Mittelelbisches Wörterbuch, Band 2 (H-O), Spalte 1004
Melk f. 1. ‘flüssige, weiße, fetthaltige Absonderung
der Milchdrüsen bei Säugetieren’, bes. die als Nah-
rungsmittel verwendete von Kuh, Ziege, Schaf, verbr.
drinkste denn Melk? WO-Dru; de Melk jerünnt HA-
Oh; dai Mek is blarrarich (dünn) SA-Dä; Rda.: De
hät wat in de Melk to brocken.
‘Er ist wohlhabend.’ Be-
wohner-Altm 1,349; sauveel Maat (Liter) Melk n De,
sauveel Sticken Botter de Woche
BA-Re; Sprw.: wer
de Melk in Kaffee drinkt, kann nich bottern
QUE-West.
– Nach dem Melken wurde die M. durch ein Seihtuch ge-
gossen: dat Mek wt drgng Saidauk saiet SA-Dä. Die
anschließend in  Satten gefüllte M. lagerte bei gleich
bleibender Temperatur so lange im  Melkschapp, bis
sich an der Oberfläche Sahne bildete: d is all schn Rm
up de Melk
JE2-Scho. Nach dem Abschöpfen und wei-
terer Reifung wurde diese zu  Botter weiterverarbeitet.
Übrig blieb die  Mgermelk, die nach der Gerinnung
zur Herstellung von  Käse 1. und  Quark verwendet
wurde. Bauernwelt-Ze. – Volksgl.: Frisch gemolkene
M. darf nur verdeckt über den Hof getragen werden,
da die Kühe sonst den  Sunnenschott bekämen. Bau-
ernwelt-Ze, Vk-Anhalta 210 (ZE-Stre). Um die M. oder
die Kühe vor Behexung zu schützen, streut man an die
M., die über die Straße getragen werden muss, einige
Körner Salz oder einige Stücken Brot (KÖ-Ar, DE-Go).
Vorbeugend gegen blaue, d.h. fettarme M., wirkt die
Fütterung der Kühe mit Tüpfel-Hartheu am Johannistag.
Vk-Anhalta 210. Geben die Kühe dennoch blaue M.,
gießt man etw. davon nach Sonnenuntergang in ein flie-
ßendes Gewässer, wobei man der entschwindenden M.
nicht nachsehen darf (HA-Gro). Gegen blutige M. hilft
das Melken durch einen alten Besen (WO-Ir). Zauber-
Ma 90. – 2a. in der Verbdg.: ste Melk ‘frische Voll-
milch’ 1: SA-Rist, 2: Brauch-wAltm 21. – 2b. in der
Verbdg.: gue (gute) Melk dass., 3: OSCH-Har. – 2c. in[1005]
der Verbdg.: sre Melk ‘Sauermilch’, war ohne oder
mit Zusätzen (Brot, Zucker, Zimt, Rosinen) beliebtes
Gericht während der Sommermonate, 2: JE2-Gü Nka,
Bauernwelt-Ze, 3: verstr. elbostf., 4: BE-Dro Grö La,
DE-Schie – de sure oder dicke Melk hem se in’n Sommer
jern’ne jetten met’n Stücke Brot dotu
JE2-Gü. – 2d. in
der Verbdg.: dicke Melk dass., 1: SA-Meh Rist, 2: GA-
Ziep, WO-Ri, verstr. JE2, Vk-Anhaltb 10 (verbr. ZE),
3: WO-Ir, JE1-Nie, HA-Bee Oh Sie, BLA-Brau, 4: Vk-
Anhaltb 10 (verstr. anhalt.) – hte und jefft änne Satte
dicke Melk
JE2-Scho. – 3a. ‘milchiger Saft keimender
Getreidekörner’ 3: vereinz. elbostf. – de weiten is in der
melk
(während des Keimens) forfrren Wb-Nharz 125.
– 3b. ‘milchiger Saft in Pflanzen’ 3: Wb-Nharz 125.
Lautf.: Melk verbr. nd.; Mellek, [melk] Mda-nwJe1a 41 (JE2-
HSe), vereinz. w ZE, HA-Oh, OSCH-Di, vereinz. s elbostf.;
Meak SA-Ko; [mek] verstr. nwaltm.; [meok] SA-Ah Al Hö;
[mlk] Mda-Ar 27, Mlk Wb-Altm 136; mälek Mda-Ro; Mäak
SA-Bon; [mk] SA-Die; [mk] SA-Pü; [mok] SA-Zie; Mäek
SA-Scha; Mölk OST-Wah; [mölk] BLA-Be; [mk] SA-Rist;
[mök] SA-Ev; [möok] SA-Ku Sal; Mjok SA-Rist; [müak] SA-
Kuh;
Milch, [mil] verstr. ZE, CA-Ca, BE-Grö, DE-Schie; [mil]
Mda-Ze (ZE-Gro Roß); Millich, [mili] Mda-Ze (ZE-Gro Roß),
BA-Ha, vereinz. w anhalt.; melech Mda-Sti 176; [ml] BA-
Ha. – Gram.: n. belegt SA-Ch Dä.
