Mittelelbisches Wörterbuch, Band 1 (A-G), Spalte 836
Ecke f. 1. ‘Kante, spitzes Ende eines Gegenstandes’
verstr. – Rda.: an all Eckng un Kand’n ‘überall’ SA-Dä;
n allen ekken un ennen dass., Wb-Nharz 50. – 2a.
‘Winkel eines Raumes’, auch ‘(letztes, spitzes) Stück
einer Fläche’ verstr. – ... junk nuh mit seinen Koffer in de
Ecke un kramte drin rum.
Heese 21919,111; In de eine
Ecke von’n Garen, op’n Komposthupen ...
Wedde 1938,20. – Volksgl.: Die E. eines Ackers oder eines Rau-
mes sind gegenüber einem Zauber anfällig, aber auch für
Zauberhandlungen geeignet. Bei Beginn der Getreide-
ernte nehmen die Mäher aus einer E. des Feldes einige
Ähren, die zusammen mit Feldblumen an der Sense be-
festigt werden. Gegen Raupenbefall umgeht man das
Kohlfeld, lässt aber eine E. frei, aus der die Raupen
herauskriechen können. Sind Haustiere behext worden,
kehrt man den Schmutz aus allen vier E. in die Mitte zum
Räuchern. Vk-Anhalta 329. – 2b. ‘durch einen Vorhang
abgetrennter Kleiderbehälter in einer Zimmerecke’ 4: Wb-
Be. – 2c. ‘Stelle, an der zwei Straßen zusammenstoßen,
Straßenecke’, auch ‘Biegung, Krümmung eines Verkehrs-
weges’,  Bgen, verstr. – n te Ecke wrtich uff tiche
Wb-Be; ... as he sou um de Eck herümmer lep ... Matthies 1903,2; Rda.: um Eck bringn ‘heimlich verstecken’
SA-Win; was um de Ecke brengen ‘etw. vernichten, ver-
lieren, unbrauchbar machen’ Wb-Ak 50; um de Ecke
hilpen
‘töten’ HA-Oh; um de Ecke gahn ‘sterben’ JE1-
Bu. – 2d. ‘innere Uferseite einer Flusskrümmung’, Schif-
ferspr., 2: Elbschifferspr. 414 (STE-Bit Tan, WO-Ro,
JE2-Mi Pa), 4: a.a.O. 414 (CA-Ak). – 2e. auch in der
Verbdg.: slimme Ecke(n) ‘Ausschlag, Entzündung am
Mund’, bes. in den Mundwinkeln,  Kibbeke(n), 2: ver-
einz. sö Altm. sw JE2, JE1-Bu GrLüb, vereinz. s mbrdb.,
3: BE-He, 4: vereinz. w anhalt. – 2f. in der Verbdg.: fle
Ecken
dass., 2: vereinz. mittlere Altm. – 3. ‘Gegend’ –
der Wind kimmed aus de kalde Ecke (von Norden) 4:
Elbschifferspr. 436 (CA-Ak). – 4. ‘(Weg-)Strecke’ 1: SA-
Dä, 2: vereinz. Altm., 3: vereinz. elbostf., 4: Mda-Sti[837]
141, Wb-Ak 50, Wb-Be – dat is ne Ecke wech Wb-Holzl
81; ick wer noch gärn ’n Eck metgaon, hebb öäwer keen
Tied
STE-Wa. – 5. ‘(längere) Zeitspanne’ 2: vereinz.
Altm., 3: Wb-Nharz 50, 4: Mda-Sti 141 – ne ekke
teblben
Wb-Nharz 50; ’t iss all’n Eck Jaor hr Wb-
Altm 45.
Lautf.: Ecke, [ek]; außerdem: [eg] vereinz. anhalt.; Eck, [ek]
vereinz. nwaltm., verstr. n/mittlere Altm.; Äcke Heimatkalender-
Ze 1964,91 (ZE-Ze), DE-Ho; [k] SA-Rist; Dim.: eckchen Mda-
Sti 141, [ekn] Wb-Be; ekkelken Wb-Nharz 50.
