1Muschel f. 1a. TiN ‘im Gewässer lebendes Weichtier, dessen Körper von zwei verschließbaren Kalkschalen umschlossen ist’, auch dessen Schale, vereinz. – 1b. in der Verbdg.: Muscheln schmieten dass. wie  Musbemme, 3: OSCH-Krop. – 2. ‘beim Buttern übrig bleibender Rest’ 4: BE-GrWi.
Lautf., Gram.: Muschel; außerdem: [muln] Pl. Mda-sJe1 29 (JE1-Güt); [mull] Pl.(?) Mda-nwJe1b 73 (JE1-Ih); Muschele HA-Oh.
Musmärte f. ‘Kaltschale aus Pflaumenmus, Wasser und Brot’ 4: BE-Fr.
Lautf.: [msmrd].
Mutz(e) m., f. 1. ‘kurze Tabakspfeife’,  Knsel, 1: SA-Fa, 2: vereinz. w Altm., JE2-Schar Schö, JE1-Grü Trü, ZE-Eich, 3: verstr. elbostf., 4: BLA-All Sti, CA-Sa, BE-Sa, KÖ-Kö. – 2. ‘kurzer, gestutzter Schwanz’, beim Pferd, 4: Wb-Be.
Lautf., Gram.: Mutz, [muts] m. SA-Fa, vereinz. n GA, JE2-Schar, JE1-Grü Try, ZE-Eich, verstr. elbostf., BLA-All Sti, Wb-Be, KÖ-Kö; [muds] f. SA-Ne, WA-GrOt, BE-Sa; Motz m. JE2-Schö, JE1-Me, vereinz. WE, QUE-Nei Su, CA-Sa; Motsch m. WO-HWa.
3n 1. Präp., verbr. – a. räumlich, zur Bezeichnung der Richtung oder des Ziels einer Bewegung – … de Näs nach … Bewohner-Altm 2,123; de fne schteit n morjen (Osten) Wb-Nharz 130; n Stadt Wb-Ak 118; ich fre n Gden (ON Köthen) DE-Ca; nan Marchte gahn HA-Um; na Bedde gan Wb-Holzl 144; … als hei noch na Schaule gung. Rauch 1929,68; ick hewe na Gruhe (Grude) kiekt HA-Bo; se sall mal na mick rummekieken WO-Dru; ich je nn Jrsfdor BE-He. – b. zur Bezeichnung des Zwecks einer Bewegung oder Handlung – ik j n Inkp’m JE2-Scho; ick will no Pläuen (Pflügen) moken CA-Schw; wei gungen to silfdritt na’n Bahn (Baden) OSCH-Crot. – c. zur Bezeichnung des zeitlich Nachfolgenden – nah Pingesten Id-Eilsa 80; no Lichtmeß OST-Dü; Noa Mitternacht … Matthies 1903,34; n te Arwt Wb-Be; n jren Wb-Nharz 130; n es Essen gannsde m gom’m DE-Ca; de Wch is n ‘n Frost sau holperich HA-Oh. – d. zur Bezeichnung des in einer Reihe oder Rangfolge Nachfolgenden – d kimt n mek Wb-Nharz 130; Rda.: D Arwt kimmt jlei n’s Hun’ne-flen! ‘Das ist eine langwierige Arbeit.’ Wb-Ak 72; ‘t mihrt sick, sä jenn Mann, dunn kreeg hei een Uhrfig’ nao de änner. Bewohner-Altm 1,349. – e. ‘entsprechend, gemäß’ – wenn’t n mik jinge HA-Oh; n mnen forschtanne Wb-Nharz 130. – f. in Abhängigkeit von bestimmten Verben – wei hett ok mal nan Träckedinge (Ziehharmonika) danzet OSCH-Wu; dunn harr’e drei Dage nah’n oold Stücke Isen e’socht HA-No; Rda.: de Liere noat Muhl schwatzen ‘anderen nach dem Mund reden’ ZE-Gri. – 2. Adv. – a. in der Verbdg.: n un n ‘allmählich, schrittweise erfolgend’ vereinz. – ick ging noa un noa ümmer titiger tom Inköpn … Hausfr-Altm 1925,55. – b. in Verbdg. mit up ‘bis auf’ 3: HA-Oh, Wb-We 91, Wb-Nharz 130 – bett op einen n HA-Oh; op finnef dlder n heww’ek alles betlt Wb-Nharz 130. – c. in der Verbdg.: de Wind steit n ‘der Wind kommt von hinten’, Schifferspr., 2: Elbschifferspr. 438 (STE-Bit, WO-Ro, JE2-Mi Pa), 4: a.a.O. 438 (CA-Ak). – d. als abgetrennter Teil von Adverbien (danach, wonach) vereinz. – Heischevers:Gewwet en Stücke Schinken,
da künn wi braav n drinken!
