Kindke(n) f., n. ‘in den oberen Teil des Schweinedickdarms gefüllte Blutwurst’ 3: Wb-Holzl 118 (HA-Wo, WA-KlWa), HA-Eil.
Lautf., Gram.: f.: Kinneke Wb-Holzl 118 (HA-Wo, WA-KlWa), HA-Eil; n.: Kinneken Wb-Holzl 118 (HA-Wo, WA-KlWa). – Etym.: Aus Flechsig 1982,7 ist abzuleiten, dass es sich hier um das Dim. von  Kindhandeln könnte, da der Verzehr dieser Wurst Ehepaaren empfohlen wurde, deren Kinderwunsch unerfüllt blieb.
kleintsch Adj. ‘wählerisch im Essen’, auch ‘ohne oder nur mit wenig Appetit essend’,  kme, 3: Wb-Holzl 120 (HA-Wo), Id-Eilsb 147, Id-Queb 4.
Lautf.: kleinetsch Id-Queb 4, [klai’nt] Id-Eilsb 147; kleinätsch Wb-Holzl 120 (HA-Wo).
Kleingeld n. wie Standardspr., 3: Wb-Holzl 120 (HA-Wo), Wedde 1938,83 – en bettjeken Klainejeld Wb-Holzl 120 (HA-Wo).
Lautf.: Kleinjeld Wedde 1938,83; Klaine- Wb-Holzl 120 (HA-Wo).
Klocke f. 1a. ‘Glocke’, bes. die Kirchenglocke, verbr. – Der Klang der K. ist in zahlreichen Reimsprüchen nachempfunden: Bim, bam, bohler, Kost nen halben Daoler GA-Ga; Kümmt all to Kerk! Kümmt all to Kerk! OST-Sa; bimm baum, bälaumWE-Ve; Rätsel: Gät un schlät int Holt, Dag in, Dag ut: Un kümmt doch nich rut! Volksspr-Altm 93 (SA-Vi); Rda.: an de grte Klocke schlahn ‘etw. überall herumerzählen, aufbauschen’ CA-Fö; De hät de Klock lü’n hürt, weet äöwer nich wo’s’ hangen. ‘Er weiß nicht genau Bescheid.’ Bewohner-Altm 1,344; Nu weet ick, wo de Klocken hangen. a.a.O. 344; nu wettste, wat de Klocke eschlahn hat CA-Fö. – Brauch: Die K. wurde nicht nur zum Kirchgang geläutet, u.a. erinnerte das Läuten an bestimmten Tagen die Dorfbewohner an deren Ablieferungspflicht: Eier für den Pastor, Schütten (Abliefern) des Zehntgetreides, die Schüttenden bekamen Schnaps und Tabak. Brauch-Anhalt 92ff. (KÖ-Wa, DE-Ro). Am Michaelstag (29. September) läuten die Glocken Zinsen, Pachte, Swinegeld (OSCH-Krop). – Volksgl.: Die K. gilt vielfach als Vorzeichen des Todes: Vom Klang der Kirchenglocken heißt es, wenn sie singen, stirbt bald jmd. (GA-Ro). Klingt bei einer Beerdigung eine Glocke nach oder haben beim Leichenzug die Glocken einen traurigen Klang, so folgt bald ein weiterer Todesfall. Vk-Anhalta 174 (BE-Pei, KÖ-Kö Ost). Schlägt beim Trauergeläut die große Glocke zuerst an, ist das nächste Todesopfer ein Mann, bei der mittleren Glocke eine Frau, bei der kleinen ein Kind. a.a.O. 174 (BE-Pei). – 1b. ‘ Klingel an der Haustür’ 1: SA-Ah, 2: verstr. n/mittlere Altm., CALV-Calv, verstr. JE2, JE1-Mö, ZE-Wö Ze, 3: JE1-Pre, Wb-Nharz 100, BA-Rie, BE-He, 4: QUE-Frie, BA-Neu, DE-Grie Wö. – 1c. ‘kleine Glocke’, bes. für weidende Kühe und Schafe, auch am Schlitten, 2: SA-Sta, 3: Wb-Nharz 100. – 2a. ‘Uhr’, bes. die Turmuhr, 1: SA-Dä, 3: WO-Gu, Wb-Holzl 121, CA-Fö, 4: Wb-Ak 91 – uns Klock gaet to l aot ‘die Uhr geht nach’ SA-Dä. – Volksgl.: Das Schlagen der Uhren kann den nahenden Tod ankündigen: Schlägt die Turmuhr (Glocke) dem Geistlichen ins Vaterunser