answillen Vb. ‘anschwellen, dick werden’ 1: SA-Dä, 2: Heimatkalender-Ze 1964,91 (ZE-Ze), 3: vereinz. w elbostf., 4: Wb-Be – haste dick eklemmt? dat wart woll answell’n! HA-Bee.
Lautf., Gram.: answillen Wb-Holzl 55, HA-Oh; nschwillen Wb-Nharz 10; answell’n HA-Bee; [anw()n] Part. Prät. SA-Dä; [nweln] Wb-Be; anschwoll 3. Sg. Prät. Heimatkalender-Ze 1964,91 (ZE-Ze).
antn Vb. 1. (refl.) – a. ‘(sich) anziehen, ankleiden’ 1: SA-Dä, 2: Wb-Altm 6, Mda-Ar 37, Mda-sJe1 25 (vereinz. s JE1), Heimatkalender-Ze 1964,89 (ZE-Ze), 3: vereinz. s elbostf., 4: vereinz. anhalt. – t di an Mda-Ar 37; Karl zoch de Uneform als Posteljon an, ... Heimatkalender-Ze 1964,89 (ZE-Ze); Rda.: ... un so war denn jeplant, währnd de Fahrt de Schpendierhosn anzuziehn. Krause 1964,51. – b. in den Verbdg.: gt warm/ordentlich antn ‘sich warm einhüllen, anziehen’,  inmummeln, 1: SA-Lag Ty, 2: vereinz. Altm. (außer sw). – 2. ‘eine leck gewordene Naht am Kahn nochmals abdichten’, Schifferspr., 4: Elbschifferspr. 374 (CA-Ak), Wb-Ak 24. – 3. ‘ein Seil straff ziehen’ 3: Wb-Nharz 16. – 4. ‘gut wirken’, bes. vom Eindringen des Regens in den Ackerboden, 1: SA-Dä, 4: Wb-Ak 24 – Dr Rn hat njezen. a.a.O. 24. – 5. ‘den Dienst antreten’ – Die Knechte traten ihren Dienst zu Neujahr an, da die Zeit der Zwölften ( Twölften) ursprünglich als Beginn des neuen Erntejahres angesehen wurde. 2/4: Ackerbau-Anhalt 280 (ZE-Kö, vereinz. KÖ).
Lautf., Gram.: ante(h)n, -tn vereinz. Altm. (außer sö); -tain SA-Lag; [antain] SA-Dä; ntein Wb-Nharz 16; antäin SA-Ty; [antn] Mda-sJe1 25 (vereinz. s JE1); tohg ahn 3. Sg. Prät. Firmenich o.J. 165 (CA); ahnetogen Part. Prät. Wille 1927,XV (BLA-Be); zock an 3. Sg. Prät. Heese 21919,107; zoch - 3. Sg. Prät. Heimatkalender-Ze 1964,89 (ZE-Ze); zokke - mit Enklise des nachfolgenden Personalpron. m. 3. Sg. Prät. Wäschke 61915,50; anzuziehn Inf. mit zu Krause 1964,51; [andsn] Elbschifferspr. 374 (CA-Ak); nzen Wb-Ak 24; [ndsn] Mda-Fuhne 35 (DE-Ca).
Antog m. 2: vereinz. nbrdb., Heimatkalender-Je 1927,120 (JE2-Vie), Heimatkalender-Ze 1964,91 (ZE-Ze), 3: vereinz. elbostf., 4: vereinz. anhalt. 1. ‘aus Hose und Jacke (z.T. auch mit Weste) bestehende Kleidung (für Männer), Anzug’ – Uff jede Seite von’n saß’n Schäffe (Schöffe), ooch in’n schwarzen Anzuch. Heimatkalender-Ze 1964,91 (ZE-Ze); de Anzuch is op Tauwass emket ‘der Anzug ist so groß gearbeitet, dass er nach einer Gewichtszunahme seines Trägers immer noch passt’ HA-Oh. – 2. ‘Beschleunigungsvermögen’ – dae Paere hebben keinen Anzug, dat ht, sei kennen nich feste antrecken BLA-Brau. – 3. ‘feierliche Bewirtung der Dorfbewohner’, bes. durch neu Zugezogene – Brauch: Kam eine junge Frau in ein anderes Dorf, wurde A. gefeiert. Vk-Anhaltb 45. Die im abgelaufenen Jahr in die Gemeinde Gezogenen gaben Geld oder Bier. Ein Brautpaar, das außerhalb geheiratet hatte, lud zum A. ein. Brauch-Anhalt 3.
Lautf.: Antog, antoch Wb-Altm 6, Spr-Maa 440 (STE-Scher, WO-Ol), Rauch 1929,158; Anzock Vk-Anhaltb 45; nzok, -zoch Wb-Ak 24; Anzug, -zuch Heimatkalender-Je 1923,101 (JE2-Fi), a.a.O. 1927,120 (JE2-Vie), Heimatkalender-Ze 1964,91 (ZE-Ze), vereinz. elbostf.; -zuck Richter o.J. 92; Aanzuch Wb-Holzl 56 (HA-Wo); oonsu Mda-Ro.
