afschwen Vb. 1. ‘durch Schaben entfernen, abschaben, abkratzen’, bes. dass. wie  afschellen, 2: Bewohner-Altm 2,303, JE2-Gü Jer, vereinz. ZE, 3: HA-Oh, OSCH-Grö, 4: KÖ-Ed, DE-Wa – den Bast von’n Tack affschahn JE2-Gü. – 2. ‘(durch Nachlässigkeit oder mangelnde Pflege) abnutzen, abwetzen, verschleißen’ – de Jacke is all sau affeschbet 3: HA-Oh.
Lautf., Gram.: afschben HA-Oh; affschaam’m OSCH-Grö; -schahn JE2-Gü, ZE-Gri; afschoben JE2-Jer; abschaben ZE-Dor, KÖ-Ed, DE-Wa; schab ab Imp. Sg. Brauch-Rie 743.
afsprken Vb. 1. ‘etw. mit jmdm. besprechen, verabreden’ 3: Wb-Holzl 52 (HA-Eil), HA-Oh – dat möwwe noch ml afsprken a.a.O. – 2. ‘jmdm. etw. aberkennen, absprechen, streitig machen’ 3: vereinz. elbostf. – Rda.: einen et lbent fschprken von jmdm. behaupten, dass er nicht wieder gesund wird, Wb-Nharz 7; de kann dick et Leben afschpreken von jmdm. gesagt, der üble Nachrede über andere führt, Sprw-Börde. – 3. ‘Krankheiten durch Besprechen zu heilen versuchen’ 4: Vk-Anhaltb 13 (KÖ-GrPa).
Lautf.: af(f)spreken, -sprken Wb-Holzl 52, HA-Oh; afschpreken Sprw-Börde; fschprëken Wb-Nharz 7; absprechen Vk-Anhaltb 13 (KÖ-GrPa).
hrn m., f. PflN wie Standardspr., in versch. Arten vorkommend, bes. Berg-, Feld- und Spitzahorn, eine Unterscheidung anhand der Belege ist nur partiell möglich, 1/2/3: verbr. nd. (Abfrage z.T. unbeantwortet geblieben), 4: vereinz. nthür., verstr. s CA w BE, KÖ-Kö.  hrnbm pe (Feld-) peldrn (Feld-) Botterlfsbm Botterlwe Brthrn (Spitz-) Brtlwer (Spitz-) Hrbnken 2Lne Maßholder (Spitz-, Berg-) Maßholderahorn (Spitz-, Berg-) Wittlwer Wittnwer(n) (Feld-).
Lautf.: [hrn] SA-Zie; Ah’n SA-Dan; [hn] vereinz. nwaltm., SA-GrGe Kal; [hrn] SA-Rie; Ahorn, [horn] verbr. nd., BA-Ha, CA-Ak, KÖ-Kö; Ahörn OST-Vie, HA-All; Arhorn WO-Col; Ahr’n, Aarn HA-Bar Um; Aohorn, [horn], [horn] GA-Bo Ziep, WO-Col HWa, verstr. w BE; Aoahorn QUE-Que; [ahorn] OST-Dü, WO-Zie; Aern HA-Ost, BLA-Sti; re WE-Dar He; Öhr(e)n vereinz. sw elbostf.; Öhre, re OSCH-Ba GrQue; Ern BA-Ba; Ehre, Eere, re Wb-Nharz 51, BLA-Brau Wie, BA-Schie. – Gram.: volle Form: m.; außerdem: f. vereinz. BE; Kurzform: -auf -e f., auf -n f. belegt BA-Schie. – Etym.: wie bei  Achel, ge und  re liegen wohl die idg. Wurzeln *ak´- ‘spitzig’, *aker- ‘Spitze’ zu Grunde. Benennungsmotiv wären demnach die spitzen Blattabschnitte des A. Es gibt aber auch Hinweise, dass es sich um ein voridg. Wanderwort handeln könnte, vgl. Kluge 242002,23, Mitzka 1950,8 ff.
Alfanzer f. ‘Albernheit, Posse, Dummheit’ 2: Wb-Altm* 48, 3: Wb-Nharz 9, Id-Quea 141, 4: KÖ-GrPa.
