Mittelelbisches Wörterbuch, Band 1 (A-G), Spalte 624
Dag m. 1. ‘Zeitraum von 24 Stunden’, auch ‘Zeitraum
zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang’ allg. – Gn-
dag
Grußformel, Wb-Altm 68; en Dach dass., Sprw-
Börde; Dachok dass., Wb-Holzl 73; fr de ‘vor Tages-
anbruch’ Wb-Nharz 36; vor Dach un Dau dass.,
Sprw-Börde; op’n dch ‘gegen 10 oder 11 Uhr’ Wb-Nharz
36; on hellerlichten Da ‘mitten am Tag’ Id-Eilsa 56;
in’n Dage ‘im Verlauf des Tages’ Wb-We 25; b Dage
‘vor Eintritt der Nacht’ a.a.O. 25; fonn Dage ‘heute’
Wb-Holzl 73; rster Dge ‘demnächst’ Beiträge-Nd 61
(WO-HWa); eenes Dores JE1-Pre; (all) mein T ‘mein
Lebtag’ Wb-Ak 168; dai Daoch nai’m niu all warra af
SA-Dä; d anna Du het erengt (geregnet) JE2-Scho;
Bei T mußte das machen, ’n ’md sste doch nischt.
Wb-Ak 168; Dag för Dag mußten wei früher naoh
Feld ...
Ehlies 1960b 297; det Veh war den Dach öwwer
uppe Weih
JE2-Gü; ... es waor den Dach vorher an
orntliches Jewidder jewest.
Heimatkalender-Börde
1925,64 (CA-Sta); ... se liet schon en paar Dae in’
Bedde un hat hellsche Weihdae
(Schmerzen). Wedde 1938,72; ... un da vorrzehlte Parta denne, was den
Tack ... passiert war.
Heese 21919,88; De olle Fähre-
bahne
(Pferdebahn) met alle ihre 4 Waarens, die konne
det an dän Dach nich schaff’n.
Heimatkalender-Ze
1962,90 (ZE-Ze); Rda.: morgen is k en Dag Wb-We 25;
es iss na nich alle D md ‘es ist noch keine endgültige
Entscheidung gefallen’ DE-Ca; forgn w de dch
‘schnell verwelken’ Wb-Nharz 36; in’n Dag rin spreken
‘ohne Überlegung sprechen’ Wb-We 25; lewet in’n Dag[625]
‘ist sorglos’ Sprw-Börde; sek en gden dch mken
Wb-Nharz 36; hei wolle sek vo’n Dage daun ‘er war so
verzweifelt, dass er sich das Leben nehmen wollte’ BA-
Re; hei kann nich ut einen Dag in andern kommen ‘er
ist arm, unvermögend’ Sprw-Börde; op sne ollen D
HA-Oh; sn Daoch sünd tet (gezählt) ‘er lebt nicht
mehr lange’ SA-Dä; nu wart’t Dach in de Nachtmütze!
Ausruf der Empörung, HA-Oh; Ick häw nist met äm to
schaffen as go’n Dag un go’n Weg.
‘Wir grüßen uns nur
und haben sonst keinen weiteren Umgang miteinander.’
Bewohner-Altm 1,326; dat is’n Underscht w Dach un
Nacht
‘das ist ein großer Unterschied’ HA-Oh; Sprw.:
Je länger de Dag, je körter de Faom (Faden). ‘Je länger
der Arbeitstag, um so geringer die Leistung.’ Bewohner-
Altm 1,326; jed Dag hat sn Plg Wb-We 25; man
sall’n Dag nich vorn Aom’md loben
WO-Gu; et ist kein
Dag in Jahre: hei kümmt
‘jeder Tag kommt zu seiner
festgelegten Zeit’ HA-No; Bauernregel: Slat bi Dage
achte, wässt dat Gras mit Machte.
‘Wenn die Tage
länger werden, wächst das Gras wieder’ GA-Ge; Rät-
sel: Wat brennt Dach un Nacht und geiht doch nich ut?
– Brennettel
SA-Gü. – Volksgl.: Bis ins 20. Jh. hinein
haben sich Reste der Tagewählerei erhalten, d.h. be-
stimmte Wochentage werden entweder als Glücks- oder
als Unglückstage angesehen, an denen man best. Unter-
nehmungen ausführen bzw. meiden sollte, vgl. die Hin-
weise bei den einzelnen Artikeln zu den Wochentagen.
