Mittelelbisches Wörterbuch, Band 1 (A-G), Spalte 485
1Born m. 1a. ‘Brunnen’ verbr. (außer n JE2) – Die
Benennung erfolgt zunächst unabhängig von der Brunnen-
art, in erster Linie aber wird Bezug auf den Ziehbrunnen
genommen (außer ö Altm. JE2, dort  Püttborn bzw.
Pütten). Nach der Art und Weise, wie das Wasser aus
dem gemauerten B. geschöpft wird, unterscheidet man
Dreh-, Zieh- und Wippbrunnen. Beim Drehbrunnen wird
der an einer Kette hängende Eimer durch eine zwischen
zwei Balken befestigte Winde, die mit einer Kurbel betä-
tigt wird, emporgewunden: Born mit de Winne. GA-Hö.
Bei nicht so tiefen Brunnen genügt es, eine Stange, an der
ein Eimer eingehakt ist, herunterzulassen (Ziehbrunnen):
De Emmer werd an eene Stange runterlaaten un hoch-
treckt.
JE2-Vie. Bei tieferen Brunnen erfolgt das Ziehen
hingegen mit Hilfe eines sich nach oben verjüngenden
langen Balkens ( Wippe), der in einem Holzpfosten
ruht. An dessen oberem Ende ist die den Eimer tragende
Stange eingehängt (Wippbrunnen). Diese vom gesamten
Dorf genutzten B. sind durch kleinere B. abgelöst wor-
den, bei denen das Wasser mit einer Pumpe nach oben
befördert wird (vgl. Born 1b.). – oapen Borm ‘Brunnen
ohne Abdeckung’ SA-Scha; Erst, wenn in’n Winter de
Novemberstürm Regen brocht’n, sammelt sick allmäh-
lich wedder Woter in den Born ...
Hausfr-Altm 1930,5
(SA-Die); De leidig Döst an’ Borm werd löscht ... Kredel 1929,15; dor Emmor is in’n Born jefal’l DE-Ca; Tue
mine Jungenstied sach man bloß noch dät Lock, wo der
Borne west is.
Heimatkalender-Ma 1930,81 (JE2-Vie);
Rda.: in’n born schiln (schütten) ‘etw. mit Verschwie-
genheit behandeln’ Wb-Nharz 31; Sprw.: Wenn’t Kind
verdrunken is, wärd de Borm toschüppt.
‘Vorsichtsmaß-
nahmen werden oft erst ergriffen, wenn bereits ein Un-
glück geschehen ist.’ Bewohner-Altm 1,343; man kann
ook en Born leddig schucken
(pumpen) ‘man kann auch
umfangreichen Besitz durch Verschwendung aufbrauchen’
HA-No; Rätsel: Fällt in’n Borm un’ plumpt nich. – Son-
nenstrahl, Bewohner-Altm 2,172; ... in Kerstan Peders
hoff von dem borne to wenthe an de strathe.
1415,
WeteB-Calbea 251. – Volksgl.: Die kleinen Kinder kom-
men aus dem B. vereinz. nd. Schwangere Frauen sollen
kein Wasser vom B. holen, da sonst das Wasser des B.
mit Maden verunreinigt wird. Brauch-Anhalt 19.  allg.:
Wterborn; Brunnenarten (bei einigen Benennungen ist
die Zuordnung nicht zweifelsfrei):
Ziehbrunnen: Fülleborn Hkenborn Hkpütten Hweborn
Püttborn Pütte(n) Schöppstelle Spring Stangenborn T-
born Treck(e)born Treckerborn Uptreckeborn Wterpüt-
ten
;
Drehbrunnen: Dreiborn Dreipütten Haspelborn Kden-
born Krickelborn Lerborn Püttborn Rasselborn Slin-
gerborn Trselborn Wickelborn Winde Windeborn Windel-
born
;
Wippbrunnen: Bockborn Hweborn Püttborn Pütte(n)
Schöppborn Swengelborn Swengelpüttborn Treck(e)born
Treckpütten Wippborn Wippe Wipppütten
; weitere: Ge-[486]
meineborn Hoffborn Slinkborn
. – 1b. ‘kleiner Brunnen
(auf dem Hof) einschl. der  Pumpe’ 1: SA-Jü, 2: verstr.
w/mittlere Altm., 3: vereinz. w/s elbostf., 4: CA-Kü, Wb-
Be. – 2. ‘Quelle’,  Spring, 2: SA-Sta, WO-Uetz, JE1-
Mö, ZE-Ned, 3: verstr. elbostf., 4: DE-Bo Els.  Fried-
richsbrunn
.
