Matthr m. ‘Münze im Wert von 4 Pfennigen mit dem Bild des heiligen Matthias auf der Rückseite’, bis ins 19. Jh. in Goslar und im Herzogtum Braunschweig gültiges Zahlungsmittel, 3: vereinz. elbostf. – Kinderlied:en drer, en drer,
en lütten mattier
Id-Queb 10;
Wiegenlied:Rump’l de Pump’l de Bott’rmelk.
Veir olle Klümpe,
Ein Klump kostet vier Matir,
Ach, wat sünt’e Klümpe düür.
Lieder-Ma Nr. 58 (HA-Um).
meist Superl. von  vl. 1. Indefinitpron., unbest. Zahlwort Bezeichnung der größten Anzahl, Menge, Intensität von etw., vgl. mrst 1., 1: SA-Die Jü Ku, 2: vereinz. Altm., Dialekt-Ma 12 (verstr. mittleres/s JE1, ZE-Göd), 3: verstr. elbostf., 4: Mda-Sti 30, Wb-Be – mäist Tt SA-Sal; D’ meist Mann itt gärn Tüffeln. Wb-Altm* 63; du hast de meiste Schult HA-Oh; Wie’t sunst in’n mästen Schaulen war, Da duert’t an Jahrer sieben. Firmenich 1854,140 (nö Nharz.); for’t meiste ‘meistens’ Wb-Nharz 125. – 2. Adv. dass. wie  meistens, 2: OST-Ko. – 3. Adv. ‘fast, beinahe’, vgl. mrst 2., 2: Wb-Altm 136, OST-GrBeu, 3: Wb-Holzl 140 (HA-Um Wo), OSCH-Wu – hai is maist fertich Wb-Holzl 140 (HA-Um Wo); Ick heff meist nao d’ Stadt wäst. ‘Ich bin fast bis in die Stadt gekommen.’ Wb-Altm 136.
Lautf., Gram.: meist, maist, [maest] SA-Die, vereinz. Altm., Dialekt-Ma 12 (verstr. mittleres/s JE1), verstr. elbostf.; meiste Wb-Nharz 125, maiste Mda-Sti 30; [ma-est] HA-Eil; [mist] SA-Jü; [maist] SA-Al; [mäist] SA-Sal, STE-Peu, [mist] GA-Wen; maast QUE-Di, [mst] SA-Ku; meest Wb-Holzl 140, mehst Id-Eilsa 78, [mst] Dialekt-Ma 12 (vereinz. sw JE1, ZE-Göd), Wb-Be; mästen sw. Akk. Pl. Firmenich 1854,140 (nö Nharz.); miest OSCH-Di.
Mg m. 1. ‘männl. Geschlechtsteil’ 3: Wb-Holzl 141 (HA-Um). – 2. ‘Harnröhre des Pferdes’ 3: BLA-Brau.
Lautf.: Miech Wb-Holzl 141 (HA-Um); [mj] BLA-Brau.
Msbacke f. NeckN, 3: Wb-Holzl 140 (HA-Um Wo), HA-Oh.
Lautf.: Mausbacke.
Mostrich m. ‘aus gemahlenen Senfkörnern und Gewürzen bereiteter breiiger Würzstoff’ 1: verstr. nwaltm., 2: verstr. Altm., ZE-Roß, 3: vereinz. elbostf., 4: Wb-Be – hei itt gern en betchen Mustrich taut Speck HA-Um.
Lautf.: Mostrich, [mostri] vereinz. nwaltm., verstr. Altm., ZE-Roß, vereinz. n elbostf., OSCH-De, CA-Fö, BE-Gü, Wb-Be; Mosterich, mosterich vereinz. elbostf.; [mostre] SA-Al Die El; [mostrik] SA-Ma Rie, CALV-Zo, WO-Zi; [mostrek] verstr. nwaltm., vereinz. Altm.; Mustrich Wb-Holzl 144, HA-Oh Um. – Gram.: n. belegt SA-Dä.
mlen Vb. 1. ‘böse, verärgert, trotzig sein, schmollen’,  tückschen, auch ‘mürrisch, unzufrieden sein’,  gnattern, 2: Wb-Altm 141, 3: vereinz. elbostf., 4: Wb-Be – dat Mäken mult den ganzen Dag CA-Fö. – 2. ‘in weinerlichem Ton sprechen’,  jammern, 2: JE2-Alt. – 3. ‘nach einer Verdauungsstörung wieder die Schnauze ins Futter stecken’, vom Pferd – dat Peerd muult all wedder 3: Wb-Holzl 143 (HA-Um).
Lautf.: mul(e)n; außerdem: maulen Beiträge-Nd 75 (WO-HWa); [mauln] Wb-Be.
