Draufgeld n. 1. ‘Anzahlung, die einen Viehkauf besiegelt’ 4: vereinz. anhalt. – 2. ‘Zugabe für die Ehefrau des Bauern beim Viehkauf’ 4: DE-Ra.
Lautf.: Druf(f)jeld, -t.
Dmen m. 1. ‘Daumen’ verstr. – d schnitt sich bait Schnickan (Schnitzen) in’n D’m JE2-Scho; Un dabi wiese se awer doch mit’n Dum’n na de Kelldertreppe. Rauch 1929,17 f.; Rda.: w Hand un Dau’m hk muss der Speck eines fetten Schweins sein, Wb-Ak 44 f.; en Dumen opn Knopp holen ‘sparsam mit Geld umgehen’ Sprw-Börde; hat’n Dumen op’n Biedel ‘ist geizig’ a.a.O.; Einen en Dum’n op’t O’e drücken ‘jmdn. kontrollieren, beaufsichtigen’ Sprw-Harzvorld 382; den Dumen holen ‘jmdm. den Daumen drücken’ Wb-We 32; op’n dmeken hr gn ‘in guten Verhältnissen leben’ Wb-Nharz 41; Kinderreim:Datt iss de Dm,
de schüddelt de Plm,
de list se upp,
de dröggt se hm,
de kleine Schelm itt se ganz alln.
Wb-Altm 260.
– Volksgl.: Wer von den Brautleuten während des Ringwechsels den Daumen oben hat, erhält im Haus die Herrschaft. Hochzeit-Altm 34, Brauch-Anhalt 48. – 2. ‘Griff in der Mitte des Stiels der Grassense’ 4: DE-Ra.
Lautf.: Dum(e)n, Du’m, Dm’, [d] verstr. nd. (außer nwaltm.); tm’ Mda-Sti 19; Dume Sprw-Harzvorle 143, Wb-We 32; [diu] SA-Dä; Daum(e)n, Dau’m Spr-Asch 33, verstr. anhalt.; [tau] Wb-Be; Dim.: Dmk’n Wb-Altm 42; dmeken Wb-Nharz 41.
dumm Adj. 1. verbr. – a. ‘einfältig, unverständig, geistig beschränkt’, von Personen,  dusselig“Was, meine Änne soll dumm sin?” Krause 1964,88; Du bist noch to dumm ... Heimatkalender-Ma 1931,86 (Altm.); übertr.: dat Pert is dumm ‘... hat eine Gehirnkrankheit’ HA-Oh; subst.: dat is keinen Dummen WE-Dee; Verbdg.: dumm un albern Id-Quea 149; dumm un dmlich HA-Oh; Rda.: des Faier brennt w dumm (sehr stark) CA-Ak; dor machd sonn dummes Jesichde ‘er sieht finster, unfreundlich aus’ BE-KlSchie; hai hat sien dumme Schuur ‘er hat seine starrköpfige, trotzige Phase’ Wb-Holzl 80; dumm wie’n Puter Spr-Asch 37; dumm wie ne Gans Vk-Harz 3,45; dumm w an schwarzes Schwein Wb-Ak 48; dumm w Jrütte Mda-nwJe1a 46 (JE1-The); dumm wie Schifferschiete Vk-Anhaltc 85 (ZE-Hu); dumm wie Bohnenstroh Spr-Anhalt 175; der ist so dumm wie’n olt Krummbund Stro Bauernwelt-Ze; dumm wie Aukerwater ( kerwter) Wb-Holzl 58; dumm wie ein Teekessel Vk-Anhaltc 85 (DE-Re); is dummer wie’t de Polezei erlauwet Sprw-Börde; h is dumm un frett fl JE2-Scho; dumm, daß ihn Schweine beißen Vk-Anhaltc 85; hei is sau dum, datte en minschen drt Wb-Nharz 48; dumm jeborn un nischt taueleert Sprw-Börde; ... un wist uns nu vor dumm vorkoofen. ‘... willst uns täuschen, anlügen.’ Wäschke 61915,40; wiste en dummen Minschen sein, kucke int Water BA-GrAls; wenn hei sau lang wörre wie dumm, könn’e ut’r Dakrenne supen WE-Be; dr is sau dum we lank is Mda-Weg 92; Sprw.: je grötter, je dümmer Sprw-Eils 39; je älder, je dummer Sprw-Börde; wr dum is, mot eprjelt wren Wb-Nharz 48; Wer dumm is, is Winter un Sommer dumm. Chr-Em 429; wenne dumm worst, worste in’n Kopp teerscht dumm Sprw-Börde; De Minsch kann so dumm sind, as’r will, häi mütt sick äöwer to helpen weeten. Bewohner-Altm 1,350; de dummsten Bern hett de dicksten Kartuffeln HA-Oh; subst.: Wenn de Dummen to Marcht kaom’ krg’n de Klok’n Geld. Wb-Altm 278; De Dumm’n ward’n nich all; jedes Joahr wärd’n Schäpel utseit (ausgesät). Spr-Altm 45. – b. ‘unsinnig, töricht’ – nölt nich sön dumm Tüg OST-Sto; Watt forr ne dumme Fra! Klaus 1936,1. – 2. subst.: ‘ Schellenober’, Spielkarte, 3: WA-Re, 4: DE-Ra. – 3. ‘unangenehm, übel’ vereinz. – dat is en dum dink Wb-Nharz 41; Se jähn mich immer sonne dumme (unverschämten) Antworten ... Richter o.J. 89; Verbdg.: ’n dumm kom’m ‘unpassend, unverschämt antworten’ Wb-Ak 48. – 4. ‘unfruchtbar, ohne Frucht oder Inhalt’ – Rda.: umme de dummen nte (Nüsse) deut’ et nich ‘für wenig oder umsonst tue ich das nicht’ 3: Wb-Nharz 48.