Lautf.: Born, [born] vereinz. nwaltm., SA-Sta, verstr. mittlere
Altm., verbr. s Altm. (außer sw), verstr. s JE2, verbr. JE1 (außer
ö Rand), verstr. w ZE, Mda-Ze (ZE-Roß), verbr. n/ö elbostf.,
verstr. n/ö OSCH, vereinz. mittleres OSCH, WE-Velt, verbr. s WE
BLA QUE n BA omd.; porn Mda-Sti 45, Wb-Be; Borne verstr.
sö JE2 ö JE1, verbr. mittleres/ö ZE; [brn()] Siedler-Je § 251
(s JE2 JE1); Boarn SA-Dö, OST-De, GA-Kö; Borm verstr. nw-
altm., verbr. w/n/mittlere Altm., GA-Ev, verbr. w/mittleres OSCH
n/mittleres WE, BLA-Ben; Bor(r)em OSCH-Di, WE-Wa, Wb-
We* 203; Boarm, [bm] verbr. nwaltm., verstr. w/mittlere
Altm., vereinz. s OST n STE; [bom] SA-Dä; [bm] Mda-Ar 29;
Barm GA-Brei; Brunnen, Brunn’n STE-Je Grie, vereinz. nö WO,
JE1-Ca Stei, vereinz. mittleres/sö elbostf., BE-Al, Krause
1964,79; [pru] Wb-Be.
Expandiere:
Lemma
Born (Homonymziffer 1)
Grammatische Angabe
m.
Gliederung
1a.
Bedeutung
‘Brunnen’ verbr. (außer n JE2)
Belege
  • Die Benennung erfolgt zunächst unabhängig von der Brunnenart, in erster Linie aber wird Bezug auf den Ziehbrunnen genommen (außer ö Altm. JE2, dort  Püttborn bzw.Pütten). Nach der Art und Weise, wie das Wasser aus dem gemauerten B. geschöpft wird, unterscheidet man Dreh-, Zieh- und Wippbrunnen. Beim Drehbrunnen wird der an einer Kette hängende Eimer durch eine zwischen zwei Balken befestigte Winde, die mit einer Kurbel betä- tigt wird, emporgewunden: Born mit de Winne. GA-Hö. Bei nicht so tiefen Brunnen genügt es, eine Stange, an der ein Eimer eingehakt ist, herunterzulassen (Ziehbrunnen): De Emmer werd an eene Stange runterlaaten un hochtreckt. JE2-Vie. Bei tieferen Brunnen erfolgt das Ziehen hingegen mit Hilfe eines sich nach oben verjüngenden langen Balkens ( Wippe), der in einem Holzpfosten ruht. An dessen oberem Ende ist die den Eimer tragende Stange eingehängt (Wippbrunnen). Diese vom gesamten Dorf genutzten B. sind durch kleinere B. abgelöst worden, bei denen das Wasser mit einer Pumpe nach oben befördert wird (vgl. Born 1b.).
  • oapen Borm ‘Brunnen ohne Abdeckung’ SA-Scha
  • Erst, wenn in’n Winter de Novemberstürm Regen brocht’n, sammelt sick allmählich wedder Woter in den Born ... Hausfr-Altm 1930,5 (SA-Die)
  • De leidig Döst an’ Borm werd löscht ... Kredel 1929,15
  • dor Emmor is in’n Born jefal’l DE-Ca
  • Tue mine Jungenstied sach man bloß noch dät Lock, wo der Borne west is. Heimatkalender-Ma 1930,81 (JE2-Vie)
  • Rda.: in’n born schiln (schütten) ‘etw. mit Verschwiegenheit behandeln’ Wb-Nharz 31
  • Sprw.: Wenn’t Kind verdrunken is, wärd de Borm toschüppt. ‘Vorsichtsmaß- nahmen werden oft erst ergriffen, wenn bereits ein Unglück geschehen ist.’ Bewohner-Altm 1,343
  • man kann ook en Born leddig schucken (pumpen) ‘man kann auch umfangreichen Besitz durch Verschwendung aufbrauchen’ HA-No
  • Rätsel: Fällt in’n Borm un’ plumpt nich.
  • Sonnenstrahl, Bewohner-Altm 2,172
  • ... in Kerstan Peders hoff von dem borne to wenthe an de strathe. 1415, WeteB-Calbea 251.
  • Volksgl.: Die kleinen Kinder kommen aus dem B. vereinz. nd. Schwangere Frauen sollen kein Wasser vom B. holen, da sonst das Wasser des B. mit Maden verunreinigt wird. Brauch-Anhalt 19.
1b.
Bedeutung
‘kleiner Brunnen (auf dem Hof) einschl. der  Pumpe
Verbreitung
  • 1: SA-Jü
  • 2: verstr. w/mittlere Altm.
  • 3: vereinz. w/s elbostf.
  • 4: CA-Kü, Wb-Be.
2.
Bedeutung
‘Quelle’,  Spring
Verbreitung
  • 2: SA-Sta, WO-Uetz, JE1-Mö, ZE-Ned
  • 3: verstr. elbostf.
  • 4: DE-Bo Els. Friedrichsbrunn.