1Ms f. 1. TiN ‘Maus’ verbr. – d lfd ne Maus DE-Ca; dai Ms gnauan (knabbern) an dat Breot SA-Dä; Uffen Bon’n hammer ville Meise. Wb-Ak 112; Rda.: de Müs pissen ‘es regnet fein’ OST-Sta; dat is Muus wi Maus ‘das ist einerlei’ Wb-Holzl 144; ‘t is Ms as Mn (Muhme) dass., Wb-Altm 139; hei st t w en pott vull mse ‘er sieht mürrisch, unzufrieden aus’ Id-Queb 12; H kickt ass ‘n Ms t ‘n Dunk Hd (Haufen Werg). ‘Er trägt eine zu große Kopfbedeckung.’ Wb-Altm 142; sitten w de ms in der falle ‘keinen Ausweg mehr wissen’ Wb-Nharz 130; dat hilpt for de Müse, sää de Bure, dunn stok’e sine Schüne an HA-No; Sprw.: Mse hecken Mse BA-Re; De Mus lett dat Nasch’n nich. Spr-Altm 82; mid Speck fängd man Ms GA-Da; lüttge Müse hett ook Swänze HA-No; de Miese, de morjens danzen, kriegt’n Abend de Katze WA-West; is de Katte nich te Hs, danzet de Mse op’n Dische HA-Oh; wenn de Müse dicke sind, smeckt et Mehl bitter OSCH-Eils; Wenn de Muus satt is schmeckt det Mehl bidder. Firmenich 1854,132 (STE-Ste); Kinderreim:t’ laip enne Muus
Umme Kauhheers Huus,
Den Tripp, den Trapp,
Den Berg hinab.
Lieder-Ma Nr. 100 (WE-Ro).
Volksgl.: M., bes. in Scheunen, werden durch die Ausräucherung der Räume mit der Asche eines verbrannten, übel riechenden Krebses bekämpft (BA-Rie). Als Mittel gegen M. gelten außerdem: am Johannistag gesuchtes Bilsenkraut, Johanniskrone, Echte Hundszunge, Zweige vom Vogelkirschbaum oder Knoblauch (BA-Bad). Vk-Anhalta 34. In den Zwölften wird von Dingern statt von M. geredet, um eine Mäuseplage zu verhindern. Gebräuche-Altm 83. Um Mäusefraß zu vermeiden, beginnt man mit dem Mähen an einem Sonnabend und fährt auch das erste Fuder an diesem Wochentag ein (KÖ-Ar). M. gehören zum Gefolge der Geister und besitzen deshalb Zauberkräfte. Von M. angefressenes Brot schützt vor Zahnschmerzen (ZE-Na). Wer eine M. laufen sieht, hat Unglück. Masssenweisem Auftreten von M. folgen teure Zeiten (CA-Zu). Vk-Anhalta 34. – 2. ‘Handballen unterhalb des Daumens’ 2: Wb-Altm 142, 3: vereinz. elbostf., 4: vereinz. anhalt. – mich dd de Maus s w DE-Ca. – 3. ‘zähe Sehne im Muskelfleisch’,  Hrwass, 2: JE2-Cab, 3: HA-All. – 4a. Dim. ‘Kniescheibe des Pferdes’ 3: Wb-Holzl 144 (HA-Um). – 4b. Dim. ‘Geschwulst am Kniegelenk des Pferdes’ 3: JE1-Ca. – 5. ‘kleines  Kind’, Kosewort, 2: Bewohner-Altm 2,146. – 6. ‘kleiner Schlitten der Kinder’,  Slde(n), 2: WO-Me, HA-Som. – 7. Pl., auch in der Verbdg.: witte Mse ‘Geld’,  Zaster, 2: WO-Wo, vereinz. JE1, 3: verstr. n/ö elbostf., 4: BE-Neu.
Lautf.: Mu(u)s, Ms verbr. nd., Mda-Sti 34, BA-Ha; Museken Dim. (4a.) Wb-Holzl 144 (HA-Um); mes BLA-Brau; [ms] SA-Die; [müis] SA-Dä; [mius] verstr. nwaltm.; Miseken Dim. (4b.) JE1-Ca; Maus verstr. anhalt. – Gram.: Pl.: Müse vereinz. s Altm., JE2-Scho, verstr. n/w elbostf., Id-Queb12; Ms, [ms] verstr. nwaltm. n/mittlere Altm.; Miese, mse HA-AHa Hu, verstr. s/ö elbostf.; Muse, [mz] GA-Bo Le, CALV-Uth, verstr. ZE, Mda-Sti 34; Mäuse (7.) WO-Wo, vereinz. JE1 n/ö elbostf.; Meise verstr. anhalt. – Etym.: (7.) wohl aus Gaunerspr., Nbf. zu  2Ms, vgl. Wb-Rotw [3481]. Zuss.: zu 1.: Hassel-, Heu-, Hs-, Kerken-, Krabbel-, Miezmaus.
mskenlm Adj. ‘lahm am Kniegelenk’, vom Pferd, 3: Wb-Holzl 144 (HA-Um).
