len Vb. ‘leihen,  borgen’ 1/2/3: verstr. nd. – du kannst mi moal dein Hot lieh’n STE-Ste.
Lautf.: li-en, [ln] OST-Hi, HA-KlBa, BLA-Hü; lihen WO-Ro, vereinz. JE2, JE1-Scha, vereinz. elbostf.; liehn, lieh’n, ln verstr. nwaltm. Altm. elbostf.; leihen vereinz. Altm., BA-Rie; leihn vereinz. HA.
lksterwelt Adv. 1. dass. wie  lker(s) 1., 1: SA-Scha, 2: STE-Ste – dit is lieksterwelt dä Voader SA-Scha. – 2. ‘wirklich, in der Tat’ – da harre lksterwelt nist Arges t 3: Beiträge-Nd 65 (WO-HWa).
marachen Vb. 1. ‘schwer und angestrengt arbeiten, sich abmühen, quälen’ 1: SA-Dä Rist, 2: vereinz. Altm., 3: verstr. elbostf., 4: Wb-Ak 116, Wb-Be – dai maracht sik wat tosamm SA-Dä; t sost je nich immer s marachn Wb-Be.  TZ: herumackern 2herumkleien herummarachen 2kleien knulzen knurzen lwarken ossen. – 2. ‘lärmen, poltern’ 2: STE-Ste Wa.
Lautf.: marách(e)n; außerdem: [maran] SA-Dä; [mara] SA-Rist; [morán] Wb-Be; murachen Wb-Ak 116. – Etym.: zu jidd. rach ‘zart, schwach, furchtsam’, vgl. Wb-Rotw [18]. Zuss.: zu 1.: hen-, herum-.
Martin Name des heiligen Martin von Tours und des nach ihm benannten Kalendertags (11. November), auch Bezug auf den Reformator Martin Luther und dessen Geburtstag (10. November), 1: verstr. nwaltm., 2: verstr. Altm., JE1-Grü Wo, vgl. Martn, Martinsdag – Rda.: De fleut’t Märtens wat. ‘Du bekommst nichts.’ Bewohner-Altm 1,349. – Brauch: Am Vorabend des Martinstages zogen die Kinder in der Dämmerung singend von Haus zu Haus, um Gaben zu erheischen:Martens, Martens Vöggelken,
geft uus wat in’t Snäwwelken!
Lt uus nich sau lange sthn,
wi willn hüüt noch wierer ghn
bet vör Nwers Döör!
Nwers Döör is nich wiet,
Appeln und Bäärn sünd all riep.
Pluumbrtchen
(getrocknete Pflaumen) we’n backt,
smiet in’t Schört, dat man sau knackt!
Brauch-wAltm 100
(GA-Tri);
Märtin, Märtin Vögelken,
Met dien vergoldten Flögelken,
Fleeg hoch bes öber’n Wiem
(Hühnerstange):
Morgen is et Märtin;
Märtin is en goden Mann,
De uns All wat gäwen kann.
Äppel un Bär’n
Mag ick gärn,
Nööt schmecken ook all goot
Schmieten Se mi weck in Strohhoot!

Firmenich 1854,131 (STE-Ste);
erhielten die Kinder nichts, wurde gesungen:Märtens, Märtens Blaos’
wenn ji mi nicks gäwen willn,
so lickt mi midden in’ Maors.
Wb-Altm 133;
Zu M. wurden Schweine geschlachtet:Morgen is dat Martin!
Schlachten we een fetten Schwien!
Kümmt de kleine Pösselken
(Person, die geschäftig Arbeiten
verrichtet),
mkt uns frische Wöstelken.
Brauch-wAltm 105 (SA-Dä).
Lautf., Gram.: Martin SA-Dä, vereinz. Altm., JE1-Grü Wo; Märtin Firmenich 1854,131 (STE-Ste); Matthies 1912,12 (STE-West); Mätin STE-Wa; Gen. Sg.: Martens Brauch-wAltm 100ff. (SA-Dä Im Po, GA-Tri); Märtens verstr. nwaltm. Altm.
maschnen Vb. 1. ‘Getreide mit der Dreschmaschine dreschen’,  dörschen, 2: STE-Ste, vereinz. JE2, ZE-Wö, 3: verstr. elbostf., 4: vereinz. anhalt. – 2. ‘Flachs mit der Flachsbreche bearbeiten’ 1: SA-Dä.
