Mittelelbisches Wörterbuch, Band 2 (H-O), Spalte 959
Mann m. 1a. ‘erwachsene Person männl. Geschlechts’
verbr. – Rda.: Manns jenuch sin ‘die Energie, den Mut
besitzen, etw. zu tun’ Wb-Ak 110; dao bin ick Manns
väör
dass., Wb-Altm 131; hei steit sn Mann ‘er ist tüch-
tig’ Wb-We 86; makt’n willen Mann ‘er ist unbeherrscht,
wütend’ Sprw-Börde;
n’n man bringen ‘eine Ware verkaufen’ Wb-Nharz 122;
en man, en wrt Wb-Nharz 122; Mann schaffe, Frue fritt
HA-Sü; dat kann de Mann ten, wenn de Fr in de Wo-
chen lt
HA-Oh; De Mann mütt woll all’ns äten, äöwer
nich all’ns weeten.
Bewohner-Altm 1,349; Sprw.: So as
de Mann is, so wärd äm de Wost brao’t.
‘Jeder wird so
behandelt, wie es seinem Verhalten entspricht’ Bewoh-
ner-Altm 1,349; de Menner hebben alle den Brand, un
brennet se nich, sau glimmet se doch
‘alle Männer sind
mehr oder weniger heftig oder erregbar’ Wb-We 86.
1b.
Dim. ‘kleiner Mann’,  Knirps, auch Fabelwesen
Zwerg, 3: vereinz. elbostf. – 2. ‘Ehemann’ verbr. – mn
Mann is nich te Hs
HA-Oh; Rda.: n’n man bringen
‘ein Mädchen verheiraten’ Wb-Nharz 122; ’n Mann
kom’m
‘sich verheiraten’, von einem Mädchen Wb-Ak
110; Sprw.: Wer töwen (warten) kann, kriegt ok’n Mann.
Spr-Altm 15. – Volksgl.: Die Frau, die die letzte Garbe
bindet, bekommt einen alten Mann (CALV-Je, JE2-Zo).
– 3a. ‘Bootsmann’, Schifferspr., 4: Wb-Ak 110. – 3b. in
der Verbdg.: dridder Mann ‘Aushilfsbootsmann neben
den beiden ständigen Bootsleuten’, Schifferspr., 2: Elb-
schifferspr. 336 (STE-Tan), 4: a.a.O. 336 (CA-Ak), Wb-
Ak 110. – 3c. in der Verbdg.: halwer Mann ‘Ersatzkraft
für einen voll ausgebildeten Bootsmann’, Schifferspr.,
2: Elbschifferspr. 336 (WO-Ro, JE2-Mi), 4: a.a.O. 336
(CA-Ak), Wb-Ak 110. – 4. Dim. – a. ‘männl. Tier’ 3:
verstr. elbostf., 4: Mda-Sti 13. – b. in der Rda.: Männken
mken
‘aufrecht auf den Hinterbeinen stehen’, von Tie-
ren, 3: vereinz. elbostf. – de Hase mkt Männekens Wb-
We 86. – c. in der Rda.: keine Männeken maken ‘keine
Ausreden vorbringen’ 3: Sprw-Börde. – 5. Dim., nur im
Pl. ‘Kapriolen, Luftsprünge’ 4: Mda-Sti 13 und 46. – 6.
Dim. PflN ‘Gänseblümchen’,  Gseblme, 2: JE2-Mi
Schl. – 7. in der Verbdg.: de swarte Mann – a. ‘Schreck-
gestalt für Kinder, die angeblich im Getreidefeld sitzt’,
Roggenmme, 2: Brauch-wAltm 94 (SA-Vie). – b. ein
Spiel, 3: WO-GrRo. – 8. ‘die drei Eisheiligen’,  shilli-
gen
– a. in der Verbdg.: de dr bsen Männer 1: SA-Bar,
2: STE-Arne. – b. de dullen Männer[960]
2: STE-Sta Sto. – c. de harten Männer 2: WO-Bl. – d. de (dr)
kolden Männer
2: verbr. s STE n WO JE2 JE1 ZE, 3: WO-El Och,
HA-Scha Sie, JE1-HWa Nie Wa. – e. de starken Männer
2: SA-Stei, GA-Bo, 3: WO-HWa. – 9. in der Verbdg.:
older Mann ‘alter, zerlaufender Käse’ 2: ZE-Roß, 3:
vereinz. Holzl., 4: Wb-Ak 110. – 10. Personifizierung
von Sachen, Pflanzen und Tieren im Rätsel:höltern Mann mit’n sern Arm? – die Wasserpumpe, JE2-
Schön;
Kam’n Mann van Hoaken
Han witt Loaken
Will de ganze Welt bedecken
kunn nich öäwert Woater recken.
