Klster n. 1a. ‘Kloster’ 3: Lieder-Ma Nr. 477 (WO-Ol), HA-Oh, Wb-Nharz 100, 4: Mda-Sti 23, Wb-Be – Hai iss inn’n Kloost’r goan,
Hai itt wat goar iss,
Hai drinkt wat kloar iss,
Hai schlöppt bie de Nunne, dai doa iss.
Lieder-Ma Nr. 477
(WO-Ol).
– 1b. in Verbdg. mit ON – Neckvers: In Kloster is nist los, dao gifft blohs Linnewebers un Bessenbinners. Klosterneuendorf, 2: GA-KloNeu; Kloster Mareik NeckN für den ON Klostergröningen, 3: OSCH-Da; ick gae na Kloster Mayendorf, der Ort war ein K. geworden und das Wort K. steht hier als Eigenname, 3: Wb-Holzl 121 (WA-KlWa); dat Klster Bezeichnung für Kloster Michaelstein, 3: Wb-Nharz 100.  Trüstedt. – 2. dass. wie  Klsett, euphem., 1: SA-HLa, 3: Sprw-Börde, OSCH-Crot, BE-Gü, 4: BE-Dro, KÖ-Wu – sit ewig op’t Kloster Sprw-Börde.
Lautf.: Kloster, [klstr]; außerdem: Kloost’r Lieder-Ma Nr. 477 (WO-Ol); Klester HA-Oh; [glsdr] BE-Gü.
knipsen Vb. 1a. ‘einen kurzen, hellen Ton hervorbringen’ 3: Wb-Holzl 122, OSCH-Grö, 4: Wb-Ak 92. – 1b. ‘etw. mit dem Finger wegschnellen’ 3: HA-Bee Oh, Wb-Nharz 102. – 1c. ‘mit Daumen und Mittelfinger schnipsen’ 3: HA-Bee. – 1d. ‘schieben, schnappen lassen’, vom Riegel eines Schlosses, 4: Mda-Sti 118. – 2a. ‘einen Schalter betätigen’ 2: ZE-Roß, 4: Mda-Fuhne 15 (DE-Ca). – 2b. ‘fotografieren’ 2: ZE-Roß, 3: Wb-Holzl 122, 4: Wb-Be. – 3. dass. wie  knippen, 2: STE-KlSchwe, JE2-Ki, 3: HA-Bad No, vereinz. OSCH, CA-GrRo, 4: BE-Dro. – 4. ‘eine Fahrkarte lochen, entwerten’ 2: ZE-Roß, 3: Wb-Holzl 122, HA-Oh, 4: Wb-Be – de Kerte is noch nich e’knipset HA-Oh. – 5. dass. wie  knippern 1b., 2: ZE-Roß, 3: Id-Queb 5.
Lautf.: knip(p)sen,[knipsn]; außerdem: [knipsn] Wb-Be; [gnibsn] BE-Dro; Nbff.: knepsen Wb-Ak 92; [gnebsn] Mda-Fuhne 15 (DE-Ca). – Etym.: Wie Knips ‘leichter Schlag, Schnippchen’ eine seit dem 18. Jh. bezeugte lautmalende Bildung, vgl. Pfeifer 1989,865.
Kohldampf m. ‘großer Appetit, Hunger’ 4: Wb-Be, BE-Dro.
Lautf.: Kohldamp BE-Dro; [kolntamp] Wb-Be. – Etym.: Seit dem 19. Jh. in der Soldatenspr. belegt, in die es aus dem Rotwelschen gelangt ist. Sowohl Dampf als auch Kohl bedeuten in der Gaunerspr. ‘Hunger’, vgl. Kluge 231995,461.
Kullerschoss(e) m., f. dass. wie  Kuller 2., 4: BLA-Sti, BE-Dro Fr.
Lautf., Gram.: Kullerschosse f. BLA-Sti; [gulros] m. BE-Dro Fr.
