Gleimeker m. 1. ‘Mensch, der anderen nach dem Mund redet, sich einschmeichelt’, abw.,  rden, 3: vereinz. w elbostf. – 2. ‘unzuverlässiger, schwatzhafter Mensch’, abw.,  Quassel, 3: HA-Bee, WE-Dee – däne vortelle man nich te veel: dat is’n oll’n Gleimeker HA-Bee. – 3. ‘schlauer, durchtriebener, listiger Mensch, dem man dies aber nicht ansieht’ 3: Id-Quea 154.
Lautf.: Gleimeker, -ai-; außerdem: Nbf.: glimeker Id-Quea 154.
gl Adj. 1. 1: verstr. nwaltm., 2: verstr. Altm., MdanwJe1b 69 (JE1-Gra), verstr. ZE, 3: verstr. elbostf., 4: Mda-Sti 20 und 146. – a. ‘vor Hitze rot leuchtend, glü- hend’, auch von der Gesichtsfarbe – gluhe Asche OSCH-Har; jlouge koln Mda-Sti 20; dat glue Isen OSCH-KlQue; de Ob’n is all ganz glu HA-Bee; Rda.: hat mit ne jluhe Naotel neiet ‘hat unordentlich genäht’ WO-Sa; hei kann wiher nist liggen laten, wi glu Isen ‘er stiehlt sehr viel’ WE-Dee; S st so glu t ass’n Legghn. ‘Sie hat eine gesunde Gesichtsfarbe.’, vgl. auch 2a., Wb-Altm 276. – b. ‘funkelnd, glänzend, leuchtend’ – ... vorn mit twei Re’e glu’e Knöppe. Wedde 1938,9; Rda.: ... glu’e O’en wie’n Rotkehleken! Lindaub o.J. 37. – 2. 1: SA-Dä, 2: vereinz. Altm., 3: verstr. elbostf. – a. ‘hübsch, ansehnlich’ – dat is an glaü Dean (Mädchen) SA-Dä. – b. ‘lebhaft, munter’ – de Kinder sind noch so glu ‘die Kinder sind noch nicht müde’ Wb-Holzl 95; Rda.: de Strte gl mken ‘die Straße in Aufregung versetzen’ QUE-Di; gluh wie’n Aiker (Eichhörnchen) HA-Eil.
Lautf.: glu(h), j- [gl], [jl] vereinz. Altm., Mda-nwJe1b 69 (JE1-Gra), verstr. ZE elbostf.; glo, [jl] Schwerin 1859,16, SA-Kal; jlou Mda-Sti 20 und 146; glaou Wb-Altm* 18; glau, jlau vereinz. ö/s nwaltm., verstr. Altm.; [lau] vereinz. n/mittleres SA; [glau] SA-El Wü; [glaö] SA-Gie Jü; [laö] SA-Ch; [glaü] SA-Dä; [gläö] vereinz. n nwaltm.; [glui] SA-Hi Hö.
Hackebrde f. dass. wie  Hackebl 1a., 3: vereinz. w elbostf. – Rda.: er hat die Hackebaren erreicht ‘er ist 77 Jahre geworden’ WE-Dee, bezieht sich auf die Form der H., die der Sieben gleicht. – Volksgl.: Das 77. Lebensjahr wird als kritisch angesehen, die Zahl weckt die Vorstellung eines Tod verheißenden Doppelbeiles. Wb-Holzl 99.
Lautf.: Hackebre.
Hackelbarg m. ‘der wilde Jäger’, in den  Twölften durch die Luft ziehende Gestalt des Volksglaubens, 2: Brauch-wAltm 9, 3: HA-Bee, verstr. Harzv. Nharz. – In Harzer Sagen wird von einem Jägermeister Hackelberg aus dem Braunschweiger Land berichtet, der im Sterben gewünscht haben soll, bis zum Jüngsten Gericht am Solling zu jagen. Sagen-Harz 69ff. – Rda.: nä, sau’n Hakkelbarg ‘so ein unruhiger, lebhafter Knabe’, von älteren Menschen verwendet, WE-Dee.
Lautf.: Hackelberg; außerdem: -barg, barrij vereinz. elbostf.; Hackelnberg WE-Rok; Hans Hackelberg Brauch-wAltm 9.
Hackemack n.(?) 1. ‘Wirrwarr, Durcheinander’,  Kuddelmuddel, 3: Wb-We 44, Wb-We* 213. – 2. ‘unnötiger Aufwand, Umstände’,  HackHakkemakk maken 3: Wb-We 44. – 3. ‘ Pack, Gesindel’ 3: Sprw-Börde, Wb-We 44, WE-Dee. – 4a. dass. wie  Hackels 2., 3: Wb-We 44. – 4b. ‘Gericht aus Schwarte und Fett vom Schwein’, mit Kümmel und Zwiebeln zubereitet, zu Pellkartoffeln gegessen, 3: BA-GrAls.
