1Micke f. 1. ‘Astgabel, gabelförmiges Holz’ 2: Wb-Altm* 63, ZE-Rie, 3: Wb-We 88, CA-Fö GrRo KlRo, 4: Wb-Ak 113, CA-Lö Su, Mda-Fuhne 140 (ö anhalt.). – 2. gabelförmiges Holz als Stütze, 2: JE2-Scho, Mda-sJe1 34 (verbr. s JE1), vereinz. ZE, 3: Mda-sJe1 34 (verstr. w JE1).  Gaffel Giffel Holtmicke Knagge(n) Stwel Steife Stfel Stünze Stütte. – a. ‘Stütze für Obstbaumzweige’, auch ‘Stock zum Anbinden von Pflanzenteilen’ 2: verstr. sö Altm., JE2-Ku Scho, verstr. mittleres/s JE2, vereinz. JE1 ZE, 3: verstr. n/ö elbostf., 4: DE-Kle Vo – unna d fulle Bme k’m k Mickng JE2-Scho.  Baumstabel Bmmicke Bmstange Bmstfel Bmstünze Bmstütte Gaffel Giffel ftmicke Splant(e) Stwel Steife Stfel Strwel Stünze Stütte. – b. ‘Stütze für die Wäscheleine’ 2: verstr. sö Altm., verbr. JE2, verstr. JE1 ZE, 3: verstr. n elbostf., vereinz. ö elbostf., 4: Mda-Fuhne 141 (nö anhalt.) – ne Micke understellen HA-Oh.  Gaffel Giffel Spl(e) Splant(e) Stwel Steife Stfel Strwel Stünze Stütte Tgmicke Tgstünze Tgstütte Wäschemikke Wäschespl Wäschestwel Wäschestfel Wäschestünze Wäschestütte Zeugstabel Zeugsteife. – c. ‘Stütze der Wagendeichsel’ 2: verstr. sö Altm., verbr. JE2, verstr. JE1 ZE, 3: verstr. n/ö elbostf., vereinz. WE QUE, 4: vereinz. s CA.  Dßelmicke Dßelsplant Dßelstütte Gaffel 1Hippe Schrick Stangenmicke Stangenschrick Stangenstfel Stangenstünze Stwel Steife Stünze Stütte Wgengiffel Wgenmicke Wgenschrick Wagenstabel Wagensteife Wgenstünze Wgensttze Wgenstütte. – d. ‘Stütze für den Sensenstiel beim Dengeln’ 4: Mda-Fuhne 141 (nö anhalt.). – e. ‘Stütze für den  Mlenstrt’ 3: Wb-Holzl 141. – 3. ‘Katapultgabel’ 3: Kbl-Nd 1930,44 (Börde), CA-Fö. – 4. ‘Gabel am Bootsende als Halt für den Staken’ 2: JE2-Scho. – 5. ‘am unteren Ende des Köchermastes angebrachte, 2,5 m lange, aufrichtbare Stange mit gabelförmigem Ende, durch das das  Vorstag läuft’, erleichtert das Aufrichten des Mastes, Schifferspr., 2: Elbschifferspr. 207 (STE-Bit Tan, WO-Ro, JE2-Mi Pa), ZE-Roß, 4: Elbschifferspr. 207 (CA-Ak). – 6. ‘aus einem Stock mit gabelförmigem Ende bestehendes Gerät zum Eisangeln’, die Angelschnur, an deren Ende sich der Haken befindet, wird um die Gabel gewickelt – met de Micke wänn k im Winda Hekte upt s fangng 2: JE2-Scho. – 7. ‘ca 15 cm langer, an beiden Enden zugespitzter Stock’, Spielgerät, 2: ZE-Roß, 4: Wb-Ak 113 – Micke spl’l Ein im Mal stehender Spieler schlägt die M. mit einem Stock ins Gelände. Der Mitspieler ist bestrebt, sie wieder ins Mal zu werfen. Ein Verteidiger versucht, dies zu verhindern, indem er sie mit einem Stock aus der Luft zurückschlägt. Liegt die M. bereits auf dem Boden, schlägt er zunächst auf eines der spitzen Enden, so dass sie wieder hochspringt, um sie dann möglichst weit ins Gelände zu schlagen. Wb-Ak 113.
Lautf., Gram.: Micke, [mik]; außerdem: Mick, [mik] Wb-Altm* 63, verstr. ö GA mittleres STE, JE2-Ku Reh; Micken Pl. GA-Wo, STE-La; [mig] Mda-Fuhne 141 (ö anhalt.); Mücke, [mük] STE-Grie, vereinz. ö/s JE1, verstr. ZE, vereinz. n elbostf., WA-HDo, WE-Ri, CA-KlRo. – Etym.: Siedlerwort aus dem ndl.-rhein.-westf. Raum, vgl. Teuchert 21972,242f. Zuss.: zu 1.: Hde-, Kachelwen-, Kke-; zu 2.: Holt-; zu 2a.: ft-; zu 7.: Kreis-, Loch-.
