Dag m. 1. ‘Zeitraum von 24 Stunden’, auch ‘Zeitraum zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang’ allg. – Gndag Grußformel, Wb-Altm 68; en Dach dass., Sprw-Börde; Dachok dass., Wb-Holzl 73; fr de ‘vor Tagesanbruch’ Wb-Nharz 36; vor Dach un Dau dass., Sprw-Börde; op’n dch ‘gegen 10 oder 11 Uhr’ Wb-Nharz 36; on hellerlichten Da ‘mitten am Tag’ Id-Eilsa 56; in’n Dage ‘im Verlauf des Tages’ Wb-We 25; b Dage ‘vor Eintritt der Nacht’ a.a.O. 25; fonn Dage ‘heute’ Wb-Holzl 73; rster Dge ‘demnächst’ Beiträge-Nd 61 (WO-HWa); eenes Dores JE1-Pre; (all) mein T ‘mein Lebtag’ Wb-Ak 168; dai Daoch nai’m niu all warra af SA-Dä; d anna Du het erengt (geregnet) JE2-Scho; Bei T mußte das machen, ’n ’md sste doch nischt. Wb-Ak 168; Dag för Dag mußten wei früher naoh Feld ... Ehlies 1960b 297; det Veh war den Dach öwwer uppe Weih JE2-Gü; ... es waor den Dach vorher an orntliches Jewidder jewest. Heimatkalender-Börde 1925,64 (CA-Sta); ... se liet schon en paar Dae in’ Bedde un hat hellsche Weihdae (Schmerzen). Wedde 1938,72; ... un da vorrzehlte Parta denne, was den Tack ... passiert war. Heese 21919,88; De olle Fährebahne (Pferdebahn) met alle ihre 4 Waarens, die konne det an dän Dach nich schaff’n. Heimatkalender-Ze 1962,90 (ZE-Ze); Rda.: morgen is k en Dag Wb-We 25; es iss na nich alle D md ‘es ist noch keine endgültige Entscheidung gefallen’ DE-Ca; forgn w de dch ‘schnell verwelken’ Wb-Nharz 36; in’n Dag rin spreken ‘ohne Überlegung sprechen’ Wb-We 25; lewet in’n Dag ‘ist sorglos’ Sprw-Börde; sek en gden dch mken Wb-Nharz 36; hei wolle sek vo’n Dage daun ‘er war so verzweifelt, dass er sich das Leben nehmen wollte’ BA-Re; hei kann nich ut einen Dag in andern kommen ‘er ist arm, unvermögend’ Sprw-Börde; op sne ollen D HA-Oh; sn Daoch sünd tet (gezählt) ‘er lebt nicht mehr lange’ SA-Dä; nu wart’t Dach in de Nachtmütze! Ausruf der Empörung, HA-Oh; Ick häw nist met äm to schaffen as go’n Dag un go’n Weg. ‘Wir grüßen uns nur und haben sonst keinen weiteren Umgang miteinander.’ Bewohner-Altm 1,326; dat is’n Underscht w Dach un Nacht ‘das ist ein großer Unterschied’ HA-Oh; Sprw.: Je länger de Dag, je körter de Faom (Faden). ‘Je länger der Arbeitstag, um so geringer die Leistung.’ Bewohner-Altm 1,326; jed Dag hat sn Plg Wb-We 25; man sall’n Dag nich vorn Aom’md loben WO-Gu; et ist kein Dag in Jahre: hei kümmt ‘jeder Tag kommt zu seiner festgelegten Zeit’ HA-No; Bauernregel: Slat bi Dage achte, wässt dat Gras mit Machte. ‘Wenn die Tage länger werden, wächst das Gras wieder’ GA-Ge; Rätsel: Wat brennt Dach un Nacht und geiht doch nich ut? – Brennettel SA-Gü. – Volksgl.: Bis ins 20. Jh. hinein haben sich Reste der Tagewählerei erhalten, d.h. bestimmte Wochentage werden entweder als Glücks- oder als Unglückstage angesehen, an denen man best. Unternehmungen ausführen bzw. meiden sollte, vgl. die Hinweise bei den einzelnen Artikeln zu den Wochentagen. – 2. ‘die drei Eisheiligen’,  shilligen. – a. in der Verbdg.: d dr kolden Dge 2: vereinz. mittleres JE2, ZE-Ro, 3: HA-Wa. – b. in der Verbdg.: d dr dullen Dge 1: SA-Hen, 2: vereinz. Altm., JE2-Mü. – 3. in der Verbdg.: de still Dog ‘die zwölf Nächte zwischen Weihnachten und dem 6. Januar’,  Twölften, 2: STE-Klä. – 4. in der Verbdg.: dicken Dag ‘das nichtkirchliche Erntefest’,  Ernekranz, 2: STE-GrMö Schi. – 5. in der Verbdg.: de hilligen Dge ‘Festtage’ 3: Wb-Nharz 79, 4: Mda-Sti 149. – 6. in der Verbdg.: Tag un Nacht PflN ‘Acker-Wachtelweizen’ 2: Wb-Altm 220.