Lautf.: Hakkemakk WE-Dee, Wb-We 44; Hakk- Sprw-Börde, Wb-We* 213; Nbf.: Hackte- BA-GrAls.
Halwe f. 1. ‘Seite’ 2: Id-Altm, JE1-Wo, Mda-Ze (ZE-Gro Reu Stre), 3: verbr. elbostf., 4: vereinz. omd. – linke Halwe WE-La; op de annere Halbe BA-GrAls; an de Halwe leggen WE-Dee; set dai an mne Hallewe Mda-Ze (ZE-Reu); op de Halwe träen ‘beiseite treten’ Sprw-Börde; uff de Hllewe jn dass., BA-Ha; öwer/an/up de Halwe bringen ‘beiseite schaffen, heimlich verstekken’ verstr. elbostf.; Rda.: sich op de fule Halwe leggen ‘faulenzen’ Sprw-Börde; dat heu mot rscht ne halwe hebben ‘das Heu muss auf der oberen Seite getrocknet sein, ehe es gewendet wird’ Wb-Nharz 68; up der Halwe ln ‘krank sein’ Wb-We 45; hei geiht um de Halwe ‘er stirbt’ HA-Erx; uff de Hallwe leen ‘aufbahren’ BA-Ha; de Hallewe krn ‘das Gleichgewicht verlieren und überkippen’ CA-Ak; de Halwe jm ‘den Kahn seitwärts drücken, damit die Strömung ihn erfassen kann’, Schifferspr., Elbschifferspr. 354 (WO-Ro). – 2. ‘Hälfte’ 2: Wb-Altm 74, Siedler-Je § 143h, ZE-Göd, 3: Beiträge-Nd 63 (WO-HWa), HA-Oh – ich will man Halw’n hämm ‘ich will nur die Hälfte haben’ Wb-Altm 74.
Lautf.: Halwe, [halw]; außerdem: Halw’ Wb-Altm 74; [hal] Siedler-Je § 143h (ö STE, w JE2); Hallewe, [halw] Siedler-Je § 143h (JE1), verstr. ZE, WE-Wa, QUE-Di, Vk-Ask 121, CA-Ak; [hlewe] Mda-Sti 149, [hlv] BA-Ha; Halbe GA-Wef, BA-GrAls, BE-KlMü. Zus.: zu 1.: Hand-.
Handlangerlse Pl. ‘kleine Steinchen im Mörtel’ 3: WE-Dee.
Harzkpe f. ‘großer, viereckiger Korb mit Schultergurten, der auf dem Rücken getragen wird’, besitzt vier Füße,  Kpe, 3: HA-Bee Oh Ost, OSCH-De, WA-Un, WE-Dee Oster Strö – Rda.: egl w’n per Herzkpen ‘etw. ist einerlei, gleichgültig’ HA-Oh; Dat is ejal wie ‘ne Harzkiepe dass., WE-Oster; auf Dat is einerlei! wird geantwortet einerlei is ne Harzkiepe! WE-Dee.
Lautf.: Harzkiepe WE-Dee Oster; Herzkpe HA-Oh; Hrtskpe HA-Ost, OSCH-De, WA-Un, WE-Strö.
hebben Vb. allg. 1a. ‘etw. besitzen, über etw. verfü- gen’, auch in Bezug auf Personen – wr well denn dat hem’n? HA-Oh; Hejje denn noch Äppel in’ Kelder? Wedde 1938,72; ik hew keene Tied ZE-Steu; Hai harre mit sne Fr … ain ainzich Kind, ainen Snen. Tiedge 1954,39; unse Sau het jans schne Frkng hat JE2-Scho; Rda.: hat nist, jifft nist HA-Oh; wecker hett, de hett STE-Ba; Sprw.: wat ek hewwe, dat wett ek, wat ek kre, dat mott’n erst sin Wb-We* 213; wr alles hebben will, kriggt nischt Wb-We 48; hebben is wis – krien is mis Sprw-Börde; Hebb’n iss bt’r ass krg’n. Wb-Altm 116; Rätsel:Hätt ich gleich die ganze Welt,
Alles Silber, alles Geld,
Grade Glieder, gesunden Leib,
Und dazu ein hübsches Weib,
Erd und Himmel auch dabei,
Wüßt ich doch, was besser sei
.
