Handfatt n. ‘hölzernes Schöpfgefäß mit senkrecht nach oben stehendem Griff’,  Stunz(en), 2: verbr. JE2, Mda-nwJe1b 72 (JE1-Gra Rie) – lett man d Kälwa (Kälber) sp’m t dät Handfatt JE2-Scho.
Johann ohne Genus ’24. Juni’ verstr. – dai Kamö’n (Kamillen) mün’n um Johannich arum plückt w’n SA-Dä; Jhannich mott de Pachte betlt wern HA-Oh; Der Tag gilt als einer der längsten des Jahres: üm Johann blifft ümma schummrich ra msikngjrau JE2-Scho; Rda.: sau lank w de Dch forr Jhannich ‘sehr lang’ HA-Oh; Bauernregel: f Jhannich bitt um Rng, nh kümmt he ungelng SA-Rist. – Brauch: Zu J. wurde nicht gearbeitet (Wb-Altm 264, Volksfeste-Altm 296), z.T. fiel die  Hgelfer auf diesen Tag (Brauch-wAltm 90). Anderenorts wurde bei einem Umzug unter Musikbegleitung die  Johanniskrne durch das Dorf getragen, dies konnte mit einem Heischegang verbunden sein. Volksfeste-Altm 290 (STE-Osth), Brauch-Ma 273f. (STE-Bo, WO-Ol), JE1-Pre, Vk-Anhalta 257 (CA-Zu). Die Krone konnte an der Spitze eines Mastes (Vk-Anhalta 257), einer Tanne (Vk-Harz 8,64) oder der stehen gebliebenen Pfingstmaie (Brauch-Rie 748) befestigt werden. Die Tanne wurde auch mit Esswaren geschmückt (WE-El, BLA-Ta), die Kinder tanzten um die Johanniskrone (BLA-Rü So). Vk-Harz 8,65. Auch Tanzveranstaltungen der Jugend waren üblich. Diese wurden häufig von den Mädchen ausgerichtet (verstr. ZE, verbr. anhalt.)  auch Johannisdanz, Mädchenjohann, Mädchentanz. Nur in der ö Altm. und in JE2 waren  Johannisfer üblich. In Radegast wurde ein Brunnenfest gefeiert, vereinz. wurden von Mitternacht bis spätestens Sonnenaufgang die Brunnen gereinigt (Vk-Anhalta 257). Der Johannistag war Tag des Dienstwechsels für das Gesinde. JE2-Ki, WO-Ba, CA-GrRo, ADVk Nr. 150 (JE1-Gra, BA-Ba). – Volksgl.: Die Nacht des Johannistages eignet sich für Liebesorakel ( auch Johannisnacht). So kann ein Mädchen im Traum den zukünftigen Mann sehen, wenn es zu J. zwischen 11.00 und 12.00 Uhr unter strengstem Stillschweigen neun Arten Blumen sammelt, sie zum Kranz windet und unter ihr Kopfkissen legt. Brauch-Ma 273 (WO-Ol). Den zu J. oder am Vorabend gesammelten Pflanzen wird bes. starke Heilkraft zugeschrieben. Vk-Altm 239, Brauch-wAltm 89f., Vk-Anhalta 257f., Wirth 1928,34. Z.T. ist auch hierfür die Zeit zwischen 11.00 und 12.00 Uhr vorgeschrieben (GA-Wer). Zum Schutz vor Hexen, Unholden und anderem Unheil nagelt man in der Johannisnacht ein Hufeisen auf die Türschwelle, anderenorts bricht man zu J. zwischen 11.00 und 12.00 Uhr Zweige des Faulbaums und hängt sie im Stall auf (DE-Go). Vk-Anhalta 258. Über der Tür befestigt man Eschenzweige, um das Haus zu schützen. Vk-Harz 8,66 (QUE-Ga). Auch die  Johanniskrne (dort ausf.) wird zum Schutz vor versch. Unheil angebracht. Wer zu J. an Blumen riecht, bekommt Blut- oder Nasenkrebs. Brauch-Ma 273 (HA-Sü), Mda-Ohre 360 (GA-Rä). Am Johannistag badet man nicht, weil das Wasser ein Opfer sucht.Vk-Anhalta 257 (ZE-Ze, BA-GrAls, KÖ-Kö, DE-De). Die Flüsse Bode und Holtemme fordern Opfer (Vk-Harz 8,66), ein Tümpel in Neuhaldensleben rief mit menschlicher Stimme nach einem Opfer (Brauch-Ma 273).
