Nest n. 1. ‘aus verschiedenartigem Material gefertigte Wohn- und Brutstätte von Vögeln und kleinen Säugetieren’ verstr. – n’ Nest utnem’n HA-Oh; Rda.: in’t jemachte Nest setzen ‘in gute Verhältnisse einheiraten’ ZE-Roß; Sprw.: In nei’ Nester leg’n de Hinner gärn. ‘Neues findet zunächst viel Zuspruch.’ Bewohner-Altm 1,340; ‘n slechten Voagel, de sin eigen Nest besmutt STE-Wa. – 2. ‘Bett’,  Bedde, 2: Wb-Altm 146, ZE-Roß, 3: vereinz. elbostf., 4: Wb-Ak 121, Wb-Be – rt tn neste! Mda-Weg 108; Du kunnest woll wedder nich ins Nest fingen, daß de s mde bist? Wb-Ak 121. – 3. ‘Haarknoten am Hinterkopf der Frau’ 3: vereinz. elbostf. – 4. ‘kleine, unbedeutende Ortschaft’, abw., 2: JE1-Dan, ZE-Cob, 3: vereinz. elbostf., 4: Wb-Be, Heese 21919,35. – 5. ‘kleines, schlechtes Zimmer, Haus’ 2: Wb-Altm 146.
Lautf.: Nest; außerdem: [nst] Mda-Ar 26; [nst] Mda-Sti 29. Zuss.: zu 1.: Hner-, Hummel-, Kreien-, Mseken-; zu 4.: Klatsch-; sonstiges: Kkel-.
Neuendorf am Speck ON – Neckreim:Neuendörpsch Dinger
gingen up’n Finger,
suupen up’n Brodlappen,
fräten all de Bärkholtsch
(Birkholzer) dooi Katten.
Schietdinger koamt ruut,
schieten’s dood.
2: STE-Wa.
Nibbel (Genus?) 1. ‘Ziegenlamm’,  Zibbenlamm, auch Lockruf für Ziegenlämmer, 2: Wb-Altm 146, STE-Ho Schi, JE2-Ku. – 2. Dim. Lockruf für Kaninchen, 4: Wb-Be.
Lautf.: Nibb’l Wb-Altm 146; Nippel STE-Ho Schi, JE2-Ku; [niplin] Dim. Wb-Be.
nibbeln Vb. 1. ‘abnagen, kleine Teile abbeißen, in kleinen Teilen verzehren’ 2: Wb-Altm 146. – 2. ‘nicht richtig saufen’, vom Vieh, 2: STE-Wa. – 3. ‘fein regnen’,  musseln, 2: STE-Wa.
nichts Indefinitpron. ‘kein Ding, keine Sache’, auch ‘nicht das Mindeste, Geringste’ allg. – Ick segg noch nist! Matthies 1903,15; ik hewwe nist ‘dr jejen HA-Oh; mit dne will’k nist te daun hemm’n HA-Oh; … wen’t recht ville schneit het, det det Veh nüscht mehr to freten’ne fun’n hät JE2-Gü; Rda.: kein nn un kein nischt ‘gar nichts’ Wb-Nharz 135; in’ner Welt Jottes jr nischt dass., Wb-Ak 121; nicks un wedder nicks ‘ohne Nutzen für einen selbst, ohne Gegenleistung’ Wb-Altm 147; for nischt un langewle dass., Wb-Nharz 135; tau nist komen ‘keine Zeit haben, um geplante Arbeiten erledigen zu können’ Sprw-Harzvorlg 264; der is tau nischt nütze ‘er ist ein Taugenichts’ Sprw-Börde; Sprw.: van nist kümmt nist STE-Kre; wu nischt is, kümmt nischt hen Sprw-Börde; Wo nicks is, da hat der Kaiser sin Recht verlor’n. Sprw-Altm 76.
Lautf.: nichts SA-Ro, vereinz. Altm. n JE1 ö elbostf., DE-Wö; nichs GA-Kak, HA-Wed, DE-Scheu; nichst WE-Be; nischt, [nit] SA-Hen, vereinz. w Altm. (außer s GA), verstr. mittlere Altm., verbr. ö Altm. n JE2 mbrdb., ZE-Roß, WO-El GrRo, HA-Vö, OSCH-Huy, verbr. WA, vereinz. n WE, verbr. s elbostf. omd.; nüscht vereinz. Altm. s JE2, JE1-Gü Zi, WO-Hei; nist verbr. nwaltm. w Altm., verstr. mittlere/s Altm., vereinz. ö Altm., JE2-Fe Neu Zo, verbr. n/w elbostf. (außer s WE, BLA nur vereinz.), WA-So, QUE-Di Su West; [nst] Mda-Ar 27, Siedler-Je § 149e, Teuchert o.J. 83 (JE2-GrMa); nüst SA-Ben, OST-GrBeu Schön, STE-Hü, WO-Col, WE-Zi; nicks Wb-Altm 147, Spr-Altm 76, vereinz. n OST, GA-Esch Ga Vi, WA-Un, nix WO-Ro; [nks] Mda-Ar 27; nich GA-Ro; nisch JE1-Wer; nis OSCH-Rö.