– ‘haben’ ist besser als ‘hätt ich’ Lieder-Ma Nr. 487 (WO-Ol).
– 1b. ‘zum Ehemann, zur Ehefrau haben’ – Dr hat Schulzen Lschen. Wb-Ak 64. – 1c. ‘bekommen, erhalten’ – da könnt se Dank hem’m! Wb-Holzl 103. – 1d. ‘befallen sein, ergriffen sein’ – d Hund harrn Holtbuk JE2-Scho; n’ Rappel hem’n HA-Oh; Rda.: Ich hawwe Hunger w son Frd Wb-Ak 72. – 2. in refl. Verbdg. – a. ‘sich übermäßig aufregen, viel Aufhebens machen, sich zieren’ – hawwe dich man niche! zu einem verweichlichten Menschen, Spr-Anhalt 170; r kennt eich was han! Wb-Ak 64; sek ewel hebben Wb-Nharz 72. – b. ‘sich benehmen, betragen’ – wu hätt sich de Jung’ ‘wie beträgt sich der Sohn’ Wb-Altm 78; w het sek dat prt Wb-Nharz 72. – 3. in Verbdg. mit einem Adj.: dor hads ailich verstr. anhalt. – 4. in Verbdg. mit können ‘ertragen, leiden, dulden’ – ek kan sau wat nich hebben Wb-Nharz 73. – 5. in Verbdg. mit Inf. und zubei Verneinung ‘dürfen, berechtigt sein’ – hei hatt d nist te daun HA-Oh; d het d nischt te gn Wb-Nharz 72. – 6. in Verbdg. mit einem Adv. – de Lü’ het te wennich drower ‘machen sich nichts daraus’ Wb-Holzl 103 (HA-Eil). – 7. in Verbdg. mit einer Präpositionalgruppe – dat het nischt op sek, dat d kimpt ‘er kommt gewiss nicht’ Wb-Nharz 72; et an sick hem’m ‘die Gewohnheit haben’ Wb-Holzl 103; Der hat’s mits Harze, mit de Niern, mit de Lunge ‘er ist erkrankt, leidet an etw.’ CA-Sta; sek b’n koppe hebben ‘sich streiten, zanken Wb-Nharz 72. – 8. temporales Hilfsverb zur Bildung von Perfekt und Plusquamperfekt in Verbdg. mit dem Part. Prät. – ek hebbe mek efreuet WE-Dee; ich hawwe mich das so in mein Dumm jedacht CA-Sta; bitken hat noch öwer bläbn SA-Ost; ‘s Wasser hat jewaksen (ist gestiegen) Wb-Ak 64; w ich uffen Rein jefrn hawwe Schifferspr., Wb-Ak 64; … de har Ju doch up Ju lang Stück to wiet plögt. Firmenich 1854,124 (Harzv.). – 9. in Verbdg. mit haste ‘eilig, überstürzt, sehr schnell’ – haste-nich-wutte-nich Wb-We 47; hast du nich, sst du nich Wb-Altm 75; hestenichesein Wb-Nharz 78; hastewaskannste Wb-Ak 66.
Lautf.: hebben, hebm, hemm, hem’n verbr. nd. (außer ZE); [hn] verstr. ZE; hän verstr. ZE; [hn] JE1-Güt Schor, ZE-Brä; han ZE-Roß, CA-Pö We, vereinz. anhalt.; hn Mda-Sti 3; hm, hn BA-Ha. – Gram.: 1. Sg. Präs.: hebbe, hewwe verbr. elbostf.; heww, heff vereinz. nwaltm. brdb.; verstr. ö ZE, WO-Dru, HA-Oh; hawwe ZE-Roß, CA-Sta, verbr. anhalt.; ha Hausfr-Altm 1927,45 (STE-Ber), h Mda-Sti 38; 2., 3. Sg. Präs.: -a- vereinz. nwaltm., verbr. w Altm., vereinz. ö Altm. JE2, verbr. ZE elbostf. anhalt.; -ä-, -e- vereinz. nwaltm. w Altm., verbr. ö Altm. JE2 JE1, verstr. ZE s elbostf., vereinz. nö CA, verstr. nthür.; Pl. Präs. Stammvokal wie Infinitiv, -t belegt: het 1. Pl. Präs. Wb-Holzl 103, 2., 3. Pl. Präs. HA-Oh, 1. Pl. Präs. Id-Eilsa 67; hat 2. Pl. Präs. ZE-Roß, vereinz. anhalt.; ht 2. Pl. Präs. Mda-Sti 38; 1. Sg. Prät.: harre vereinz. JE2 JE1, verstr. elbostf. anhalt.; Part. Prät.: hat(t)SA-Ro Ta, STE-Bül, CALV-Zo, WO-Ba; ehat verstr. elbostf.; gehatt BA-Ra; jehat verstr. anhalt; gehabt QUE-Asch; ehet WO-He. – Etym.: (9.) wohl nur sekundär an h. angelehnt und urspr. zu  hasten gehörig, vgl. DWB 4.2,69f. Zus.: zu 1c.: in-.