Lautf., Gram.: Sg.: Dag, Dach, [da] verbr. nwaltm. brdb. mittleres/ö elbostf., Klaus 1936,57, Wb-We 25, Heimatkalender-Börde 1925,64 (CA-Sa), Mda-Fuhne 34 (DE-Ca); Daj OSCH-Schw; Tag (6.) Wb-Altm 220; Tach, [ta] ZE-Kö, Heimatkalender-Ze 1964,91 (ZE-Ze); Tak, Tack Heimatkalender-Be 1936,154, Richter o.J. 91, Krause 1964,15; Daach, dch verbr. w elbostf.; Tch, tch Mda-Sti 16, Wb-Ak 168; Tahk, Tk Wb-Ak 168, Vk-Anhaltc 150 (DE-De); [dg] verstr. mittleres/ö anhalt.; Daog, Daoch, [d] vereinz. HA, Vk-Ask 147, QUE-Di; [t], [tk] Wb-Be; Dat.: Dage verstr. n/ö elbostf., vereinz. sw elbostf.; Daoge Heimatkalender-Börde 1925,63 (CA-Sa); Dae, de Wb-Nharz 36, BA-Re; D, d vereinz. w elbostf.; T Wb-Ak 168, Wäschke 61920,13; Pl.: Dage WO-Sa, Heimatkalender-Ze 1964,94 (ZE-Ze), vereinz. w elbostf., verstr. mittleres/ö elbostf.; tge Mda-Sti 149; Daje STE-Ost; Dare, [d] ZE-Se, BE-KlSchie, Mda-Fuhne 104 (BE-Pei Plö, vereinz. s KÖ w/mittleres DE, ältere Generation, in mittlerer und jüngerer Generation verbr. BE KÖ w DE); Da(o)ge, [dg], [dg] vereinz. s Altm., Beiträge-Nd 61 (WO-HWa); [d], [d] verstr. s Altm., vereinz. nö elbostf., Mda-Fuhne 104 (verbr. mittleres/ö DE); Daog, Daoch, [d], Doog, Dooch verbr. ö/s nwaltm. w Altm., STE-Klä Wa; [dao] verbr. n nwaltm.; Da’e, [d] JE2-Schl, Mda-nwJe1a 40 (vereinz. w JE1), vereinz. w elbostf. (außer s GA); Ta’e KÖ-Bre; Daa, [d] verbr. OST n STE, STE-Buch, vereinz. n JE2, verstr. mittleres/s JE2, Mda-nwJe1a 40 (verbr. n JE1), verbr. w elbostf. (außer s GA), verstr. w WA QUE, Mda-Fuhne 104 (verbr. BE KÖ w DE, vor allem ältere Generation, z.T. mittlere Generation); T Wb-Ak 168, Wäschke61915,4; Daoe WO-Mahl Ucht; Dao, [do], [do] STE-Bad, verstr. ö STE, JE2-Scho; [du] JE2-Scho; Daw’n Akk. Bewohner-Altm 1,326.
dlfallen Vb. ‘herunter-, hinunterfallen’ 3: vereinz. elbostf. – Sprw.: Wer nich hoch stigt, kann nich deip dal fallen WO-Gu.