Modderblänke f. ‘auf schlechtes Wetter deutende Wolkenbank’ 4: Wb-Ak 115, CA-Lö – In ’md (im Westen) wr anne Mosserblenke. Wb-Ak 115.
Lautf.: Modderblenke Wb-Ak 115; -plänke CA-Lö; Mosserblenke [-z-] Wb-Ak 115.
modderig Adj. ‘schmutzig, schlammig’, auch ‘trübe, unrein’, von Flüssigkeiten, bes. vom Wasser,  glmig, 1: verstr. nwaltm., 2: Wb-Altm 138, Mda-Ar 29, STE-Wa, WO-We, ZE-Roß, 3: verstr. elbostf., 4: CA-Lö, Wb-Be, DE-Mo – dad Wdor is modderich BE-He; op der schtrte is et modderich Wb-Nharz 128; Rda.: modderich kiken ‘verdrießlich blicken’ Wb-Holzl 142 (HA-Wo).
Lautf.: modderig SA-Bre, verstr. elbostf., CA-Lö; modderich, [modri] SA-Le Sla Ty, ZE-Roß, vereinz. elbostf., Wb-Be; moddrig SA-Ho KlGe Wa, Wb-Altm 138, STE-Wa, vereinz. elbostf.; [modri] QUE-Hau; motdrig SA-Lag; motterich SA-HLa; morrärig SA-Dä; morrig SA-Han; [mozri] DE-Mo; mollrich WO-We; [mdri] Mda-Ar 29; madderich Wb-Nharz 121; mudderich HA-Oh; muddrich HA-Bar.
Modderlock n. 1. dass. wie  Modderkle 1., 3: HA-Bee Oh, Wb-Nharz 128, QUE-Di, 4: BLA-Sti – wu’n Modderlock is, da möt ji rin HA-Bee. – 2. dass. wie  Modder 3., 2: ZE-Wei, 3: BLA-Tr. – 3. ‘schmutzige Örtlichkeit’ 3: Wb-Holzl 142, 4: CA-Lö.
Lautf.: Modderlock Wb-Holzl 142, HA-Bee Oh, QUE-Di, moderlok Wb-Nharz 128; Modderloch BLA-Sti Tr, CA-Lö; Moller- ZE-Wei.
2Mk m. PflN ‘Klatschmohn’,  Klatschmn, 2: WO-Me, 3: vereinz. n elbostf., CA-Lö.
Lautf.: Mook, [mk]; außerdem: Mock HA-Sü; Mogk CA-Lö. – Etym.: wohl Bezug zu gleichbed.  Smk, vgl. Wb-PflN 3,560.
Njr n. 1. ‘erster Tag des neuen Jahres’ verbr. – in’t Njer hüppen HA-Oh; Prost Nijaar, schitt opp’t ool Jaar! Glückwunsch zum neuen Jahr, Wb-Holzl 146 (HA-Eil); Neujahrswünsche:‘nen ganzen Stall vull Rinner,
‘ne ganze Stuuw vull Kinner,
‘ne ganze Taß
(Banse) vull Müüs,
‘nen ganzen Kopp vull Lüüs.
Vk-Altm 219 (SA-Be);
Ich wünsche fröhliches, neues Jahr!/
Bei jedwedes Schaf ein Lämmchen,/
Bei jedwede Kuh ein Kälbchen,/
Eine brave Scheune voll Korn!
Vk-Anhalta 39 (ZE-Rie);
Wetterregel: Moangrout (Morgenrot) an Naijoasdach bringkt Unvra (Unwetter) un mannich Ploach. SA-Rist. – Brauch: Das neue Jahr wurde durch das Läuten der Kirchenglocken am Nachmittag des Silvestertages (Vk-Harz 8,21) oder unmittelbar nach dem Jahreswechsel (Gesch-Ro 107) begrüßt. Im Harz stellten sich die Knechte auf einen freien Platz und ließen durch taktmä- ßiges Knallen der Peitschen ein Lied ertönen. Vk-Harz 8,22f., Pröhle 1858,260 (WE-Rok). In Quedlinburg wurde das Neujahr “abgeholt”, d.h. die Herren des Stifts zogen mit einem Monstranzkasten zur Äbtissin, Pröbstin und Dechantin, um Gaben einzusammeln. Vk-Harz 8,22. Im gesamten Gebiet gingen am Silvesterabend oder am Neujahrstag Knechte, Hirten oder die Burschen des Ortes singend und meist mit versch. Lärminstrumenten ( Tte,  Rumpelpott) von Haus zu Haus, um Gaben wie Eier, Wurst, Früchte, Brot oder um Geld zu erheischen ( umsingen). Heischevers:Nüsse ‘raus, Äpfel raus!
Sonst schmeiß ich’n großes Loch ins Haus.
Sing ich wenig,
Krieg’ ich ‘nen Pfennig;
Sing ich mehr,
Krieg’ ich ‘nen Zweer.
Ackerbau-Anhalt 275 (BA-Neu).
