Fleute f. 1. ‘Flöte, Pfeife’, bes. ‘aus einem Weidenzweig gefertigte Flöte’,  Fpe, 1: verbr. nwaltm., 2: verbr. nbrdb., verstr. mbrdb., 3: verstr. w JE1, verbr. n elbostf., verstr. OSCH, vereinz. WA sw elbostf., 4: vereinz. mittleres/ö anhalt. – Flete spelen HA-Oh; ... unn de Fleete in de Hand ... Richter o.J. 46; kloppe miene Fleutje un sung mienen Vers datau HA-Eim; Bastlösereim:Fopen, Fopen, Bastjoan,
Loat de Fleute awgoahn,
Loat säi nich verderwen,
Loat ’ne Fleute werden.
Bewohner-Altm 2,190;
Pape, pape, rete, ick moake mei ’ne Fleete.
Un wenn se nich will abbejoan,
Denn loaten we Schulten Hunne komm’n.
Vk-Anhaltb 84
(ZE-Ser).
– 2. ‘Dampfpfeife, mit der der Dampfer Signale gibt’, Schifferspr., 2: Elbschifferspr. 225 (STE-Tan), 4: a.a.O. 225 (CA-Ak), Wb-Ak 59.
Lautf., Gram.: Fleute, Floite, [floet], [floit] verstr. sö Altm., verbr. JE2, verstr. n/mittleres JE1, HA-Scha; Fleut, Floit, [floet], [floit] SA-Brie Pre, verbr. ö Altm. (außer sö), JE2-Reh Schö; Flöit vereinz. w STE; [flöüt] STE-Bad, vereinz. sö STE; [flöt] vereinz. s OST nö STE; Fleite, [flaet] vereinz. n/ö GA (n der Ohre), verstr. w/mittleres JE1; Fleit, [flait], [flaet] verstr. nwaltm., verbr. w Altm. (außer sw), verstr. w OST, OST-Wal, GA-Ku, verstr. nw STE; [flet] verstr. nwaltm.; [flit] SA-Dre Lüg Sal, GA-Schw; Flöte, [flt] WO-Col Zie, vereinz. JE1; Flööt vereinz. ö Altm. (außer n WO); Flöete JE2-HGö Mö, HA-Oh; Fle(e)te verstr. ZE, Wb-Ak 225, verstr. mittleres/ö anhalt.; [fld] Elbschifferspr. 59 (CA-Ak); Dim.: Fleutje, Fläutje, [floetj] HA-Sa, verbr. n elbostf., verstr. OSCH, vereinz. WA sw elbostf.; Fleutche, Fläutche verstr. nw elbostf., OSCH-Wu; Fleutsche OSCH-Egg Grö; Fleutge, Floitge vereinz. n elbostf.; Fleitje, [flaetj] CALV-Lö Zo, vereinz. sw elbostf.; Fleitche, [flaet] CALV-Uth, WE-Oster Sta; Fleitchen n. GA-KloNeu; Flötge HA-Bre; Flöttjen n. SA-Gla We.
Förster f. ‘Gebäude der Forstverwaltung’ 3: Hbl-Ohre 1929 Nr. 20/Wöhlbier (HA-Eim), HA-Oh.
Lautf.: Förster HA-Oh; Fösterie Hbl-Ohre 1929 Nr. 20/Wöhlbier (HA-Eim).
fr verstr. 1. Adj. – a. ‘zeitig, zu einem frühen Zeitpunkt, am Anfang liegend’ – De Marcht geiht freuh all an ... Gorges 1938,36; Det oabms froeh to bett ... Spr-Maa 428 (WO-An); Sprw.: wer fröh upsteit, sin Jeld votärt, wer lang slöpt, den Jott ernährt STE-Bad; de Vaels, de so frö fleiten, bitt an’n Dagg de Katt ’n Kopp av STE-Wa. – b. ‘vorzeitig, ungewöhnlich früh’ – d kömmst all to fröä JE2-Scho; D’ Möllerfru weer freuh storwen ... Heimatkalender-Ma 1931,84 (Altm.); Kompar. in lautlicher Abgrenzung zu  frer: früer hett se froier efriet wi hüte Wb-Holzl 92; Rda.: Awor Karl harre sich ze frieh jefreit ... Heimatkalender-Ze 1964,94 (ZE-Ze); Sprw.: besser te froi als te schpe Wb-We* 261. – 2. Adv. ‘am Morgen, morgens’ – haite fr Wb-Be; ..., denn will ick morgen freuh alles terechte maken, denn könnt wi Klocke sesse wegfeuren! Lindauc o.J. 8; hei mott sick queelen von freuh bis speede HA-Eim.