d(r) I. Adv. verbr. – 1. räumlich – a. ‘an dieser Stelle, dort’ – ’t wass väöl Minschheit dao Wb-Altm 137; Doa sitt’n groten swatten Koater. Bewohner-Altm 2,159; d fld anne Hornsge BE-GrWi; Äppel un Walnötte, Eierplumen un Beerenbratjen, Honnigkauken un Zuckerkannig – ick fund da immer wat te präpeln (essen)! Lindauc o.J. 43; De jreeßte Anßiehunk waar imm’r daa, wo de Fähre vorjefiehrt wurr’n ... Heimatkalender-Ze 1962,91 (ZE-Ze); Rda.: da liet der Hund bejraben ‘das ist der entscheidende Punkt’ Sprw-Börde; da lät der Kamm uff de Butter ‘da herrscht große Unordnung’ ZE-Roß; Sprw.: wu hackt ward, da fallt ook Späne HA-No; Reim:Hinner uns Hus, dao geiht to Kehr,
as wenn Hochtiet un Kinndöp wär.
SA-NFe;
in Verbdg. mit Lokaladverbien: d jänt ‘dort drüben’ STE-Schi; ... ne Nachtigall, da boben in’n Beerboom! Rauch 1929,55; Da draußen sinn nuh de Jungens in de Ferien oh mah jewäst ... Heese 21919,7; in Verbdg. mit einem Relativ- oder Demonstrativpron.: d d nischt hebn, dat sint grde de schlimsten Wb-Nharz 36; düsse d sünt et e’ west HA-Oh. – b. ‘hier’ – de Fder is all d HA-Oh; Un Max was ümmer noa ’n nich doa. Matthies 1903,42; De andern waren mit’n Kutschwa’n da, ... Wedde 1938,32; in Ausrufen oder Aufforderungen, z.T. verbunden mit einer Geste des Anbietens oder Überreichens, dann häufig mit Kurzvokal: da hastet Id-Eilsa 97; da, nimm hen! HA-Oh; ta, da lie’t et HA-Bee; da, et rnt Wb-Nharz 36; D, knippere m, ich kre’s Pakt nich uf! Wb-Ak 93; Rda.: t hastn Kitt Ausruf der Verärgerung, Wb-Be. – c. in Verbdg. mit sn ‘anwesend, vorhanden, zur Stelle sein’ – et is naug da, et langt hen CA-Fö; denn sinn se alle d gewest ZE-KlLei; “Na”, jriente dor Harr Amtsrichter, “wänn die Harrschaften da sinn, kann ick je de Sitzung areffnen.” Heimatkalender-Ze 1964,91 (ZE-Ze); ... weil nich ville Gras doa woar ... Heimatkalender-Je 1923,94 (JE2-Vie); Von düsser Kaste waren ... noch twei utgewussene Exemplare da. Klaus 1936,7; Sprw.: Wenn Öäl up de Lamp’ is, is wä’rr keen Dächt (Docht) dao. Bewohner-Altm 1,348. – 2. zeitlich – a. ‘zu diesem Zeitpunkt, in diesem Augenblick’ – Ertüffeln hem’se jo do kaum all ekennt JE2-Gü; Middewoche nh Pingesten d worrn Eier un Kuke un alles denn so desammegeholt. ZE-KlLei; umme sesse d kimmete noch nich Wb-Nharz 36; Awer vorr fufzig, sechzig Jahern, da war de Fastelabend jo doch noch en betchen anderscht nah oelder Mode feuert. Vk-Harz 8,30; Verbdg.: Hei jung noch hier un da (ab und zu) in’n Buernhoff tau sine olen Schulfrünne ... Lindauc o.J. 19; als fester Bestandteil in Sagwörtern: Aller Anfang is swar, seggt de Dew, da slep’r ’n Möhlensteen weg. dass., Spr-Altm 88; Dat kost nix, sä de Bur, do prügelt he sin Jung. Heimatland-Ga 1930 Nr. 10; Dat gift Luft, sä de ole Müldersche, da leit se ’n Pup Sprw-Harzvorld 399; hier herrscht Ordnung, sä de Fru, da lag de Kamm op de Botter QUE-Nei. – b. ‘plötzlich’ – Da – op en Male sejjt et: “Stop”! Gorges 