1Mudder f. 1a. ‘Frau, die ein oder mehrere Kinder geboren hat’, bes. im Verhältnis zu ihrem Kind, allg. – mne Mudder HA-Oh; ‘ne fremme Mutter ‘Stiefmutter’ Wb-We 92; Murra kp m ne Tüte Boms (Bonbons) JE2-Scho; Von de Diewesgrund hät uns Vals Mutter in Viesen männigmoal in de Schummeringe gruselige Geschichten vertellt. Heimatkalender-Ma 1930,81 (JE2-Vie); van orem vader unde van orer mutter 1484, StB-Neuhaldenslebend47. – Volksgl.: wer sne Mudder sleit, dne wasset de Hand t’n Grwe HA-Oh. – 1b. ‘Ehefrau, Frau des Hausherren’, auch Anrede für Frauen, 2: vereinz. Altm., 4: Wb-Be – wi jts tenn, Mutter Mattsn? Wb-Be; mohrn Ohmt gohn wie to Sängerball, da wätt ollig en affpädt (getanzt) mätt Muddern OST-Los. – 2. ‘Großmutter’,  Grtmudder, 3: HA-Scha, QUE-Co, CA-Ca, 4: DE-Kle. – 3a. in der Verbdg.: Mutter, Mutter darf ich ein Spiel, 2: OST-GrBa. – 3b. in der Verbdg.: Mutter, in Keller brummt et ein Spiel, 3: QUE-Di. – 4. ‘Hebamme’, scherzh.,  Hfamme – a. in der Verbdg.: Mudder Grpsch 2: verstr. OST, GA-KlEn, STE-Beel Bül, WO-Sa, JE2-Scha, JE1-Bü, 3: HA-NHa Uep, OSCH-Grö. – b. in der Verbdg.: Griepschens Mutter 2: GA-Qua. – c. in der Verbdg.: Mudder Grp 1: SA-Ku, 2: SA-Ben, OST-Ca Spä Zie. – d. in der Verbdg.: Mutter Storch 2: JE2-Wa. – 5. ‘Gebärmutter der Frau’, auch ‘Scheide der Frau’,  Mse, 3: HA-Bee Oh, Wb-Nharz 130 – de Mudder is nich in Ornung HA-Oh. – 6. ‘(für die Zucht geeignetes) weibl. Schaf’ 3: WE-Ro. – 7. ‘Schraubenmutter’ 3: HA-Oh, Wb-Nharz 130, 4: CA-Ak.
Lautf.: Mudder; außerdem: Mudda, [mud], [mud] SA-Dä, vereinz. s Altm., JE2-Scho; [mud] verstr. nwaltm. Altm.; [md] Mda-Ar 37; [mudr] Mda-Fuhne* § 255 (verbr. anhalt.); [mura] JE2-Scho; [mur] SA-Da Rie; Mutt(e)r, [mut() r] vereinz. nd., verstr. omd.; [mut] STE-Buch Steg, WO-HWa Zi; [mut] WO-Zie; Modder SA-Ah, GA-KlEn; Moder, Mohger Id-Altm. Zuss.: zu 1a.: Hochzeitsmutter, Mit-; zu 2.: Klsmudders, Ölder-, Öldern-; zu 4.: Kinder-; sonstiges: Kornmutter, Lausemutter, l-.
Müggenpisse f. ‘feiner Regen’ 2: vereinz. Altm., 3: WE-Ro.
Lautf.: Müggenpisse, Müjjen- WE-Ro; Müggenpiß GA-Klö; Müchen- SA-Bru; Mückenpisse STE-Je; -piß vereinz. Altm.; Mückpiss STE-Da.