Lautf.: [fr] vereinz. ö nwaltm., verstr. Altm. JE2 n JE1; [fr] JE2-Scho; freh, [fr] verstr. mittleres/s JE1, Mda-Ze (verstr. ZE); [fri] JE2-Scho; [fri] vereinz. ö/s nwaltm.; [frei] ZE-Kö; freuh, froi, [froi], [froe] Heimatkalender-Ma 1931,84 (Altm.), SA-Ma, GA-Ku, verstr. elbostf.; frai vereinz. s elbostf.; [frui] verstr. nwaltm.; früh, [fr] Wb-Altm 205, Spr-Altm 83, vereinz. s Altm. (außer sö); frieh, [fr] Heimatkalender-Ze 1964,94 (ZE-Ze), Spr-Asch 50, QUE-GrSchie, BLA-Sti, verstr. anhalt.; [fr()] Siedler-Je § 98 (ö JE1); [frü] a.a.O. § 98 (sö JE2 nö JE1).
Frjr n. ‘Frühling’ 1: vereinz. nwaltm., 2: vereinz. nbrdb., Heimatkalender-Ma 1930,84 (JE2-Vie), 3: verstr. elbostf., 4: vereinz. anhalt. – Mr harrn an zeises (zeitiges) Frjr. Wb-Ak 62; ... tum Freujahr solle de Hochtiet sien. Rauch 1929,69; Inn Frihjahre kamn de Muer un Timmerlate (Zimmerleute) ... Spr-Asch 40; Datt ganze Freujahr dörrch jifft ett veel te daun butten opp’n Felle ... HA-Eim; Rda.: de süht dat Fräuhjahr ook nich wedder ‘er stirbt bald’ HA-No.
Lautf., Gram.: Frö(h)jaohr, -jr, [frja] SA-Rist Roh, vereinz. nbrdb.; -joahr Heimatkalender-Ma 1930,84 (JE2-Vie); Freu(h)jahr, Fräu(h)-, freujr verstr. elbostf.; -jer HA-Oh; [froijr] Beiträge-Nd 62 (WO-HWa); [fruüjr] SA-Dä; Friehjahr Richter o.J. 10; Frihjahre Dat./Akk. Sg. Spr-Asch 40; Frijaohr, Frjr, [frjr] CA-Gli, Wb-Ak 62, Wb-Be.
Fer n. 1. verbr. – a. ‘Feuer’, ohne weitere Spezifizierung – Rda. (bei einem Teil der Rda. und Sprw. wäre auch eine Zuordnung zu 1b. oder 1c. möglich): Fir fengen ‘sich in jmdn. verlieben’ Sprw-Börde; Füer un Flamme ‘begeistert (sein)’ Wb-We 160; Er hat dat lopende Füer. ‘Er ist trunksüchtig.’ Bewohner-Altm 2,128; Eel int Fier geiten ‘die Situation verschlimmern’ BA-GrAls; Dät Für brännt äm up de Näwel (Fingernägeln). ‘Die Situation ist ernst, deshalb ist keine Zeit mehr zu verlieren.’ Bewohner-Altm 1,334; Datt iss ass wenn’n Fr haolt. von jmdm., der es eilig hat, wieder fortzukommen, Wb-Altm 205; hast wol fer in hindersten? ‘du hast wohl keine Ruhe?’ Mda-Weg 125; alles t’n fre rten ‘in Hast arbeiten’ Wb-Nharz 209; Datt iss jo’n Fr, datt’n Ossen braod’n kunn von einem großen Feuer, Wb-Altm 150; Dät is jo’n Für, as wenn de Köster backt un de Bur gewt Holt daoto. von einem kleinen Feuer, Bewohner-Altm 1,346; For de Arwt hat d Feier jefressen. ‘Sie arbeitet ungern.’ Wb-Ak 55; lt se fon mek se-in (sagen) wat se wiln, pot der leppel, wenn se mek man fon fre lten ‘soll nur über mich geredet werden, solange ich mich schuldlos weiß’ Wb-Nharz 209; Sprw.: wär’t Füer nödig hat, de söcht et in de Asche HA-No; Een klein Für känn ’n grod Holt (Wald) anstäken. Bewohner-Altm 1,334. – b. ‘vom Menschen kontrolliertes Feuer im Ofen, Herd oder im Freien’ – Fer in’n ben HA-Oh; Mache m Feier Wb-Ak 55; dat Fa will nich bren’n SA-Dä; Weil ’t lang’n nog all upp ‘t Füer stunn. Matthies 1903,42; Drumme rum um datt Füer staht dee Kinder ... Hbl-Ohre 1928 Nr. 18/Wöhlbier (HA-Eim); Sprw.: Wenn dät Für up’n Herd geiht