Ungeziefer trug man in Würflau eine bereits verwelkte Maie um ein Kohlfeld. Ackerbau-Anhalt 306, Vk-Anhalta 231. Aufbewahrte M. wurden später beim Rösten auf den Flachs gelegt, damit dieser fester würde. Bewohner-Altm 254.
2.
Bedeutung
dass. wie  Maibm 1.
Verbreitung
4: Vk-Anhalta 230.
3.
Bedeutung
in der Verbdg.: le Maie Schimpfwort
Verbreitung
4: Wb-Be.