Nickelmann m. 1. dass. wie  Nicker 1., 2: ADVk Nr. 124a (STE-Go, WO-Col Ri, vereinz. JE2 JE1), 3: verstr. elbostf., 4: Vk-Anhaltb 45 (BA-Ha), vereinz. w anhalt. – 2. in der Verbdg.: Nickelmann trecke mik ran ein Spiel, 3: WA-GrOt. – 3. Pl. NeckN für die Bewohner von Badeborn, 3: BA-Ho.
Lautf., Gram.: Nickelmann; außerdem: -männer Pl. BA-Ho; [niglman] vereinz. BE.
Ndngel m. ‘eingerissene Haut am Rand des Fingernagels’ 2: OST-Ko, STE-Bö Je, JE2-Scho, 3: HA-Bee, OSCH-Grö, Spr-Asch 33, 4: vereinz. anhalt. – du hest j son’n Ndnul anne Hand JE2-Scho.
Lautf.: [ndnl] Mda-Fuhne 38 (DE-Ca); [-nul] JE2-Scho; [-nl] OST-Ko; Nietnagel, Nit- HA-Bee, OSCH-Grö, Spr-Asch 33; [ntnl] STE-Bö; [-nvl] STE-Je; Nietna’el Serimunt 1930 Nr. 82; [ntnl] Wb-Be; Nt’nnl Wb-Ak 121.
Njr n. 1. ‘erster Tag des neuen Jahres’ verbr. – in’t Njer hüppen HA-Oh; Prost Nijaar, schitt opp’t ool Jaar! Glückwunsch zum neuen Jahr, Wb-Holzl 146 (HA-Eil); Neujahrswünsche:‘nen ganzen Stall vull Rinner,
‘ne ganze Stuuw vull Kinner,
‘ne ganze Taß
(Banse) vull Müüs,
‘nen ganzen Kopp vull Lüüs.
Vk-Altm 219 (SA-Be);
Ich wünsche fröhliches, neues Jahr!/
Bei jedwedes Schaf ein Lämmchen,/
Bei jedwede Kuh ein Kälbchen,/
Eine brave Scheune voll Korn!
Vk-Anhalta 39 (ZE-Rie);
Wetterregel: Moangrout (Morgenrot) an Naijoasdach bringkt Unvra (Unwetter) un mannich Ploach. SA-Rist. – Brauch: Das neue Jahr wurde durch das Läuten der Kirchenglocken am Nachmittag des Silvestertages (Vk-Harz 8,21) oder unmittelbar nach dem Jahreswechsel (Gesch-Ro 107) begrüßt. Im Harz stellten sich die Knechte auf einen freien Platz und ließen durch taktmä- ßiges Knallen der Peitschen ein Lied ertönen. Vk-Harz 8,22f., Pröhle 1858,260 (WE-Rok). In Quedlinburg wurde das Neujahr “abgeholt”, d.h. die Herren des Stifts zogen mit einem Monstranzkasten zur Äbtissin, Pröbstin und Dechantin, um Gaben einzusammeln. Vk-Harz 8,22. Im gesamten Gebiet gingen am Silvesterabend oder am Neujahrstag Knechte, Hirten oder die Burschen des Ortes singend und meist mit versch. Lärminstrumenten ( Tte,  Rumpelpott) von Haus zu Haus, um Gaben wie Eier, Wurst, Früchte, Brot oder um Geld zu erheischen ( umsingen). Heischevers:Nüsse ‘raus, Äpfel raus!
Sonst schmeiß ich’n großes Loch ins Haus.
Sing ich wenig,
Krieg’ ich ‘nen Pfennig;
Sing ich mehr,
Krieg’ ich ‘nen Zweer.
Ackerbau-Anhalt 275 (BA-Neu).