ut, flüwt de Liew’ ut’n Schosteen rut. Bewohner-Altm 1,334. – c. ‘vernichtendes Feuer, Schadenfeuer, Brand’ – et is Fer t’e’brken HA-Oh; Wo is denn Feier? ZE-Roß; “Water is slimmer wie Füer, dat Füer kann ’en ut’n Wäe gahn, dat Water awer nich!” Wedde 1938,74; Leider warsch Feier ’n bißchn zu schpäte ausjebrochn ... Krause 1964,58; Äwer dät Füer harre sinen Kopp för sich un brännde nedder, wat et man krien künne. Heimatkalender-Ma 1932,47 (JE2-Vie). – Volksgl.: Damit sich ein ausgebrochenes F. nicht weiter verbreiten kann, wird es besprochen. Dies geschieht durch ein dreimaliges (Bewohner-Altm 2,304, Vk-Anhalta 322) oder siebenmaliges (Brauch-Anhalt 75, HA-Hi) Umgehen oder Umreiten des F. unter Aufsagen der Besprechungsformeln. Danach muss sich der Besprechende schnell (mit einem Pferd) entfernen und über Wasser gelangen, sonst würde er verbrennen. Bewohner-Altm 2,304, Zauber-Ma 96 (WO-Ol), Brauch-Anhalt 75 (HA-Hi), Vk-Anhalta 322. – 2. auch in der Verbdg.: dat hillige Fer ‘Wundrose’ 3: Wb-We 160, BLA-Brau.
Lautf.: Füer, [fr] vereinz. nwaltm., verstr. Altm., verbr. JE2, JE1-Bie Pa, verbr. n/w elbostf.; Fü(ü)r (nwaltm., n/mittlere Altm.: [f], SA-Dä Rist, s Altm.: [f]) verbr. nwaltm. Altm., JE2-Go Ste, vereinz. n/mittleres JE1, verstr. w elbostf. (außer sw Rand); Fieer, [fr] Dialektgeogr-Elbe/Saale Kt. 11 (verbr. s JE1 n ZE), Mda-Ze (ZE-Reu Stre), Mda-Weg 125, verstr. s elbostf.; Fiir, [fr] ZE-Gri, vereinz. ö elbostf., Wb-Nharz 209, Mda-Sti 34; Fier (anhand der Laienschreibung nicht erkennbar, ob [--] oder [--] vorliegt, aber wohl Dominanz der diphthongischen Form) WO-Sa, verstr. ö elbostf., WE-La; [fr] BE-He; [fir] Mda-Ze (ZE-Gro); Feuer ZE-Ze; Feier, [fair], [fair] Dialektgeogr-Elbe/Saale Kt. 11 (verbr. s ZE), ZE-Roß, Spr-Asch 39, BA-Ba, verbr. anhalt.
gn Vb. allg. (abweichende Verbreitung oder Häufigkeit wird bei den jeweiligen Bed. extra aufgeführt). – 1a. ‘sich zu Fuß fortbewegen’ – jocht mal uten Weg JE2-Hü; Un wie se nu so alle dreie jehn, fangt de Neering’n widder von de Schpukjeschichte ... an. Heimatkalender-Ze 1961,90 (ZE-Ze); goat up de Teien (Zehen) ZE-Mü; hai get doch tau diuknackich (gebückt) SA-Dä; ... un können nich mehr jrade jahen. Gesch-Un 44; Verbdg.: dat larnt jehn ‘es wird gelingen’ ZE-Roß; Rda.: w me geit un schteit ‘so, wie man gerade ist’ Wb-Nharz 55; He geit as d’ Flg in d’ Bottermelk. ‘Er hat einen schwerfälligen Gang.’ Wb-Altm* 72; Sprw.: dei langsam geit, kummt k Wb-We 37. – 1b. ‘sich (zu einem bestimmten Zweck, mit einer bestimmten Absicht) an einen bestimmten Ort, irgendwohin begeben’ – na Hs gn SA-Mol; ... un gung no de Kirchhofsecke ... Heimatkalender-Je 1923,100 (JE2-Fi); amol war de Mutter ins Holz jejehn BA-Ha; jg m bain Flschor DE-Ca; danzen gn HA-Oh; Uff ’n Schwoof jehen ‘zum Tanz gehen’ Vk-Anhaltc 11 (BA-Ha); Ens woll Nanu moal jagt’n goah’n ... Matthies 1903,9; Rda.: ower’n Jordan gaan ‘verschwinden’ Wb-Holzl 94; t de Welt gn ‘sterben’ HA-Oh; ins Wasser jn ‘sich ertränken’ Wb-Ak 77; der jeit vor