kallitsch Adj. 1. ‘verrückt, geistesgestört’,  dusselig, 3: Mda-Weg 103, CA-Fö, BE-Gü. – 2. ‘nervös, ärgerlich’ – Dat Dudeln makt anen kalitsch. 3: Spr-Asch 45. – 3. ‘kraftlos, völlig erschöpft’,  slapp, 4: Wb-Be, DE-Que – ich pin tich jants kallitsch Wb-Be.
Kamm m. 1. ‘Gerät zum Glätten, Ordnen und Feststecken des Haars’ verbr. – Rda.: wer einen Kamm schern ‘unberechtigt gleich behandeln’ HA-Oh; da lät der Kamm uff de Butter ‘da herrscht große Unordnung, liederliche Wirtschaft’ ZE-Roß; Rätsel: H hurtget mi, h purtget mi, h maoket mi so blank. Wb-Altm 272;T’ wer eml n Mann,
de harre einen Kamm,
den smeit’e in de Elwe,
da warent ganze twölwe. – 11+1
HA-Oh;
Das Rätsel basiert auf dem Sprachspiel mit der Klanggleichheit von Elbe und elf im Nd. – Männer trugen noch im 19. Jh. einen halbrunden Hornkamm am Hinterkopf, der das glatt nach hinten gekämmte Haar straff hielt. Tracht-ProvSachs 193 (STE). – Volksgl.: Bis in die Mitte des 19. Jh. (z.T. noch bis zur Jh.-wende) wurde der K., mit dem der Tote gekämmt wurde, mit ins Grab gegeben. – 2. ‘roter, gezackter, fleischiger Auswuchs auf dem Kopf von Hühnervögeln’ 2: SA-Rie, ZE-Ze, 3: vereinz. elbostf., 4: Wb-Be – Rda.: tich schwillt woll ter Kamm ‘du wirst wohl übermütig’ Wb-Be; dat möchtek mal in’n Kamm biten derb, von Männern gebraucht, wenn sie ein Mädchen begehrenswert finden, Sprw-Börde; einen op’n kam bten/schpukken ‘sich heftig wehren, jmdm. arg zusetzen’ Wb-Nharz 92; ik keme dik gliks op’n Kamm! Drohung, HA-Oh. – 3. ‘Mähnenpartie des Pferdes (und des Rindes)’, z.T. einschließlich des Widerristes, auch ‘Mähne’ 1: SA-Se, 2: Wb-Altm* 59, OST-Kre, 3: JE1-Me, verbr. w elbostf., BA-Ge, 4: BLA-Sti, BE-Al, DE-Que.
Lautf.: Kamm; außerdem: kammp Vk-Ask 379. Zuss.: zu 1.: Hrn-, Lse-, Nt-; zu 2.: Hnen-; sonstiges: Knirr-, Knr-, Knurr-, K-.
Katte f. 1. TiN ‘Hauskatze’ allg. – zahlreich in komparativen Rda., meist mit Bezug auf den Menschen: d is natt w ne Katte (völlig durchnässt) JE2-Scho; falsch wie ane Katze Vk-Anhalta 62; sliken (drum rummer gn) w de Katte um den heiten Brei Wb-We 63; De mockt’n Gesicht, as wenn’t de Katt dunnern hürt. ‘Er blickt erschrocken oder verstört.’ Bewohner-Altm 1,342; H geit daovon ass de Katt von’ Duwenslag. ‘Er entfernt sich stillschweigend, ohne sich um seine Verantwortung zu kümmern.’ Wb-Altm 96; Hei weet so väöl daovan as de Katt van’n Sönndäg. ‘Er hat keine Ahnung von einer Sache.’ Bewohner-Altm 1,343; sich wie Hund un Katze vordrn CA-Ak; mit umschpringen, wie de Katte mit de Mus ‘etw. schnell und ohne Aufsehen erledigen’ Sprw-Börde; von Schmeichlern: … w d Kaddn, d vrn liggng un hin’n kradsen GA-Da; weitere Rda.: wenn d’ Katt ‘n Ei leggt ‘niemals’ Wb-Altm* 72; dagegen zum Vertrösten von kleinen Kindern: r de Katze an Ei lt. ‘bald’ Wb-Ak 86; Man kann ok de Katt’ in Sack köpen. Spr-Altm 82; Katte un Ms spelen ‘jmdn. hinhalten’ Wb-We 63; der katte de schelle nhengen ‘eine unangenehme oder gefährliche Aufgabe allein übernehmen’ Wb-Nharz 93; nich wetten, w de katte in’n heu lt ‘über eine Sache nicht unterrichtet sein’ a.a.O. 93; du kennst k wr keinen Vogel as ne Katte Antwort auf eine törichte Äußerung, Wb-We 63; daovan weet de Katt hinnern Fürheerd nist von einer unbedeutenden Festlichkeit oder zu deren Herabminderung, Bewohner-Altm 1,339; dai hat ümma greot Weoad (Worte) un kann kain Katt