1938,76. – c. ‘dann, darauf(hin)’ – h het mik antickt un d heff ik an Schreck krgng JE2-Scho; Da lachtnse denn alle, o Finzel, – awwer Vetter Wewer arjerte sich heemlinge. Wäschke 61920,153; de Schape harren awer kaum ’n paar Snuten enohmen, da waren all dee Hunne rann unn harren se an de Hinderbeine. Hbl-Ohre 1927 Nr. 28/ Wöhlbier (HA-Eim). – 3. modal ‘in solchem Fall, in dieser Hinsicht, unter diesen Umständen’ – “Dar häst du recht”, sä’ Hinnerk, ... Hausfr-Altm 1930,6 (SA-Die); Da hadden mor je denn oh jelei n Richtijen derwischt. Heese 21919,11; Da kann de Minsche wedder spüren, Wudrop de Müse spekelieren ... Gorges 1938,61; Da brauch mor sich jarnich anzuschtrengn. Krause 1964,23; d bin ek j noch ristiger Wb-Nharz 36; Rda.: da kann et eime angest un bange wern CA-Fö; da kamm’er je de Kränke kreienAusruf des Unmuts, Spr-Anhalt 169; Sprw.: köp Nahwers Rind un frie Nahwers Kind, da warst du selten bedragen WO-Gu; Volksgl.: mich krawweltet so in de linke Hand, da werick woll noch Jeld krien ZE-Roß. – 4a. satzeinleitend, ohne eigentliche Bedeutung, wie ‘es’ – Da is mal ... en Bure west, dei’n grotes Anwesen harre. Rauch 1929,77; Da wurrn denn n Amnt inne Pfarrküche de Amntbusuche ummer kortscher ... Wäschke 61915,4; Rda.: dao hat all wedder ener n Löppel weggelegt ‘da ist wieder jmd. gestorben’ JE1-HWa. – 4b. verstärkend – Dä hat unsch da eine int Hus rinesett ... Klaus 1936,26; d het d nischt te gn Wb-Nharz 72. – 5. als Teil eines Pronominaladverbs in getrennter Stellung, oft abgeschwächt zu (de)r - an ( dran): de Pahl is awwe, da mott ’ne Anschrah an! HA-Bee; de Minsche woll’er ok nich ran Wb-Holzl 73; ... ann deen groten Garen ... da grenzen twei grote Burhöwwe an. Hbl-Ohre 1925 Nr. 7/Wöhlbier (HA-Eim); b ( drb): da willt wie lustig un fröhlich bie sien HA-Bee; fr ( drfr): ek kan der nischt fr Wb-Nharz 37; hinder ( drhinder): ek will er woll hinner komen Wb-We 35; in ( drin): Brahpannen, wer se kriejen kann, Da sall de Bäcker t’ Fleisch in braan. Gorges 1938,40; mit ( drmit): da is kein Spßen midde HA-Oh; Reim:De Blomen hebben wi vör uns geplückt,
do hebben wi uns met uutgeschmückt.
Brauch-wAltm 73;
n ( drn): Rda.: ... da steiht dick de Lecker na ‘darauf hast du Appetit’ Chr-Em 430; Dao krei’t wädder Hund noch Haohn noa. ‘Das ist völlig unwichtig.’ Bewohner-Altm 1,340; t ( drt): ile Brot und da nist tau WE-Velt; Rda.: d hat hei keine Oren tau ‘das will er nicht hören’ Wb-We 96; up ( drup): dao sall use Fritze oppe danzen goan. GA-Eick; t ( drt): un dat kann’n dat nich anseihn, wat da mal ute makt wern sall! Rauch 1929,91; von ( drvon): ik heww’er (habe da) doch nist fonn Wb-Holzl 73; Rda.: Datt iss’n Hochtd dao de Katt hinnern Fürhrd nicks van wt ‘eine kleine Hochzeit’ Wb-Altm** 46. – II. Konj. vereinz. – 1. kausal ‘weil’ – d sei fon Tlen schprken: ek sal sei säin, dat ... Wb-Nharz 36. – 2. zeitlich ‘als’ – d ek d sau schtunt, sach ek ... a.a.O. 36.