Kuppe f. 1. ‘rundlicher oberer Teil, Spitze’ – a. eines Berges, 3: vereinz. elbostf., 4: Mda-Sti 167. – b. eines Fingers, 2: verstr. JE1 ZE, 3: verstr. elbostf., 4: Wb-Ak 100, Wb-Be – sik de Kuppe afsnn HA-Oh. – c. eines Baumes, 3: Wb-Nharz 111, 4: BE-Dro. – 2. ‘hochragendes Federbüschel am Kopf von Vögeln’,  Noll(e), 2: JE1-Ge La Walt, ZE-Bra Stre, 3: BA-Re, CA-GrRo KlRo, 4: CA-Lö, BE-Me, verstr. KÖ, DE-Grie Ho. – 3. ‘über den Rand eines Korbes Hinausragendes’ 4: Wb-Ak 100.
Lautf.: Kuppe, kuppe, [kup] Mda-nwJe1b 67 (verstr. nw JE1), vereinz. elbostf., Mda-Sti 167, Wb-Be, BE-Dro, KÖ-KlWü; Kubbe BA-Re, CA-Lö, KÖ-Fe GrWü Me, DE-Grie; Kuwwe, [kuw] verstr. ZE, CA-GrRo KlRo, Wb-Ak 100, BE-Me, vereinz. KÖ, DE-Ho, [kuv] Mda-sJe1 30 (vereinz. s JE1); Koppe JE1-La; Kobbe JE1-Walt; Kowwe, [kov] verstr. s JE1, MdasJe1b 30 (ZE-Göd), ZE-Bra. Zus.: zu 1.: Henk-.
Lptgel m. ‘Lederriemen, der vom Kopf des Handpferdes zum Ortscheit läuft’, soll ein unruhiges oder ungestümes Pferd zurückhalten, 3: HA-Oh, 4: BE-Dro – Rda.: dne mott’n ‘n Leptoggel anlejjen über einen ungestümen Menschen, HA-Oh.
Lautf.: Leptoggel HA-Oh; [laufdsil] BE-Dro.
Magenschmerzen Pl. dass. wie  Magendrücken, 4: Wb-Be, BE-Dro.
Lautf.: [mnmartsn] Wb-Be; [mnmardsn] BE-Dro.
Mangelholt n. dass. wie  Mangel 1., 3: verstr. elbostf., 4: Wb-Ak 110, Wb-Be, BE-Dro La.
Lautf.: Mangelholt; außerdem: [mangholt] WA-Neu; [malholts] Wb-Be; Mannglholz BE-Dro La; Man’lhols Wb-Ak 110.
Maulwurfshaufen m. ‘Maulwurfshügel’,  Mollbarg, 4: BE-Dro Me.
Lautf.: [maulwrfshaufn] BE-Dro; [maulworfs-] BE-Me.