Brauch-wAltm 67 (GA-Nie).
Lautf., Gram.: na(h), n SA-Ho Se Stör, OST-Alt, STE-Schi, Nd-KlWu 17, JE2-Gü, verstr. elbostf. anhalt.; nach Bewohner-Altm 2,123, ZE-Steu, vereinz. sö elbostf., CA-Zu, DE-Que; nao, noa, n SA-Pü, verstr. Altm., vereinz. JE2, ZE-Kö Roß, Lieder-Ma Nr. 852 (WO-Ol), Tiedge 1954,39 (HA-Ost), Wb-Be, n Brauch-wAltm 67 (GA-Nie); [n] Wb-Be; [nao] SA-Dä; no(h), n vereinz. nwaltm., OST-Dü See, Hausfr-Altm 1927,43 (STE-Ber), STE-Kö, Sprw-Harzvorld 374, QUE-Di, BA-Gü, CA-Schw; no Mda-Sti 36; mit Enklise des bestimmten Art.: Akk. Sg.: na(h)n m. verstr. elbostf.; na(h)t n. GA-Dee, STE-Ta, JE2-Par, ZE-Ze, vereinz. elbostf.; nas n. vereinz. anhalt.; naon, nn m. JE1-Pre, QUE-Ga, BE-He; naot n. OST-Kre, GA-Klin, STE-Ga, JE1-Wa, ZE-Gri, HA-Hi, CA-Pö We; naos n. DE-Ho. Zuss.: zu 1c.: hr-; zu 1d.: hinden-, hr-.
nachschlabbern Vb. ‘anderen nach dem Mund  rden’ 4: BE-We.
Lautf.: naschlabbern.
Nacht f. 1. ‘Tageszeit zwischen dem späten Abend und der Morgendämmerung’ verstr. – et Nachts ‘in der Nacht’ HA-No; b nachte dass., Wb-Nharz 131; Bi Nachten goah’k dao mien Lew’dag nich we’r vöärbi. Pohlmann 1905ff.,116; Vor Nacht isse jekom’m. Wb-Ak 118; lest’n Nacht waiat tau dsta (dunkel) SA-Dä; dao will ik east Nacht iwa schlaop’m SA-Dä; g Nacht Grußformel vor dem Schlafengehen, QUE-Di; Rda.: b nacht un newel ‘ganz heimlich’ Wb-Nharz 131; de Fawrke geit Dch un Nacht HA-Oh; sik de Nacht umme de ern sln ‘wegen etw. nachts nicht zum Schlafen kommen’ HA-Oh; Sprw.: de Nacht is keines Minschen Fründ Wb-We 91; Inne Nacht sin alle Katzen jrau. Wb-Ak 118. – 2. ‘die zwölf Nächte zwischen Weihnachten und dem 6. Januar’,  Twölften – a. in der Verbdg.: de hilligen twölf Nächte 1: SA-Dö, 2: SA-GrAp, STE-Sche, JE2-Par, Vk-Anhaltb 25 (ZE-Cos Stra), ZE-Reu, 3: vereinz. elbostf., 4: BA-Gü, vereinz. anhalt. – b. in der Verbdg.: de hilligen Nächte 2: OST-Bi, GA-Wet, STE-Ei Kre, JE2-Bre See Wu, JE1-Ih Mö, vereinz. ZE, 3: verstr. elbostf., 4: BA-Ha, Vk-Anhaltb 25 (BE-Il). – c. in der Verbdg.: de twölf Nächte 2: STE-Go Ost, ZE-Bur, 3: WE-Mi, QUE-Ga. – d. in der Verbdg.: die zwölf rauhen Nächte4: Vk-Anhaltb 25 (BE-Fr). – e. in der Verbdg.: die langen Nächte 4: a.a.O. 25 (BE-Il, DE-Mei). – f. in der Verbdg.: die geheimen Nächte 4: a.a.O. 25 (BE-Il). – g. in der Verbdg.: de witten Nächte 3: WE-Schie. – h. in der Verbdg.: de grulichen Nächte 3: BE-KlMü. – 3. in der Verbdg.: fre Nacht ‘Nacht vor Pfingsten’ 1: BrauchwAltm 59f. (vereinz. nwaltm.), 2: a.a.O. 59f. (vereinz. SA, verstr. GA, STE-Bu Kö), 3: vereinz. n elbostf. – Brauch: In dieser N. ist es den jungen Männern erlaubt, Schabernack zu treiben. So werden z.B. Ackerwagen auseinandergenommen und auf den Dächern wieder zusammengebaut oder das Vieh der Bauern vertauscht. Die Burschen haben bei ihrem Rundgang sogar das Recht zu stehlen, weshalb die Bauern Geld oder Naturalien bereitlegen. Beim Abhalten eines Dorfgerichts werden Personen, bes. die Mädchen des Ortes, getadelt oder verspottet. Brauch-wAltm 59f. – 4. in der Verbdg.: de kolden Nächte ‘die drei Eisheiligen’,  shilligen, 2: JE1-Grü, 3: HA-Sie.