Lautf.: maschnen; außerdem: maschin’n BLA-Hü, KÖ-KlPa, [man] JE2-KlWu Par Schön; masch’n Wb-Ak 111, [ma] SA-Dä, Id-Eilsb 147.
mokren Vb. refl. ‘sich über jmdn., etw. lustig machen, sich abfällig äußern’ 2: Hausfr-Altm 1927,49 (STE-Ste), 3: HA-Ack, Id-Eilsa 80, Wb-Nharz 129, 4: Wb-Be.
Lautf.: monkieren HA-Ack; munkieren Hausfr-Altm 1927,49 (STE-Ste), Id-Eilsa 80, munkren Wb-Nharz 129; [mukrn] Wb-Be. – Etym.: zu gleichbed. frz. moquer, vgl. Kluge 231995,566.
Monsieur m. 1. ‘Herr’, bes. in der Anrede, meist spöttisch oder tadelnd, 2: Wb-Altm 142, 3: verstr. elbostf. – musche Ernst Beiträge-Nd 66 (WO-HWa). – 2. Personenbezeichnungen in versch. Verbdg. – a. Monsieur Blitz ‘jmd., der überall dabei ist, der sich überall (oberflächlich) auskennt’, auch ‘verwegener, durchtriebener Mann’,  s, 3: vereinz. elbostf. – muscheblitz is k schn d Wb-Nharz 130. – b. Monsieur Ndlich ‘eitler, übertrieben herausgeputzter Mann’ 3: vereinz. elbostf.  TZ: Hahnefatzke Hans Harlekn Lackaffe Lichtkittel. – c. Monsieur Clown ‘Spaßmacher’,  Clown, 2: Hausfr-Altm 1927,49 (STE-Ste), Heimatkalender-Je 1927,120 (JE2-Vie), 3: Wb-Holzl 144, HA-Oh. – d. Musch-Dreck, Schimpfwort, 2: Wb-Altm 142. – e. Musch-Urjaon dass., 2: Wb-Altm 142. – 3. Dim. ‘Zwieback’ 2: Wb-Altm* 63.
Lautf.: Moßjö Lindaub o.J. 12; Muschü Wb-Altm 142; Muschü- ken Dim. Wb-Altm* 63; Musjö Heimatkalender-Je 1927,120 (JE2-Vie); Musje QUE-Wed, Musje(kloon) Hausfr-Altm 1927,49 (STE-Ste); musch Wb-Nharz 130 (ohne nachfolgenden Namen); Musche, [mu] verstr. elbostf.; Musch (mit nachfolgendem Namen) Wb-Altm 142; Muschel(kloon) Hausfr-Altm 1927,49 (STE-Ste); Muske OSCH-He; Mosch Wb-Altm 142.
Mumm m. 1. ‘Kraft, Ausdauer, Entschlossenheit’ 2: STE-Ste, 3: HA-Ost, WE-Strö Zi – hei hat Mumm in’n Knken WE-Strö; he het keen Mumm mehr STE-Ste. – 2. ‘Nährwert des Viehfutters’ 3: OSCH-Ba.