Lautf.: betont: dar, dr Hausfr-Altm 1930,6 (SA-Die), vereinz. elbostf.; daor Wb-Altm 32; unbetont oder als Teil eines Pronominaladverbs in getrennter Stellung (I.5.): der verstr. elbostf.; dor, [dor] Winter-Altm 74, CA-Ak; ’er oder ’r verstr. elbostf.; betont: da(a), [d] vereinz. ZE, verbr. elbostf., verstr. anhalt.; dao, doa, [d], [d] verbr. ö/s nwaltm. nbrdb., ZE-KlLei Roß, vereinz. elbostf., verstr. s CA BE, DE-Ca; [t] Wb-Be; do, [d] SA-Die, vereinz. Altm., JE2-Gü, vereinz. nthür., CA-Löd; doa, [da], [da] verstr. mbrdb.; [dao] verstr. n/w nwaltm.; in Ausrufen oder Aufforderungen (I.1b.): da, [da] vereinz. elbostf., CA-Ak; ta, [ta] verstr. w elbostf.; [t] Wb-Be. – Etym.: es wurden hier versch. Wörter zusammengefasst, die sich lautlich und semantisch überschneiden: mnd. sind dr und dre bereits vielfach nicht geschieden und haben sowohl räumliche (‘da, dort, dorthin’) als auch zeitliche (‘als, damals als’) Bed. Daneben steht zeitliches mnd. d mit den Bed. ‘da, damals, damals als, wenn’, vgl. HWb-Mnd 1,396 f. und 1,435.
datsülftigte Demonstrativpron. dass. wie  datselwe – Sprw.: wenn twee datsülwtigte moken, is noch lange nich datsülwtigte 3: WO-Gu.
ddig Adj. 1. ‘tot’ 1: vereinz. n nwaltm., 2: verstr. Altm., vereinz. JE2, 3: verstr. elbostf., 4: Wb-Ak 171, Wb-Be – n’ digen Hund HA-Oh; anne tsije Maus Wb-Ak 171; dai Fraü hemms deodich nao Hius brocht SA-Dä; subst.: d Driwas (Träger) mün’n dänn Doid’n mette Bre nn Kiachhoff hendrun JE2-Scho; Sprw.: man mot’t von de Lebendigen nehmen, von de Doigen ist nist mehr te halen WO-Gu. – 2. ‘totenähnlich, erstorben, abgestorben’ 2: Wb-Altm 36, 3: Wb-Nharz 42 – Upp’t Feld st’t so ddig t. Wb-Altm 36.
Lautf., Gram.: dodig, -ch, [ddi] Wb-Altm 36, GA-Le, WO-Col, JE2-HSe, Heimatkalender-Je 1924,62 (JE2-Vie), Sprw-Börde, Wb-Nharz 42; dodige gem. Dekl. f. Nom. Sg. Bewohner-Altm 2,172; todich, [tdi] Wb-Ak 171, Wb-Be; totig Id-Queb 28; tsich Wb-Ak 171; dohije gem. Dekl. f. Nom. Sg. Lieder-Ma Nr. 507 (WO-Ol); do’ich, doich, -j vereinz. w elbostf., QUE-Di; [doid] subst. m. Akk. Sg. JE2-Scho; doige sw. m. Nom. Sg. Lindauc o.J. 40; doige gem. Dekl. f. Dat. Pl. Rauch 1929,14; doigen sw. n. Dat. Sg. Hbl-Ohre 1928 Nr. 14/Wöhlbier (HA-Eim); Doigen subst. Dat. Pl. WO-Gu; [dijn] gem. Dekl. m. Nom. (Akk.) Sg. STE-Je, WO-HWa; doicht OSCH-Har; [de] Id-Eilsa 57; duoich OSCH-Di; [doudi] CALV-Uth Zo; daudig, [daudi] SA-Zie, verstr. w Altm.; [deodi] vereinz. n nwaltm.
Doktor m. 1. ‘Arzt’ verstr. – n’n Dokter gn HA-Oh; Dokter spieln von Kindern, ZE-Roß; Soll ich denn nichema ’n Dukter holn? Wäschke 31909,46; Sprw.: dat Geld verfräten is besser als na’n Doktor dragen WO-Gu; lat’n Hinderachten open, brukste nich na’n Dokter lopen WE-Oster; Den Kopp lat frer’n, de Föt halt warm, slag nich to väl in den Darm, denn kann de Dokt’r un Aptek’r spazieren gahn. Spr-Altm 87; Dokter, Schaper, Schinder sind Jeswisterkinder. Wb-Holzl 33. – 2. in der Verbdg.: Dokter Feierfaut (Vierfuß) ‘Tierarzt’ 3: HA-Oh. – 3. ‘Frisör’, scherzh.,  Balbr, 2: ADVk Nr. 238c (JE2-Dr Gü, JE1-Walt), 3: verstr. elbostf.