Das erhaltene Geld wurde in einen mit Häcksel gefüllten Zweischeffelsack gelegt. Brauch-Ma 251 (WO-HWa). Am Neujahrssingen beteiligten sich z.T. Pfarrer und Kantor, die zusammen mit ihren Schülern durch den Ort zogen, um das Geld einzutreiben, das ihnen von allen Einwohnern gezahlt werden musste und zu ihrem Gehalt gehörte (verstr. elbostf., verbr. anhalt.); statt Geld erhielten sie auch Eier (verstr. Nharz.) oder Würste, die beim Schlachten extra für diesen Zweck hergestellt wurden. Vk-Anhalta 203 (KÖ-KlPa). In Aken unternahmen die mit einer weißen Schürze bekleideten Fährleute einen Heischegang. Wb-Ak 120. N. war ein Termin für den Gesindewechsel (verbr.). – Volksgl.: Zu N. sollte man etw. Quellendes wie Reis oder Hirse essen, damit das Geld nicht schwindet. Brauch-Rie 746, CA-Lö, Vk-Anhalta 202 (verstr. anhalt.). Bereitet man Hering, muss es Rogener sein. Vk-Altm 219. Aus versch. Handlungen oder Beobachtungen konnten Aussagen über das kommende Jahr gewonnen werden: Üblich waren z. B. Bleigießen (Vk-Altm 220, Brauch-Ma 255) oder das Aufschlagen des Gesangbuchs, bei dem aus dem zufällig gefundenen Lied auf die Zukunft geschlossen wurde. Brauch-Ma 255 (WO-HWa). Blickt man um Mitternacht durch das Schlüsselloch der Kirche, sieht man die Menschen, die im kommenden Jahr sterben werden. Vk-Altm 220, Brauch-Ma 255 (HA-Sü). Geht man zwischen 23 und 24 Uhr in ein halbdunkles Zimmer und sieht einen Schatten ohne Kopf, muss man im neuen Jahr sterben. Brauch-Ma 255 (HA-Alv). Die Mädchen konnten den zukünftigen Ehemann erblicken, indem sie in der Stunde vor Mitternacht entweder durch die Beine hindurch in den Ofen blickten (Vk-Altm 220) oder sich unbekleidet auf den Ofen setzten. Brauch-Ma 255 (HA-Alv). Weist ein über die rechte Schulter geworfener linker Pantoffel mit der Spitze hausauswärts, wird das Mädchen aus dem Haus gehen, also heiraten. Vk-Altm 220. Damit die Hühner im neuen Jahr gut Eier legen, wird am Neujahrstag im Hof eine Kette kreisförmig ausgebreitet und das Futter hineingestreut. Brauch-Rie 746. Sonnenschein zu N. verspricht eine gute Ernte im Jahr. SA-Net. Scheint die Sonne auf den Altar, gerät der Flachs gut. Vk-Altm 219. Durch Gewehrschüsse in der Neujahrsnacht wird die Fruchtbarkeit der Obstbäume gefördert (OST-Sa, STE-Scha); aus dem gleichen Grund wird um jeden Baum eine Hand voll Stroh gebunden (STE-Scha Scher, Sagen-Havel 324). – 2.Großneujahr.
Lautf.: Niejahr, -jaar; außerdem: Njer HA-Oh; Niejaohr Brauch-Ma 255 (WO-Ol); [naij] SA-Rist; Neijr Wb-Ak 120, [naijr] Wb-Be; Nijahr Bewohner-Altm 1,351; Neujahr verstr. anhalt.; Ntjr QUE-Di.
nippe Adv. 1a. ‘genau, zielgerecht’ 2: SA-GrGe, STE-Wa – nipp toufaten SA-GrGe. – 1b. ‘auf eine geringe Furchenbreite gestellt’, vom Pflug, 2: Vk-Anhalta 21 (ZE-Na), 3: Wb-Holzl 146 (OSCH-Osch). – 1c. ‘genau, scharf, deutlich’, auch ‘aufmerksam’, vom Sehen und Hören, 1: verbr. nwaltm., 2: verbr. n/mittlere Altm., vereinz. s Altm., JE2-Scho, 3: verstr. elbostf., 4: Mda-Sti 181 – npe henkken HA-Oh; Nu hört mal niepe tau, wie wi dat maken willt! Lindauc o.J. 28. – 2. dass. wie  nipper, 2: Wb-Altm 147, STE-GrMö, 3: Id-Queb 13. – 3. ‘wenig’ 2: JE2-Scho.
Lautf.: nippe, [nip] vereinz. s Altm., JE2-Scho, Vk-Anhalta 21 (ZE-Na), Rauch 1929,49; nip, [nip] verbr. nwaltm. n/mittlere Altm., Beiträge-Nd 66 (WO-HWa); niepe, [np] verstr. elbostf., Mda-Sti 181; [np] STE-Sa. – Etym.: zu mnd. np, nippe ‘genau, aus der Nähe’, vgl. HWb-Mnd 2,1103f.
1nsen Vb. 1. ‘niesen’ vereinz. – Volksgl.: Einmal Niesen schit wat, zweemal Niesen bedit wat. Sprw-Börde. Niest man mehrmals morgens auf nüchternen Magen, erfährt man an diesem Tag etw. Neues. Sprw-Börde, CA-Lö, Vk-Anhalta 338 (KÖ-Tre). Es kann auch bedeuten, dass sich Besuch einstellt (ZE-Cos) oder dass man ein Geschenk erhält. (BA-Fro). Vk-Anhalta 338. Niest jmd. am Sonntagmorgen, stirbt bald eine nahe stehende Person. Abergl-Altm 26. – 2. dass. wie  2 nseln, 1: SA-HLa, 2: STE-Osth, JE1-Grä.
Lautf.: niesen [-z-]; außerdem: nß(e)n, [ns()n] OST-Ko, ZE-Roß, Wb-Ak 121, Wb-Be; nissen SA-HLa. – Gram.: nus st. 3. Sg. Prät. DE-Ro.