Hsenkopp m. PflN 1. Apfelsorte, 3: vereinz. HA. – 2. Birnensorte, zum Kochen verwendet, 4: Wb-Be. – 3. ‘Bergsandglöckchen’ 4: Vk-Anhalta 75 (DE-Go). – 4. ‘Grasnelke’ 4: Vk-Anhalta 73 (DE-Go).
Lautf.: Hasenkopp; außerdem: [hznkop] Wb-Be.
Hundetunge f. 1. PflN ‘ Wegerich’ 3: WA-Ste, BA-Bad. – 2. PflN ‘Echte Hundszunge’ 3: Mda-nwJe1b 70 (JE1-Bie Ger Wol), Vk-Harz 3,50. – 3. PflN ‘Guter Heinrich’ 3: Wb-Nharz 83 (BLA-Hü). – 4. PflN ‘Ackerkrummhals’ 4: Vk-Anhalta 73 (DE-Go). – 5. ‘schmales Ackerstück’ 3: Wb-Holzl 108.
Lautf.: Hunnetunge, [huntu].
Johann ohne Genus ’24. Juni’ verstr. – dai Kamö’n (Kamillen) mün’n um Johannich arum plückt w’n SA-Dä; Jhannich mott de Pachte betlt wern HA-Oh; Der Tag gilt als einer der längsten des Jahres: üm Johann blifft ümma schummrich ra msikngjrau JE2-Scho; Rda.: sau lank w de Dch forr Jhannich ‘sehr lang’ HA-Oh; Bauernregel: f Jhannich bitt um Rng, nh kümmt he ungelng SA-Rist. – Brauch: Zu J. wurde nicht gearbeitet (Wb-Altm 264, Volksfeste-Altm 296), z.T. fiel die  Hgelfer auf diesen Tag (Brauch-wAltm 90). Anderenorts wurde bei einem Umzug unter Musikbegleitung die  Johanniskrne durch das Dorf getragen, dies konnte mit einem Heischegang verbunden sein. Volksfeste-Altm 290 (STE-Osth), Brauch-Ma 273f. (STE-Bo, WO-Ol), JE1-Pre, Vk-Anhalta 257 (CA-Zu). Die Krone konnte an der Spitze eines Mastes (Vk-Anhalta 257), einer Tanne (Vk-Harz 8,64) oder der stehen gebliebenen Pfingstmaie (Brauch-Rie 748) befestigt werden. Die Tanne wurde auch mit Esswaren geschmückt (WE-El, BLA-Ta), die Kinder tanzten um die Johanniskrone (BLA-Rü So). Vk-Harz 8,65. Auch Tanzveranstaltungen der Jugend waren üblich. Diese wurden häufig von den Mädchen ausgerichtet (verstr. ZE, verbr. anhalt.)  auch Johannisdanz, Mädchenjohann, Mädchentanz. Nur in der ö Altm. und in JE2 waren  Johannisfer üblich. In Radegast wurde ein Brunnenfest gefeiert, vereinz. wurden von Mitternacht bis spätestens Sonnenaufgang die Brunnen gereinigt (Vk-Anhalta 257). Der Johannistag war Tag des Dienstwechsels für das Gesinde. JE2-Ki, WO-Ba, CA-GrRo, ADVk Nr. 150 (JE1-Gra, BA-Ba). – Volksgl.: Die Nacht des Johannistages eignet sich für Liebesorakel ( auch Johannisnacht). So kann ein Mädchen im Traum den zukünftigen Mann sehen, wenn es zu J. zwischen 11.00 und 12.00 Uhr unter strengstem Stillschweigen neun Arten Blumen sammelt, sie zum Kranz windet und unter ihr Kopfkissen legt. Brauch-Ma 273 (WO-Ol). Den zu J. oder am Vorabend gesammelten Pflanzen wird bes. starke Heilkraft zugeschrieben. Vk-Altm 239, Brauch-wAltm 89f., Vk-Anhalta 257f., Wirth 1928,34. Z.T. ist auch hierfür die Zeit zwischen 11.00 und 12.00 Uhr vorgeschrieben (GA-Wer). Zum Schutz vor Hexen, Unholden und anderem Unheil nagelt man in der Johannisnacht ein Hufeisen auf die Türschwelle, anderenorts bricht man zu J. zwischen 11.00 und 12.00 Uhr Zweige des Faulbaums und hängt sie im Stall auf (DE-Go). Vk-Anhalta 258. Über der Tür befestigt man Eschenzweige, um das Haus zu schützen. Vk-Harz 8,66 (QUE-Ga). Auch die  Johanniskrne (dort ausf.) wird zum Schutz vor versch. Unheil angebracht. Wer zu J. an Blumen riecht, bekommt Blut- oder Nasenkrebs. Brauch-Ma 273 (HA-Sü), Mda-Ohre 360 (GA-Rä). Am Johannistag badet man nicht, weil das Wasser ein Opfer sucht.Vk-Anhalta 257 (ZE-Ze, BA-GrAls, KÖ-Kö, DE-De). Die Flüsse Bode und Holtemme fordern Opfer (Vk-Harz 8,66), ein Tümpel in Neuhaldensleben rief mit menschlicher Stimme nach einem Opfer (Brauch-Ma 273).