Lautf.: Doktor neben Dokter; außerdem: Duktor Wb-Ak 47; [dugdr] Mda-Fuhne 16 (DE-Ca); Dukter Wäschke 31909,46.
donnern Vb. das Ertönen des Donnergeräuschs, auch ‘krachen, dumpf dröhnen’ verstr. – s dunnderd DE-Or; et is noch wiet henn wur’t dönndert WO-Gu; Rda.: se kukke jen himmel w de jense, went dendert Mda-Weg 93; dick ward et noch ml vor’n rse döndern! ‘dir wird es noch einmal schlecht ergehen’ HA-Oh; Bauernregel: Wenn dunnert äöwer kaol’ Bäm, gewt vöäl Awt. Bewohner-Altm 1,320; Went obber de kahlen Böme dönnert, denn geröt dat Jungveih nich. Chr-Em 428.
Lautf., Gram.: donnert 3. Sg. Präs. DE-Ka Vo; [dorn] ZE-Roß; dondern OSCH-NWe, Wb-Holzl 77 (WA-KlWa); dönnert 3. Sg. Präs. Chr-Em 428; döndern Inf., dön(n)d(e)rt 3. Sg. Präs. verstr. w elbostf., WO-Gu, WA-Un; dennern QUE-Di; den(n)dern Inf., dendert 3. Sg. Präs. vereinz. sw elbostf.; [dndrt] 3. Sg. Präs. WA-See; dunnern Inf., dunnert, -d 3. Sg. Präs. verstr. Altm., WA-Dom, Wb-We* 208, QUE-GrSchie, DE-Or; dunnerte 3. Sg. Prät. Heimatkalender-Börde 1925,64 (CA-Sa); [dun] SA-Rist; [dunrn] ZE-Kö; [durt] 3. Sg. Präs. Mda-Ze (verstr. ZE); [turn] Wb-Be; dundert 3. Sg. Präs. CA-Salz; dunderde 3. Sg. Prät. Heimatkalender-Ma 1932,46 (JE2-Vie).
dpen Vb. 1. ‘taufen’, auch ‘einen Namen geben’ verstr. – Is’t Kind all döfft? Wb-Altm 37; Döpt is hei freilich nich sau ... Lindaua o.J. 103; Sprw.: wenn ’t Kind edofft is, willt alle Lüe Vadder (Pate) stahn WO-Gu. – 2. ‘Wasser hinzugeben, mit Wasser verdünnen’ 3: vereinz. elbostf. – de Melk is edoft Sprw-Börde.
Lautf., Gram.: dp(e)n Wb-Altm 37, vereinz. ö Altm., verstr. n/w elbostf.; dp’m, [dp] JE2-Scho, Wb-We* 206; depen HA-Oh; [dep] Id-Eilsa 57; deep(e)n verstr. mittleres/ö/s elbostf.; dp’m, [dpm], [dp] verstr. ZE, vereinz. s elbostf.; deupen CALV-Lö; [doip] SA-Dä; düöpen OSCH-Di; depm Mda-Ro; [dfn] Mda-Ze (ZE-Roß); taufen Mda-Sti 31; toof(e)n, [tfn] vereinz. anhalt.; Part. Prät.: döpt Pohlmann 1905,53; [dept] Id-Eilsa 57; [jdpt] Mda-Ze (vereinz. ZE); [dept] QUE-Di; [döpt] JE2-Scho; döfft Wb-Altm 37; dofft, [doft] SA-Dä Scha; edof(f)t verstr. elbostf.; [jdft] Mda-Ze (ZE-Roß); jetooft Krause 1964,96.