– 2. ‘die drei Eisheiligen’,  shilligen. – a. in der
Verbdg.: d dr kolden Dge 2: vereinz. mittleres JE2,
ZE-Ro, 3: HA-Wa. – b. in der Verbdg.: d dr dullen
Dge
1: SA-Hen, 2: vereinz. Altm., JE2-Mü. – 3. in der
Verbdg.: de still Dog ‘die zwölf Nächte zwischen
Weihnachten und dem 6. Januar’,  Twölften, 2: STE-
Klä. – 4. in der Verbdg.: dicken Dag ‘das nichtkirchliche
Erntefest’,  Ernekranz, 2: STE-GrMö Schi. – 5. in der
Verbdg.: de hilligen Dge ‘Festtage’ 3: Wb-Nharz 79,
4: Mda-Sti 149. – 6. in der Verbdg.: Tag un Nacht PflN
‘Acker-Wachtelweizen’ 2: Wb-Altm 220.
Lautf., Gram.: Sg.: Dag, Dach, [da] verbr. nwaltm. brdb.
mittleres/ö elbostf., Klaus 1936,57, Wb-We 25, Heimatkalender-
Börde 1925,64 (CA-Sa), Mda-Fuhne 34 (DE-Ca); Daj OSCH-
Schw; Tag (6.) Wb-Altm 220; Tach, [ta] ZE-Kö, Heimat-
kalender-Ze 1964,91 (ZE-Ze); Tak, Tack Heimatkalender-Be
1936,154, Richter o.J. 91, Krause 1964,15; Daach, dch verbr.
w elbostf.; Tch, tch Mda-Sti 16, Wb-Ak 168; Tahk, Tk Wb-
Ak 168, Vk-Anhaltc 150 (DE-De); [dg] verstr. mittleres/ö
anhalt.; Daog, Daoch, [d] vereinz. HA, Vk-Ask 147, QUE-
Di; [t], [tk] Wb-Be;
Dat.: Dage verstr. n/ö elbostf., vereinz. sw elbostf.; Daoge
Heimatkalender-Börde 1925,63 (CA-Sa); Dae, de Wb-Nharz
36, BA-Re; D, d vereinz. w elbostf.; T Wb-Ak 168, Wäschke 61920,13;
Pl.: Dage WO-Sa, Heimatkalender-Ze 1964,94 (ZE-Ze), ver-
einz. w elbostf., verstr. mittleres/ö elbostf.; tge Mda-Sti 149;
Daje STE-Ost; Dare, [d] ZE-Se, BE-KlSchie, Mda-Fuhne 104
(BE-Pei Plö, vereinz. s KÖ w/mittleres DE, ältere Generation, in
mittlerer und jüngerer Generation verbr. BE KÖ w DE); Da(o)ge,
[dg], [dg]
vereinz. s Altm., Beiträge-Nd 61 (WO-HWa);
[d], [d] verstr. s Altm., vereinz. nö elbostf., Mda-Fuhne 104[626]
(verbr. mittleres/ö DE); Daog, Daoch, [d], Doog, Dooch
verbr. ö/s nwaltm. w Altm., STE-Klä Wa; [dao] verbr. n nw-
altm.;
Da’e, [d] JE2-Schl, Mda-nwJe1a 40 (vereinz. w JE1), ver-
einz. w elbostf. (außer s GA); Ta’e KÖ-Bre; Daa, [d] verbr.
OST n STE, STE-Buch, vereinz. n JE2, verstr. mittleres/s JE2,
Mda-nwJe1a 40 (verbr. n JE1), verbr. w elbostf. (außer s GA),
verstr. w WA QUE, Mda-Fuhne 104 (verbr. BE KÖ w DE, vor
allem ältere Generation, z.T. mittlere Generation); T Wb-Ak
168, Wäschke61915,4; Daoe WO-Mahl Ucht; Dao, [do],
[do]
STE-Bad, verstr. ö STE, JE2-Scho; [du] JE2-Scho; Daw’n
Akk. Bewohner-Altm 1,326.
Expandiere:
Lemma
Dag
Grammatische Angabe
m.
Gliederung
1.
Bedeutung
‘Zeitraum von 24 Stunden’, auch ‘Zeitraum zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang’ allg.