Herr m. 1. ‘Dienstherr, feudaler Guts- oder bäuerlicher Hofbesitzer’, von den Untergebenen auch als Anrede verwendet, verstr. – Hüte bruke de Heere nich tweemal te raupen, … Rauch 1929,13; … de Herre harre dat vorb’en (verboten) Tiedge 1954,39; Harre, ter Napper (Nachbar) rft Wb-Be; Rda.: Herre bist du, aber gillen (gelten) daue eck sagt die Frau zum Mann, WE-Dee; Ick bin Herr, sä de Mann, dao sat ‘r unnern Disch. Bewohner-Altm 1,339; de Uur, dee is mien Here nich Wb-Holzl 104; gestrenge Hrens regiert nich lange ‘der Winter ist bald vorrüber’ Wb-We 50 (vgl. 4.); Sprw.: As de Herr, so de KnechtSchwerin 1859,55; wie der Harre, so’t Gescharre JE1-Dan; Nie (neue) Heeren – nie Leeren.Hbl-Ohre 1926 Nr. 6/ohne Verf. (CALV-Zo); Met grod Herr’n ist nich god Käspern (Kirschen) äten, de langen ümmer nao de gröttsten. Bewohner-Altm 1,342;Wat de Harre dait, dat iss wohledaon,
Wat de Knecht dait, dat gaiht ook noch an,
Aow’r de Junge, daer mutt Schlaeje hebbn
. Lieder-Ma Nr.
769 (WO-Ol).
– Brauch: Gewöhnlich übernahm der Ehemann mit der Hochzeit das Erbe und wurde ab diesem Zeitpunkt de junge Herre genannt, seine Gattin de junge Fr. Hochzeit-Altm 45 und 52. Auf den Dörfern nannte selbst die Ehefrau ihren Mann de Hre. Wb-We 50. – 2. als Anrede in Verbdg. mit Namen oder Standesbezeichnungen, 3: vereinz. elbostf., 4: Wb-Be – Harr Pastoor Hbl-Ohre 1925 Nr. 3/Wöhlbier (HA-Eim); har Bartels, har kanter Wb-Nharz 70; Harr Napper (Nachbar) Wb-Be. – 3. ‘Gott’ – Rda.: Dat Og von’n Herrn is de best’ Meß upp’n Acker. 2: Spr-Altm 75. – 4. ‘die drei Eisheiligen’,  shilligen – a. in der Verbdg.: de kolden Herrn 2: JE2-Sy, JE1-HLo, 3: WO-El, 4: BE-Am. – b. in der Verbdg.: de (dr) (ge)strengen Herrn 2: verstr. Altm., vereinz. JE2 JE1, ZE-Dor, 3: verstr. elbostf., 4: verstr. BE.
Lautf., Gram.: Herr vereinz. Altm.; Herre, [hr] Hochzeit-Altm 45, verstr. w elbostf., verbr. w JE1; Herrn Pl. vereinz. nwaltm., verstr. Altm. JE2 JE1, ZE-Dor, verstr. elbostf., KÖ-Kö; Herrns Pl. vereinz. Altm.; Härrn Pl. GA-Ziep, WE-Oster, BA-Re; Hähn Pl. SA-Han; He(e)re, hre Mda-Ma 62 (JE1-Prö), vereinz. elbostf.; Heer(e)n Pl. Hbl-Ohre 1926 Nr. 6/ohne Verf. (CALV-Zo), HA-Ost, WA-Am; [her] Id-Eilsa 67, Here HA-Oh (veralt.); hiere OSCH-Di (veralt.); Harre, [har] Mda-nwJe1a 36 (JE1-Rie), verstr. s JE1 ZE, vereinz. ö elbostf. anhalt.; Harr, har(nur bei Anrede in Verbdg. mit Namen oder Standesbezeichnung) Hbl-Ohre 1925 Nr. 3/Wöhlbier (HA-Eim), Wb-Nharz 70, [har] Wb-Be; Harrn, [harn] Pl. BLA-Ti, vereinz. ö elbostf., CA-Ak Sa, verstr. BE. Zuss.: zu 1.: Hoff-, Hs-, Mt-; zu 4.: sherren.