Lf m., n. 1. ‘(menschlicher) Körper’ verbr. – Rda.: einen te Liewe gahen ‘jmdn. bedrängen’ Sprw-Börde; bliew meck von Liewe ‘belästige mich nicht’ OSCH-Schl; se len mek opn lwe ‘sie fallen mir zur Last’ Mda-Weg 105; fon’n Lwe afheln ‘sich verteidigen’ HA-Oh; angest op’n lwe hebben ‘große Angst haben’ Wb-Nharz 117; bi Liw’ un Hals’ nichheftige Verneinung, Wb-Altm 127; hei hat et up en Liwe ‘er ist sehr schnell’ WE-Dee; he hät’t upp’n Lw ass’n Schoböst ‘er ist sehr eifrig, aber ohne etw. zu erreichen’ Wb-Altm 278; hei het nischt op’n lwe ‘ihm mangelt es an Kleidung’ Wb-Nharz 117; dai gift sn Hamm (Hemd) fan Lf wech ‘er ist sehr freigiebig’ SA-Dä; Sprw.: ten un Drinken höllt Lf un Sle te sammene HA-Oh; Wr sich das Zeich ’n Leiwe flickt, dr hat’n janzen Tch kn Jlick. Wb-Ak 104. – 2. ‘Mensch, Person’, nur in der Rda.: sn Lf keinen Rt wten ‘sich keinen Rat wissen’ verstr. – 3. ‘Bauch’, bes. ‘Magen, Darm’, auch ‘Unterleib’ verbr. – et koldert mik in’n Lwe HA-Oh; de Lf iss rt ‘die Gebärmutter oder der Mastdarm ist vorgetreten’ Wb-Altm 127; Ich hawwe’s ins Leib ‘ich habe Bauchschmerzen’ Wb-Ak 104; H hat all’n gden Knagg’l (Stück Brot) to Lw. Wb-Altm 108; Rda.: open Lf ‘regelmäßiger Stuhlgang’ HA-Oh; de Liewe daun ‘tüchtig essen’ Id-Eilsa 76; sek det Lf vull sln dass., Wb-We 81; is gut bi Liewe ‘ist gut genährt, beleibt’ Sprw-Börde; dat kummet alles in ein Lw Wb-We 81; du hast woll’n Stewwel in’n Lwe? ‘du wirst wohl nicht satt?’ HA-Oh; Sprw.: Supp’nwerk höllt kn Lf ‘Suppen sättigen nicht’ Wb-Altm 127; besser wat in’t Lief (Bauch) als um’t Lief (Körper) ‘man sollte erst für die Nahrung und dann für die Kleidung sorgen’ Sprw-Börde; op’t Lif kuckt jeder, awer in’t Lif nich ‘man sieht, was jmd. für Kleidung trägt, aber nicht, was gegessen wird’ BA-Re.
Lautf.: Lif, Lief; außerdem: lp Mda-Sti 17; Leib verstr. anhalt.; [laip] ZE-Roß, Wb-Be. – Gram.: n. belegt Spr-Altm 78, ZE-Göd, verbr. elbostf., verstr. anhalt. Zus.: zu 1.: Langlfken.
lt-lt 1. Lockruf für Enten,  ft-ft, 2: vereinz. OST, OSCH-Ba Di, verbr. WE. – 2. Lockruf für Gänseküken,  ple-ple, 3: WE-Dee, QUE-Di, BA-Ra Re, CA-KlRo, 4: CA-Lö.
Lautf.: li(e)t-li(e)t OSCH-Ba, verbr. WE; li(e)t-li(e)t-li(e)t OSCH-Di, vereinz. WE; Nbff.: liter-liter CA-KlRo Lö; literliter-liter BA-Re; litter-litter-litter BA-Ra; litche-litche-litche QUE-Di; leut-leut OST-Mö; leut-leut-leut vereinz. OST.