Belege
  • Gndag Grußformel, Wb-Altm 68
  • en Dach dass., Sprw-Börde
  • Dachok dass., Wb-Holzl 73
  • fr de ‘vor Tagesanbruch’ Wb-Nharz 36
  • vor Dach un Dau dass., Sprw-Börde
  • op’n dch ‘gegen 10 oder 11 Uhr’ Wb-Nharz 36
  • on hellerlichten Da ‘mitten am Tag’ Id-Eilsa 56
  • in’n Dage ‘im Verlauf des Tages’ Wb-We 25
  • b Dage ‘vor Eintritt der Nacht’ a.a.O. 25
  • fonn Dage ‘heute’ Wb-Holzl 73
  • rster Dge ‘demnächst’ Beiträge-Nd 61 (WO-HWa)
  • eenes Dores JE1-Pre
  • (all) mein T ‘mein Lebtag’ Wb-Ak 168
  • dai Daoch nai’m niu all warra af SA-Dä
  • d anna Du het erengt (geregnet) JE2-Scho
  • Bei T mußte das machen, ’n ’md sste doch nischt. Wb-Ak 168
  • Dag för Dag mußten wei früher naoh Feld ... Ehlies 1960b 297
  • det Veh war den Dach öwwer uppe Weih JE2-Gü
  • ... es waor den Dach vorher an orntliches Jewidder jewest. Heimatkalender-Börde 1925,64 (CA-Sta)
  • ... se liet schon en paar Dae in’ Bedde un hat hellsche Weihdae (Schmerzen). Wedde 1938,72
  • ... un da vorrzehlte Parta denne, was den Tack ... passiert war. Heese 21919,88
  • De olle Fährebahne (Pferdebahn) met alle ihre 4 Waarens, die konne det an dän Dach nich schaff’n. Heimatkalender-Ze 1962,90 (ZE-Ze)
  • Rda.: morgen is k en Dag Wb-We 25
  • es iss na nich alle D md ‘es ist noch keine endgültige Entscheidung gefallen’ DE-Ca
  • forgn w de dch ‘schnell verwelken’ Wb-Nharz 36
  • in’n Dag rin spreken ‘ohne Überlegung sprechen’ Wb-We 25
  • lewet in’n Dag ‘ist sorglos’ Sprw-Börde
  • sek en gden dch mken Wb-Nharz 36
  • hei wolle sek vo’n Dage daun ‘er war so verzweifelt, dass er sich das Leben nehmen wollte’ BA-Re
  • hei kann nich ut einen Dag in andern kommen ‘er ist arm, unvermögend’ Sprw-Börde
  • op sne ollen D HA-Oh
  • sn Daoch sünd tet (gezählt) ‘er lebt nicht mehr lange’ SA-Dä
  • nu wart’t Dach in de Nachtmütze! Ausruf der Empörung, HA-Oh
  • Ick häw nist met äm to schaffen as go’n Dag un go’n Weg. ‘Wir grüßen uns nur und haben sonst keinen weiteren Umgang miteinander.’ Bewohner-Altm 1,326
  • dat is’n Underscht w Dach un Nacht ‘das ist ein großer Unterschied’ HA-Oh
  • Sprw.: Je länger de Dag, je körter de Faom (Faden). ‘Je länger der Arbeitstag, um so geringer die Leistung.’ Bewohner-Altm 1,326
  • jed Dag hat sn Plg Wb-We 25
  • man sall’n Dag nich vorn Aom’md loben WO-Gu
  • et ist kein Dag in Jahre: hei kümmt ‘jeder Tag kommt zu seiner festgelegten Zeit’ HA-No
  • Bauernregel: Slat bi Dage achte, wässt dat Gras mit Machte. ‘Wenn die Tage länger werden, wächst das Gras wieder’ GA-Ge
  • Rätsel: Wat brennt Dach un Nacht und geiht doch nich ut? – Brennettel SA-Gü.
  • Volksgl.: Bis ins 20. Jh. hinein haben sich Reste der Tagewählerei erhalten, d.h. bestimmte Wochentage werden entweder als Glücks- oder als Unglückstage angesehen, an denen man best. Unternehmungen ausführen bzw. meiden sollte, vgl. die Hinweise bei den einzelnen Artikeln zu den Wochentagen.
2.
Bedeutung
‘die drei Eisheiligen’,  shilligen.
a.
Bedeutung
in der Verbdg.: d dr kolden Dge
Verbreitung
  • 2: vereinz. mittleres JE2, ZE-Ro
  • 3: HA-Wa.
b.
Bedeutung
in der Verbdg.: d dr dullen Dge
Verbreitung
  • 1: SA-Hen
  • 2: vereinz. Altm., JE2-Mü.
3.
Bedeutung
in der Verbdg.: de still Dog ‘die zwölf Nächte zwischen Weihnachten und dem 6. Januar’,  Twölften
Verbreitung
2: STE-Klä.
4.
Bedeutung
in der Verbdg.: dicken Dag ‘das nichtkirchliche Erntefest’,  Ernekranz
Verbreitung
2: STE-GrMö Schi.
5.
Bedeutung
in der Verbdg.: de hilligen Dge ‘Festtage’
Verbreitung
  • 3: Wb-Nharz 79
  • 4: Mda-Sti 149.
6.
Bedeutung
in der Verbdg.: Tag un Nacht PflN ‘Acker-Wachtelweizen’
Verbreitung
2: Wb-Altm 220.