Kelle f. 1a. ‘großer, runder Schöpflöffel mit langem Stiel’ verbr. – höldene Kell OST-Sto; Rda.: man mott äten wat de Kelle gifft WE-Oster. – 1b. ‘großer Holzlöffel zum Rühren und Stampfen’ 1: SA-Hen, 2: OST-Los, STE-Sto, JE2-Scho – w willn met e Kelle d Tüffeln kwätsch’n JE2-Scho. – 2. ‘dreieckiges oder trapezförmiges Werkzeug der Maurer mit gekrümmtem Stiel zum Auftragen des Mörtels und zum Glätten’ 3: Id-Eilsa 71. – 3. ‘Ruder des kleinen Kahns ( 1Kn 1c.)’ 4: Wb-Ak 86. – 4. ‘Freistätte beim Haschespiel’,  1Ml, 2: JE2-HSe, JE1-HZi.
Lautf.: Kelle, [kel] verstr. s JE2, verbr. mbrdb. elbostf. anhalt.; Källe JE2-Wul; Kell verbr. nwaltm. nbrdb.; Köll OST-Thie. Zuss.: zu 1.: Holt-, Klump-, Klunz-, Kke-, Ms-; zu 2.: M-rer-; zu 3.: Hau-; sonstiges: Jauchen-, Lade-.
Koppkissen n. ‘Kopfkissen’ 2: STE-Sto, WO-Bl, JE1-Scha, ZE-Hu, 3: vereinz. elbostf., 4: vereinz. w anhalt.
Lautf.: Kop(p)kiss(e)n, [kopkisn]; außerdem: -küss(e)n HA-Bee Oh; Kopfkissen HA-Vö, CA-Ak.
Kräuelseiße f. ‘Getreidesense’, einschließlich des Gestells zum Mähen von Gerste und Hafer,  Seiße, 2: STE-Sto.
Lautf.: Kreulseiss.
Langbn n. 1. TiN ‘Storch’, z.T. als Beiname,  Stork, 1/2/3 verbr. nd., 4: BA-Ha. – Meester Langbeen JE2-Sy; Kinderreim:Storch, Storch, Langbeen,
steaht upp’n grot’n Sandsteen,
hätt roi Strümp an,
freut sick wie’n Eaddelmann.
Matthies 1912,9 (STE-Hü).
– 2. TiN ‘große Mückenart mit langen Beinen’ 2: STE-Sto, verstr. n WO JE2 JE1. – 3. TiN ‘Bachstelze’,  Ackermann, 3: CA-Löd. – 4. ‘Mensch mit langen Beinen’ 3: vereinz. elbostf.
Lautf.: Langbn verbr. brdb., WO-Ba El, CA-Löd; -bein SA-Bee, verbr. elbostf.; -bäin Lieder-Ma Nr. 310 (GA-Mie); -bn BA-Ha.
nmen Vb. verbr. 1. ‘mit der Hand ergreifen, erfassen’ – der Voader nemmt de Seiße JE1-Wol; Rda.: ’n beis Schlafittchen n’m ‘jmdn. fassen’, auch ‘jmdn. zur Rechenschaft ziehen’ Wb-Ak 118. – 2. ‘etw. (Angebotenes) annehmen’, auch ‘zu sich heranholen, in seinen Besitz bringen’ – de Aikatte (Eichhörnchen) nömmt de Nödd’n k JE2-Scho; Rda.: fon dne nimmet kein Hunt ‘n Stücke Bret HA-Oh; Hei is vom Stamme Nimm. ‘Er nimmt alles, was er bekommen kann, ist auf seinen Vorteil bedacht.’ Heimatland-Ga 1930 Nr. 10; Sprw.: von den Lüen mot man’t nehmen, von den Bömen kann man’t nich schüddeln WE-Dee. – 3. ‘fremdes Eigentum in seinen Besitz bringen, stehlen’,  klauende Mt (Magd) kunn en … nich en’m häm’m … Teuchert o.J. 83 (JE2-GrMa). – 4. ‘jmdm. etw. entziehen, jmdn. um etw. bringen’ – Rda.: sett dik’n bettchen hen, süss nimmeste üsch de Rauh HA-Oh; sich nich de Butter vons Brt n’m lßen ‘sich nicht alles gefallen lassen’ Wb-Ak 118. – 5. ‘ergreifen und an eine bestimmte Stelle, in eine bestimmte Lage bringen’ – opp’n Puckel neemen Hbl-Ohre 1928 Nr. 17/Wöhlbier (HA-Eim); Rda.: Das mußte nich uf de leichte Aksel n’m. ‘Das musst du ernst nehmen.’ Wb-Ak 118. – 6. ‘für einen bestimmten Zweck gebrauchen’ – de Kummkarre nömmt man tum Messfan JE2-Scho. – 7. ‘heiraten’ – sek ne fr nmen Wb-Nharz 133. – 8. ‘bei sich unterbringen, aufnehmen’ – hei hat sne Swester n sik e’nemen HA-Oh. – 9. ‘dem Körper etw. zuführen’ – wat tau sik nem’n HA-Oh; Nimm doch m Bal’lerjnstropp’m. Wb-Ak 118; Rda.: een nähm ‘Alkohol trinken’ KÖ-Grö; einen drup nehm ‘einen Handel mit einem Trunk beschließen’ STE-Sto; hat einen to vell e’nohmen ‘ist betrunken’,  dn, HA-Ma. – 10. ‘akzeptieren, hinnehmen’ – Rda.: Mor mußt n’m w’s kimmet. Wb-Ak 118. – 11. ‘mit jmdm. auf eine bestimmte Weise umgehen’ – se wuste ne te nem’m Mda-Weg 108. – 12. ‘sich unterscheiden’ – d beiden nmen sek nischt in der grte Wb-Nharz 133. – 13. in Verbdg. zur Umschreibung anderer Verben – te Mte nem’n ‘die Körpermaße durch Messen ermitteln’ HA-Oh; in’n Dsuch n’m ‘einen Kahn in den Schleppzug aufnehmen’, Schifferspr., Elbschifferspr. 363 (STE-Bit); ‘n Kn n Land (in Hfen) n’m ‘den Kahn an das Ufer, (den Hafen) steuern, um dort zu ankern’ Wb-Ak 118; Rda.: sik Tt nem’n ‘sich nicht beeilen’ HA-Oh; int Jebt n’m ‘jmdn. eindringlich befragen’ Mda-Ar 28; datt nimmt kn gd Kr ‘das nimmt keinen guten Fortgang’ Wb-Altm 265; ick will’n schon de Maße nähm ‘ich werde ihn verprügeln’ Spr-Asch 17; an de Longe nehmen ‘jmdn. streng behandeln oder in seiner Freiheit einschränken’ Id-Eilsb 147.
Lautf.: nehm(e)n, neem(e)n SA-Böd, JE1-Dan, verstr. elbostf.; nehm STE-Sto, KÖ-Bre; ne’m Wb-Holzl 146; nem’n HA-Oh; nem’m Mda-Weg 108; nähmen WO-HWa, DE-Je, nmen Wb-Nharz 133, nmen Wb-We* 228; nähm Spr-Asch 17, CA-Atz, KÖ-Grö; näh’m, [n], [n] verstr. mittleres/sö nwaltm. Altm., vereinz. JE2, Dialekt-Ma 9 (verstr. w JE1, ZE-Dor), Mda-Ze (ZE-Roß), WO-HWa Mei, Dialekt-Ma 9 (vereinz. nö CA), vereinz. anhalt.; n’m Mda-Sti 46; niemen OSCH-Di; nö- men Wb-We 94; [na] Dialekt-Ma 9 (verstr. mittleres/s JE1), verstr. ZE; [näim] vereinz. nw nwaltm. – Gram.: 3. Sg. Präs.: nim(m)t, [nimt] Wb-Altm 143, verstr. elbostf.; nimmet HA-Oh; nümmt Wb-Holzl 146; nemmt, [nemt] Dialekt-Ma 6 (verstr. mittleres/s JE1), JE1-Wol, verstr. ZE; [nmt] ZE-Kö; [nömt] JE2-Scho; Imp. Sg.: nimm, [nim] Heimatland-Ga 1930 Nr. 10, verstr. elbostf., Wb-Ak 118; [nimg] Mda-Fuhne 108 (verstr. anhalt.; bes. jüngere Generation); nümm Wb-Holzl 146; [nem] JE2-Scho, Dialekt-Ma 8 (verstr. mittleres/s JE1), verstr. ZE; 1./3. Sg. Prät.: Kürze des Stammvokals: namm Matthies 1903,9, Wb-Holzl 146 (HA-Erx); [nam] Dialekt-Ma 11 (JE1-Lü Me Ste Zep). Zuss.: zu 1.: mit-; zu 2.: hen-, in-, wer-; zu 5.: mit-; zu 8., 9.: in-; zu 10.: hen-, in-; zu 11.: hch-; sonstiges: mit-, wer-.