Nßel n. 1. ‘Hohlmaß von einem halben Liter’, auch das Messgefäß, z.T. veralt., 2: Wb-Altm 150, Albrecht 21822 2,113, Schwerin 1859,36, JE2-Schön, 3: WO-Ba, Wb-Holzl 147 (HA-Bad), HA-Oh, Sprw-Börde, BLA-Brau, verstr. sö elbostf., 4: verstr. anhalt. – en Nösel Brennewien Wb-Holzl 147 (HA-Bad); Wo mannig Kroß Beer un wo mannig halw Oeßel mütt’r an glöb’n, denn drunken mütt’r bi werd’n. Schwerin 1859,36; Hle m an Nßel Millich. Wb-Ak 120; … kuppern oder zinnen maszen als zum honig rechte quartier, noszeln und halbe nöszeln … 1541 Baurdinge-Que 61. – 2. ‘Schöpfgefäß, Maß zum Wasserschöpfen’,  Wterkelle, 2: WO-San, ZE-Ser We, 3: WE-Elb, BA-Ba, verstr. ö elbostf., 4: verstr. omd. – jib ml es Nßel hor BE-Gü.
Lautf.: Nssel, Nößel Albrecht 21822 2,113, ZE-We, HA-Oh, BA-Ba Sil, BE-Gü, vereinz. mittleres anhalt., Nösel Wb-Holzl 147 (HA-Bad); Nötzel BE-KlMü; Nötel WE-Elb; Neeßel, [nsl] BLA-Brau, CA-Ca, BE-Gü, verstr. omd.; [nzl] QUE-GrSchie, CA-Sta, verstr. w BE; [ntsl] CA-Sa; [ndsl] BE-He; Näßel CA-Kü Me; Össel Wb-Altm 150, Oeßel Schwerin 1859,36, Ößel ZE-Ser; [tsel] JE2-Schön; E(e)zel, E(e)tzel, [tsl] JE1-Walt, verstr. ö elbostf. s CA; Hötzel WO-San; Hetsel CA-Bo. – Etym.: mnd. nössel, sel, össel ‘kleines Flüssigkeitsmaß’, vgl. HWb-Mnd 2,1112 und 1194, frnhd. nözzeln, weitere Herkunft unklar, vgl. Kluge 231995,591.
Ntfer n. ‘Feuer zur Heilung von Viehkrankheiten’ 2: verstr. Altm., 3: vereinz. s GA, Wb-Nharz 136, 4: Vk-Anhalta25. – Volksgl.: Noch bis zur Mitte des 19. Jh. wurde das Vieh bei Auftreten von Seuchen durch das N. getrieben. Die heilende Wirkung erzielte das N. nur dann, wenn es durch Reibung eines mit Lappen umwickelten und mit Teer bestrichenen Seils an zwei Torpfosten entzündet wurde (verstr. Altm. s GA). Diese Aufgabe hatten drei Brüder (WO-San) oder Zwillinge (GA-Sie) zu erfüllen. Einige ausgewählte Jungen gleichen Vornamens liefen mit dem Seil zum Ortsausgang, um damit einen dort aufgeschichteten großen Strohhaufen in Brand zu setzen. Bewohner-Altm 2,128f., BrauchwAltm 43.