de Hunne ‘er stirbt’ JE2-Schm. – 1c. ‘regelmäßig besuchen’, auch ‘in einem bestimmten Bereich beruflich tä- tig werden’ – n’n mren gn Wb-Nharz 55; uf Arwt jn Wb-Ak 77; er “jeht bei de Ochsen” ‘er wird Ochsenknecht’ Serimunt 1932 Nr. 65; ik wett noch ganz genau, wie ick datt erste Joahr nah Schaule junk HA-Eim; die Dierns gingen früher alle Ahnde spinnen JE2-Bu. – 2. bes. in Verbdg. mit Vb. wie liggen, sitten, stn eine Bewegung auf einen anderen Zustand hin bezeichnend, 2: vereinz. Altm. – gao sitt’n! ‘setz dich hin!’ Wb-Altm 62; In’n Anfang dänn ging d’ Spök still an d’ Dör staohn ... Pohlmann 1905 ff.,125 (OST-GrRo). – 3a. ‘einen Ort verlassen, weggehen’ – wiste schont jehen? DE-Ho; denne kann’k ja wer gn HA-Oh; Rda.: einen gn lten ‘einen Darmwind entweichen lassen’ a.a.O.; d gans wil ek gn lten ‘die Gans soll zur Zucht gehen’ Wb-Nharz 55. – 3b. ‘ein Dienstverhältnis beenden, aufgeben’ – uten Deinst gohn GA-Beh. – 4. ‘sich lösen, abfallen’ – Rda.: aus en Leim jn Wb-Ak 77. – 5. ‘sich an etw. zu schaffen machen’, bes. um unerlaubt etw. zu entwenden – an wat nich jehn ZE-Roß. – 6. ‘in einer bestimmten Weise gekleidet sein’ – nietmodisch soll se gahn wie ne Eddelfrue HA-Bo. – 7. ‘mit jmdm. ein Liebesverhältnis haben’ – mit eene jehn ZE-Roß; hast du denn diene Öldern schon e seggt, dat du mit mick geihst? HA-Bo. – 8. ‘trächtig sein’, von Tieren, 3: vereinz. w elbostf. – de Kau geit noch feier Wochen ‘in vier Wochen wird die Kuh kalben’ HA-Oh. – 9a. ‘sich durch etw. hindurch bewegen’ – Rda.: dorch de lappen gn ‘sich entgehen lassen’ Mda-Weg 105; De Kunne von Greitchens Dod war wie’n Loopfüer dorch’t lütge Dörp e gahn; ... Rauch 1929,66; dat mott’k mik mal dorch’n Kopp gn lten HA-Oh. – 9b. ‘in Bewegung sein, sich bewegen’ – de Wint geit wer de Hwersteppel a.a.O.; in’n Wind jn ld’n ‘das Steuer so drehen, dass das Segel mehr Wind fasst’, Schifferspr., Elbschifferspr. 356 (JE2-Mi). – 9c. ‘in Betrieb sein, funktionieren’ – Rda.: geiht et denn, oder knipt de Hose? (auch Bezug zu 10a. möglich) Sprw-Börde; Rätsel (auch mit Bezug zu 1a.): wat geit un geit un kümmp nich wer? – die Uhr, STE-Wa. – 9d. ‘aufgehen, treiben’, vom Hefeteig,  upgnmn Dch jait all JE2-Scho; der Deich is scheen ejehn CA-Gli. – 10a. ‘(in bestimmter Weise) vonstatten gehen, ablaufen’, auch ‘gelingen’ – dat geit swer HA-Oh; ..., düttmal hat’t noch gut ’egahn ... Lindauc o.J. 17; t wier doch janz hibsch jejehn ZE-Hu; ... kann doch nischt schief jehn. Krause 1964,18; Rda.: Et gait wi an’n Bimmfa’mt etreckt. ‘Es geht sehr gut, ohne Probleme.’ Wb-Holzl 36; dat jeht wie’s Brezelbacken dass., Vk-Anhalta 69; Sprw.: Wat nich will gahn, Lat schtahn! Vk-Harz 3,60. – 10b. ‘sich in bestimmter Weise entwickeln’, bes. von Geschäften – Wie jeht denn eier Laden? ZE-Roß. – 11. unpers. ‘ergehen’ – Mäi is dät ok so gohn. Hausfr-Altm 1927,41 (STE-Ber); Die jehts wo wie’n Harr Kanter seine? Wäschke 61915,103. – 12a. ‘sich machen lassen, möglich sein’ – Dat geiht doch nich, Vaoder ... Heimatkalender-Ma 1931,85 (Altm.); Rda.: ’t geiht woll, äöwert’ geiht nich. ‘Es ist zwar theoretisch möglich, aber praktisch nicht durchführbar.’ Bewohner-Altm 1,334. – 12b. ‘einigermaßen akzeptabel, erträglich sein’ – ’s Himne jt noch ‘das Hemd kann noch getragen werden’ Wb-Ak 77. – 13. ‘sich erstrecken, reichen’ – de rok geit bis op de kn Wb-Nharz 55. – 14. ‘in etw. passen, Platz, Raum finden’ – dr Korb jt nich mr in dn Sack Wb-Ak 77; Sprw.: gedüllich Schaop gaon fae (viele) in ’n Schtall SA-Dä. – 15. ‘eine bestimmte Richtung haben, in einer bestimmten Richtung verlaufen’ – d geit kein Wch HA-Oh; Von da jeht de Schossee linksch raus nah Tornau ... Heese 21919,33. – 16. ‘sich einem bestimmten Zeitpunkt nä- hern’ – et geit op achte Wb-Nharz 55; Dat is nu Nacht, geiht stark op Oelwe ... Klaus 1936,28. – 17. ‘sich in einem bestimmten Zustand befinden’ – w (wie) geit et? Wb-Nharz 55. – 18. ‘den Vorrang haben’ – Rda.: Geit doch nicks äöw’r de Rännlichkeit! seggt jenn’ Fru, un kert all Sündag Morgen är Hemm’ ümm. Wb-Altm 172; Sprw.: Nahwerschaft geiht vör Vadderschaft. Bewohner-Altm 2,20. – 19. ‘sich nach jmdm., etw. richten’ – dn geit et nich HA-Oh.
Lautf., Gram.: Inf.: gahn, gaan, j-, [gn], [jn] vereinz. w mbrdb., verbr. elbostf. (außer sö, dort verstr.), CA-Lö; gaen, gen, j- WA-Ste, WE-Oster, BLA-Brau; gahen, j- JE1-Walt, HA-Ro, vereinz. mittleres elbostf., WE-Velt, vereinz. n CA; g(a)ohn, goahn, j-, [gn], [jn], [--] verbr. nwaltm. nbrdb., verstr. JE1, ZE-Gri, verstr. elbostf., QUE-Frie; [gn] SA-Ah Rist; gaohen CALV-Uth, STE-Sto; [gon] verstr. n nwaltm.; goa(h)n, j-, [jan], [jan] verbr. n/mittleres mbrdb., vereinz. n/mittleres ZE; gehen, j- JE1-Schor Wö, vereinz. ZE, QUE-We, BE-KlMü, vereinz. omd.; gehn, j- JE1-Pa Wö, verbr. ZE, WE-Schau, verstr. sö elbostf., verbr. omd.; jaen Mda-Sti 26; [jn] veralt. Mda-Fuhne 75 (vereinz. s KÖ); 3. Sg. Präs.: gei(h)t, -ai-, j- [gait], [jait] vereinz. nwaltm., verstr. w Altm., verbr. ö Altm. JE2 JE1 elbostf. (außer sö, dort vereinz.); [gäit], [jäit] OST-Bi, vereinz. mittlere Altm.; [get] verstr. n nwaltm.; gaht, gaat, j- ZE-Li, vereinz. w elbostf., QUE-Di; g(a)oht, j- vereinz. w SA, WO-El; goat, [jat] vereinz. ZE; [jast] 2. Sg. Präs. Dialekt-Ma 12 (vereinz. sw JE1, ZE-Göd); geht, j-, [jt] verstr. ZE, vereinz. sö elbostf., verbr. omd.; gäht, j-, [gt], [jt] SA-Fa Jah Jü, vereinz. ö SA, OST-Ar, GA-Fau Ku; [jit] Nd-KlWu 24; Imp. Sg.: ga(h), j- verstr. elbostf.; gao(h), j- vereinz. Altm. elbostf.; gaach, gch vereinz. w elbostf.; gaoch OSCH-Har, QUE-Di; joch JE2-Jer Ni Za, verstr. JE1, QUE-Wa; [j] Dialekt-Ma 8 (verstr. w JE1, vereinz. nö CA), BE-Gü; jk, [jk], [jg] ZE-Roß, verbr. omd.; [jg] veralt. vereinz. s KÖ; 1./3. Sg. Prät./1./3. Pl. Prät.: ging, -nk, j-, [gik], [jik]/gingen, j-, [gin], [jin] (nwaltm., Altm.: [gi], [ji]) verstr. nwaltm., verbr. Altm. JE2 JE1, verstr. ZE, verbr. elbostf. omd. (bes. ZE elbostf. omd. neben älteren u-Formen); ging, [gi], [ji]/ verstr. nwaltm.; güng 1./3. Sg. Prät. Wb-Altm 