– Winter mit Schnee, Be-
wohner-Altm 2,173;
Hinner uns Hus steiht een Männeken.
Wenn mer’n anfoat, denn brennt he.
– die Brennnessel, SA-
Rie;
Kümmt’n Mann von Tippen-tappen
Hätt’n Kleed von dusend Lappen
Knöäkern Mul un fleeschern Boart
Hürt moal, wie de Kerdl roart.
– der Hahn, OST-Werb.
Lautf.: Mann, [man]; außerdem: mn Mda-Sti 9 und 13; Dim.:
Männeken SA-Rie, JE2-Mi, vereinz. elbostf.; Männiken JE2-
Schl; menneken vereinz. elbostf.; [menin] Wb-Be; manne-
chen
Mda-Sti 13; Pl. und vom Pl. des Grundwortes abgeleitet:
manderchens Mda-Sti 13; menderchens a.a.O. 46. – Gram.:
Pl.: Männer SA-Bar, verbr. s STE n WO, WO-El Och, vereinz.
JE2, verbr. JE1 ZE; Menner HA-Oh, Wb-We 86; [menr] Mda-
Fuhne 102 (verbr. s anhalt.); Men’ner Wb-Ak 110, [mer]
ZE-Roß, Wb-Be; [mer] Mda-Fuhne 102 (verbr. n anhalt.,
bes. ältere und mittlere Generation); Män(n)der JE1-GrLüb Grü
Ro, Wb-Holzl 138; Mender JE1-Da,Wb-We 86, mender Wb-
Nharz 122, Mda-Sti 9 und 46; Männe JE2-Kl; Männ JE2-Schö;
Männ’rs Lieder-Ma Nr. 882; Manns Wb-Altm* 62 (2.), vereinz.
sw JE2.
Zuss.: zu 1.: Hampel-, Handels-, Hasch-, Haulemännchen, Hei-
delbeer-, Hde-, Hoff-, Holt-, Klaps-, Klocken-, Kluckemänn-
chen, Knopf-, Koks-, Kp-, Kt-, Kuckucks-, Kund-, Lands-,
Leierkasten-, Leiter-, Luck-, Lumpen-, Mei-, Mts-, Middels-,
Milch-, Mostrich-, Mrer-, Opper-
; zu 4. (Tierbenennungen):
Hart-, Haspelmännken, Hwer-, Hrmännken, Krtsch-; zu 7.:
Hkel-, Hke-, Heckelmännken, Hoff-, Klabauster-, Korn-,
Lichte-, Nickel-, Nicker-
; zu 8.: smänner; sonstiges: Hippel-,
Holder-, Kastenmännken, Klapper-, Klimper-, Klingel-, Klip-
per-, Linde-
.
Expandiere:
Lemma
Mann
Grammatische Angabe
m.
Gliederung
1a.
Bedeutung
‘erwachsene Person männl. Geschlechts’ verbr.
Belege
  • Rda.: Manns jenuch sin ‘die Energie, den Mut besitzen, etw. zu tun’ Wb-Ak 110
  • dao bin ick Manns väör dass., Wb-Altm 131
  • hei steit sn Mann ‘er ist tüchtig’ Wb-We 86
  • makt’n willen Mann ‘er ist unbeherrscht, wütend’ Sprw-Börde
  • n’n man bringen ‘eine Ware verkaufen’ Wb-Nharz 122
  • en man, en wrt Wb-Nharz 122
  • Mann schaffe, Frue fritt HA-Sü
  • dat kann de Mann ten, wenn de Fr in de Wochen lt HA-Oh
  • De Mann mütt woll all’ns äten, äöwer nich all’ns weeten. Bewohner-Altm 1,349
  • Sprw.: So as de Mann is, so wärd äm de Wost brao’t. ‘Jeder wird so behandelt, wie es seinem Verhalten entspricht’ Bewohner-Altm 1,349
  • de Menner hebben alle den Brand, un brennet se nich, sau glimmet se doch ‘alle Männer sind mehr oder weniger heftig oder erregbar’ Wb-We 86.
1b.
Grammatikalische Angabe
Dim.
Bedeutung
‘kleiner Mann’,  Knirps, auch Fabelwesen Zwerg
Verbreitung
3: vereinz. elbostf.
2.
Bedeutung
‘Ehemann’ verbr.