oder ins Amen, stirbt ein Kirchgänger. Vk-Anhalta 174 (KÖ-Ar, DE-Go). Gleiches tritt ein, wenn die Uhren vom Rathaus und vom Kirchturm gleichzeitig schlagen. a.a.O. 174 (DE-Je). Steht eine Wanduhr plötzlich still, stirbt am anderen Tag zur gleichen Stunde ein Verwandter. a.a.O. 174 (KÖ-Thu). – 2b. ‘Uhrzeit’ 2: Wb-Altm 106, Hausfr-Altm 1927,45 (STE-Ber), JE2-Scho Schön, verstr. ZE, 3: Rauch 1929,13, vereinz. HA OSCH, Wb-Nharz 100, Wb-We 67, 4: Wb-Ak 91, Wäschke 41920,8 – W hk is denn de Klocke? ‘Wie spät ist es?’ Wb-Ak 91; so umme half Klocke veiere rum OSCH-Wu; Ik ha äin Morr’n van Klock dree bet Klock nä’n Gras mäht … Hausfr-Altm 1927,45 (STE-Ber); Klocke fünwe is et doch all düster HA-Bo; … von Klockener viere bes Klockener achte …’ungefähr von 4 bis 8 Uhr’ Wäschke 41920,8. – 3a. ‘glockenförmiges, unten geschliffenes Gerät aus Metall zum Enthaaren gebrühter Schweine’ 1: SA-Roh, 3: HA-Oh, Wb-Holzl 121 (HA-Wo), QUE-Hau, 4: Wb-Ak 91. – 3b. ‘Glasglocke’, zum Abdecken von Nahrungsmitteln, 4: Wb-Be.
Lautf., Gram.: Klocke, [klok] Sg.; Klock(e)n, [klok] Pl.; außerdem: Klock SA-Ah Dä, verbr. Altm., JE2-Kam; Klöcke JE2-Schön; Glocke Sg., Glocken Pl., [glok] Pl. SA-Roh, STE-Grie, CALV-Calv, JE2-Scho, ZE-Wö, OSCH-Eils, QUE-Frie, BA-Neu, DE-Grie; Glock OST-Bre Na, GA-Jä; Jlocke, [jlok] JE1-Pre, Mda-Ze (ZE-Roß), Ldk-Anhalt 2,64 (ZE-Kö), CA-Ak, Wb-Be; Klockener Wäschke 41920,8: zur Angabe der ungefähren Zeit, Bildg. mit -er: ist ein abgeschwächtes der, ausf. vgl. der 5. Zuss.: zu 1b.: Hs-, Klinge(l)-, Klinger-; zu 3.: Kse-, Lampenglocke; sonstiges: ster-.
klnen Vb. 1a. ‘erzählen, schwatzen, Nichtiges reden’,  nlen, auch ‘langatmig erzählen’ 1: SA-Bre Pü Se, 2: verbr. nbrdb. (außer s), JE1-Bü Zie, 3: CALV-Calv, HA-Bee KlBa, Wb-We* 219, Wb-Nharz 99 – De Frau’nslü’ bi’t Waschent de staohn an dat Fatt Un kläö- nen un dräönen van dit un van dat. Pohlmann 1905,16; Rda.: H kläönt n’n de r’n vull ‘er wird durch sein unaufhörliches Gerede lästig’ Wb-Altm 103. – 1b. ‘klatschen, petzen’, auch ‘schlecht über jmdn. reden’ 2: Wb-Altm 103, JE1-Bü – Hast all wedder kläönt ‘hast du wieder geplaudert?’ Wb-Altm 103. – 2a. ‘in weinerlichem Ton sprechen’,  jammern, 3: HA-Wo. – 2b. ‘stöhnen, jammern, klagen’,  stnen, 2: STE-Wa, 3: vereinz. nö elbostf., OSCH-Ott, WA-Am, WE-Ri, Wb-Nharz 99 – watt’e man ümmer te klenen hat HA-Oh. – 3. ‘langsam arbeiten’,  trdeln, 3: Wb-We* 219.
Lautf.: klö(ö)nen, klöhnen verstr. Altm. (außer s), JE2-Me Scho, JE1-Bü, vereinz. n/mittleres elbostf., WE-Ri; klö(ö)n, klöhn, verstr. nbrdb. (außer s), JE1-Zie, Wb-We* 219; klön’n, klöhn’n, klöön’n SA-Rie, STE-Da GrMö, HA-Bee; klönn SA-Kön, HA-KlBa; klenen HA-Oh; kläö(h)nen, klöa(h)nenPohlmann 1905,16, OST-Werb, GA-KloNeu, JE2-Alt Gü; klöa’n GA-Wer; klööän, klöän’n, kloähn’n, [kl] Mda-Ar 32, OST-Gla Spä, GA-Mie, STE-Bis, JE2-Scho; kläön Wb-Altm 103; klnen Wb-Nharz 99; kl’n Wb-We* 219; klöden HA-Hu.