Lautf., Gram.: dumm, [dum]; außerdem: [tum] Mda-Sti 39, Wb-Be; dumme OSCH-Di, Id-Eilsa 59, QUE-Di; dummp Vk-Ask 379; Kompar.: dümmer HA-Oh, Sprw-Eils 39; dimmer Vk-Anhaltc 103; timer Mda-Sti 39; dummer Sprw-Börde, Wb-Nharz 48; Superl.: dümmst- Ehlies 1960b 298, JE2-Bö; tim(e)st- Mda-Sti 39; dummst- vereinz. w elbostf.
Finkennäppken n. 1a. ‘kleiner Napf’ 3: Vk-Harz 3,46. – 1b. dass. wie  Finkenauge 1b., 4: DE-Ra. – 2. ‘sehr kleiner Gegenstand’ 4: Wb-Be.
Lautf.: Finkennäpken Vk-Harz 3,46; -näppchen DE-Ra; [fiknepn] Wb-Be.
Fldr n. dass. wie  Flacks, 3: HA-Bee, 4: Wb-Be, DE-Ra.
Lautf.: Fuhldier HA-Bee; Faultier, [faultr] Wb-Be, DE-Ra.
Gaffel f. 1. vgl. Giffel 1. – a. ‘Astgabel, gabelförmiges Holz’ 2: vereinz. s Altm., 3: vereinz. n/w elbostf., 4: KÖ-Ost – boben in de Jeffel sit’n Nest HA-Bee. – b. ‘gabelförmiges Holz als Stütze’, bes. für Obstbaumzweige, die Wäscheleine oder die Wagendeichsel,  1Micke, 3: vereinz. nw elbostf. OSCH, verstr. sw elbostf., 4: BE-Scha – stelle ne Jeffele under’n Ast HA-Oh. – c. ‘der gespreizte Teil des Stiels der großen Harke’ 4: BE-Grö, DE-Ra. – d. ‘aus zwei Armen bestehende Deichsel beim Einspänner’,  Wgenstange, 4: DE-Ca. – e. ‘Tragstock der Leichenträger’ 3: Wb-We 37. – 2. vgl. Giffel 2. – a. ‘langes, hölzernes, zweizinkiges Gerät zum Aufschütten und Umwenden des Strohs beim Dreschen’ 1: verstr. nwaltm., 2: verstr. Altm., 3: vereinz. n elbostf., WE-Oster, 4: DE-Vo. – b. ‘hölzernes, zweizinkiges Gerät zum Aufhängen und Abnehmen von Würsten’ 3: HA-Ost Strö, WE-La Zi. – c. ‘langes, zweizinkiges Gerät, mit dem durch Anstechen überprüft wird, ob die Wurst im Kessel gar ist’ 3: QUE-Hau, 4: BA-Ha. – 3a. ‘(landwirtschaftliches) Gerät mit Zinken und langem Stiel, das bes. zum Verladen verwendet wird’, ohne genaue Spezifizierung, 2: vereinz. mbrdb., 3: vereinz. sö elbostf., 4: vereinz. omd. – 3b. ‘zweizinkige Gabel mit langem Stiel zum Reichen der Garben’,  Forke, 1: SA-Dö, 2: ZE-Ra Ser, 3: BA-Re, 4: vereinz. s CA. – 3c. ‘drei- oder vierzinkige Gabel zum Verladen oder Verteilen von Mist’,  Messforke, 2: STE-Buch, JE1-Schor, vereinz. ZE, 3: OSCH-Emm, WE-Ath, 4: vereinz. mittleres/ö anhalt. – 4. ‘die drei erhobenen Finger beim Ableisten eines Eides’ 3: vereinz. w elbostf. – wenn ick mien Recht man erst up de Gaffel hew WE-Oster. – 5. ‘Essgerät mit mehreren Zinken zum Aufnehmen der Speisen’ verstr. – Mets un Gw SA-Die; Un Telldern, Metzern, Jabeln borjen ... Gorges 1938,40; Denn namm sei dei grote Gawel ... (beim Essen) Rauch 1929,184.