Lautf.: Al(l)fanzeri(e), alfanzer; außerdem: Alfansereie KÖ-GrPa.
all(e) I. Indefinitpron., allg. eine Gesamtheit bezeichnend, verbr. – 1a. die Einheit einer Menge betonend ‘ganz, insgesamt, vollständig, sämtlich’ – Alle Kne ln feste. Wb-Ak 14; Jejen elwe jahn se nu alle zu Hause. Heimatkalender-Ze 1961,90 (ZE-Ze); w sidd’n alle inne wrme Schte JE2-Scho; alle Mann ran! Wb-Holzl 53; Rda.: alle WderAusruf des Erstaunens und der Verwunderung, QUE-Di; aller Wettstock dass., CA-Ak; Sprw.: wat alle bedript, dat drecht man leichte Sprw-Börde. – 1b. die Einzelglieder einer Menge stärker betonend ‘jeder, jede, jedes’ – Hüte sünd se alle beide wech! Hbl-Ohre 1935 Nr. 6/Becker (HA-Bee); wr isn lle djewäsd? BA-Ha; Alle Woche ‘n poor mol kam denn de Botterfrau ... JE2-Gü; Rda.: All un jeder kann dat nich. Wb-Holzl 32; dat se-i ek dek ein for alle ml ‘ich sage es dir nur dieses eine Mal’ Wb-Nharz 9. – 2. n. Sg. alles unpersönlich umschreibend ‘alle Leute, alle Dinge’ – Alles, was Bne harre, wr ne Ellewe (Elbe). Wb-Ak 15; w hemm allns afesocht JE2-Scho; Uff’n Hof wärd allens hinjestawwelt ... Spr-Asch 42; Middewoche nh Pingesten d worrn Eier un Kuke un alles denn so desammegeholt. ZE-KlLei; bei Aisenschulzen krichtemor alles DE-Els; mit Bezug auf 1a.: alles in allen ‘insgesamt’ Wb-Nharz 9; Rda.: sien ain un sien alles ‘seine ganze Freude’ Wb-Holzl 53; D hrt sich doch alles uf! ‘Das ist unerhört!’ Wb-Ak 15. – II. Adv. ‘bereits, schon’ 1/2/3: verbr. nd., 4: verstr. omd. (z.T. veralt.) – ick bin all fartig WE-Oster; et is al dch Wb-Nharz 9; det is je all sechse ZE-Roß; Jao, dat is jo nu all lang her Lautdenkmal 1937 (OST-Schön); ... äwer där Balke an de Ecke ... fung nu ok all an tue schwälne. Heimatkalender-Ma 1932,46 (JE2-Vie). – III. Adv. – 1. 1: SA-Dä, 2: vereinz. brdb., 3: Wb-Holzl 53, verstr. s elbostf., 4: vereinz. omd. – a. ‘aufgebraucht, zu Ende gegangen’, auch ‘leer’ – dat Jeld is alle BLA-Brau; der Kuchen is alle ZE-Roß; all maken ‘verschwenderisch leben’ HA-Eil; das Faß is alle ZE-Ke; Rda.: Et is alle wor’n, wie in de Derenbörsche (ON Derenburg) Aftheike. Sprw-Harzvorlf 22; Sprw.: wennt Flaisch all is, bid’n sik dai Hunn um dai Knaokng SA-Dä. – b. ‘zu Ende, vorbei’ – is der Kientopp alle? ZE-Roß; Wie der Choral nu alle war, ... Wäschke 61915,64. – 2. ‘kraftlos, erschöpft’,  slapp, auch ‘außer Atem’ 1: SA-Han, 2: ZE-Roß, 3: WO-Dru, vereinz. w elbostf., 4: Wb-Ak 14, BE-Be – ick bin janz alle von det ville Loofn ZE-Roß; et is alle met ne ‘seine Kräfte sind erschöpft’ Wb-Nharz 9. – 3. in den Verbdg.: – a. alle machen/werden ‘ohnmächtig werden’ 4: Wb-Ak 14, KÖ-Pro. – b. alle gemacht ‘ohnmächtig’,  mächtig, 4: KÖ-Bre, DE-Lau. – 4. in versch. Verbdg. ‘sterben’,  starwen, 2: OST-Katt Klä, JE2-Ro, JE1-Mö, ZE-Roß, 3: vereinz. s elbostf., 4: Wb-Ak 14, CA-Ak, KÖ-KlPa – met em ist bald all OST-Katt; er macht alle KÖ-KlPa; dene is de Aten alle wor’n Sprw-Harzvorlg 264; Jede Minute dachte eck, et word alle mit meck, eck kreig ’n Slag, ... Klaus 1936,56.