Lde Plt. 1. allg. – a. ‘Menge erwachsener Menschen, Allgemeinheit’ – de Lüh im Derp SA-Rist; watt süllt de L dafonne sejjen HA-Oh; det maken alle Liere ännersch ZE-Gri; er mußtese (Pfeife) voar alle Liede rooken JE1-Pre; der Hund hätt die Lühe bähten JE1-Zi; Ble alle Leite in ken han Acker jehatt. Wb-Ak 105; Rda.: de Leite sn ‘es wird erzählt’ a.a.O. 105; to L kaom ‘sich beruhigen’ SA-Dä; Le un Kinders Ausruf des Erstaunens, Wb-We 83; ut Kindern wert L (Erwachsene) HA-Oh; t’ Jelt kummet under de L HA-Oh; Laot de Ld man snack’n. Wb-Altm 128; Vor ander Lüe Dör sien Brot seuken ‘betteln’ Sprw-Harzvorld 374; Sprw.: op ander L kann’n sik nich forrlaten HA-Oh; wer under de Lüe geiht, wett wat Sprw-Börde; Achtern Berg wohnen ok noch Lüd. Spr-Altm 76; Wer’t all Lü’ recht maoken will, de sall irst gebürn wer’n. Bewohner-Altm 1,349; Luse (Läuse) maken Lüe, Kleeder maken ok Lüe Sprw-Börde; von den Lüen mot man’t nehmen, von den Bömen kann man’t nich schüddeln WE-Dee; man mott de L nich alles in de Tne hengen (erzählen) HA-Oh; man mott Lüe fragen, Hunne wieset einen de Teehne ‘wer Rat sucht, muss sich an kundige und verständnisvolle Menschen wenden’ HA-No; wenn grote Lüe krank sünd un lüttje Lüe Brah (Braten) hett, dat witt dat ganze Dörp HA-No; Rätsel: In einer Strate sind 52 Hiser, in der andern 100. Wat kimmt da ruht?Liede.Vk-Harz 3,66. – b. Bezug auf eine bestimmte Gruppe von Menschen – de finen (wohlhabenden) SA-Bee; rke L HA-Oh; de klne Laide ‘Nichtbauern, die nur etw. Acker haben’ DE-Els; de lüttgen Lüe dass., HA-Ack; de kleinen (armen) lde Wb-Nharz 117; Rda.: Es ist nicht wie bei de kleenen Leite. ‘Es fehlt an nichts.’ Spr-Anhalt 168; ole L wert wunderlich HA-Oh; Sprw.: ewwer kleine Lüe kiekt man wech Sprw-Börde; bi fremden Lüen is gut wanken, aber nich gut kranken ‘bei fremden Leuten lässt es sich gut leben, aber nicht gut krank sein’ WE-Dee. – 2a. ‘Familienangehörige’ vereinz. – d hem’m d L fanne Brt innelit JE2-Scho. – 2b. ‘ Gesinde, Angestellte’ verbr. – de Bure sejt: unse Lüe GA-Bo; de Lü an Howwe WE-Heu; de Lü sind all rut na’n Felle HA-Bee. – 2c. ‘Bootsleute eines Kahns’ 4: Wb-Ak 105. – 2d. ‘Gutsbesitzer und dessen Ehefrau’, veralt., 2: Wb-Altm 128.
Lautf.: LüdeJE2-Vie, JE1-Ziep, verstr. mittleres/ö JE1, WA-Bey, BLA-Brau, QUE-Schn Tha; Ld Wb-Altm 128, Spr-Altm 76, vereinz. ö Altm., JE1-Stei, Lü(h)te JE1-Wa, BA-Sip; Lütt SA-HLa; Lüje, lje Dialekt-Nd 11 (WO-Do), JE2-Pap, WA-Schl; lüjje Dialekt-Nd 11 (WO-Ro); Lühe GA-Beh Oeb, Dialekt-Nd 12 (WO-An), vereinz. JE2, JE1-Zi, OSCH-Nie, WA-Ste, WE-Alt Weh; Lü-e SA-Ah Ho, vereinz. Altm., JE2-Bö Fi Scho, JE1-Pa, verstr. s WO, verbr. HA, Sprw-Börde, vereinz. OSCH, WA-Un, Sprw-Harzvorld 374, verstr. WE, BLA-Bö Rü; L, Lüh verbr. nwaltm. nbrdb., JE2-HSe, vereinz. w JE1, verbr. s/w HA OSCH, WA-Ha, vereinz. n WE; Lühij JE2-Neu; Lühg JE2-Bö; LüedeHeimatkalender-Je 1924,59 (JE2-Vie); Lüi-e JE2-GrWud; Luie WE-Ost; Lüi STE-Da, JE2-Schö; Lui WA-Ha; [l(i)] JE2-Scho; Lu-e OST-NiGö Wal; Liede, [ld] JE1-Ca Pre, ZE-Buk Dor Ze, verbr. s elbostf.; Liete JE1-Me Plö, BA-Ge, verstr. nthür.; Lihe OSCH-KloGrö, QUE-West; Li(e)-e, [l] verbr. mittleres/s JE1, vereinz. WO, HA-KlBa, vereinz. nö HA, verstr. mittleres/ö elbostf., WE-Elb Schie, BLA-Hü, QUE-Hau PrBör; l(e) Wb-Nharz 117; L SA-GrGe, QUE-Di; Liere, [lr] Mda-Ze (ZE-Reu Stre), ZE-Gri; [ll] Mda-Ze (ZE-Gro); Leute JE1-Zie, QUE-GrSchie, CA-Sta; Leite, [lait] JE1-Mö, ZE-Na Roß Steu, CA-Ca, verbr. anhalt.; [laid] verstr. anhalt. Zuss.: zu 1.: Handels-, Handwarks-, Hochzeitsleute, Hders-, Holt-, Hers-, Kinders-, Kp-, Lwes-, Manns-, Markt-, Mts-, Nwers-; zu 2b.: Hinder-, Hofleute, Knechts-, Mts-.