Zuss.: zu 1.: Kalbsmilch, Klopp-, K-, Mger-; zu 3b.: Hun-
de-, Keiseken-, Keitschkenmilch
.
Expandiere:
Lemma
Melk
Grammatische Angabe
f.
Gliederung
1.
Bedeutung
‘flüssige, weiße, fetthaltige Absonderung der Milchdrüsen bei Säugetieren’, bes. die als Nahrungsmittel verwendete von Kuh, Ziege, Schaf, verbr.
Belege
  • drinkste denn Melk? WO-Dru
  • de Melk jerünnt HA-Oh
  • dai Mek is blarrarich (dünn) SA-Dä
  • Rda.: De hät wat in de Melk to brocken. ‘Er ist wohlhabend.’ Bewohner-Altm 1,349
  • sauveel Maat (Liter) Melk n De, sauveel Sticken Botter de Woche BA-Re
  • Sprw.: wer de Melk in Kaffee drinkt, kann nich bottern QUE-West.
  • Nach dem Melken wurde die M. durch ein Seihtuch gegossen: dat Mek wt drgng Saidauk saiet SA-Dä. Die anschließend in  Satten gefüllte M. lagerte bei gleich bleibender Temperatur so lange im  Melkschapp, bis sich an der Oberfläche Sahne bildete: d is all schn Rm up de Melk JE2-Scho. Nach dem Abschöpfen und weiterer Reifung wurde diese zu  Botter weiterverarbeitet. Übrig blieb die  Mgermelk, die nach der Gerinnung zur Herstellung von  Käse 1. und  Quark verwendet wurde. Bauernwelt-Ze.
  • Volksgl.: Frisch gemolkene M. darf nur verdeckt über den Hof getragen werden, da die Kühe sonst den  Sunnenschott bekämen. Bauernwelt-Ze, Vk-Anhalta 210 (ZE-Stre). Um die M. oder die Kühe vor Behexung zu schützen, streut man an die M., die über die Straße getragen werden muss, einige Körner Salz oder einige Stücken Brot (KÖ-Ar, DE-Go). Vorbeugend gegen blaue, d.h. fettarme M., wirkt die Fütterung der Kühe mit Tüpfel-Hartheu am Johannistag. Vk-Anhalta 210. Geben die Kühe dennoch blaue M., gießt man etw. davon nach Sonnenuntergang in ein flie- ßendes Gewässer, wobei man der entschwindenden M. nicht nachsehen darf (HA-Gro). Gegen blutige M. hilft das Melken durch einen alten Besen (WO-Ir). Zauber-Ma 90.
2a.
Bedeutung
in der Verbdg.: ste Melk ‘frische Vollmilch’
Verbreitung
  • 1: SA-Rist
  • 2: Brauch-wAltm 21.
2b.
Bedeutung
in der Verbdg.: gue (gute) Melk dass.
Verbreitung
3: OSCH-Har.
2c.
Bedeutung
in der Verbdg.: sre Melk ‘Sauermilch’, war ohne oder mit Zusätzen (Brot, Zucker, Zimt, Rosinen) beliebtes Gericht während der Sommermonate
Verbreitung
  • 2: JE2-Gü Nka, Bauernwelt-Ze
  • 3: verstr. elbostf.
  • 4: BE-Dro Grö La, DE-Schie
Belege
de sure oder dicke Melk hem se in’n Sommer jern’ne jetten met’n Stücke Brot dotu JE2-Gü.
2d.
Bedeutung
in der Verbdg.: dicke Melk dass.
Verbreitung
  • 1: SA-Meh Rist
  • 2: GA-Ziep, WO-Ri, verstr. JE2, Vk-Anhaltb 10 (verbr. ZE)
  • 3: WO-Ir, JE1-Nie, HA-Bee Oh Sie, BLA-Brau
  • 4: Vk-Anhaltb 10 (verstr. anhalt.)
Belege
hte und jefft änne Satte dicke Melk JE2-Scho.
3a.
Bedeutung
‘milchiger Saft keimender Getreidekörner’
Verbreitung
3: vereinz. elbostf.
Belege
de weiten is in der melk (während des Keimens) forfrren Wb-Nharz 125.
3b.
Bedeutung
‘milchiger Saft in Pflanzen’
Verbreitung
3: Wb-Nharz 125.