61; gung, -k, j-, [guk], [juk]/gungen, j-, [gun], [jun] Wb-Altm 61, vereinz. n SA, STE-GrMö, Heimatkalender-Je 1923,100 (JE2-Fi), verstr. ZE, verbr. elbostf., verstr. omd. (bes. ZE elbostf. anhalt. neben jüngeren i-Formen); 3. Pl. Prät.: junken BLA-Be; gangen DE-Lin; junkten Vk-Harz 3,24 (BLA-Be), BLA-Hü; jinkt 3. Sg. Prät. GA-Wern; Part. Prät.: egahn, -gaan, -j- verstr. elbostf.; egen BLA-Brau; g(a)ohn, j- verstr. nwaltm. Altm.; e-, [jn] JE2-Scho, OSCH-Har, QUE-Di; degn WA-HDo; [gaon] SA-Dä; ejoahn, [jan] JE2-GrWu, ZE-Göd; [j-] Mda-Ze (ZE-Reu Stre); ejehn CA-Gli Pö; je- verstr. ö ZE, vereinz. n CA, verstr. nthür.; -jangen, [jjan] Mda-Ze (ZE-Roß), verstr. anhalt.
Grdendr f. ‘Gartentür’ 1: SA-Die Ku, 3: Hbl-Ohre 1925 Nr. 3/Wöhlbier (HA-Eim), HA-Oh, 4: Wb-Ak 170, Wäschke 31909,98 – Un dunn make de Garendöör wiet opp un jung vorrwegg. Hbl-Ohre 1925 Nr. 3/Wöhlbier (HA-Eim).
Lautf.: Garendöör Hbl-Ohre 1925 Nr. 3/Wöhlbier (HA-Eim); Grender HA-Oh; Jartentiere Wäschke 31909,98; [grndr] SA-Die Ku; Jrt’ntre Wb-Ak 170.
Gebott n. 1. ‘moralisches oder religiöses Gesetz, das ein bestimmtes Handeln fordert’ 2: vereinz. Altm., 3: vereinz. elbostf., 4: Wb-Ak 76 – Denk ook an Gott un sien Gebot ... Pohlmann 1905,79. – 2. ‘Preisangebot’, bes. ‘Gebot bei einer Versteigerung’, vgl. 1Bott 1., verstr. – ... un make deen ein ganz gut Jebott. Hbl-Ohre 1925 Nr. 7/Wöhlbier (HA-Eim).
Lautf.: (1.): Gebott Wb-Altm* 53; -bo(o)t, -bt, J- Firmenich 1854,122 (OST-See), Pohlmann 1905,79, vereinz. elbostf., Wb-Ak 76; (2.): Gebott, J- SA-Wa, verstr. nbrdb. n/w elbostf., vereinz. w/mittleres anhalt.; -bo(o)t vereinz. nbrdb., verstr. mbrdb., vereinz. w elbostf., verstr. ö elbostf. omd.; Gebaut SA-Sla.
Gesicht n. 1. ‘Vorderseite des menschlichen Kopfes’ verbr. – ... un harre en puterrot Gesichte! Rauch 1929,34; h grnte wat jantse Jesicht JE2-Scho; ... daß Heinrich mits Jesichte inne Kiche kukte ... Wäschke 61915,9; ... kriegt hei de Pietschensnaur midden äwer’t Gesichte ... Wedde 1938,28; Rda.: hei harre sick hellsch einen ower’t Gesichte retten ‘er war betrunken’,  dn, HA-No. – 2. ‘Miene, Gesichtsausdruck’ verbr. – e rnstes Gesichte mken QUE-Ga; die mokt äwer ein Gesichte JE1-We; Rda.: en sures Jesichte maken ‘finster, verdrießlich aussehen’ Sprw-Börde; en jesichte mken w acht de rnwder dass., Wb-Nharz 60; hat an Jesichte wie an Topp vull Meise dass., Vk-Anhaltc 106; sau’n Gesicht mak man, denn wärd de Zicke woll lammen WE-Dee. – 3. in der Verbdg.: das zweite Gesicht ‘dem Volksgl. nach die Fähigkeit, in die Zukunft sehen zu können’ 2: Vk-Altm 199, 3: Heimat-Ohre 1924/Wöhlbier (HA-Eim) – Et jifft doch Minschen, dee datt zweite Gesicht hett. Dee könnt alles mögliche sein, watt kein andrer sein kann. ... Dee konnen ok in’e Taukunft kieken ... Dee wußten datt all ümmer ’ne ganze Wiele vorrher, wur einder starben dei. a.a.O. – Volksgl.: Die Gabe des zweiten G. erhält jmd., der an einem Sonntag zwischen 23.00 und 0.00 Uhr geboren und an einem Freitag getauft wurde. Vk-Altm 199.