Dr f. 1. ‘Tür’, bes. ‘Haustür’ verbr. – rjel de Dre t JE2-Scho; ... von de ane Dier zu de andere Dier ... Spr-Asch 32; forr de Der speln ‘vor dem Haus spielen’, vgl. 2., QUE-Di; ... Knecht un Möllergesell seeten vor d’ Dör up d’ Bank ... Heimatkalender-Ma 1931,85 (Altm.); Nu ritt se glieks Fenster un Dör op ... Wedde 1938,14; ... da pumperte mit alle beede Feiste jejen de Tiere ... Heese 21919,43; Rda.: de hat Holt vor de Döre ‘sie hat einen üppigen Busen’ Sprw-Börde; väör däör gaon ‘zur Toilette gehen’ Wb-Altm 33; n’ Staul for de Der setten ‘jmdn. hinauswerfen’ HA-Oh; Un as he nu groad dun nog weer, Sett’t Kröger Wan eam vöer de Döär. Matthies 1903,33; einen de dr for der nse tauschln Wb-Nharz 40; med der Dr int Hs fallen ‘ein Anliegen ohne Umschweife zur Sprache bringen’ Wb-We 29; fr andrer lde dr sn brt seuken ‘betteln’ Wb-Nharz 40; Hunn’ un Eddellüd’ laot’n de Däör aopen. Bemerkung, wenn jmd. die D. nicht schließt, Wb-Altm 33; ji hemm woll Säcke vor de Döhren dass., WO-Gu; Sprw.: jeler kähre vor seine Dähre ‘anstatt über andere Menschen zu lästern, sollte man sich um sich selbst kümmern’ ZE-Steu; wär nich nah uns kümmt, de klappt nich mit de Dör HA-No; wer einmal hinder de Dör eseten hat, söcht ok da den andern ‘man traut anderen dann etw. Schlechtes zu, wenn man selbst dazu in der Lage wäre’ WA-Re. – Waagerecht zweigeteilte Haustüren sind bereits in der 1. Hälfte des 20. Jh. weitgehend durch einteilige ersetzt worden. Wb-Ak 170, Vk-Anhalta 10. – 2. ‘das vor dem Haus liegende Stück Straße’ 4: Wb-Ak 170, Wäschke 41919,15 – ’n Sunn’md word de Tre jekrt Wb-Ak 170.
Lautf., Gram.: Dö(ö)r verbr. n/w elbostf.; Döre, [dr] vereinz. WO; Dö(ä)r, [d], [dä] vereinz. ö nwaltm., verbr. n/mittlere Altm., WO-Ucht Zi, Siedler-Je § 119 (nw JE2); [d] SA-Rist, vereinz. sö Altm. (n der e-Apokope-Linie); Döäre, [dr] verbr. s Altm., Siedler-Je § 119 (nö JE2), Heimatkalender-Je 1927,122 (JE2-Vie), Mda-nwJe1a 50 (vereinz. nw JE1); Der HA-Oh; [dr] Mda-nwJe1a 50 (JE2-HSe, verstr. n JE1); [där] Siedler-Je § 119 (s JE2 n JE1); Deer verstr. mittleres/ö/s elbostf.; Teer Vk-Unterharzb 35; Deere, [dr] vereinz. ö elbostf., BA-Ha, BE-Fr; der Mda-Weg 87, QUE-Di; Däre, [dr] verbr. w JE1 ZE, DE-Kle; [dr] (sehr offen) Siedler-Je § 119 (mittleres JE2), JE2-Scho; Täre Dat. Sg. Alt-Cöthen 21; däare, [dar] Siedler-Je § 119/Dialekt-Ma 4 (verbr. mittleres/s JE1), verstr. ZE, Mda-Ro; [doi] verbr. nwaltm.; [doi] SA-Dä; [däi] SA-Ch; düör OSCH-Di; Düre QUE-GrSchie; Dier Spr-Asch 32; Diere, [dr] Mda-Ze (ZE-Roß), DE-Or; Diere, [dr] Dat. Sg. Heimatkalender-Ze 1962,90 (ZE-Ze), Heimatkalender-Börde 1925,64 (CA-Sa), DE-Ca; Tiere, Tre verbr. anhalt.