fan Fahaiad (Feuerherd) treckng von einem Prahler, SA-Dä; dei geit vr de Katten ‘er muss sterben’ Wb-We 63; dat is vör d Katt ‘das ist vergeblich, wertlos’ STE-Wi; dat drcht de Katte op’n Swanz weg ‘das ist unbedeutend, minimal’ HA-Oh; dat fritt weder Katte noch Hund dass., Wb-We 63; da fengen zehn Katten keine Mus drin von einem durchlöcherten Sack, Sprw-Börde; t man, dat krit doch bles de Katten scherzh. Aufforderung zum Essen, HA-Oh; hat aber jmd. zu viel gegessen: n drcht de Katte de M (Magen) nich wech HA-Oh; Et scha’et nich, de Katte sall’t aflicken. zum Trösten eines Kindes, das sich geringfügig verletzt hat, Sprw-Harzvorld 399; in ders. Verwendung: heile heile kätzken, werde wedder gaut! Id-Quea 158; de Katten prusten, et jift ander Wäder zu jmdm., der niest, Sprw-Börde; Sprw.: de Katte lett dat Musen nich HA-No; Wat van’t Katt is, lihrt musen. Bewohner-Altm 1,343; ‘t is ne schlechte Katt, de blot vor een Lock must STE-Wi; de Katte lert erst musen, wenn se jungen deitCALV-Zo; Laot de Katt män lopen, de Kaoter kriegt se doch. Bewohner-Altm 1,343; wenn de katte nich te hs is, denn schplen de mse op disch un benken Wb-Nharz 93; nachts sind alle Katten grau WE-Oster; Watt’n spaort vör’n Mund, datt fritt Katt un Hund. Wb-Altm 96; d fogels, d sau freu singen, frit de katte jren Wb-Nharz 93; Schnellsprechübung: Katte kuckt in Fettpott. “Kuck”, seggt de Katte. Vk-Harz 3,100 (WE-Oster); Kiek, seh de Katte, kiekt von’n Bodd’n in’n Fettpott. Lieder-Ma Nr. 183 (WO-Ol); Kinderreim:Ains, zwai, drai!
Katte laip in’n Snai.
Wie se wedder ruut’r koam,
Harr si witte Steww’ln an.
Lieder-Ma Nr. 152 (WO-HWa);
Johann, spenn an!
twei Katten foran
twei Mse foropp
denn geit dat galopp!
HA-Oh;
– Volksgl.: de Katte putzt sick, et gifft Besuch WO-Gu. Kratzt sie an der Tür, steht ein Todesfall bevor (DE-De). Wenn man sie mit ins Bett nimmt, vertreibt sie Krankheiten (KÖ-Dro, DE-Que). Verschluckt man dagegen ein Katzenhaar, wird man schwindsüchtig (BA-Fro). Vor allem die schwarze K. gilt als unheimlich, obwohl ihr auch Glück bringende Eigenschaften zugeschrieben werden. Wer K. leiden kann, bekommt keinen Mann bzw. keine Frau. Vk-Anhalta32. Vergisst ein Mädchen die K. zu füttern, so regnet es ihm in den Kranz; tritt es aber gar eine K., so findet sie nur einen hässlichen Mann. Hochzeit-Altm 10. weiterf. s. Vk-Anhalta 32. – 2a. in der Verbdg.: Katten schmieten ‘flache Steine so auf eine Wasserfläche werfen, dass sie mehrmals springen’,  Botterstulle, 2: JE1-Gü. – 2b. in der Verbdg.: Katte miau Haschespiel, bei dem der die K. spielende Junge versuchen muss, einen der auf einem Ackerwagen sitzenden Mitspieler abzuschlagen, nachdem diese ihn mit Aussicht auf Beute (Bratwurst) zu sich lockten, 3: OSCH-Schl. – 3. vorw. im Pl., vorw. Dim. – a. ‘Blüten des Hasel- und Weidenstrauchs’ 1/2/3: allg. nd., 4: verbr. omd. – anne W’n sitt’n in Frja d asten Kätzchen JE2-Scho.  Blschp Bummel Frjrskättjen Lamm Lämmerswanz Maikatte Ndel Palme Palm(en)kätzchen Primmel Rpe Schp Schpswänze Troddel Wdenkatten Wulltappen. – b. ‘Samenträger der Kiefer’,  Knappel, 3: HA-Vö. – 4. ‘am Gürtel getragener Geldbeutel’ 2: Wb-Altm* 59, 3: Wb-Nharz 93. – 5. ‘Verbindung zwischen Leine und drei Flaschenzuggehäusen der Spriettakelage’, Schifferspr., 2: Elbschifferspr. 222 (STE-Bit Tan, WO-Ro, JE2-Mi), 4: a.a.O. 222 (CA-Ak).