Lautf.: Gesicht, J- verbr. nwaltm. Altm., verstr. n/mittleres JE2, vereinz. s JE2 JE1 elbostf., BA-Ha; -e vereinz. mittleres JE2, verstr. JE1, verbr. ZE, verstr. elbostf., verbr. omd.
gwen Vb. allg. 1a. ‘aushändigen, überreichen’ – jiff mick man mal ’n Afflejjer HA-Bee; ... un gaw dat den Burn. Hausfr-Altm 1929,24 (STE-KlMö); or jiwwed seine Fraue en Schlissel BE-Ra; Den Breef kann ik Se nu nich gewen ... Heimatkalender-Je 1923,95 (JE2-Vie). – 1b. ‘schenken, spenden’ – där jift mick wat WA-Alt; Sprw.: je’m armet nich Wb-Holzl 112; Wer jäern jifft, fräggt nich lange. Vk-Harz 3,58; mit jeben wuchert man am besten OSCH-Grö. – 1c. ‘reichen, zum Nehmen hinhalten’, auch ‘als Nahrung oder Futter reichen/gereicht werden’ – de Klne de Brust j’m Wb-Ak 75; ... denn jaab’n sich de beed’n Partn’r de Hand ... Heimatkalender-Ze 1962,92 (ZE-Ze); Wat gift et tau ten? Wb-We 36; Melk will ick Kättken gäwen ... Bewohner-Altm 2,165; hei schall de Küih Waorer gä’m SA-Um. – 1d. ‘zuteil werden lassen, verabreichen’, auch ‘jmdm. etw. antun, zufügen’ – n Kuß jehm JE2-Zo; Rda.: de Jacke voll geben ‘prügeln, schlagen’ JE1-Bu; ne Wucht jeben dass., WA-West; et is ne nich ejben ‘er hat die Fähigkeit nicht’ Wb-Nharz 57; Sprw.: Jift Gott Häseken, Jift’e ook Gräseken. Vk-Harz 3,60. – 1e. in festen Verbdg. mit Subst. ‘bieten, gewähren’ – t kannst mich m an j’n Rt jm Wb-Be; Se jähn mich immer sonne dumme Antworten ... Richter o.J. 89; Rda.: Bescheid geben ‘ausschimpfen, schelten’ JE2-Zo. – 2. ‘an etw. tun, hinzugeben’ – Giw lüttgan Kümma an’n Wittkäoa SA-Dä. – 3a. ‘erzeugen, hervorbringen’, auch ‘Ertrag bringen’ – ditt Joar het’t nich vöal Oawet gäb’n SA-Sla; d kau jift fl melk Wb-Nharz 57. – 3b. ‘äußern’ – et nich fon sek jben kennen Wb-Nharz 57; Deatt was deatt erste Woart, watt Möller voan sick gaww ... Matthies 1903,3. – 4a. ‘auf etw. Wert legen, etw. Bedeutung beimessen’ – da wart nist op e’jem’n HA-Oh. – 4b. ‘etw. von jmdm. halten’ – wat op en’n gwen Wb-We 39. – 5. refl. – a. ‘sich in bestimmter Weise verhalten, benehmen’ – ... sall sick ... gäwn as ’n Knecht. Hausfr-Altm 1928,99 (Kredel). – b. ‘sich beruhigen, mäßigen’ – giff di man! Wb-Altm 61. – c. ‘vergehen, nachlassen, aufhören’ – dat jifft sik HA-Oh. – d. ‘sich begeben’ – sick in Galopp je’m Wb-Holzl 112; Wie andern gaben uns denn opp’n Wegg nah’n Holte ropp. Heimat-Ohre 1922/Wöhlbier (HA-Eim). – 6. unpers. ‘vorhanden sein, existieren’ – Giwt et dat wu anders? Klaus 1936,2; inne Haie jefft Jrnlinge (Pilzsorte) JE2-Scho; Inne Ellewe jb’s frer ville Fische. Wb-Ak 75; To dohn gawt ja nog ... Heimatkalender-Ma 1931,85 (Altm.); ... un wasses sonst noch von Mächens uf son’n Howe jiwwet ... Wäschke 61915,77; Rda.: So wat ... dat giwt nich. ‘Das kann nicht sein.’ Pohlmann 1905,93; Sprw.: s jiwwet sonne un s jiwwet sonne. Heese 21919,5. – 7a. unpers. ‘kommen, geschehen, stattfinden, sein werden’ – et jift frost Wb-Nharz 57; dat jifft ne grete Hochtt HA-Oh; jetz jibbets jlei n Knall DE-Ho; ’s jiwwet noch was ‘es wird noch regnen’ Vk-Anhalta 68. – 7b. ‘ergeben, zum Ergebnis, zur Folge haben’ – dat jift zank Wb-Nharz 57; fannt Rinnflsch jefft ne jje Suppe JE2-Scho; Bauernregel: Lichtmess hell un kloar, jifftn jut Flaßjoahr GA-Bo.