Lautf.: [johan] JE2-Scho, Johanni BE-Grö; [johani] SA-Dä Sta, Johannich HA-Oh, Chr-Em 427, WE-Dee; [jhani] SA-Rist; Johannig WE-Oster; [johanij] Nd-Börde § 57; Jhnnije Mda-Sti 127; Jehanne Wb-Ak 77; Jehannig Wb-Altm 264; Jehannich Zauber-Ma 95 (GA-Mie), Wb-Holzl 112, Id-Eilsa 69, QUE-Di. Zus.: Knechte-.
kalwen Vb. ‘ein Kalb werfen’ verbr. – se Kau hat e’kalwet HA-Oh; Schult hät kalwt eigentlich ‘die Kuh des Schulzen hat gekalbt’ Wb-Altm 264; fäat Km’m münn dai Kui wat droich schtaon ‘vor dem K. müssen die Kühe trocken (d.h. ohne Milch zu geben) stehen’ SA-Dä; … un uträke, weneehr dat sine rohe Harzkau kalben moßte Klaus 1936,7. – Volksgl.: Vor dem K. muss die Kuh zum letzten Mal an einem Sonnabend gemolken werden, damit sie nicht nachts kalbt. An dem Tag, an dem eine Kuh kalbt, darf nichts vom Hof verborgt werden (KÖ-Wö), nach dem K. dürfen neun Tage keine Fremden auf den Hof (ZE-Bra). Man verkauft in dieser Zeit auch keine Milch bzw. verborgt nichts (DE-Go). Die Dauer dieser Verbote kann auch drei Tage betragen (DE-GrKü). Vk-Anhalta 24.
Lautf.: kalwen HA-Oh, kalw’n Wb-Altm 264; kalben Klaus 1936,7, OSCH-He, Wb-Nharz 91, DE-Vo, [kalb] Id-Eilsa 70, kalb’m Wb-We* 217; [kal] GA-Da, ZE-Roß, Wb-Be; kalleben OSCH-Di; kalle’m Wb-Ak 83; [k], km, ka(h)m’ verstr. SA. Zus.: n-.
Kapernblume f. dass. wie  Kper 1b., 4: Vk-Anhalta 78 (DE-Go).
Etym.: zum Benennungsmotiv vgl. Kper 1a.
Klwekrt n. PflN ‘Klebkraut’ 3: Wb-Nharz 99, Vk-Harz 3,50, 4: Vk-Anhalta 75 (DE-Go).
Lautf.: klwekrt Wb-Nharz 99; KlebekrutVk-Harz 3,50; -kraut Vk-Anhalta 75 (DE-Go).