Lautf., Gram: Katte, [kat] Elbschifferspr. 222 (STE-Bit, WO-Ro), JE2-Scho, verbr. JE1, Mda-Ze (ZE-Reu), allg. elbostf.; Katt, [kat] SA-Dä Die, allg. nbrdb.; [katn] Pl. verbr. nwaltm. Altm.; Kadden, [kadn] Pl. verstr. Altm.; Katze, [káts] verbr. s JE1 ZE, vereinz. s elbostf. anhalt.; [kads] Elbschifferspr. 222 (JE2-Mi, CA-Ak); ktze Mda-Sti 2; Dim.: kätzken Id-Quea 158; Kättschk’n Wb-Altm 96; ketjen Wb-Nharz 96; Kettje f. WE-La, [kétsn] Wb-Be; nur (3.) vorw. Pl.: Kätz(e)ken vereinz. elbostf.; Kättchen SA-Han Jah, GA-Rö, JE2-Fi, OSCH-Ba Di Eil; Kättschen SA-Die, STE-Na Wa; Kätzchen verbr.; Kätzschern SA-Ah; Kettchen GA-Rö; Ketzchen Wb-Ak 87, [ketsn] JE2-Scho; [gedsn] verbr. BE. Zuss.: zu 1.: Klter-, Klau-, Klei-, Klster-, Mai-, Mau-, Mse-, Msemaukättken, Mze-, Nachtkatze; zu 3a.: Mai-; sonstiges: Mai-, Nasch-.
Krl m. 1a. ‘Bursche, junger Mann’ 1: SA-Rist, 2: verstr. Altm., Siedler-Je § 136g, ZE-Kö, 3: OSCH-Di – n poer jung Kerls SA-Rist; Sprw.: Jung’ Kärdel, half Edelmann. ‘Einem jungen Menschen stehen viele Möglichkeiten offen.’ Bewohner-Altm 1,342. – Brauch: In der Altm. wurden die jungen Burschen nach ihrem 18. Geburtstag zum K., indem sie durch Einhänseln in die  1Koppel 3c. aufgenommen wurden (Brauch-wAltm 46f.). – 1b. ‘(kräftiger, stattlicher) Mann’ verstr. – dat is en grten krl Wb-Nharz 95; n’ smucken Kerl HA-Oh; Hei war eigentlich enn staatscher Keerl. Hbl-Ohre 1925 Nr. 7/Wöhlbier (HA-Eim); Datt iss noch’n Krl. Wb-Altm 96; dr is süss immor n lun un jn (ein lieber und guter) Krl ewest Teuchert o.J. 83 (JE2-GrMa); Rda.: dr is Karl jenuch dds ‘er ist stark genug dazu’ CA-Ak; Dat war en Keerl, de konn’ mehr wi Brot eten. Lindauc o.J. 67; Sprw.: wu kein Keerl liet, da kann ook kein Keerl oppstahn HA-No. – 1c. ‘Mann’, abw., 1: SA-Dä, 2: Wb-Altm 96, Matthies 1903,3, ZE-Roß, 3: WO-Dru, HA-Oh, Wedde 1938,62, Wb-Nharz 95, 4: Wäschke 41919,111 – ful is de Keerel WO-Dru; n’ slechten Kerl HA-Oh; … hei war en olen Stänker, en gnietschigen un köhlkanzigen (ein geiziger und mäkliger) Keerl … Wedde 1938,62; dat is an sdrainigng (sturer) Keal SA-Dä. – 2a. ‘Ehemann’ 3: vereinz. elbostf. – mien Kerel Wb-Holzl 118; mn krl is noch nich te hs Wb-Nharz 95. – 2b. ‘Liebster’, auch abw., 4: Wb-Be. – 3. ‘ Schellenober’, Spielkarte, 