Lautf.: Inf.: gew(e)n, j- SA-Ku Win, vereinz. Altm., Heimatkalender-Je 1923,95 (JE2-Vie), vereinz. w elbostf.; geb(e)n, j- JE2-Zo, JE1-Bu, vereinz. w elbostf., WA-Re West; jehbm QUE-Di; jem’n HA-Erx; gehm, ge’m, j-, [j] JE2-Zo, Wb-Holzl 112, verstr. ö elbostf. (außer nö); [jeb] Id-Eilsa 64; jem’n HA-Oh; gäw(e)n, j-, [jv()n] Wb-Altm 61, Bewohner-Altm 2,165, Hausfr-Altm 1928,99 (Kredel), verstr. OST n STE; jäb(e)n SA-Sta Vi, Heimatkalender-Ze 1962,90 (ZE-Ze), Spr-Asch 28, Heimatkalender-Börde 1925,64 (CA-Sa); jäbm JE1-Gra; jäm’n Heese 21919,110; gä’m, j-, [g], [j] verbr. nwaltm. (außer n) w/s Altm., JE1-Pre, Mda-Ze (ZE-Roß), WO-Mei, HA-NHa, BA-Ha, Wb-Ak 75, Wb-Be; [j] BA-Ha; jä(h)n JE2-Schl Ve, verstr. anhalt. (außer w/s); [gäi] verbr. n nwaltm.; [jävn], [jä] Siedler-Je § 81 (ö/s JE2 JE1); [ja] verstr. mbrdb.; [jon] vereinz. ö STE; jäun, [jun], [jn] STE-Wa, verstr. n/w JE2, Mda-nwJe1a 45 (JE1-Ih Pa); gieben OSCH-Di; jn Mda-Sti 28; 3. Sg. Präs.: gif(f)t, -ww-, j- verstr. nwaltm. w Altm., vereinz. ö Altm., verbr. elbostf., Mda-Sti 5; giwwet, j-, [jiwd] ZE-Hu, Vk-Ask 167, BA-Ha, verstr. anhalt.; gibt, j- Vk-Anhaltc 76 (ZE-Cos), Heimatkalender-Ze 1964,89 (ZE-Ze), vereinz. sö elbostf. ö DE; jibbet KÖ-Ra, DE-Ho; gef(f)t, j- STE-KlSchwa, vereinz. n/mittleres JE2, verstr. mbrdb.; jäft, [jft] JE2-Mü, JE1-Ge, ZE-Kö; [jept] Mda-Ze (ZE-Roß); Imp. Sg.: giff, giw(w), j-, [gif], [jif] verstr. nwaltm. n Altm., verbr. elbostf.; jib(b), -p verstr. omd.; [jp] BA-Ha; jeff, jeww verbr. mbrdb., JE1-Wol; jeb, [jep] JE1-Zi, Mda-Ze (ZE-Roß); 1./3. Sg. Prät.: ga(a)f, j- verstr. elbostf.; gaff, gaww, j-, [gaf], [jaf] vereinz. Altm., Heimatkalender-Ma 1932,47 (JE2-Vie), Dialekt-Ma 11 (vereinz. mittleres JE1); jab, jap, jp Spr-Asch 41, vereinz. omd.; jb Wb-Ak 75; gew, [gf], jeef SA-Ku, OST-Schön, Heimatkalender-Je 1923,100 (JE2-Fi); geiw Ehlies 1960b 298; Part. Prät.: Stammvokal wie Inf.