Kalender m. 1. wie Standardspr., verstr. – Mnschn steit in’n KalenderHA-Oh. – Volksgl.: In der Zeit zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag wurde für das kommende Jahr der “K. gemacht”, d.h. das Wetter vorherbestimmt: dem Wetter an jedem dieser 12 Tage entspricht das Wetter in einem Monat des neuen Jahres. Brauch-wAltm 12. – 2. dass. wie  Kaldne 2., 2: JE2-Pap Tu, JE1-Mö, 3: HA-All, OSCH-Ott, WE-Wa.
Lautf.: Kalender; außerdem: Kalenner, [kalénr] BrauchwAltm 12, Heimatkalender-Je 1924,59 (JE2-Vie), Wb-Be, Wäschke 31909,75; Kalen’ner Wb-Ak 83; kolender OSCH-Di, Kolenner QUE-Di, Klenner Wb-Altm 104.
1Kappe f. 1. ‘Mütze’ 2: Siedler-Je § 134a, 3: vereinz. elbostf., 4: Mda-Sti 49; auch ‘am Hals zusammengefaltete Frauenmütze’ 1: SA-Dä – Rda.: einen wat op de Kappe jem’n ‘jmdn. zurechtweisen’, dabei z.T. auch Schläge androhen, HA-Oh; einen op de kappe schtn dass., Wb-Nharz 92; op de Kappe nömen ‘eine Unternehmung verantworten’ Wb-We 62. – 2a. ‘weiter, gerader Rock für Frauen’, veralt., wurde bis zu Anf. des 20. Jh. zu einem langärmligen Hemd getragen, 4: CA-Ak. – 2b. dass. wie  Kapprock, 4: CA-Ak, Wb-Be. – 2c. ‘Unterrock für kleine Kinder’, veralt., 4: Mda-Fuhne 28 (DE-Ca). – 3. ‘fester, die vordere und hintere Wölbung formender Teil am Schuh oder Stiefel’ 2: Bauernwelt-Ze, 3: HA-Oh, 4: Wb-Be – ne Kappe forsetten lten HA-Oh. – 4. ‘Fingerspitze’ 2: Mda-nwJe1b 67 (JE2-HSe). – 5. ‘Getreidehülse’ 3: Wb-Nharz 92; auch Pl. ‘Spreu’ 4: BE-KlSchie. – 6. ‘hochragendes Federbüschel am Kopf von Vögeln’  Noll(e), 3: HA-All, QUE-Wed. – 7. ‘lederne Verbindung zwischen Dreschflegel und Handhabe’ 1: SA-Rist, 3: Wb-Nharz 92. – 8a. ‘leicht abgerundete Erhebung in der Landschaft’,  Barg, 2: Siedler-Je § 264 (JE2-Par). – 8b. ‘steile, hohle Böschung eines Berges’ 3: BLA-Brau.
Lautf., Gram.: Kappe, [káp]; außerdem: [kap] SA-Dä Rist, Siedler-Je § 134a; [kab] CA-Ak; [gab] Mda-Fuhne 28 (DE-Ca); [gab] Pl. BE-KlSchie; kppe Mda-Sti 49. – Etym.: zu spätlat. cappa ‘Kopfbedeckung’, auch ‘Mantel mit Kapuze’, vgl. Pfeifer 1989,790. Zuss.: zu 1.: Nwel-; sonstiges: ser-.
Kapselsticken (Genus?) ‘Vorstecker, durch die Achse gesteckter Nagel, der das Wagenrad vor dem Abgleiten von der Achse schützt’,  Lüns(e), 1: SA-Die Roh, 2: OST-Kau, STE-Ra, WO-Ri, 3: HA-All.
Lautf.: Kapselstick(e)n; außerdem: [kapstikn] SA-Die.
klmig Adj. 1. dass. wie  klm 1., 3: Wb-Holzl 121, Wb-Nharz 100. – 2. dass. wie  klm 2., 2: OST-Schön, 3: Wb-Holzl 121, HA-All Um, OSCH-Be – nich koold awer klomich Wäder Wb-Holzl 121.
Lautf.: klo(o)mig, -ich.
Köstermann-sn-Föllen TiN ‘Pirol’,  Pingstvgel, 3: HA-All.
Lautf.: Küstermann-sien-Föllen.
Kreiennest n. ‘Nest der Krähen’ 1: SA-Rist, 2: JE2-Scho, 3: HA-All Oh, QUE-Di – inne Elsen (Erlen) sünd fle Krinesta JE2-Scho.
Lautf., Gram.: Kreihennest HA-All; Krein- HA-Oh; Kraihnester Pl. SA-Rist; Krnnest QUE-Di; [krinesta] Pl. JE2-Scho.