Klocke f. 1a. ‘Glocke’, bes. die Kirchenglocke, verbr. – Der Klang der K. ist in zahlreichen Reimsprüchen nachempfunden: Bim, bam, bohler, Kost nen halben Daoler GA-Ga; Kümmt all to Kerk! Kümmt all to Kerk! OST-Sa; bimm baum, bälaumWE-Ve; Rätsel: Gät un schlät int Holt, Dag in, Dag ut: Un kümmt doch nich rut! Volksspr-Altm 93 (SA-Vi); Rda.: an de grte Klocke schlahn ‘etw. überall herumerzählen, aufbauschen’ CA-Fö; De hät de Klock lü’n hürt, weet äöwer nich wo’s’ hangen. ‘Er weiß nicht genau Bescheid.’ Bewohner-Altm 1,344; Nu weet ick, wo de Klocken hangen. a.a.O. 344; nu wettste, wat de Klocke eschlahn hat CA-Fö. – Brauch: Die K. wurde nicht nur zum Kirchgang geläutet, u.a. erinnerte das Läuten an bestimmten Tagen die Dorfbewohner an deren Ablieferungspflicht: Eier für den Pastor, Schütten (Abliefern) des Zehntgetreides, die Schüttenden bekamen Schnaps und Tabak. Brauch-Anhalt 92ff. (KÖ-Wa, DE-Ro). Am Michaelstag (29. September) läuten die Glocken Zinsen, Pachte, Swinegeld (OSCH-Krop). – Volksgl.: Die K. gilt vielfach als Vorzeichen des Todes: Vom Klang der Kirchenglocken heißt es, wenn sie singen, stirbt bald jmd. (GA-Ro). Klingt bei einer Beerdigung eine Glocke nach oder haben beim Leichenzug die Glocken einen traurigen Klang, so folgt bald ein weiterer Todesfall. Vk-Anhalta 174 (BE-Pei, KÖ-Kö Ost). Schlägt beim Trauergeläut die große Glocke zuerst an, ist das nächste Todesopfer ein Mann, bei der mittleren Glocke eine Frau, bei der kleinen ein Kind. a.a.O. 174 (BE-Pei). – 1b. ‘ Klingel an der Haustür’ 1: SA-Ah, 2: verstr. n/mittlere Altm., CALV-Calv, verstr. JE2, JE1-Mö, ZE-Wö Ze, 3: JE1-Pre, Wb-Nharz 100, BA-Rie, BE-He, 4: QUE-Frie, BA-Neu, DE-Grie Wö. – 1c. ‘kleine Glocke’, bes. für weidende Kühe und Schafe, auch am Schlitten, 2: SA-Sta, 3: Wb-Nharz 100. – 2a. ‘Uhr’, bes. die Turmuhr, 1: SA-Dä, 3: WO-Gu, Wb-Holzl 121, CA-Fö, 4: Wb-Ak 91 – uns Klock gaet to l aot ‘die Uhr geht nach’ SA-Dä. – Volksgl.: Das Schlagen der Uhren kann den nahenden Tod ankündigen: Schlägt die Turmuhr (Glocke) dem Geistlichen ins Vaterunser oder ins Amen, stirbt ein Kirchgänger. Vk-Anhalta 174 (KÖ-Ar, DE-Go). Gleiches tritt ein, wenn die Uhren vom Rathaus und vom Kirchturm gleichzeitig schlagen. a.a.O. 174 (DE-Je). Steht eine Wanduhr plötzlich still, stirbt am anderen Tag zur gleichen Stunde ein Verwandter. a.a.O. 174 (KÖ-Thu). – 2b. ‘Uhrzeit’ 2: Wb-Altm 106, Hausfr-Altm 1927,45 (STE-Ber), JE2-Scho Schön, verstr. ZE, 3: Rauch 1929,13, vereinz. HA OSCH, Wb-Nharz 100, Wb-We 67, 4: Wb-Ak 91, Wäschke 41920,8 – W hk is denn de Klocke? ‘Wie spät ist es?’ Wb-Ak 91; so umme half Klocke veiere rum OSCH-Wu; Ik ha äin Morr’n van Klock dree bet Klock nä’n Gras mäht … Hausfr-Altm 1927,45 (STE-Ber); Klocke fünwe is et doch all düster HA-Bo; … von Klockener viere bes Klockener achte …’ungefähr von 4 bis 8 Uhr’ Wäschke 41920,8. – 3a. ‘glockenförmiges, unten geschliffenes Gerät aus Metall zum Enthaaren gebrühter Schweine’ 1: SA-Roh, 3: HA-Oh, Wb-Holzl 121 (HA-Wo), QUE-Hau, 4: Wb-Ak 91. – 3b. ‘Glasglocke’, zum Abdecken von Nahrungsmitteln, 4: Wb-Be.