Lautf.: (1.), (2.): Gaff(e)l, J-, [gaf()l], [j-] vereinz. Altm., Lindaub o.J. 26, Wb-Holzl 94 (HA-Bar), Wb-We 37; Gaffele vereinz. sw elbostf.; Gawwel, J-, [gav()l], [j-] OST-Ga, GA-Fau, Wb-Nharz 55 (BLA-Hü), BLA-Ti, vereinz. omd.; [gw] SA-Dä; Geff(e)l, J-, [gef()l], [j-] SA-Rie, CALV-Je Zo, vereinz. nw elbostf., WE-Dee Velt; Geffele, J- vereinz. w elbostf.; [gevl] GA-Ku; [gev] SA-El Wü; [jevl] SA-Al Sa, CALV-Uth; [jebl] GA-Schw; Gäffel, J- Wb-Altm 60, Brauch-wAltm 25 (GA-Br Je); Jäffele WE-Rho; [jf] SA-Rist; [gv] vereinz. nwaltm.; [jävo] SA-Die; [göfo] SA-Pü; [gövl] SA-Sal; [göv, -o] vereinz. n nwaltm.; [jövl] SA-Ah Zie; [jövo] SA-Ku; Jawel, [jvl] QUE-Hau, DE-Vo; Jabel BE-Grö; [jv()l] vereinz. s Altm.; [jwl] WO-HWa; Jaobel KÖ-Ost; (3.): Jawwel verstr. ZE, vereinz. sö elbostf. anhalt.; Jabbel JE1-Schor, vereinz. ZE, CA-Do Mi; jwel Mda-Sti 2; Gabel OSCH-Emm, WE-Ath, BA-Re; Jawel, [jvl] vereinz. JE1, ZE-Sta; Gaobel, J- SA-Dö, STE-Buch; (4.): Gaffel WE-Oster; Gbel HA-Bee Oh; (5.): Jawwel, [javl] verstr. ZE sö elbostf. anhalt.; Jabbel QUE-GrSchie, CA-Ba, vereinz. anhalt.; jwel Mda-Sti 2; Gawel, J-, [gvl], [j-] vereinz. JE1, verstr. elbostf. (außer sö); Gabel, J- vereinz. w elbostf.; gbele OSCH-Di; Gaowel, J-, [gv()l], [j-] SA-Ah, verstr. Altm., vereinz. elbostf.; [gv, -o] verstr. nwaltm.; Gbel OSCH-Hor; [jb()l] vereinz. ö Altm. (außer n WO); [gaov, -o] verstr. n nwaltm.; [jaul] Mda-nwJe1a 51 (JE1-Ih). – Etym.: mnd. gaffel(e), gafle, geffele ‘große hölzerne oder eiserne Gabel, Kornforke, Fleischgabel’, mhd. gabel(e) < westgerm. *gabl. Das lat. Wort gabalus ‘Galgen’ ist wohl aus dem Kelt. entlehnt worden, vgl. air. gabul ‘gegabelter Ast, Schenkelspreize’, vgl. Pfeifer 1989,493, Kluge 242002,325, im nd. Teil des Wörterbuchgebiets (außer Südrand) weitgehend Langvokal für das Essgerät und damit lautliche Differenzierung zu den anderen Bed.
Gestellbügel m. ‘bogenförmiges Stelleisen am Vorderpflug’, durch Verstellen in horizontaler Richtung wird die Furchenbreite reguliert, 4: DE-Ra.
Lautf.: Jestellbiejel.
Gimpel m. 1. TiN ‘Dompfaff’ 3: BLA-Brau, 4: BE-Ge, DE-Ra. – 2a. ‘ungezogener, frecher, flegelhafter Junge’, abw., 3: vereinz. QUE. – 2b. dass. wie  1Giggel, 2: JE1-Wo. – 3. ‘altes, schlechtes Pferd’,  Gaul, 4: BA-Ha.
Lautf.: Gimpel, J-; außerdem: Gempel QUE-Di He.
Glasnapf m. dass. wie  Glasschöttel, 4: DE-Ra Vo.
Lautf.: Jlaasnapp.
Grpsle f. ‘Pflugsäule, Befestigung der Pflugschar am Hinterpflug’, vgl. Greifsäule, 3: Wb-Nharz 65, QUE-Di, 4: DE-Ra.
Lautf.: grifsle Wb-Nharz 65; [jrifzl] QUE-Di; Jriffseile DE-Ra.