1Ms f. 1. TiN ‘Maus’ verbr. – d lfd ne Maus DE-Ca; dai Ms gnauan (knabbern) an dat Breot SA-Dä; Uffen Bon’n hammer ville Meise. Wb-Ak 112; Rda.: de Müs pissen ‘es regnet fein’ OST-Sta; dat is Muus wi Maus ‘das ist einerlei’ Wb-Holzl 144; ‘t is Ms as Mn (Muhme) dass., Wb-Altm 139; hei st t w en pott vull mse ‘er sieht mürrisch, unzufrieden aus’ Id-Queb 12; H kickt ass ‘n Ms t ‘n Dunk Hd (Haufen Werg). ‘Er trägt eine zu große Kopfbedeckung.’ Wb-Altm 142; sitten w de ms in der falle ‘keinen Ausweg mehr wissen’ Wb-Nharz 130; dat hilpt for de Müse, sää de Bure, dunn stok’e sine Schüne an HA-No; Sprw.: Mse hecken Mse BA-Re; De Mus lett dat Nasch’n nich. Spr-Altm 82; mid Speck fängd man Ms GA-Da; lüttge Müse hett ook Swänze HA-No; de Miese, de morjens danzen, kriegt’n Abend de Katze WA-West; is de Katte nich te Hs, danzet de Mse op’n Dische HA-Oh; wenn de Müse dicke sind, smeckt et Mehl bitter OSCH-Eils; Wenn de Muus satt is schmeckt det Mehl bidder. Firmenich 1854,132 (STE-Ste); Kinderreim:t’ laip enne Muus
Umme Kauhheers Huus,
Den Tripp, den Trapp,
Den Berg hinab.
Lieder-Ma Nr. 100 (WE-Ro).
Volksgl.: M., bes. in Scheunen, werden durch die Ausräucherung der Räume mit der Asche eines verbrannten, übel riechenden Krebses bekämpft (BA-Rie). Als Mittel gegen M. gelten außerdem: am Johannistag gesuchtes Bilsenkraut, Johanniskrone, Echte Hundszunge, Zweige vom Vogelkirschbaum oder Knoblauch (BA-Bad). Vk-Anhalta 34. In den Zwölften wird von Dingern statt von M. geredet, um eine Mäuseplage zu verhindern. Gebräuche-Altm 83. Um Mäusefraß zu vermeiden, beginnt man mit dem Mähen an einem Sonnabend und fährt auch das erste Fuder an diesem Wochentag ein (KÖ-Ar). M. gehören zum Gefolge der Geister und besitzen deshalb Zauberkräfte. Von M. angefressenes Brot schützt vor Zahnschmerzen (ZE-Na). Wer eine M. laufen sieht, hat Unglück. Masssenweisem Auftreten von M. folgen teure Zeiten (CA-Zu). Vk-Anhalta 34. – 2. ‘Handballen unterhalb des Daumens’ 2: Wb-Altm 142, 3: vereinz. elbostf., 4: vereinz. anhalt. – mich dd de Maus s w DE-Ca. – 3. ‘zähe Sehne im Muskelfleisch’,  Hrwass, 2: JE2-Cab, 3: HA-All. – 4a. Dim. ‘Kniescheibe des Pferdes’ 3: Wb-Holzl 144 (HA-Um). – 4b. Dim. ‘Geschwulst am Kniegelenk des Pferdes’ 3: JE1-Ca. – 5. ‘kleines  Kind’, Kosewort, 2: Bewohner-Altm 2,146. – 6. ‘kleiner Schlitten der Kinder’,  Slde(n), 2: WO-Me, HA-Som. – 7. Pl., auch in der Verbdg.: witte Mse ‘Geld’,  Zaster, 2: WO-Wo, vereinz. JE1, 3: verstr. n/ö elbostf., 4: BE-Neu.
Lautf.: Mu(u)s, Ms verbr. nd., Mda-Sti 34, BA-Ha; Museken Dim. (4a.) Wb-Holzl 144 (HA-Um); mes BLA-Brau; [ms] SA-Die; [müis] SA-Dä; [mius] verstr. nwaltm.; Miseken Dim. (4b.) JE1-Ca; Maus verstr. anhalt. – Gram.: Pl.: Müse vereinz. s Altm., JE2-Scho, verstr. n/w elbostf., Id-Queb12; Ms, [ms] verstr. nwaltm. n/mittlere Altm.; Miese, mse HA-AHa Hu, verstr. s/ö elbostf.; Muse, [mz] GA-Bo Le, CALV-Uth, verstr. ZE, Mda-Sti 34; Mäuse (7.) WO-Wo, vereinz. JE1 n/ö elbostf.; Meise verstr. anhalt. – Etym.: (7.) wohl aus Gaunerspr., Nbf. zu  2Ms, vgl. Wb-Rotw [3481]. Zuss.: zu 1.: Hassel-, Heu-, Hs-, Kerken-, Krabbel-, Miezmaus.