Ltentt m. 1. ‘langer Junge’,  Lltsch, auch ‘dummer, einfältiger Junge’,  Dussel, 3: HA-Bee, WE-Oster. – 2. ‘fauler, nichtsnutziger Mensch’,  Dgenicht(s), 3: WE-Dee. – 3. ‘träger, langsamer Mensch’,  Trntte, 3: Wb-Holzl 137, HA-Oh.
Lautf.: Lüt(e)ntüt; außerdem: Lürentüüt Wb-Holzl 137 (HA-Eil).
Maikl m. ‘im Mai gepflanzter Kohl’ 3: WE-Dee Oster – Bauernregel: Maikohl – Fleihkohl (hochschie- ßender Kohl), der Pflanztermin im Mai wird als zu zeitig angesehen, WE-Dee.
mang1. Präp. ‘zwischen, inmitten’ 1: vereinz. nwaltm., 2: verstr. Altm., vereinz. JE2, JE1-Kö, verstr. ZE, 3: verbr. elbostf., 4: verbr. omd. – ich hawwe de Glaie schonn mangs Fuddor jemachd DE-Ca; so kulderte hä noch ne Wiele mang de Kartüffeln rüm JE2-Gü; Nu klemmte de Hosen mank de Knie’en … Wäschke 41910,60; kimmet mich das Vieh wädder mang de Poten, dann salls ober sehn BA-Ha; ek g nich jrn mank sau fle minschen Wb-Nharz 123; mank dissen Spitakel ward man ja katoolsch (verrückt) WE-Mi; … de eldeste mangk den Donekorffen … 1439, UB Quedlinburg 1,328. – 2. Adv. ‘dazwischen, darunter’ 1: vereinz. nwaltm., 2: vereinz. Altm. ZE, 3: verstr. elbostf., 4: Mda-Sti 175, Wb-Be – da is Slt mank HA-Oh; ik will mao sain of dai Braif hr noch mangk is SA-Dä; da is wat mank bei di ‘bei denen ist etwas los’ ZE-Roß; Rda.: mank uns mank ist keiner mank, der nich mank uns mank gehört Wortspiel (mit mank als Präp. und Adv.), WE-Dee.
Lautf.: mang verstr. Altm., vereinz. JE2, JE1-Kö, vereinz. elbostf., BA-Ha; mank, mangk, [mak] vereinz. nwaltm., verstr. Altm., JE2-Scho, verstr. ZE, verbr. elbostf., verstr. anhalt.; [mag] DE-Ca; mnk Mda-Sti 175; manke HA-Oh, OSCH-Di, Wb-Nharz 123. Zuss.: zu 2.: hr-, midden-.
Märzensn m. ‘im März fallender Schnee’ 1: SA-Rist, 3: WE-Dee, Wb-Nharz 123 – Bauernregel: Märzenschnee tut den Saaten weh WE-Dee; für den Nharz. (Umgebung von BLA-Ca) gültige Wetterregel wenn marzenschnei drei de lt, denn lte k drei wochen Wb-Nharz 123.
Lautf.: Märzenschnee WE-Dee; [mtsnsnai] SA-Rist; marzenschnei Wb-Nharz 123.
meinen Vb. 1. ‘eine bestimmte Ansicht, Meinung haben’, auch ‘glauben, annehmen’ verstr. – wat meenst de’n, ob mer zu Balle jehn ZE-Roß; dat will’k woll meinen HA-Oh; Rda.: wennste mnst, forrmainsjefalle ‘wenn du meinst, dann meinetwegen’ Wb-Be. – 2. ‘im Sinn, im Auge haben’ – ich mne je tn t 4: Wb-Be. – 3. ‘eine bestimmte Absicht hegen, aus einer bestimmten Absicht heraus handeln’ 3: HA-Oh, 4: Vk-Anhalta 68 – de Sonne meent’s jut4: Vk-Anhalta 68; et wer nich sau bese meint HA-Oh. – 4. refl. ‘sich etw. einbilden, hochmütig sein’ – dei meint sek wat 3: WE-Dee. – 5a. ‘sagen, bemerken’ 3: Rauch 1929,4, OSCH-Wu – Da meine Vetter Weih: Dat is doch nich slimm … OSCH-Wu. – 5b. ‘antworten’ 4: KÖ-Kö, DE-Grie.