Antog m. 2: vereinz. nbrdb., Heimatkalender-Je 1927,120 (JE2-Vie), Heimatkalender-Ze 1964,91 (ZE-Ze), 3: vereinz. elbostf., 4: vereinz. anhalt. 1. ‘aus Hose und Jacke (z.T. auch mit Weste) bestehende Kleidung (für Männer), Anzug’ – Uff jede Seite von’n saß’n Schäffe (Schöffe), ooch in’n schwarzen Anzuch. Heimatkalender-Ze 1964,91 (ZE-Ze); de Anzuch is op Tauwass emket ‘der Anzug ist so groß gearbeitet, dass er nach einer Gewichtszunahme seines Trägers immer noch passt’ HA-Oh. – 2. ‘Beschleunigungsvermögen’ – dae Paere hebben keinen Anzug, dat ht, sei kennen nich feste antrecken BLA-Brau. – 3. ‘feierliche Bewirtung der Dorfbewohner’, bes. durch neu Zugezogene – Brauch: Kam eine junge Frau in ein anderes Dorf, wurde A. gefeiert. Vk-Anhaltb 45. Die im abgelaufenen Jahr in die Gemeinde Gezogenen gaben Geld oder Bier. Ein Brautpaar, das außerhalb geheiratet hatte, lud zum A. ein. Brauch-Anhalt 3.
Lautf.: Antog, antoch Wb-Altm 6, Spr-Maa 440 (STE-Scher, WO-Ol), Rauch 1929,158; Anzock Vk-Anhaltb 45; nzok, -zoch Wb-Ak 24; Anzug, -zuch Heimatkalender-Je 1923,101 (JE2-Fi), a.a.O. 1927,120 (JE2-Vie), Heimatkalender-Ze 1964,91 (ZE-Ze), vereinz. elbostf.; -zuck Richter o.J. 92; Aanzuch Wb-Holzl 56 (HA-Wo); oonsu Mda-Ro.
Armenhs n. ‘soziale Einrichtung, in der Arme untergebracht und betreut werden’, veralt., 2: Heimatkalender-Ze 1964,91 (ZE-Ze), 3: vereinz. n/w elbostf., 4: Wb-Be, Richter o.J. 81 – Willi Woenig war in’t Armhaus in de Sackstraße. Heimatkalender-Ze 1964,91 (ZE-Ze).
Lautf.: Armenhu(u)s, -hs; außerdem: -haus Richter o.J. 81; [arhaus] Wb-Be; Armhaus Heimatkalender-Ze 1964,91 (ZE-Ze); Ormhus Id-Eilsa 82.
Armenkasse f. ‘soziale Einrichtung, Kasse zur (finanziellen) Unterstützung von Armen’, veralt., 2: vereinz. ö Altm., Heimatkalender-Ze 1964,94 (ZE-Ze), 3: HA-Oh, Spr-Asch 17 – Un där beschtimmte nu, däß Karl ... n’ halm Dahlor in de Arm’kasse bezah’l mußte. Heimatkalender-Ze 1964,94 (ZE-Ze); Rda.: häe kriegt wat ut’t Armkass ‘er bekommt Prügel’ STE-GrMö.
Lautf.: Armenkasse HA-Oh, Spr-Asch 17; -kass Francke 1904,42; Arm’kasse Heimatkalender-Ze 1964,94 (ZE-Ze); Armkass OST-Ca, STE-GrMö.
Armenkasse f. ‘soziale Einrichtung, Kasse zur (finanziellen) Unterstützung von Armen’, veralt., 2: vereinz. ö Altm., Heimatkalender-Ze 1964,94 (ZE-Ze), 3: HA-Oh, Spr-Asch 17 – Un där beschtimmte nu, däß Karl ... n’ halm Dahlor in de Arm’kasse bezah’l mußte. Heimatkalender-Ze 1964,94 (ZE-Ze); Rda.: häe kriegt wat ut’t Armkass ‘er bekommt Prügel’ STE-GrMö.
Lautf.: Armenkasse HA-Oh, Spr-Asch 17; -kass Francke 1904,42; Arm’kasse Heimatkalender-Ze 1964,94 (ZE-Ze); Armkass OST-Ca, STE-GrMö.
