Lche f. 1. ‘helle, heftig brennende Flamme’ 1: verbr. nwaltm., 2: Wb-Altm 126, Albrecht 21822 3,167, verbr. SA, vereinz. OST GA STE, 3: GA-Beh, 4: CA-Zu – Rätsel: Hinner uns Hus brennt watt, un doch ken lichte Leichen? – die Brennnessel, SA-Han;Un, eh’r de Leuchen sik vermehrt’,
Dät Füüer rein werr’ uuthantheert.
Albrecht 21822 3,167.
– 2. Pl. ‘bei Feuer durch die Luft fliegende glühende Ähren- und Strohteile’,  mern, 1: SA-Han, 2: SA-Rie.
Lautf.: Lüchen SA-Jee; Leuchen Albrecht 21822 3,167, OST-Ost, STE-GrMö; Leich(e)n, -ai-, [lain] Wb-Altm 126, verstr. SA, vereinz. GA, CA-Zu; Leijen OST-Flee; [len] SA-Ch KlGe; Laeichn SA-Dä; [laek] SA-Zie; Lieke GA-Beh; Liek vereinz. OST, STE-Po; Li(e)k(e)n SA-Han, vereinz. ö SA; [lk] SA-Pü. – Gram.: bei Belegen auf -(e)n ist vorw. von Pl. auszugehen. – Etym.: zu mnd. l, lou, lhe und mit grammatischem Wechsel h-g lchen(e), lochgen, loghen ‘Flamme, Lohe’, mhd. lohe, louc, vgl. auch anord. leygr, aengl. lg, lg, zur idg. Wurzel *leuk ‘leuchten’, vgl. HWb-Mnd 2,835 und 836, Kluge 231995,524.
Martinshrn n. ‘Gebäck zu Martini in Form eines Halbmondes’ 3: Id-Queb 10, 4: Ackerbau-Anhalt 366 (BA-Ha, CA-Zu), Vk-Anhalta 192.
Lautf., Gram.: mrtenshorn Id-Queb 10; Martinshörnchen Dim. Sg. Vk-Anhalta 192; Dim. Pl. Ackerbau-Anhalt 366 (BA-Ha, CA-Zu).
Mlschelle f. 1. ‘Ohrfeige’, auch ‘Schlag auf den Mund’,  Prgel, 3: vereinz. elbostf., 4: Wb-Be, DE-Ca – d graisd jlai anne Mauschelle DE-Ca. – 2. ‘kleines, spiralförmiges Gebäck mit Rosinen und Zuckerguss’ 2: GA-Ga Wer, WO-Col, JE2-Mö, JE1-Mö, 3: verstr. elbostf., 4: CA-Zu, Wb-Be, BE-La, DE-Je Or.
Lautf., Gram.: Mlschelle vereinz. elbostf.; -schell(e)n Pl. GA-Ga, WO-NiDo, QUE-Schn, CA-Bru; Muschelle HA-Oh, CA-Ca GrRo; -schell(e)n Pl. WO-Col, JE1-Plö; Murschelln Pl. GA-Wer; [maulel] Wb-Be; Maulschell(e)n Pl. JE1-Mö, BLA-Hü, DE-Je Or; Mau-, [mauel] JE2-Mö, DE-Ca; -schell(e)n Pl. JE1-Me, WA-Dom, CA-Ca Zu, BE-La.