Lautf., Gram: (I., III.): alle, [al] Pl. SA-Ku Pü, vereinz. Altm., sonst verstr.; (I. – 1., z.T. auch III.): lle, [l] Pl. Mda-Sti 124, BA-Ha; aller Gen. Pl. ZE-Roß, CA-Ak; all, all’, [al] verbr. nwaltm., verstr. Altm., JE2-Scha; (I. – 2.): ahl Matthies 1903,1; alles, all’s n. Sg. vereinz. nbrdb., ZE-KlLei Roß, verstr. elbostf. anhalt.; all(e)ns n. Sg. vereinz. nwaltm. Altm., Heimatkalender-Je 1924,59 (JE2-Vie), Heimatkalender-Ze 1962,94 (ZE-Ze), Spr-Maa 433 (WO-Her), Spr-Asch 42 und 50; (II.), alter Akk. n.: all, [al] verbr. nd., verstr. omd.; a, [a] verstr. nwaltm. Altm., JE2-Scho Wa; a(r) GA-Wen; aal STE-KlSchwe; oa,  OST-Ca Hö.
allwedder Adv. ‘schon wieder’ 2: JE2-Scho, 3: vereinz. elbostf., 4: Wb-Ak 14, KÖ-GrPa – d het d olle Tsicke awärra heneköddelt JE2-Scho; nu is allwär dee Tiet ran, wur de Wind ower dee Hawersteppeln goahn dat Heimat-Ohre 1922/Wöhlbier (HA-Eim).
Lautf.: al(l)wedder vereinz. elbostf., Wb-Ak 14; alle- KÖ-GrPa; allwe’er Wb-Holzl 54; -wä’er a.a.O. 54; -wär Heimat-Ohre 1922/Wöhlbier (HA-Eim); [awära] JE2-Scho.
Altweibermühle f. Spiel zu Pfingsten, veralt., 4: Vk-Anhalta 254 f./Vk-Anhaltb 14 (BE-Le, KÖ-Wü) – Die Mädchen, die beim Festumzug noch mit allerlei körperlichen Gebrechen behaftet schienen, treten der Reihe nach in ein eigens errichtetes Zelt, in dem zuvor eine alte, klapprige landwirtschaftliche Maschine aufgestellt worden war. Nach kurzer Zeit kommen sie geheilt und verjüngt wieder heraus. Vk-Anhalta 254 f. (KÖ-Wü).
anbinden Vb. 1. ‘durch Binden befestigen, festbinden’ 1: Matthies 1912,12 (SA-Fa), 2: vereinz. nbrdb., Heimatkalender-Je 1927,122 (JE2-Vie), Heimatkalender-Ze 1962,89 (ZE-Ze), 3: vereinz. elbostf., 4: vereinz. anhalt. – ... , wo de Kiehe un Ochs’n anjebun’n wär’n konnt’n. Heimatkalender-Ze 1962,89 (ZE-Ze); Rda.: hier is los, wat nich annebunnen is scherzh. Antwort auf die Frage, was los sei, Sprw-Börde; kort annebun’n sien ‘barsch, abweisend sein’ Wb-Holzl 125; ‘n Bhren anbinnen ‘Schulden machen’ Id-Altm. – 2. Schifferspr. – a. ‘den Kahn wegen schlechter Auftragslage festmachen’ 2: Elbschifferspr. 367 (STE-Bit Tan, WO-Ro, JE2-Mi Pa), 4: a.a.O. 367 (CA-Ak). – b. ‘zum Segeln benötigtes Leinenzeug am Mast anbringen’ 2: a.a.O. 379 (JE2-Mi). – c. in der Verbdg.: kort anbinden ‘den kleinen Kahn dicht hinter dem Fahrzeug schwimmen lassen’ 2: a.a.O. 392 (STE-Bit Tan, WO-Ro, JE2-Mi Pa). – 3. ‘an jmds. Arm ein Band, einen Strauß o.ä. befestigen’ 2: Vk-Anhalta 277 (ZE-Li Na), 3: vereinz. elbostf., 4: vereinz. anhalt. – Brauch: Wird einem Geburtstagskind ein Strauß angebunden, kann es sich mittels einer Spende lösen. Wb-Nharz 11. Betritt ein Fremder oder ein Besucher das Erntefeld, wird ihm ein Strohseil, ein Band oder ein Ährenbüschel umgebunden. Gleiches widerfährt den Angehörigen der Gutsherrschaft, wenn sie das erste Mal nach Erntebeginn auf das Feld kommen. Durch eine Geldzahlung kann sich der Betroffene lösen. vereinz anhalt. – Reim:Ich habe hören ein Vögelchen singen,
Ich soll den gnädigen Herrn anbingen,
Nicht zu dicht und nicht zu fest,
Er wird sich lösen auf’s allerbest.
Vk-Anhalta 277 (KÖ-Wu).