rt f. 2: vereinz. Altm. JE2, verstr. ZE, 3: verstr. elbostf., 4: verstr. omd. 1. ‘Sorte, Gattung, Gruppe’ – de rt docht nist HA-Oh; unse rt Leite ‘Leute unseres Standes’ Wb-Ak 26; dat is ne rt linse ‘es ist der Linse ähnlich’ Wb-Nharz 18; Der Kronenjunge hadde bloß een Pferd vor seinn Fleescherwa’n, awwer das war anne busundere Art, an Philosophe. Wäschke 61915,16; Rda.: dr is aus de rd jeschln ‘er hat sich negativ entwickelt’ DE-Ca; Sprw.: Art lett von Art nich ‘bestimmte Charaktereigenschaften der Eltern werden weiter vererbt’ WE-Oster. – 2. ‘Anlage, Natur’ – Der Wieweroart is loat (spät) upstoahn un denn en bitschen quaokeln, ... Spr-Altm 15. – 3a. ‘Eigenschaft, Verhalten’, auch ‘Art und Weise’ – det mokt ein jeder up sine Art! JE2-Zo; Uf d rt kummich nich! Wb-Ak 26; up dae rt hest du recht BLA-Brau; Rda.: dat hat keine rt mit’ne ‘er versteht seine Sache nicht’ HA-Oh; det is doch kne rt niche! ‘das gehört sich nicht’ ZE-Roß. – 3b. in der Rda.: rt hebben Ausdruck der Bekräftigung, Verstärkung – Det wimm’lte daa von Mensch’n un Diere rum, det et man so seine Aart ha’e. ‘Dort war ein sehr großes Gedränge.’ Heimatkalender-Ze 1962,90 (ZE-Ze); tr schlkn in te le Lawwe, tasses man sonne rt hadde ‘er schlug ihn sehr heftig’ Wb-Be; ’t geit jo, dat’t man s ’n Aort hat ‘etw. verläuft sehr gut’ Wb-Altm 8.
Lautf.: A(a)rt, rt; außerdem: Aort, Oart, rt, [rt], Ort, rt vereinz. Altm. JE2, ZE-Roß, Spr-Maa 442 (WO-Ol), QUE-Di, vereinz. w anhalt.; [rd] DE-Ca; [art] Mda-Ze (verstr. ZE).
Arzn f. ‘Arznei’ 2: ZE-Ze, 3: vereinz. elbostf., 4: BE-Ge Grö, Krause 1964,140 – ... de Doktor hat eseggt, nah de Arzenie ... were ek woll in en paar Daen wedder beinig sien. Wedde 1938,73.
Lautf.: Arzeni(e), Artseni vereinz. elbostf.; Arznei BE-Grö, Krause 1964,140; Arzenei ZE-Ze; -e BE-Ge.
Aschermiddewoche m. ‘Aschermittwoch’ vereinz. – ... oppen Dienstag vor Aschermiddewochen, ... Rauch 1929,13; Bauernregel: Wenn’t Aschermidwoch regent, hölt dat Land kn Frucht un wät Asch. Wb-Altm 261. – Brauch, Volksgl.: Am A. wird nicht gesponnen, da sonst der Flachs befallen wird. Brauch-Ma 259 (GA-Mie). An diesem Tag werden der Hühner- und Taubenboden gereinigt und mit Asche gegen Ungeziefer bestreut. Brauch-Anhalt 5. Einem missliebigen Mädchen wird Asche vor die Tür gestreut. a.a.O. 5 (Magdeburger Gegend). Vielfach wird versucht, das künftige Schicksal zu erfragen oder es günstig zu beeinflussen. Es werden z.B. Efeublätter in die Brunnen gelegt und jeweils die Namen eines Mädchens und eines Jungen genannt. Schwimmen die Blätter aufeinander zu, heiratet das Paar. Brauch-wAltm 22 (GA-Bö). Die ältesten, heiratsfähigen Mädchen gehen an diesem Tag zu einem Kreuzweg. Dort entledigen sie sich ihrer Oberbekleidung und ziehen andere, in Kiepen mitgeführte Sachen an. Alles erfolgt schweigend. Die Mädchen hoffen so, im darauf folgenden Jahr einen Mann zu bekommen. a.a.O. 23 (GA-Grau). Beliebt bei Kindern ist das Schlagen der Erwachsenen mit Ruten, bes. an Beinen oder Füßen ( äschern 3.). Vielfach wurden dabei Heischeverse gesungen, wofür die Kinder kleine Gaben erhielten:Ascher – Aschermittewoch!
Eine Brezel gib mich doch!
Tust du mich ’ne Brezel geben,
Wünsch ich dich ’n langes Leben.
Vk-Anhalta 219 (um ZE-Ze).
In Rietzmeck erhielt der Lehrer, wenn er geäschert war, von den Kindern eine Wurst. a.a.O. 219 (ZE-Rie). Anderenorts wurden nur die Langschläfer mit Ruten geweckt. Ackerbau-Anhalt 292 (vereinz. anhalt.).  Arfganter.
Lautf., Gram.: Aschermiddewochen Dat. Sg. Rauch 1929,13; -mittewoche f. Wb-Ak 27; -woch Vk-Anhalta 219 (um ZE-Ze); -midwoch Wb-Altm 261; -mitt- Bewohner-Altm 1,319, Ackerbau-Anhalt 291 (ZE-Ze), Serimunt 1930 Nr. 32 (KÖ-Bie).