Lautf., Gram.: Klocke, [klok] Sg.; Klock(e)n, [klok] Pl.; außerdem: Klock SA-Ah Dä, verbr. Altm., JE2-Kam; Klöcke JE2-Schön; Glocke Sg., Glocken Pl., [glok] Pl. SA-Roh, STE-Grie, CALV-Calv, JE2-Scho, ZE-Wö, OSCH-Eils, QUE-Frie, BA-Neu, DE-Grie; Glock OST-Bre Na, GA-Jä; Jlocke, [jlok] JE1-Pre, Mda-Ze (ZE-Roß), Ldk-Anhalt 2,64 (ZE-Kö), CA-Ak, Wb-Be; Klockener Wäschke 41920,8: zur Angabe der ungefähren Zeit, Bildg. mit -er: ist ein abgeschwächtes der, ausf. vgl. der 5. Zuss.: zu 1b.: Hs-, Klinge(l)-, Klinger-; zu 3.: Kse-, Lampenglocke; sonstiges: ster-.
Krt n. 1. ‘nicht als Nahrung dienendes Blattwerk versch. Nutzpflanzen’ 2: Wb-Altm 118, Mda-Ze (verstr. ZE), 3: verstr. elbostf., 4: Wb-Be – Rda.: wasst int Krut ‘treibt in die Blätter und nicht in Blüten oder Früchte’ Sprw-Börde; et liet alles dorchenander wie Krut un Räuben CA-Fö. – 2. ‘Gewürz- oder Heilpflanze’ 2: vereinz. Altm., Mda-Ze (verstr. ZE), 3: verstr. elbostf., 4: Mda-Sti 40, Wb-Be – hast all Krd an’t Flsch? Wb-Altm 118. – 3. ‘Unkraut’ 1: verstr. nwaltm., 2: verstr. Altm., JE1-Ka, 3: verstr. elbostf. – Krut utplücken (jäten) OST-Na; Rda.: d ist mr krt w gt Wb-Nharz 109. – 4. in der Verbdg.: das bunte KrautPflN ‘Wasserfeder’ 4: Vk-Anhalta 75 (DE-Go). – 5. ‘schlechter Tabak’ 2: ZE-Roß. – 6. m. ‘Kohl’ 4: verbr. ö KÖ DE.
Lautf.: Kru(u)t, Kru(u)d, [krt]; außerdem: Kriut, [kriut] vereinz. nwaltm.; Krout WE-Rho, QUE-Su; Kroaut WE-Ri; Kraut, [kraut] ZE-Roß, vereinz. anhalt.; [graud] Mda-Fuhne 185 (ö KÖ DE). Zuss.: zu 1.: Kartuffel-; zu 2.: Hartjen-, Hart-, Hsen-, Heide-, Heidelbren-, Hexen-, Hirtentäschelkraut, Hurleken-, sen- , Jesublutstropfenkraut, Jesus-, Jesuwunden-, Johannis-, Kannen-, Kse-, Katten-, Ktel-, Kwitt-, Klapper-, Klwe-, Knabenkraut, Knapprsen-, Krz-, Kuckuckskraut, Laddeken-, Laff-, Lrken-, Lfken-, Liebeskraut, Ln-, Linsen-, Lorken-, Lungen-, Lse-, Maren-, Mre-, Mse-.
Kuckucksblme f. PflN 1. ‘Knabenkraut’ 1: SA-Rist, 2: Wb-Altm 119, SA-Rie, 3: HA-Bee, Wb-Nharz 110, 4: Vk-Anhalta 76, BE-Ad GrWi. – 2. ‘Wiesenschaumkraut’,  Wischenschmkrt, 1/2/3: verstr. nd., 4: CA-Chö Me Sa. – 3. ‘Sumpfdotterblume’ 4: Staritz 1895,78 (DE-Go). – 4. ‘Buschwindröschen’ 3: HA-Uep. – 5. ‘Günsel’ 2: Wb-Altm 119. – 6. ‘Löwenzahn’,  Kblme, 3: HA-Oh. – 7. ‘Pechnelke’ 3: HA-Bee.
Lautf.: Kuckucksblome WO-Ri, JE1-Ca, CA-El; -blm, [kukuksblm] SA-Rist, vereinz. Altm.; -blaume verstr. elbostf.; -blaum SA-Hö; -blume vereinz. Altm., JE2-Gü, JE1-The Zep, ZE-We, HA-Ro, WE-Dee Rho, verstr. CA, Vk-Anhalta 76, Staritz 1895,78 (DE-Go); -blueme JE1-Ge Grü; kukkksblaume Wb-Nharz 110; [guggsblm] BE-Ad GrWi.