Lkhn n. 1. Eulenvogel, bes. TiN ‘Kauz’,  le, 2: Wb-Altm 127, Bewohner-Altm 2,90, 3: verstr. elbostf. – Volksgl.: Die Eule kündigt durch ihr Erscheinen (Wb-Altm 127) oder durch ihren Ruf (Ausdeutung: kumm mit) einen baldigen Todesfall in der Familie an. HA-Oh, Wb-Nharz 118. – 2. dass. wie  Lkenfr, 3: HA-All Bee.
Lautf.: Lkhn Wb-Altm 127, Bewohner-Altm 2,90; Liekhaun, Lk- verstr. elbostf.; Leichenhuhn Vk-Anhalta 172 (BA-Re).
1Ms f. 1. TiN ‘Maus’ verbr. – d lfd ne Maus DE-Ca; dai Ms gnauan (knabbern) an dat Breot SA-Dä; Uffen Bon’n hammer ville Meise. Wb-Ak 112; Rda.: de Müs pissen ‘es regnet fein’ OST-Sta; dat is Muus wi Maus ‘das ist einerlei’ Wb-Holzl 144; ‘t is Ms as Mn (Muhme) dass., Wb-Altm 139; hei st t w en pott vull mse ‘er sieht mürrisch, unzufrieden aus’ Id-Queb 12; H kickt ass ‘n Ms t ‘n Dunk Hd (Haufen Werg). ‘Er trägt eine zu große Kopfbedeckung.’ Wb-Altm 142; sitten w de ms in der falle ‘keinen Ausweg mehr wissen’ Wb-Nharz 130; dat hilpt for de Müse, sää de Bure, dunn stok’e sine Schüne an HA-No; Sprw.: Mse hecken Mse BA-Re; De Mus lett dat Nasch’n nich. Spr-Altm 82; mid Speck fängd man Ms GA-Da; lüttge Müse hett ook Swänze HA-No; de Miese, de morjens danzen, kriegt’n Abend de Katze WA-West; is de Katte nich te Hs, danzet de Mse op’n Dische HA-Oh; wenn de Müse dicke sind, smeckt et Mehl bitter OSCH-Eils; Wenn de Muus satt is schmeckt det Mehl bidder. Firmenich 1854,132 (STE-Ste); Kinderreim:t’ laip enne Muus
Umme Kauhheers Huus,
Den Tripp, den Trapp,
Den Berg hinab.
Lieder-Ma Nr. 100 (WE-Ro).
Volksgl.: M., bes. in Scheunen, werden durch die Ausräucherung der Räume mit der Asche eines verbrannten, übel riechenden Krebses bekämpft (BA-Rie). Als Mittel gegen M. gelten außerdem: am Johannistag gesuchtes Bilsenkraut, Johanniskrone, Echte Hundszunge, Zweige vom Vogelkirschbaum oder Knoblauch (BA-Bad). Vk-Anhalta 34. In den Zwölften wird von Dingern statt von M. geredet, um eine Mäuseplage zu verhindern. Gebräuche-Altm 83. Um Mäusefraß zu vermeiden, beginnt man mit dem Mähen an einem Sonnabend und fährt auch das erste Fuder an diesem Wochentag ein (KÖ-Ar). M. gehören zum Gefolge der Geister und besitzen deshalb Zauberkräfte. Von M. angefressenes Brot schützt vor Zahnschmerzen (ZE-Na). Wer eine M. laufen sieht, hat Unglück. Masssenweisem Auftreten von M. folgen teure Zeiten (CA-Zu). Vk-Anhalta 34. – 2. ‘Handballen unterhalb des Daumens’ 2: Wb-Altm 142, 3: vereinz. elbostf., 4: vereinz. anhalt. – mich dd de Maus s w DE-Ca. – 3. ‘zähe Sehne im Muskelfleisch’,  Hrwass, 2: JE2-Cab, 3: HA-All. – 4a. Dim. ‘Kniescheibe des Pferdes’ 3: Wb-Holzl 144 (HA-Um). – 4b. Dim. ‘Geschwulst am Kniegelenk des Pferdes’ 3: JE1-Ca. – 5. ‘kleines  Kind’, Kosewort, 2: Bewohner-Altm 2,146. – 6. ‘kleiner Schlitten der Kinder’,  Slde(n), 2: WO-Me, HA-Som. – 7. Pl., auch in der Verbdg.: witte Mse ‘Geld’,  Zaster, 2: WO-Wo, vereinz. JE1, 3: verstr. n/ö elbostf., 4: BE-Neu.
Lautf.: Mu(u)s, Ms verbr. nd., Mda-Sti 34, BA-Ha; Museken Dim. (4a.) Wb-Holzl 144 (HA-Um); mes BLA-Brau; [ms] SA-Die; [müis] SA-Dä; [mius] verstr. nwaltm.; Miseken Dim. (4b.) JE1-Ca; Maus verstr. anhalt. – Gram.: Pl.: Müse vereinz. s Altm., JE2-Scho, verstr. n/w elbostf., Id-Queb12; Ms, [ms] verstr. nwaltm. n/mittlere Altm.; Miese, mse HA-AHa Hu, verstr. s/ö elbostf.; Muse, [mz] GA-Bo Le, CALV-Uth, verstr. ZE, Mda-Sti 34; Mäuse (7.) WO-Wo, vereinz. JE1 n/ö elbostf.; Meise verstr. anhalt. – Etym.: (7.) wohl aus Gaunerspr., Nbf. zu  2Ms, vgl. Wb-Rotw [3481]. Zuss.: zu 1.: Hassel-, Heu-, Hs-, Kerken-, Krabbel-, Miezmaus.