3: GA-Bös, WE-Il Ve. – 4. ‘die drei Eisheiligen’,  shilligen, in der Verbdg. – a. dulle Krls 1: verbr. nwaltm., 2: verbr. Altm. – b. kolle Kärls 2: JE2-Par. – c. de slimmen Krls2: CALV-Uth, 3: JE1-Ca. – d. strenge Krls 1: SA-We, 2: SA-Im. – 5. in der Verbdg. – a. der böse Kerl ‘Schreckgestalt für Kinder, die angeblich im Getreidefeld sitzt’,  Roggenmme, 2: JE2-Wo. – b. Kärls un Deerns ‘ Gesinde’ 2: GA-Sche; die Karls und die Mächens dass., 4: DE-Que.
Lautf.: Keerl, Krl vereinz. Altm., verstr. elbostf.; Kerl HA-Oh, [kerl] Id-Eilsa 71; Kearl OST-Gla Schö; [keal] JE2-Scho; Krl, Kä(ä)rl, krl SA-Pü, Wb-Altm 96, verstr. s Altm., Teuchert o.J. 83 (JE2-GrMa), Siedler-Je § 136g, WA-We, Wb-Nharz 95, BLA-Brau; [krl] SA-Al, STE-Steg; [kl] verbr. nwaltm., SA-Sal, GA-Ku; [kl] SA-Dä Rist; [karl] ZE-Kö; [k(ä)rl] Siedler-Je § 136g; Ke(e)rel SA-Ma, WO-Dru, Wb-Holzl 118; Kärel OST-Go, Wb-Holzl 118 (WA-KlWa); Krel Wb-We* 218; Kerl, [kerl] vereinz. nwaltm., verstr. nbrdb., JE1-Ca; Kärl GA-Al, vereinz. mittleres STE, JE2-Par; Karl ZE-KlLei Roß, GA-Bös, WE-Il Ve, vereinz. anhalt.; [kárl] Wb-Be; Kerd(e)l, [kerdl] SA-Meh Pa, OST-Mech Werb, vereinz. s OST n STE; Keerdel STE-Ost; Kärdel Bewohner-Altm 1,342, GA-KloNeu, vereinz. s OST n STE; Kädl STE-GrMö; Kärtel OST-Na. Zuss.: zu 1.: Hgel-, Hden-, Hingst-, Hft-, Jung-, Kasten-, Ktel-, Kpen-, Knper-, Leddern-, Leinwands-, Lerkasten-, Ler-, Lumpen-, Lse-, Mai-, Manns-, Melk-, Molden-, Mords-, Msefallen-, Orgel-; zu 4.: skerls; zu 5.: Nickel-, Nicker-; sonstiges: Mai-.
Kissenwertog m. dass. wie  Kissenbezug, 2: GA-Rö, STE-Scha Schl, ZE-Reu, 3: JE1-HWa, vereinz. n elbostf., OSCH-Schl, WE-El Sta, 4: DE-Que.
Lautf.: Kissenöwertog, -toch STE-Scha, WO-Drei, WE-El; -öbertoch STE-Schl; -übertoch HA-AHa; -owertoch HA-Ost; -obertoch HA-War; -ubertoch WE-Sta; -öbbertog JE1-HWa; -ewwertoch ZE-Reu; -ewwerzok DE-Que; Küssenowertoch GA-Rö; -obbertoch OSCH-Schl.
Kornjude m. 1. dass. wie  Kornengel 1., 4: Akkerbau-Anhalt 257 (KÖ-Wö). – 2. TiN Spinnenart, die in Getreidefeldern ihr Netz errichtet. – Volksgl.: Der Sitz ihres Gespinstes am Halm lässt Rückschlüsse auf den Getreidepreis nach der Ernte zu. 4: Vk-Anhalta 263 (KÖ-Ar, DE-Que), Wirth 1928,117, Ackerbau-Anhalt 261 (DE-Que).