Belege
  • mn Mann is nich te Hs HA-Oh
  • Rda.: n’n man bringen ‘ein Mädchen verheiraten’ Wb-Nharz 122
  • ’n Mann kom’m ‘sich verheiraten’, von einem Mädchen Wb-Ak 110
  • Sprw.: Wer töwen (warten) kann, kriegt ok’n Mann. Spr-Altm 15.
  • Volksgl.: Die Frau, die die letzte Garbe bindet, bekommt einen alten Mann (CALV-Je, JE2-Zo).
3a.
Bedeutung
‘Bootsmann’, Schifferspr.
Verbreitung
4: Wb-Ak 110.
3b.
Bedeutung
in der Verbdg.: dridder Mann ‘Aushilfsbootsmann neben den beiden ständigen Bootsleuten’, Schifferspr.
Verbreitung
  • 2: Elbschifferspr. 336 (STE-Tan)
  • 4: a.a.O. 336 (CA-Ak), Wb-Ak 110.
3c.
Bedeutung
in der Verbdg.: halwer Mann ‘Ersatzkraft für einen voll ausgebildeten Bootsmann’, Schifferspr.
Verbreitung
  • 2: Elbschifferspr. 336 (WO-Ro, JE2-Mi)
  • 4: a.a.O. 336 (CA-Ak), Wb-Ak 110.
4.
Grammatikalische Angabe
Dim.
a.
Bedeutung
‘männl. Tier’
Verbreitung
  • 3: verstr. elbostf.
  • 4: Mda-Sti 13.
b.
Bedeutung
in der Rda.: Männken mken ‘aufrecht auf den Hinterbeinen stehen’, von Tieren
Verbreitung
3: vereinz. elbostf.
Belege
de Hase mkt Männekens Wb-We 86.
c.
Bedeutung
in der Rda.: keine Männeken maken ‘keine Ausreden vorbringen’
Verbreitung
3: Sprw-Börde.
5.
Grammatikalische Angabe
Dim., nur im Pl.
Bedeutung
‘Kapriolen, Luftsprünge’
Verbreitung
4: Mda-Sti 13 und 46.
6.
Grammatikalische Angabe
Dim.
Bedeutung
PflN ‘Gänseblümchen’,  Gseblme
Verbreitung
2: JE2-Mi Schl.
7.
Bedeutung
in der Verbdg.: de swarte Mann
a.
Bedeutung
‘Schreckgestalt für Kinder, die angeblich im Getreidefeld sitzt’,  Roggenmme
Verbreitung
2: Brauch-wAltm 94 (SA-Vie).
b.
Bedeutung
ein Spiel
Verbreitung
3: WO-GrRo.
8.
Bedeutung
‘die drei Eisheiligen’,  shilligen
a.
Bedeutung
in der Verbdg.: de dr bsen Männer
Verbreitung
  • 1: SA-Bar
  • 2: STE-Arne.
b.
Bedeutung
de dullen Männer
Verbreitung
2: STE-Sta Sto.
c.
Bedeutung
de harten Männer
Verbreitung
2: WO-Bl.
d.
Bedeutung
de (dr) kolden Männer
Verbreitung
  • 2: verbr. s STE n WO JE2 JE1 ZE
  • 3: WO-El Och, HA-Scha Sie, JE1-HWa Nie Wa.
e.
Bedeutung
de starken Männer
Verbreitung
  • 2: SA-Stei, GA-Bo
  • 3: WO-HWa.
9.
Bedeutung
in der Verbdg.: older Mann ‘alter, zerlaufender Käse’
Verbreitung
  • 2: ZE-Roß
  • 3: vereinz. Holzl.
  • 4: Wb-Ak 110.
10.
Bedeutung
Personifizierung von Sachen, Pflanzen und Tieren im Rätsel:
Belege
  • höltern Mann mit’n sern Arm?
  • die Wasserpumpe, JE2-
    Schön
  • Kam’n Mann van Hoaken
    Han witt Loaken
    Will de ganze Welt bedecken
    kunn nich öäwert Woater recken.
  • Winter mit Schnee, Be-
    wohner-Altm 2,173
  • Hinner uns Hus steiht een Männeken.
    Wenn mer’n anfoat, denn brennt he.
  • die Brennnessel, SA-
    Rie
  • Kümmt’n Mann von Tippen-tappen
    Hätt’n Kleed von dusend Lappen
    Knöäkern Mul un fleeschern Boart
    Hürt moal, wie de Kerdl roart.
  • der Hahn, OST-Werb.