Neiterin f. dass. wie  Neisterin, 1: SA-Ku, 2: vereinz. Altm. (außer STE), JE2-Ku Wa, JE1-Scha, 3: HA-All Em, BE-KlMü, 4: CA-Do.
Lautf.: Nei(h)terin, [naitrin] SA-Sa, GA-Ziep, HA-Em; Neitrin GA-Sa; Neitrien JE2-Ku; Neihtrine HA-All; [naetrn] CALV-Zo; [ntrn] SA-Ku; Nähtern BE-KlMü, CA-Do; Nähtrin OST-Sta; [ntrn] SA-Ma; Nähdrine JE1-Scha; Näitrin JE2-Wa. – Etym.: bei einigen Formen Anklang des Grundwortes an Trne, der Kurzform von  Katharina.
nlen Vb. 1. ‘ trdeln, zögerlich sein, langsam handeln’ 2: vereinz. Altm., 3: vereinz. elbostf., 4: Mda-Sti 181 – nöle nich sau Id-Queb 13. – 2. ‘langsam sprechen’, auch ‘langweilig und monoton reden’, vgl. lern, 1m-ren, verstr. – 3. ‘schwatzen, Nichtiges reden’ 1: verbr. nwaltm., 2: verbr. Altm., verstr. JE2, JE1-Zie, ZE-Roß, 3: vereinz. n/mittleres elbostf. – d nlte jo wat tosam’m JE2-Scho; Rda.: er kann einen katoolsch nöhlen ‘er redet unaufhörlich’ GA-Vo; Sprw.: wat jung is, dat speelt jern, wat olt is, dat nölt jern Sprw-Börde.  babbeln bseln blabbern brasseln br(t)schen dagsacken dwern drken drnen dummkauen dummkren fseln gnaulen hselren henschwatzen herumkollatschken kkeln kauen klappen klatschen klnen kltern knatschen knauscheln 1köddern klen Kolltsche kolltschen 2kren nasseln pldern prtjeln prtjen prtjern prlen quackeln quackern quaddeln quaddern quasseln quatschen qusen sabbeln sabbern schwatzen slabbern snacken snaulen sprken subbern swabbeln ttern vertellen. – 4. ‘unverständlich, undeutlich sprechen’,  1nusseln, 1: vereinz. nwaltm., 2: vereinz. Altm., 3: WO-GrRo. – 5. ‘in weinerlichem Ton sprechen’,  jammern, 2: ZE-Gri We, 3: JE1-Me, HA-All Alv, 4: vereinz. anhalt. – 6a. ‘leise vor sich hin weinen’,  wnen, 2: JE1-Go, 4: vereinz. w BE. – 6b. ‘(laut und heftig) weinen’,  wnen, 2: JE1-Walt Wo, verstr. ZE, 3: HA-Bee – watt haste denn ümmer te nöl’n? HA-Bee.
Lautf.: nö(h)l(e)n SA-Bre Mel, verstr. Altm. JE2 n/w elbostf., DE-Grie; [nl] JE2-Scho; nöhl JE1-Zie; nöeln SA-GrGe; [nel] Id-Eilsa 81; nöan SA-Gla Han; [non] SA-Ah Pü; nöeul’n OST-Kru; nölln WA-HDo; nöäl(e)n, [nln] SA-Zie, verbr. Altm., HA-Oh; [nl] Mda-Ar 30; [n] verstr. s Altm., HA-NHa; [nn] SA-Jü; [non] SA-Ku; näuan SA-Hö; [noin] SA-Ch Wü; [noion] SA-Die Ev GrGe; naian SA-Dre; [nen] vereinz. nw nwaltm.; [nain] SA-Dä; [neon] SA-Hö; nähl(e)n, [nln] SA-Bee, WO-Her Me, HA-NHa, JE1-Gü Me, ZE-We, verstr. anhalt.; n’l, [n] ZE-Roß, WO-HWa, Wb-Ak 118, vereinz. w BE; näeln GA-Wiep; [naln] Mda-sJe1 31 (verbr. s JE1); neelen, nlen vereinz. Nharz.; nl’n Mda-Sti 181; nohl(e)n (5., 6b.) JE1-Walt, verstr. ZE; [n] (6b.) ZE-Roß; nollen JE1-Go (6a.) Wo (6b.); nuln (6b.) ZE-Ste; Nbf.: nüödeln OSCH-Di (DWB 7,878 verweist auf enge Beziehung zwischen nölen und nd. nötelen).