dorch I. Präp. verbr. – 1. räumlich – a. zur Bezeichnung einer Bewegung mitten durch etw. hindurch – Hein kiekt dörcht Dack STE-Go; ... bullerten dei Tüffeln dörch ’n Tüffeltrechter in ’n Keller ... Ehlies 1960b 298; dat Mek (Milch) wt drgng Saidauk (Seihtuch) saiet SA-Dä; glieks de Lehmstücken langdoal hinnen dörchn Goarn noa Hus JE2-Fi; Rda.: Dörch de Lappen gahn ‘sich entgehen lassen, verlieren’ Sprw-Harzvorld 399; mit’n Kop dorch de Wand gahen ‘eigensinnig, starrköpfig sein’ Sprw-Börde; De Maon schient äm dörch de Been. ‘Er ist krummbeinig.’ Bewohner-Altm 1,350. – b. zur Bezeichnung einer Bewegung kreuz und quer über die gesamte Ausdehnung hin – .... un durthin junks durchs janze Dorf ... Wäschke61915,65; De olle Ackermann Gauert gung dorch dat Feld. Rauch 1929,59; ... un dorch den ganzen Saal jung en Blackern un Krieschen un Prusten un Hänneklappen ... Lindauc o.J. 40; un da machtes Kalleb immer kattewitt durchn Schnee in de Feldmarke rin DE-Lau. – 2. kausal zur Bezeichnung der Ursache, des Grundes, auch modal zur Bezeichnung des Mittels – Erst dörch recht Den’(Dienen) werd de Minsch vöstännig ... Hausfr-Altm 1928,94 (Kredel); Dee (Schafställe) sünd dorch Buchten, Horrten un Stietze forr Bö- cke, Muddern und Lämmer affedeilt. Held 1963,101; Sprw.: Dorch Schaden ward’n klauk, awer nie rieker. WO-Gu. – 3. in der Verbdg.: dorch de Bank ‘durchweg, alle’. – II. Adv. verstr. – 1. räumlich ‘hindurch’ – ek kan nich dorch Wb-Nharz 43; hei is drunder dorch Wb-We 29; du most woll ümmer dorch den deipsten Drecke dorch? HA-Bee; Rda.: hei is dicke dorch ‘er hat sein Ziel vollständig erreicht’ Id-Quea 148. – 2a. räumlich ‘durchgekommen’ – Unse Schiffer sin durch ... Wb-Ak 49. – 2b. zeitlich ‘vorbei’ – ’s ist achte durrich a.a.O. 49. – 3. zeitlich ‘über einen bestimmten Zeitraum hinweg’, einer Zeitangabe nachgestellt – ... un Hinnerk möhlte de Nachd dörch ... Hausfr-Altm 1930,7 (SA-Die); datt ganze Freuhjahr dörrch ... HA-Eim. – 4a. in der Verbdg.: dorch und dorch ‘völlig, gänzlich, bis ins Innerste’ – hei is dorch un dorch nt Wb-Nharz 43; Dä ole Amtsrat opp der Borg War minschenkunnig, dorch un dorch ... Klaus 1936,54; Rda.: et geit mik dorch un dorch ‘es erschüttert mich sehr’ HA-Oh. – 4b. auch adj. ‘durchgezogen, reif’ –de Kese is dorch HA-Oh; dorchenen Kese Wb-Holzl 76 (HA-Ost). – 4c. ‘völlig durchnässt’,  pitschenattick war dorch HA-Bee. – 4d. ‘durchgescheuert, abgenutzt’, auch ‘entzwei, in Teile zerlegt’ – de schtrump is dorch Wb-Nharz 43; Ich kre’s Brt nich durrich. Wb-Ak 49. – 4e. ‘fertig’ – Rda.: ek ben medne dorch ‘ich will nichts mehr von ihm wissen’ Wb-We 29.
Lautf.: dorch, [dor] verbr. ZE elbostf., Krause 1964,12, DE-Ho; dor(r)ech HA-Oh, OSCH-Di; [tori] Wb-Be; drch Vk-Ask 374; [dr] Siedler-Je § 118 (s JE2 JE1); dörch (wohl Langvokal), [dr], [dr], [d] verbr. nwaltm. nbrdb.; dörch vereinz. HA OSCH; [dr()] Siedler-Je § 76b und 118 (n/mittleres JE2); derch SA-Rist, Matthies 1903,24; dearch Matthies 1912,26 (STE-Hü); [dr] Siedler-Je § 76b (JE1); durch verstr. anhalt.; durrich, durrech Wb-Ak 49; [dr] Mda-Fuhne 65 (verbr. anhalt.).