– 4. ‘Streit anfangen, Unfrieden stiften’ 3: Wb-We 6, Wb-Nharz 11, 4: Wb-Ak 17 – Bink mit dn nich n! a.a.O. 17.
Lautf., Gram.: binde an 1. Sg. Präs. Vk-Anhalta 277 (BA-Bad); bind’ an Imp. Sg. Matthies 1912,12 (SA-Fa); anbinnen Id-Altm, vereinz. w elbostf.; -binn’n, [anbi] Rauch 1929,102, Elbschifferspr. 367, 379 und 392 (STE-Bit Tan, WO-Ro, JE2-Mi Pa, CA-Ak); am- Spr-Maa 435; anjebun’n Part. Prät. Heimatkalender-Ze 1962,89 (ZE-Ze); annebunnen Part. Prät. Sprw-Börde; -bun’n, [anbu] Part. Prät. JE2-Scho, Wb-Holzl 125, an ‘ebunn Part. Prät. Heimatkalender-Je 1927,122 (JE2-Vie); anbunn Part. Prät. Francke 1904,31; nbin’n Wb-Nharz 11; nbin-n QUE-Di; [npi] Wb-Be; anbingen Vk-Anhalta 277 (ZE-Li Na, KÖ-Wu), Wirth 1928,85 (KÖ-Ost); anjebungen Part. Prät. Wäschke 61915,86; nbingen Wb-Ak 17.
1ändern Vb. 1: Ehlies 1960b 298, SA-Rist, 2: Wb-Altm 57, ZE-Roß, 3: vereinz. elbostf., 4: vereinz. anhalt. 1. ‘umwandeln, verändern’ – dat lett sik balle endern HA-Oh; “... ich werde nun mal ernstlich mit ihr sprechen. ” – “Thunse das, jnädjer Harre!” ... “sähn Sie mal zu, eppsese ändern”. Wäschke 61915,145; Sprw.: En Wullef ändert de Haar’ Un blift doch, wie he war. Vk-Harz 3,60. – 2. refl. ‘sich wandeln, verändern’ – Wo hemm sick dei Tieden ännert! Ehlies 1960b 298; s Wetter ännert sich KÖ-Bre; Rda.: hei ändert sich woll, awer bessert sich nich Sprw-Börde; Scherzreim:Wenn de Hahn kraiht oppn Mess
ändert seck et Wäder oder et blifft wie et is.
WE-Re.
Lautf., Gram.: ändern Richter o.J. 32; ändern 3. Pl. Präs. Wäschke 61915,145; ändert 3. Sg. Präs. vereinz. elbostf.; ännert 3. Sg. Präs. Wb-Altm 57, KÖ-Bre; je- Part. Prät. Krause 1964,19; ännert Part. Prät. Ehlies 1960b 298; endern vereinz. w elbostf.; [ern] ZE-Roß, Wb-Be; [ent] 3. Sg. Präs. SA-Rist.
Andreasnacht f. ‘Nacht vom 29. zum 30. November’ 2: Hochzeit-Altm 8 f., vereinz. ZE, 4: Vk-Anhalta 196 (KÖ-Ar, DE-Die) – Brauch: In der A. hoffen die Mädchen, ihren zukünftigen Bräutigam zu sehen. Sie schauen um Mitternacht in den Spiegel, um ihn dort zu erblicken (Vk-Anhalta 195 – vereinz. ZE) oder essen abends ein Käsebrot, damit ihnen der Liebste im Traum erscheint (a.a.O. 196 – KÖ-Ar). Auch wird der heilige A. in Beschwörungsformeln, die in den Belegen durchweg hd. erscheinen, angerufen:Bettspond’, ich trete dich,
Sanct Andreas, ich bitte dich,
Laß doch erscheinen
Den Herzallerliebsten meinen.
Wie er geht und steht,
Und wie er mit mir zur Kirche geht.
Hochzeit-Altm 8.
Vor und nach der Anrufung klopfen die Mädchen jeweils drei Mal; beim Sprechen des ersten Verses treten sie gegen das Bettgestell. a.a.O. 8. In Brambach deckt das Mädchen für zwei Personen den Tisch, isst daran und bittet: Heiliger St. Andreas – Laß mich erkennen – den will ich nennen – Der mein Herzallerliebster soll sein. Brauch-Anhalt 223 f. (ZE-Bra). Erscheint der Zukünftige und nimmt Wein zu sich, ist er reich. Trinkt er Wasser, ist er arm. Kommt er im Leichentuch, wirft die Gläser um und stellt eine Sanduhr auf den Tisch, stirbt er noch vor der Hochzeit. Hochzeit-Altm 9.  Andreastag.