1Ms f. 1. TiN ‘Maus’ verbr. – d lfd ne Maus DE-Ca; dai Ms gnauan (knabbern) an dat Breot SA-Dä; Uffen Bon’n hammer ville Meise. Wb-Ak 112; Rda.: de Müs pissen ‘es regnet fein’ OST-Sta; dat is Muus wi Maus ‘das ist einerlei’ Wb-Holzl 144; ‘t is Ms as Mn (Muhme) dass., Wb-Altm 139; hei st t w en pott vull mse ‘er sieht mürrisch, unzufrieden aus’ Id-Queb 12; H kickt ass ‘n Ms t ‘n Dunk Hd (Haufen Werg). ‘Er trägt eine zu große Kopfbedeckung.’ Wb-Altm 142; sitten w de ms in der falle ‘keinen Ausweg mehr wissen’ Wb-Nharz 130; dat hilpt for de Müse, sää de Bure, dunn stok’e sine Schüne an HA-No; Sprw.: Mse hecken Mse BA-Re; De Mus lett dat Nasch’n nich. Spr-Altm 82; mid Speck fängd man Ms GA-Da; lüttge Müse hett ook Swänze HA-No; de Miese, de morjens danzen, kriegt’n Abend de Katze WA-West; is de Katte nich te Hs, danzet de Mse op’n Dische HA-Oh; wenn de Müse dicke sind, smeckt et Mehl bitter OSCH-Eils; Wenn de Muus satt is schmeckt det Mehl bidder. Firmenich 1854,132 (STE-Ste); Kinderreim:t’ laip enne Muus
Umme Kauhheers Huus,
Den Tripp, den Trapp,
Den Berg hinab.
Lieder-Ma Nr. 100 (WE-Ro).
Volksgl.: M., bes. in Scheunen, werden durch die Ausräucherung der Räume mit der Asche eines verbrannten, übel riechenden Krebses bekämpft (BA-Rie). Als Mittel gegen M. gelten außerdem: am Johannistag gesuchtes Bilsenkraut, Johanniskrone, Echte Hundszunge, Zweige vom Vogelkirschbaum oder Knoblauch (BA-Bad). Vk-Anhalta 34. In den Zwölften wird von Dingern statt von M. geredet, um eine Mäuseplage zu verhindern. Gebräuche-Altm 83. Um Mäusefraß zu vermeiden, beginnt man mit dem Mähen an einem Sonnabend und fährt auch das erste Fuder an diesem Wochentag ein (KÖ-Ar). M. gehören zum Gefolge der Geister und besitzen deshalb Zauberkräfte. Von M. angefressenes Brot schützt vor Zahnschmerzen (ZE-Na). Wer eine M. laufen sieht, hat Unglück. Masssenweisem Auftreten von M. folgen teure Zeiten (CA-Zu). Vk-Anhalta 34. – 2. ‘Handballen unterhalb des Daumens’ 2: Wb-Altm 142, 3: vereinz. elbostf., 4: vereinz. anhalt. – mich dd de Maus s w DE-Ca. – 3. ‘zähe Sehne im Muskelfleisch’,  Hrwass, 2: JE2-Cab, 3: HA-All. – 4a. Dim. ‘Kniescheibe des Pferdes’ 3: Wb-Holzl 144 (HA-Um). – 4b. Dim. ‘Geschwulst am Kniegelenk des Pferdes’ 3: JE1-Ca. – 5. ‘kleines  Kind’, Kosewort, 2: Bewohner-Altm 2,146. – 6. ‘kleiner Schlitten der Kinder’,  Slde(n), 2: WO-Me, HA-Som. – 7. Pl., auch in der Verbdg.: witte Mse ‘Geld’,  Zaster, 2: WO-Wo, vereinz. JE1, 3: verstr. n/ö elbostf., 4: BE-Neu.
Lautf.: Mu(u)s, Ms verbr. nd., Mda-Sti 34, BA-Ha; Museken Dim. (4a.) Wb-Holzl 144 (HA-Um); mes BLA-Brau; [ms] SA-Die; [müis] SA-Dä; [mius] verstr. nwaltm.; Miseken Dim. (4b.) JE1-Ca; Maus verstr. anhalt. – Gram.: Pl.: Müse vereinz. s Altm., JE2-Scho, verstr. n/w elbostf., Id-Queb12; Ms, [ms] verstr. nwaltm. n/mittlere Altm.; Miese, mse HA-AHa Hu, verstr. s/ö elbostf.; Muse, [mz] GA-Bo Le, CALV-Uth, verstr. ZE, Mda-Sti 34; Mäuse (7.) WO-Wo, vereinz. JE1 n/ö elbostf.; Meise verstr. anhalt. – Etym.: (7.) wohl aus Gaunerspr., Nbf. zu  2Ms, vgl. Wb-Rotw [3481]. Zuss.: zu 1.: Hassel-, Heu-, Hs-, Kerken-, Krabbel-, Miezmaus.