Lautf., Gram.: meinen, [maenn] vereinz. elbostf.; maen’n SA-Dä, GA-Je Si; [mai] Dialekt-Ma 12 (verstr. mittleres/s JE1), [may] Nd-Börde § 37, main’ Mda-Sti 30; meint 3. Sg. Präs. Bewohner-Altm 1,320; meinte 3. Sg. Prät. Heimatkalender-Je 1924,62 (JE2-Vie); meine 3. Sg. Prät. Rauch 1929,4, OSCH-Wu; maen’n CALV-Calv, HA-Eil; maane 1. Sg. Präs. QUE-Di; meenen vereinz. anhalt.; meent 3. Sg. Präs. Heimatland-Ga 1930 Nr. 10, Vk-Anhalta 68; [m] Dialekt-Ma 12 (vereinz. sw JE1), verstr. ZE, Wb-Be; mn Wb-Altm 136; men’n GA-Wen, STE-Gro.
Metz(er) n. ‘Messer’, vgl. Knf, Kuttich, verbr. – Mets un Gw (Gabel) SA-Die; das Metz hat ne Plemme (Klinge) JE1-Scha; stick dat Mest in de Ficke (Tasche) HA-Oh; w willn d Metsan schlp’m JE2-Scho; Rda.: dat Mest snitt wi Gift ‘das Messer ist sehr scharf’ WE-Dee; Upp dat Metz kann n nao Rom rd’n un krigt kn Wulf. ‘Das Messer ist sehr stumpf.’ Wb-Altm 137; da kann’n oppe n’n Blocksbarje rn dass., HA-Oh; ‘s jrße Messer inne Ficke han ‘eingebildet, großsprecherisch sein’ Wb-Ak 112; He hät’n grot Metz un schnitt gefährlich upp. dass., Spr-Altm 77; … darumme dat he hadde geworpen eyn metz dor sinen husswant na siner eliken husfrowen 1462, StB-Neuhaldensleben 604; … dat keyn borger edder hantwerckesman … up der strathen edder in beyerhuser mit langhen metzern … nicht gaen schullen, … nach 1500, Baurdinge-Que 12. – Volksgl.: Liegt ein M. mit der Schneide nach oben, wird man ausgeschimpft. Wer seinen Kaffee mit dem M. umrührt, bekommt Bauchschmerzen. CA-Lö.
Lautf.: Metz, [mets] verstr. nwaltm. Altm., vereinz. w JE2, JE2-HSe Rog, verstr. w/s JE1, ZE-Göd Ned, verstr. ö HA ö elbostf.; Metzk SA-Dan; [mts] Mda-Ar 25, Mtz Wb-Altm 137; Mest verbr. w elbostf. (außer s WE BLA); Mess OST-Sa, STE-Da, vereinz. n elbostf., WE-Asp Ri Si, QUE-Wi; [ms] Mda-Ar 25; Metze GA-Ber La, JE2-Reh Schö, WA-KlWa; Metzer, Metser, [metsr] verstr. ö/s nwaltm. Altm. JE2 JE1, ZE-Nu, vereinz. ö elbostf.; [metsa] JE2-Scho, [mets] SA-Rist, GA-Le; [mets] verstr. nwaltm. Altm.; Mätzer OST-Har; Messer, [mesr] verstr. mittlere/ö Altm., JE2-See, vereinz. n JE1, verbr. s JE1 ZE elbostf. omd.; [mesr] Mda-Ze (verstr. ZE); [mesr] QUE-Hau, verstr. BE; [mes] vereinz. s Altm., HA-NHa; [mes] OST-Kru, STE-Ro, WO-Zi Zie; [mez] SA-Die; [msr] ZE-Kö; maszer Mda-Sti 12. Zuss.: Hacke-, Kse-, Klappmetz, Küchenmesser.
Morgenrgen m. ‘Regen am Morgen’ 3: WE-Dee, 4: Wb-Ak 116 – Wetterregel: Morrejenrn un ltweiwertans dauern nich lange. Wb-Ak 116.
Lautf.: Morgenregen WE-Dee; Mor(re)jenrn Wb-Ak 116.