1Ms f. 1. TiN ‘Maus’ verbr. – d lfd ne Maus DE-Ca; dai Ms gnauan (knabbern) an dat Breot SA-Dä; Uffen Bon’n hammer ville Meise. Wb-Ak 112; Rda.: de Müs pissen ‘es regnet fein’ OST-Sta; dat is Muus wi Maus ‘das ist einerlei’ Wb-Holzl 144; ‘t is Ms as Mn (Muhme) dass., Wb-Altm 139; hei st t w en pott vull mse ‘er sieht mürrisch, unzufrieden aus’ Id-Queb 12; H kickt ass ‘n Ms t ‘n Dunk Hd (Haufen Werg). ‘Er trägt eine zu große Kopfbedeckung.’ Wb-Altm 142; sitten w de ms in der falle ‘keinen Ausweg mehr wissen’ Wb-Nharz 130; dat hilpt for de Müse, sää de Bure, dunn stok’e sine Schüne an HA-No; Sprw.: Mse hecken Mse BA-Re; De Mus lett dat Nasch’n nich. Spr-Altm 82; mid Speck fängd man Ms GA-Da; lüttge Müse hett ook Swänze HA-No; de Miese, de morjens danzen, kriegt’n Abend de Katze WA-West; is de Katte nich te Hs, danzet de Mse op’n Dische HA-Oh; wenn de Müse dicke sind, smeckt et Mehl bitter OSCH-Eils; Wenn de Muus satt is schmeckt det Mehl bidder. Firmenich 1854,132 (STE-Ste); Kinderreim:t’ laip enne Muus
Umme Kauhheers Huus,
Den Tripp, den Trapp,
Den Berg hinab.
Lieder-Ma Nr. 100 (WE-Ro).
Volksgl.: M., bes. in Scheunen, werden durch die Ausräucherung der Räume mit der Asche eines verbrannten, übel riechenden Krebses bekämpft (BA-Rie). Als Mittel gegen M. gelten außerdem: am Johannistag gesuchtes Bilsenkraut, Johanniskrone, Echte Hundszunge, Zweige vom Vogelkirschbaum oder Knoblauch (BA-Bad). Vk-Anhalta 34. In den Zwölften wird von Dingern statt von M. geredet, um eine Mäuseplage zu verhindern. Gebräuche-Altm 83. Um Mäusefraß zu vermeiden, beginnt man mit dem Mähen an einem Sonnabend und fährt auch das erste Fuder an diesem Wochentag ein (KÖ-Ar). M. gehören zum Gefolge der Geister und besitzen deshalb Zauberkräfte. Von M. angefressenes Brot schützt vor Zahnschmerzen (ZE-Na). Wer eine M. laufen sieht, hat Unglück. Masssenweisem Auftreten von M. folgen teure Zeiten (CA-Zu). Vk-Anhalta 34. – 2. ‘Handballen unterhalb des Daumens’ 2: Wb-Altm 142, 3: vereinz. elbostf., 4: vereinz. anhalt. – mich dd de Maus s w DE-Ca. – 3. ‘zähe Sehne im Muskelfleisch’,  Hrwass, 2: JE2-Cab, 3: HA-All. – 4a. Dim. ‘Kniescheibe des Pferdes’ 3: Wb-Holzl 144 (HA-Um). – 4b. Dim. ‘Geschwulst am Kniegelenk des Pferdes’ 3: JE1-Ca. – 5. ‘kleines  Kind’, Kosewort, 2: Bewohner-Altm 2,146. – 6. ‘kleiner Schlitten der Kinder’,  Slde(n), 2: WO-Me, HA-Som. – 7. Pl., auch in der Verbdg.: witte Mse ‘Geld’,  Zaster, 2: WO-Wo, vereinz. JE1, 3: verstr. n/ö elbostf., 4: BE-Neu.
Lautf.: Mu(u)s, Ms verbr. nd., Mda-Sti 34, BA-Ha; Museken Dim. (4a.) Wb-Holzl 144 (HA-Um); mes BLA-Brau; [ms] SA-Die; [müis] SA-Dä; [mius] verstr. nwaltm.; Miseken Dim. (4b.) JE1-Ca; Maus verstr. anhalt. – Gram.: Pl.: Müse vereinz. s Altm., JE2-Scho, verstr. n/w elbostf., Id-Queb12; Ms, [ms] verstr. nwaltm. n/mittlere Altm.; Miese, mse HA-AHa Hu, verstr. s/ö elbostf.; Muse, [mz] GA-Bo Le, CALV-Uth, verstr. ZE, Mda-Sti 34; Mäuse (7.) WO-Wo, vereinz. JE1 n/ö elbostf.; Meise verstr. anhalt. – Etym.: (7.) wohl aus Gaunerspr., Nbf. zu  2Ms, vgl. Wb-Rotw [3481]. Zuss.: zu 1.: Hassel-, Heu-, Hs-, Kerken-, Krabbel-, Miezmaus.