Expandiere:
Lemma
Ecke
Grammatische Angabe
f.
Gliederung
1.
Bedeutung
‘Kante, spitzes Ende eines Gegenstandes’ verstr.
Belege
  • Rda.: an all Eckng un Kand’n ‘überall’ SA-Dä
  • n allen ekken un ennen dass., Wb-Nharz 50.
2a.
Bedeutung
‘Winkel eines Raumes’, auch ‘(letztes, spitzes) Stück einer Fläche’
Verbreitung
verstr.
Belege
  • ... junk nuh mit seinen Koffer in de Ecke un kramte drin rum. Heese 21919,111
  • In de eine Ecke von’n Garen, op’n Komposthupen ... Wedde 1938,20.
  • Volksgl.: Die E. eines Ackers oder eines Raumes sind gegenüber einem Zauber anfällig, aber auch für Zauberhandlungen geeignet. Bei Beginn der Getreideernte nehmen die Mäher aus einer E. des Feldes einige Ähren, die zusammen mit Feldblumen an der Sense befestigt werden. Gegen Raupenbefall umgeht man das Kohlfeld, lässt aber eine E. frei, aus der die Raupen herauskriechen können. Sind Haustiere behext worden, kehrt man den Schmutz aus allen vier E. in die Mitte zum Räuchern. Vk-Anhalta 329.
2b.
Bedeutung
‘durch einen Vorhang abgetrennter Kleiderbehälter in einer Zimmerecke’
Verbreitung
4: Wb-Be.
2c.
Bedeutung
‘Stelle, an der zwei Straßen zusammenstoßen, Straßenecke’, auch ‘Biegung, Krümmung eines Verkehrsweges’,  Bgen, verstr.
Belege
  • n te Ecke wrtich uff tiche Wb-Be
  • ... as he sou um de Eck herümmer lep ... Matthies 1903,2
  • Rda.: um Eck bringn ‘heimlich verstecken’ SA-Win
  • was um de Ecke brengen ‘etw. vernichten, verlieren, unbrauchbar machen’ Wb-Ak 50
  • um de Ecke hilpen ‘töten’ HA-Oh
  • um de Ecke gahn ‘sterben’ JE1-Bu.
2d.
Bedeutung
‘innere Uferseite einer Flusskrümmung’, Schifferspr.
Verbreitung
  • 2: Elbschifferspr. 414 (STE-Bit Tan, WO-Ro, JE2-Mi Pa)
  • 4: a.a.O. 414 (CA-Ak).
2e.
Bedeutung
auch in der Verbdg.: slimme Ecke(n) ‘Ausschlag, Entzündung am Mund’, bes. in den Mundwinkeln,  Kibbeke(n)
Verbreitung
  • 2: vereinz. Altm. sw JE2, JE1-Bu GrLüb, vereinz. s mbrdb.
  • 3: BE-He
  • 4: vereinz. w anhalt.
2f.
Bedeutung
in der Verbdg.: fle Ecken dass.
Verbreitung
2: vereinz. mittlere Altm.
3.
Bedeutung
‘Gegend’
Belege
der Wind kimmed aus de kalde Ecke (von Norden) 4: Elbschifferspr. 436 (CA-Ak).
4.
Bedeutung
‘(Weg-)Strecke’
Verbreitung
  • 1: SA-Dä
  • 2: vereinz. Altm.
  • 3: vereinz. elbostf.
  • 4: Mda-Sti 141, Wb-Ak 50, Wb-Be
Belege
  • dat is ne Ecke wech Wb-Holzl 81
  • ick wer noch gärn ’n Eck metgaon, hebb öäwer keen Tied STE-Wa.
5.
Bedeutung
‘(längere) Zeitspanne’
Verbreitung
  • 2: vereinz. Altm.
  • 3: Wb-Nharz 50
  • 4: Mda-Sti 141
Belege
  • ne ekke teblben Wb-Nharz 50
  • ’t iss all’n Eck Jaor hr Wb-Altm 45.