Melk f. 1. ‘flüssige, weiße, fetthaltige Absonderung der Milchdrüsen bei Säugetieren’, bes. die als Nahrungsmittel verwendete von Kuh, Ziege, Schaf, verbr. – drinkste denn Melk? WO-Dru; de Melk jerünnt HA-Oh; dai Mek is blarrarich (dünn) SA-Dä; Rda.: De hät wat in de Melk to brocken. ‘Er ist wohlhabend.’ Bewohner-Altm 1,349; sauveel Maat (Liter) Melk n De, sauveel Sticken Botter de Woche BA-Re; Sprw.: wer de Melk in Kaffee drinkt, kann nich bottern QUE-West. – Nach dem Melken wurde die M. durch ein Seihtuch gegossen: dat Mek wt drgng Saidauk saiet SA-Dä. Die anschließend in  Satten gefüllte M. lagerte bei gleich bleibender Temperatur so lange im  Melkschapp, bis sich an der Oberfläche Sahne bildete: d is all schn Rm up de Melk JE2-Scho. Nach dem Abschöpfen und weiterer Reifung wurde diese zu  Botter weiterverarbeitet. Übrig blieb die  Mgermelk, die nach der Gerinnung zur Herstellung von  Käse 1. und  Quark verwendet wurde. Bauernwelt-Ze. – Volksgl.: Frisch gemolkene M. darf nur verdeckt über den Hof getragen werden, da die Kühe sonst den  Sunnenschott bekämen. Bauernwelt-Ze, Vk-Anhalta 210 (ZE-Stre). Um die M. oder die Kühe vor Behexung zu schützen, streut man an die M., die über die Straße getragen werden muss, einige Körner Salz oder einige Stücken Brot (KÖ-Ar, DE-Go). Vorbeugend gegen blaue, d.h. fettarme M., wirkt die Fütterung der Kühe mit Tüpfel-Hartheu am Johannistag. Vk-Anhalta 210. Geben die Kühe dennoch blaue M., gießt man etw. davon nach Sonnenuntergang in ein flie- ßendes Gewässer, wobei man der entschwindenden M. nicht nachsehen darf (HA-Gro). Gegen blutige M. hilft das Melken durch einen alten Besen (WO-Ir). Zauber-Ma 90. – 2a. in der Verbdg.: ste Melk ‘frische Vollmilch’ 1: SA-Rist, 2: Brauch-wAltm 21. – 2b. in der Verbdg.: gue (gute) Melk dass., 3: OSCH-Har. – 2c. in der Verbdg.: sre Melk ‘Sauermilch’, war ohne oder mit Zusätzen (Brot, Zucker, Zimt, Rosinen) beliebtes Gericht während der Sommermonate, 2: JE2-Gü Nka, Bauernwelt-Ze, 3: verstr. elbostf., 4: BE-Dro Grö La, DE-Schie – de sure oder dicke Melk hem se in’n Sommer jern’ne jetten met’n Stücke Brot dotu JE2-Gü. – 2d. in der Verbdg.: dicke Melk dass., 1: SA-Meh Rist, 2: GA-Ziep, WO-Ri, verstr. JE2, Vk-Anhaltb 10 (verbr. ZE), 3: WO-Ir, JE1-Nie, HA-Bee Oh Sie, BLA-Brau, 4: Vk-Anhaltb 10 (verstr. anhalt.) – hte und jefft änne Satte dicke Melk JE2-Scho. – 3a. ‘milchiger Saft keimender Getreidekörner’ 3: vereinz. elbostf. – de weiten is in der melk (während des Keimens) forfrren Wb-Nharz 125. – 3b. ‘milchiger Saft in Pflanzen’ 3: Wb-Nharz 125.
Lautf.: Melk verbr. nd.; Mellek, [melk] Mda-nwJe1a 41 (JE2-HSe), vereinz. w ZE, HA-Oh, OSCH-Di, vereinz. s elbostf.; Meak SA-Ko; [mek] verstr. nwaltm.; [meok] SA-Ah Al Hö; [mlk] Mda-Ar 27, Mlk Wb-Altm 136; mälek Mda-Ro; Mäak SA-Bon; [mk] SA-Die; [mk] SA-Pü; [mok] SA-Zie; Mäek SA-Scha; Mölk OST-Wah; [mölk] BLA-Be; [mk] SA-Rist; [mök] SA-Ev; [möok] SA-Ku Sal; Mjok SA-Rist; [müak] SA-Kuh; Milch, [mil] verstr. ZE, CA-Ca, BE-Grö, DE-Schie; [mil] Mda-Ze (ZE-Gro Roß); Millich, [mili] Mda-Ze (ZE-Gro Roß), BA-Ha, vereinz. w anhalt.; melech Mda-Sti 176; [ml] BA-Ha. – Gram.: n. belegt SA-Ch Dä. Zuss.: zu 1.: Kalbsmilch, Klopp-, K-, Mger-; zu 3b.: Hunde-, Keiseken-, Keitschkenmilch.