Lautf., Gram.: Nacht, [nat]; außerdem: ncht Mda-Sti 13; Pl.: Nächte verstr. nd. (außer nwaltm. und n/mittlere Altm.), BA-Gü Ha, verstr. anhalt.; Nächt SA-Dö, vereinz. n/mittlere Altm.; Nechte HA-Oh, nechte Wb-Nharz 131; [ned] BE-He Wa; nachte Wb-Nharz 131, Mda-Sti 13. Zuss.: zu 1.: Johannis-, Matthias-, Midder-.
Nachttopf m. dass. wie  Nachtpott, 4: Wb-Ak 118, Wb-Be, BE-Grö.
Lautf.: Nach(t)topp Wb-Ak 118; Nach- BE-Grö, [natop] Wb-Be.
Nachtle f. 1. TiN ‘Eule’, in versch. Arten vorkommend,  le, 2: JE2-Je, 3: vereinz. elbostf., 4: BE-Grö. – 2. TiN Nachtfalter versch. Arten, 2: WO-Col. – 3. ‘Mensch, der gern bis in die Nacht hinein aufbleibt oder sich vergnügt’ 1: SA-Dä, 2: Wb-Altm 143, 3: HA-Bee, 4: Wb-Be – diu bist ‘n richtigng Nachtiu SA-Dä. – 4. dass. wie  Nachtkater, 2: ADVk Nr. 125a (JE2-GrWul), 3: Wb-Holzl 145, Vk-Harz 6/7,48, BE-He – gaach na Huus, süss hackt dick de Nachtulen de O’en ut Wb-Holzl 145.
Lautf., Gram.: Nachtule WO-Col, ADVk Nr. 125a (JE2-GrWul), JE2-Je, vereinz. elbostf.; -l Wb-Altm 143; -uelen Pl. Vk-Harz 6/7,48; [naxtiu] SA-Dä; Nachtaule BE-Grö, [nat-aule] Wb-Be; [nadle] BE-He.
Ngebrt f. ‘Nachgeburt des Viehs’, bes. von Rindern und Pferden,  Hmen, 2: SA-GrAp, GA-Ip Ziep, vereinz. ö Altm., ZE-Roß, 3: vereinz. elbostf. (außer sw), 4: BA-Schie, vereinz. BE.
Lautf.: Na(h)geburt vereinz. n/mittleres elbostf., CA-Atz; -jeburt ZE-Roß, QUE-Di, BA-Schie; Nachgeburt HA-Wef, WA-Schw; [nxjbrd] BE-Am Il Scha; [nax-] BE-Ad Gü; Noa(h)geburt GA-Ip Ziep, vereinz. ö Altm., HA-AHa, OSCH-Nei; -jeburt CA-We; [njbrd] BE-Fr Wa; No(h)geburt SA-GrAp, OST-Schr, GA-Se; Nor- STE-Bö.
nharken Vb. ‘das auf dem Stoppelfeld liegen gebliebene Getreide zusammenharken’,  sstarwen, 1: SA-Bee Ku, 2: vereinz. Altm. w JE2, JE1-Ka Kö Ste, ZE-HLe, 3: vereinz. s GA, WO-El, JE1-Pe, HA-Oh, WE-Is, Wb-Nharz 131, 4: CA-Ak Chö, BE-Grö, verbr. KÖ DE – uff unsen Aggor muss noch najehrgd worn Mda-Fuhne* § 374 (DE-Ca).
Lautf.: na(h)harken SA-Bee, GA-Wa, STE-Buch, WO-Loi, HA-Oh, WE-Is, Wb-Nharz 131, CA-Chö, verstr. KÖ DE; [n-hrgn] Mda-Fuhne* § 374 (verstr. KÖ DE); [-harkn] CA-Ak; nachharken OST-Ber Bre, WO-Uetz, JE2-HBe, JE1-Kö Ste, BE-Grö, vereinz. KÖ DE; -härken SA-Ka; naoharken OST-Gie, vereinz. GA n WO, WO-El, JE2-Alt Me, JE1-Ka Pe, ZE-HLe; [nhrgn] Mda-Fuhne* § 374 (vereinz. ö DE); naohhärken SA-NFe; [nhrk] WO-Col; [-härk] SA-Ku, GA-Ku; noharken vereinz. ö Altm., JE2-Scha Schön; -hagen SA-La Ra.