Das erhaltene Geld wurde in einen mit Häcksel gefüllten Zweischeffelsack gelegt. Brauch-Ma 251 (WO-HWa). Am Neujahrssingen beteiligten sich z.T. Pfarrer und Kantor, die zusammen mit ihren Schülern durch den Ort zogen, um das Geld einzutreiben, das ihnen von allen Einwohnern gezahlt werden musste und zu ihrem Gehalt gehörte (verstr. elbostf., verbr. anhalt.); statt Geld erhielten sie auch Eier (verstr. Nharz.) oder Würste, die beim Schlachten extra für diesen Zweck hergestellt wurden. Vk-Anhalta 203 (KÖ-KlPa). In Aken unternahmen die mit einer weißen Schürze bekleideten Fährleute einen Heischegang. Wb-Ak 120. N. war ein Termin für den Gesindewechsel (verbr.). – Volksgl.: Zu N. sollte man etw. Quellendes wie Reis oder Hirse essen, damit das Geld nicht schwindet. Brauch-Rie 746, CA-Lö, Vk-Anhalta 202 (verstr. anhalt.). Bereitet man Hering, muss es Rogener sein. Vk-Altm 219. Aus versch. Handlungen oder Beobachtungen konnten Aussagen über das kommende Jahr gewonnen werden: Üblich waren z. B. Bleigießen (Vk-Altm 220, Brauch-Ma 255) oder das Aufschlagen des Gesangbuchs, bei dem aus dem zufällig gefundenen Lied auf die Zukunft geschlossen wurde. Brauch-Ma 255 (WO-HWa). Blickt man um Mitternacht durch das Schlüsselloch der Kirche, sieht man die Menschen, die im kommenden Jahr sterben werden. Vk-Altm 220, Brauch-Ma 255 (HA-Sü). Geht man zwischen 23 und 24 Uhr in ein halbdunkles Zimmer und sieht einen Schatten ohne Kopf, muss man im neuen Jahr sterben. Brauch-Ma 255 (HA-Alv). Die Mädchen konnten den zukünftigen Ehemann erblicken, indem sie in der Stunde vor Mitternacht entweder durch die Beine hindurch in den Ofen blickten (Vk-Altm 220) oder sich unbekleidet auf den Ofen setzten. Brauch-Ma 255 (HA-Alv). Weist ein über die rechte Schulter geworfener linker Pantoffel mit der Spitze hausauswärts, wird das Mädchen aus dem Haus gehen, also heiraten. Vk-Altm 220. Damit die Hühner im neuen Jahr gut Eier legen, wird am Neujahrstag im Hof eine Kette kreisförmig ausgebreitet und das Futter hineingestreut. Brauch-Rie 746. Sonnenschein zu N. verspricht eine gute Ernte im Jahr. SA-Net. Scheint die Sonne auf den Altar, gerät der Flachs gut. Vk-Altm 219. Durch Gewehrschüsse in der Neujahrsnacht wird die Fruchtbarkeit der Obstbäume gefördert (OST-Sa, STE-Scha); aus dem gleichen Grund wird um jeden Baum eine Hand voll Stroh gebunden (STE-Scha Scher, Sagen-Havel 324). – 2.Großneujahr.
Lautf.: Niejahr, -jaar; außerdem: Njer HA-Oh; Niejaohr Brauch-Ma 255 (WO-Ol); [naij] SA-Rist; Neijr Wb-Ak 120, [naijr] Wb-Be; Nijahr Bewohner-Altm 1,351; Neujahr verstr. anhalt.; Ntjr QUE-Di.
2nippen Vb. ‘ein wenig trinken (oder essen), nur ein wenig kosten’ 2: ZE-Roß, 3: vereinz. elbostf., 4: Mda-Sti 181, Wb-Ak 121, CA-Lö, Wb-Be – loß mich ma nippm, ville kann ich nämlich nich vorrdran ZE-Roß.
Lautf.: nipp(e)n; außerdem: nipp’m Wb-Ak 121, [nipm] ZE-Roß, Wb-Be. – Etym.: wohl Intensivbildung zu nd. npen ‘kneifen’, so dass von einer Bed. ‘mit zusammengekniffenen Lippen trinken’ ausgegangen werden kann, die hd. Form nipfen nur in obd. Mdaa., vgl. Kluge 231995,589.
1nsen Vb. 1. ‘niesen’ vereinz. – Volksgl.: Einmal Niesen schit wat, zweemal Niesen bedit wat. Sprw-Börde. Niest man mehrmals morgens auf nüchternen Magen, erfährt man an diesem Tag etw. Neues. Sprw-Börde, CA-Lö, Vk-Anhalta 338 (KÖ-Tre). Es kann auch bedeuten, dass sich Besuch einstellt (ZE-Cos) oder dass man ein Geschenk erhält. (BA-Fro). Vk-Anhalta 338. Niest jmd. am Sonntagmorgen, stirbt bald eine nahe stehende Person. Abergl-Altm 26. – 2. dass. wie  2 nseln, 1: SA-HLa, 2: STE-Osth, JE1-Grä.
Lautf.: niesen [-z-]; außerdem: nß(e)n, [ns()n] OST-Ko, ZE-Roß, Wb-Ak 121, Wb-Be; nissen SA-HLa. – Gram.: nus st. 3. Sg. Prät. DE-Ro.