Mittelelbisches Wörterbuch, Band 2 (H-O), Spalte 964
1Mantel m., f. 1. allg. ‘langärmliges Kleidungsstück,
das bei Nässe oder Kälte über der übrigen Kleidung ge-
tragen wird’ verstr. – böste dn Mantl’l af JE2-Scho; de
Frue hat ne nie Mantel
HA-Bo; Rda.: dä dreht’n Mantel
na en Winne
‘er redet anderen nach dem Mund’ BA-Op;
dor drcht en Mandel nch dswai Saiden dass., BE-
Me; dat Haun hängete sick en Mäntelken um ‘das Huhn
lässt die Flügel hängen’, Anzeichen für Tuberkulose,
Wb-Holzl 139. – M. für Männer, aber bes. für Frauen
gab es in sehr versch. Ausführungen. Häufig zu finden
waren weite Frauenmäntel (STE, HA, Nharz.), die z.T.
mit einem (WO, JE1, HA, OSCH-Nie) oder mehreren
(STE, HA), oft mit Fransen versehenen Kragen bzw. mit
Schulterstücken aus Samt (OST) besetzt waren. Bevor-
zugte Materialien waren Kattun (verstr.), Wolle (HA)
und Tuchstoff (Nharz.). Die Wintermäntel waren wat-
tiert (verstr.) oder mit dickem Fries gefüttert (HA). Ne-
ben dunklen bzw. schwarzen M. (verbr.) wurden von den
Frauen auch helle (Nharz.), bunte (OST, HA), schwarz-
weiß gestreifte oder rotschwarz geringelte M. (Nharz.)
getragen. Tracht-ProvSachs 186ff., Vk-Harz 6/7,15 und
22. – 2. ‘Mantel in Form eines Umhangs, in dem Mütter
ihr Kind trugen’,  Kindermantel, 2: Mda-nwJe1b 72
(JE2-HSe), verstr. JE1, 3: verbr. elbostf., 4: Wb-Ak
110, Wäschke 31919,5 – Na, die jungen denn mitte Kin-
nermutter, die Karln in’n Mantel truk, bein’n Richter,
um Karln toofen zu laßen.
Wäschke 31919,5.
Lautf.: Mantel, [mantl]; außerdem: [mant] JE2-Scho;
Mahnt(e)l vereinz. SA OST; Mantele verstr. WE; Mandel,
[mandl]
vereinz. nbrdb., BE-Me; Mndl vereinz. OST; Moan-
del
vereinz. SA; Mannel vereinz. OST STE. – Gram.: m. verstr.;
f. (bes. 2.) verstr. w JE1 elbostf.
Zuss.: zu 1.: Kattn-; zu 2.: Kinder-.
Expandiere:
Lemma
Mantel (Homonymziffer 1)
Grammatische Angabe
m., f.
Gliederung
1.
Bedeutung
allg. ‘langärmliges Kleidungsstück, das bei Nässe oder Kälte über der übrigen Kleidung getragen wird’ verstr.
Belege
  • böste dn Mantl’l af JE2-Scho
  • de Frue hat ne nie Mantel HA-Bo
  • Rda.: dä dreht’n Mantel na en Winne ‘er redet anderen nach dem Mund’ BA-Op
  • dor drcht en Mandel nch dswai Saiden dass., BE-Me
  • dat Haun hängete sick en Mäntelken um ‘das Huhn lässt die Flügel hängen’, Anzeichen für Tuberkulose, Wb-Holzl 139.
  • M. für Männer, aber bes. für Frauen gab es in sehr versch. Ausführungen. Häufig zu finden waren weite Frauenmäntel (STE, HA, Nharz.), die z.T. mit einem (WO, JE1, HA, OSCH-Nie) oder mehreren (STE, HA), oft mit Fransen versehenen Kragen bzw. mit Schulterstücken aus Samt (OST) besetzt waren. Bevorzugte Materialien waren Kattun (verstr.), Wolle (HA) und Tuchstoff (Nharz.). Die Wintermäntel waren wattiert (verstr.) oder mit dickem Fries gefüttert (HA). Neben dunklen bzw. schwarzen M. (verbr.) wurden von den Frauen auch helle (Nharz.), bunte (OST, HA), schwarzweiß gestreifte oder rotschwarz geringelte M. (Nharz.) getragen. Tracht-ProvSachs 186ff., Vk-Harz 6/7,15 und 22.
2.
Bedeutung
‘Mantel in Form eines Umhangs, in dem Mütter ihr Kind trugen’,  Kindermantel
Verbreitung
  • 2: Mda-nwJe1b 72 (JE2-HSe), verstr. JE1
  • 3: verbr. elbostf.
  • 4: Wb-Ak 110, Wäschke 31919, 5
Belege
Na, die jungen denn mitte Kinnermutter, die Karln in’n Mantel truk, bein’n Richter, um Karln toofen zu laßen. Wäschke 31919,5.