Kn n., f. 1. ‘Knie’ 1: verbr. nwaltm., 2: verbr. Altm., JE2-Scho, verstr. ZE, 3: verstr. elbostf., 4: Mda-Sti 22, BA-Ha, verbr. anhalt. – ne slimme Kni/Kni-e Wb-Holzl 122 (HA-Wo); bet an de Kn HA-Oh; Ich hawwe mich ne Kne jerennt. Wb-Ak 93; Rda.: ewwert Knie trecken Androhung von Schlägen, Sprw-Börde; iwwer de Knie län ‘jmdn. verprügeln’ KÖ-Bre; einen en Lock int Knie bohren ‘jmdn. unablässig um etw. bitten’ BA-Ha Re. – 2a. ‘Biegung, Krümmung’, von Gegenständen, 3: Wb-Nharz 102, 4: Wb-Be. – 2b. ‘Rippe des Kahns, an der die Bordplanke befestigt ist’, Schifferspr., 2: Elbschifferspr. 135f. (STE-Bit Tan, WO-Ro, JE2-Mi Pa), 4: a.a.O. 135f. (CA-Ak), Wb-Ak 93.
Lautf., Gram.: Kn SA-Ku Zie, verstr. Altm., JE2-Scho, Mda-Sti 22; [kn] WO-Zi; [kni] STE-Bö Steg; [knäi] verstr. nwaltm., SA-GrGe; Kni(e), Kn, [kn] OST-Har, GA-Bo, WO-Col, verstr. elbostf., BA-Ha; [kn] Pl. Elbschifferspr. 136 (STE-Ta, WO-Ro, JE2-Pa, CA-Ak); Kne, [kn], Kniee, Kni-e Elbschifferspr. 135f. (STE-Tan), vereinz. WO, verstr. ZE, Wb-Holzl 122 (HA-Wo), BLA-Brau, verstr. anhalt.; [gn] verbr. anhalt.; [g] Mda-Fuhne 116 (vereinz. DE); Knai, Knei, [knai] SA-Dä Han Schm, WE-He; [knei] Pl. Elbschifferspr. 136 (STE-Bit, JE2-Mi); [knai] Mda-Ro; Nbf.: Kniel Serimunt 1930 Nr. 82; auf -e auslautende Formen f., endungslose Formen f. belegt: SA-Han, Wb-Holzl 122, Wb-Nharz 102. Zus.: zu 1.: Ngen-.
Knpekasten m. ‘Kasten zur Aufbewahrung von Knöpfen’ 3: Wb-Holzl 123 (HA-Wo).
Lautf.: Knoipekasten.
Kdränke f. ‘sumpfige Stelle im Acker’, auch ‘Teich’, zum Tränken der Rinderherde, 3: Wb-Holzl 117 (HA-Wo), HA-Oh.
Lautf.: Kaudränke, -drenke.
Kkspe f. ‘selbst gekochte Seife’ 3: Wb-Holzl 124 (HA-Wo).
Körste f. 1. ‘Brotrinde’ 1: SA-Zie, 2: CALV-Uth, vereinz. n JE1, verstr. s JE1, 3: verstr. w JE1. – 2. ‘harte Erdkruste’,  Borke, 1: SA-Pü, 2: verstr. Altm., vereinz. mittleres JE2, JE1-Scha Zie, 3: JE1-Plö, HA-Erx Ma, vereinz. s elbostf., 4: BA-Gü, CA-Ak, vereinz. BE, DE-Ca – de Erd hätt en hard Krust OST-Na. – 3. ‘ Schorf’ 2: JE1-Stei, 3: HA-Wo.
Lautf.: Körschte JE2-Bö, JE1-Zi; Kurschte, [kurt] JE1-Zie, Mda-nwJe1a 43 (vereinz. w JE1), Mda-sJe1 9 (verstr. s JE1); Kerschte JE1-Grä; Kirschte JE2-Alt; Kruste vereinz. s Altm., JE2-Bu, JE1-Stei, vereinz. w JE1, HA-Erx Ma Wo, vereinz. s elbostf., BA-Gü, CA-Ak; Krust SA-Pü Zie, vereinz. n/mittlere Altm.; [grusd] vereinz. BE, DE-Ca; Krüste JE2-Schön. – Etym.: Formen mit r-Metathese zu mnd. korste ‘Kruste, Brotkruste’, vgl. HWb-Mnd 2,646.