Maibm m. 1. ‘langer, entästeter, geschmückter Baum, der zu Volksfesten (bes. zu Pfingsten) im Ort aufgestellt wurde’ – Brauch: Mit einem geschmückten Wagen wurde der Baum, meist zusammen mit den  Maien 1.,am Tag vor Pfingsten aus dem Wald geholt, anschließend durch das Dorf gefahren und von den Mädchen mit Bändern und Tüchern versehen (DE-Que Vo). Am Abend stellten die jungen Männer den M., der z. T. noch an einer langen Stange befestigt war, an einem zentralen Platz des Ortes auf. Während des Pfingstfestes bildete er den Mittelpunkt der Tanzveranstaltung. 2: Bewohner-Altm 2,254 (GA-Le), 4: Vk-Anhalta 230. – 2. dass. wie  Maie 1., 3: vereinz. elbostf. – Maiböme hemm’n se dick non nich e brocht … Rauch 1929,29.
Lautf.: Maibm, Mei-; außerdem: Meibem HA-Oh.
Maie f. 1. ‘junge Birke oder Birkengrün’, bes. als Festschmuck zu Pfingsten verwendet, 1: SA-Lag Pü, 2: verstr. Altm., ZE-Roß, 3: vereinz. elbostf., 4: vereinz. anhalt. – mor hann  ne Maie forr de Dre DE-Ca – Brauch: Am Tag vor Pfingsten fuhren die Burschen des Ortes mit mehreren Wagen in den Wald, um M. zu schlagen. Unter dem Jubel der Bewohner zogen sie wieder ins Dorf ein und verteilten die Zweige unter den Hausbesitzern, die dafür ein geringes Entgeld zu entrichten hatten. Vk-Anhalta 230 (DE-Que). Die jungen Männer stellten eine M. vor das Fenster ihrer Geliebten auf: Die Maien pflanzen se denn vor ihre Breitchens (Bräuten) ihre Tiere (Tür). Wäschke 71913,71, vgl. Maienstken. Wo Birken nicht vorhanden waren, konnten auch Pappeln genommen werden. Vk-Anhalta 229 (BA-Ho, KÖ-KlPa). Mit den M. wurden nicht nur Privathäuser und Ställe, sondern auch öffentliche Gebäude, vor allem Kirchen, geschmückt. Wb-Altm 136, Vk-Anhalta 230. Auch zu anderen Anlässen wie zur Konfirmation (Mda-Sti 174), zu Sommerfesten von Vereinen (Brauch-wAltm 58) oder bei Umzügen (Vk-Anhalta 231) verwendete man M. als Schmuck. – Volksgl.: In die Wohnstube wurden M. gestellt, um das Haus vor Blitzschlag zu schützen. Brauch-wAltm 58. Zur Vertreibung von Raupen und anderem Ungeziefer trug man in Würflau eine bereits verwelkte Maie um ein Kohlfeld. Ackerbau-Anhalt 306, Vk-Anhalta 231. Aufbewahrte M. wurden später beim Rösten auf den Flachs gelegt, damit dieser fester würde. Bewohner-Altm 254. – 2. dass. wie  Maibm 1., 4: Vk-Anhalta 230. – 3. in der Verbdg.: le Maie Schimpfwort, 4: Wb-Be.
Lautf., Gram.: Maie, Meie, [mai]; außerdem: Mai HA-Bee Oh, OSCH-Di; Maien, Meien, [main] Pl. SA-GrGe, Id-Queb 10, Wäschke 71913,71; Mei’n Pl. Wb-Altm 136; [main] Pl. SA-Pü; maije Wb-Nharz 121, Mda-Sti 174. Zus.: zu 1.: Kltermai.