Lautf.: musekenlaam.
3n 1. Präp., verbr. – a. räumlich, zur Bezeichnung der Richtung oder des Ziels einer Bewegung – … de Näs nach … Bewohner-Altm 2,123; de fne schteit n morjen (Osten) Wb-Nharz 130; n Stadt Wb-Ak 118; ich fre n Gden (ON Köthen) DE-Ca; nan Marchte gahn HA-Um; na Bedde gan Wb-Holzl 144; … als hei noch na Schaule gung. Rauch 1929,68; ick hewe na Gruhe (Grude) kiekt HA-Bo; se sall mal na mick rummekieken WO-Dru; ich je nn Jrsfdor BE-He. – b. zur Bezeichnung des Zwecks einer Bewegung oder Handlung – ik j n Inkp’m JE2-Scho; ick will no Pläuen (Pflügen) moken CA-Schw; wei gungen to silfdritt na’n Bahn (Baden) OSCH-Crot. – c. zur Bezeichnung des zeitlich Nachfolgenden – nah Pingesten Id-Eilsa 80; no Lichtmeß OST-Dü; Noa Mitternacht … Matthies 1903,34; n te Arwt Wb-Be; n jren Wb-Nharz 130; n es Essen gannsde m gom’m DE-Ca; de Wch is n ‘n Frost sau holperich HA-Oh. – d. zur Bezeichnung des in einer Reihe oder Rangfolge Nachfolgenden – d kimt n mek Wb-Nharz 130; Rda.: D Arwt kimmt jlei n’s Hun’ne-flen! ‘Das ist eine langwierige Arbeit.’ Wb-Ak 72; ‘t mihrt sick, sä jenn Mann, dunn kreeg hei een Uhrfig’ nao de änner. Bewohner-Altm 1,349. – e. ‘entsprechend, gemäß’ – wenn’t n mik jinge HA-Oh; n mnen forschtanne Wb-Nharz 130. – f. in Abhängigkeit von bestimmten Verben – wei hett ok mal nan Träckedinge (Ziehharmonika) danzet OSCH-Wu; dunn harr’e drei Dage nah’n oold Stücke Isen e’socht HA-No; Rda.: de Liere noat Muhl schwatzen ‘anderen nach dem Mund reden’ ZE-Gri. – 2. Adv. – a. in der Verbdg.: n un n ‘allmählich, schrittweise erfolgend’ vereinz. – ick ging noa un noa ümmer titiger tom Inköpn … Hausfr-Altm 1925,55. – b. in Verbdg. mit up ‘bis auf’ 3: HA-Oh, Wb-We 91, Wb-Nharz 130 – bett op einen n HA-Oh; op finnef dlder n heww’ek alles betlt Wb-Nharz 130. – c. in der Verbdg.: de Wind steit n ‘der Wind kommt von hinten’, Schifferspr., 2: Elbschifferspr. 438 (STE-Bit, WO-Ro, JE2-Mi Pa), 4: a.a.O. 438 (CA-Ak). – d. als abgetrennter Teil von Adverbien (danach, wonach) vereinz. – Heischevers:Gewwet en Stücke Schinken,
da künn wi braav n drinken!
Brauch-wAltm 67 (GA-Nie).
Lautf., Gram.: na(h), n SA-Ho Se Stör, OST-Alt, STE-Schi, Nd-KlWu 17, JE2-Gü, verstr. elbostf. anhalt.; nach Bewohner-Altm 2,123, ZE-Steu, vereinz. sö elbostf., CA-Zu, DE-Que; nao, noa, n SA-Pü, verstr. Altm., vereinz. JE2, ZE-Kö Roß, Lieder-Ma Nr. 852 (WO-Ol), Tiedge 1954,39 (HA-Ost), Wb-Be, n Brauch-wAltm 67 (GA-Nie); [n] Wb-Be; [nao] SA-Dä; no(h), n vereinz. nwaltm., OST-Dü See, Hausfr-Altm 1927,43 (STE-Ber), STE-Kö, Sprw-Harzvorld 374, QUE-Di, BA-Gü, CA-Schw; no Mda-Sti 36; mit Enklise des bestimmten Art.: Akk. Sg.: na(h)n m. verstr. elbostf.; na(h)t n. GA-Dee, STE-Ta, JE2-Par, ZE-Ze, vereinz. elbostf.; nas n. vereinz. anhalt.; naon, nn m. JE1-Pre, QUE-Ga, BE-He; naot n. OST-Kre, GA-Klin, STE-Ga, JE1-Wa, ZE-Gri, HA-Hi, CA-Pö We; naos n. DE-Ho. Zuss.: zu 1c.: hr-; zu 1d.: hinden-, hr-.
nttgen Vb. ‘beunruhigen, quälen, peinigen’ – wi willt dat Dier nich noottöjen 3: Wb-Holzl 147 (HA-Um).