Mndag m. 1. ‘Montag’ verstr. – Det Sönndaas gift’t bei’n Richter Klunz, Det Maandaas Klunz un Möhren Firmenich 1854,139 (BA-Ba); Sprw.: Na’n ruhen (rauhen) Mandag kümmt ne gladde Woche. Chr-Em 429. – Volksgl.: Der M. galt als Unglückstag. verbr. Größere Vorhaben oder wichtige Arbeiten sollten deshalb nicht montags begonnen werden: Mndag waerd nich wochenld BLA-Brau; Mandach hat keine Wochen Sprw-Börde. Das betraf bes. den Antritt einer neuen Dienststellung. ADVk Kt. 8 (verbr. Altm., sonst vereinz.). Aber auch auf den ersten Schulbesuch (SA-Pre), auf Trauungen und Taufen (OST-Sa) sowie auf die Aussaat von Pflanzgut, bes. von Lupinen sollte verzichtet werden. Brauch-Rie 749, Ackerbau-Anhalt 249 (ZE-Ke Li, BE-Scha, DE-Que), Vk-Anhalta 325. Eine Glucke sollte nicht am M. gesetzt werden, da sie nicht brüten würde. Brauch-Rie 749, Vk-Anhalta 325. In einigen altm. und elbostf. Orten war der M. ein Glückstag. ADVk Kt. 1. Bes. günstig war der M. als Termin für den Einzug in eine neue Wohnung. Vk-Anhalta 325 (ZE-Mühl). – 2. in der Verbdg.: blauer Mndag ‘Montag vor Ostern’ 3: HA-Erx, WE-Oster.
Lautf.: Ma(a)ndag, mndag verbr. elbostf.; Mandach Sprw-Börde; Maandaach Wb-Holzl 138, Mahndahch QUE-Di, Mndch HA-Oh; Maondag Wb-Altm 134; [mnda] Mda-nwJe1a 46 (JE2-HSe, verbr. n JE1); Moandch OSCH-Har, [manda] Mda-sJe1 13 (vereinz. sw JE1); [manda] Mda-Ze (ZE-Gro Reu Stre); [-ta] a.a.O. (ZE-Roß); [mnda] JE2-Scho, Mda-sJe1 13 (verstr. s JE1), Moondach BA-GrAls, Lieder-Ma Nr. 831 (CA-Schö); mntch Mda-Sti 24; Montahk Heese 21919,26, Montak Wäschke 31909,75. – Gram.: Gen. Sg.: Ma(a)nda(a)s, mnds vereinz. elbostf. Zus.: zu 1.: ster-.
Middewoche(n) m., f. 1. ‘Mittwoch’ 2: Mda-nwJe1a 44 (JE2-HSe), JE2-Scho, verbr. JE1, verstr. ZE, 3: verbr. elbostf., 4: verstr. omd. – opm Middewochen ‘nächsten Mittwoch’ QUE-Di; Kom’mde Mittewoche hawwich Jebrtstch. Wb-Ak 115; An’n Middewochen gaht wie opp datt Gerichte unn lat’t ett da feste maken. Hbl-Ohre 1925 Nr.7/Wöhlbier (HA-Eim). – Volksgl.: Der M. wurde als Unglückstag angesehen. ADVk Kt. 3 (verstr.), Vk-Anhaltb 12 (ZE-Gro, KÖ-Me, DE-Ma). Das galt insbesondere für den Einzug in eine neue Wohnung. Vk-Anhalta 325. Mit der Aussaat sollte nicht am M. begonnen werden. Ackerbau-Anhalt 249 (DE-Que). Weniger verbr. war die Einschätzung des M. als Glückstag. ADVk Kt. 3 (verstr. Altm., sonst vereinz.), Vk-Anhaltb 12 (KÖ-Scho, DE-So). – 2. ‘Mittwoch vor Ostern’ – a. in der Verbdg.: scheim’n (schiefer) Mittwoch 3: HA-Erx. – b. in der Verbdg.: krumme Middewochen 3: WE-Oster.
Lautf.: Middewochen verbr. elbostf., BLA-All; -woche ZE-Roß, [midvo] Mda-nwJe1a 44 (JE2-HSe), verbr. JE1, Mda-Ze (ZE-Roß), [-wo] JE2-Scho, DE-Ca (veralt.); Middewoch OSCH-Har, [midwo] JE2-Scho; [mirvo] Mda-Ze (ZE-Reu Stre); [mil-] a.a.O. (ZE-Gro); Mittewoche BLA-Sti, Wb-Ak 115; Mittwoch HA-Erx. – Gram.: f. belegt Wb-Ak 115, DE-Ca. Zus.: zu 1.: Knoblauchsmittwoch.