Lautf.: [johan] JE2-Scho, Johanni BE-Grö; [johani] SA-Dä Sta, Johannich HA-Oh, Chr-Em 427, WE-Dee; [jhani] SA-Rist; Johannig WE-Oster; [johanij] Nd-Börde § 57; Jhnnije Mda-Sti 127; Jehanne Wb-Ak 77; Jehannig Wb-Altm 264; Jehannich Zauber-Ma 95 (GA-Mie), Wb-Holzl 112, Id-Eilsa 69, QUE-Di. Zus.: Knechte-.
Ksewäsche f. dass. wie  Ksewaddeke, 2: MdanwJe1b 72 (JE1-Gra), JE1-Wall, 3: JE1-Ca Plö.
Lautf.: Käsewäsche JE1-Wall; Kese- JE1-Ca Plö; [kzve] Mda-nwJe1b 72 (JE1-Gra).
Kehrichtschippe f. ‘kleine Handschaufel für zusammengefegten Schmutz’,  Krbleck, 2: JE1-Gra.
klatschen Vb. 1. ‘ein klatschendes Geräusch verursachen, mit klatschendem Geräusch schlagen’, auch ‘mit der Peitsche knallen’ 2: Id-Altm, Heimatkalender-Je 1927,121 (JE2-Vie), Mda-nwJe1 43 (JE1-Gra Scha), ZE-Roß, 3: HA-Oh, Lindaub o.J. 5, Wb-Nharz 98, 4: vereinz. omd. – in de henne klatschen Wb-Nharz 98; einen den rsch klatschen a.a.O. 98; ’n ne klatschen Wb-Ak 90; de rn klatscht jjen de fenster Wb-Nharz 98. – 2a. ‘schwatzen, Nichtiges reden’,  nlen, verstr. – 2b. ‘durch Gerede jmdn. in Misskredit bringen, petzen’, von Kindern, 4: BLA-All. – 3. ‘heftig regnen’,  pladdern, 3: BE-He, 4: BA-Ha, BE-Nie. – 4. ‘mit kleinen Tonkugeln spielen’,  snappen, 3: JE1-HWa.
Lautf.: klatschen, [klatn]; außerdem: [klatn] Wb-Be; [glad- n] verstr. BE, DE-Ca; kltschen Mda-Sti 118; [kletn] MdanwJe1 43 (JE1-Gra); [kletsn] a.a.O. 43 (JE1-Scha).
klemmen Vb. 1. ‘hängen bleiben, nur mit Mühe zu bewegen sein’,  drange, 2: JE2-Gü Scho, JE1-Gra Ka Zie, ZE-Roß, 3: vereinz. elbostf., 4: BA-Ha, Wb-Ak 90, Wb-Be. – 2a. refl. ‘sich quetschen’, 2: Bewohner-Altm 2,123, Spr-Altm 40, 3: HA-Oh, Sprw-Harzvorld 399, Wb-Nharz 99, 4: Wb-Ak 90, Wb-Be – Rda.: Klemme deck man de Finger nich ‘Bringe dich nicht in Verlegenheit’ Sprw-Harzvorld 399. – 2b. ‘zwischen etw. zwängen’ 3: Lindauc o.J. 84, 4: Wb-Ak 90, Wäschke 41910,60. – 3. ‘stehlen’,  klauen, 1: SA-Dä, 2: vereinz. brdb., 3: verstr. elbostf. (außer WA), 4: vereinz. omd. – hei hat watt e’klemmet HA-Oh.
Lautf., Gram.: klemm(e)n; außerdem: klem’m, [kle] JE2-Gü, ZE-Roß, Wb-Holzl 120, Wb-Ak 90, Wb-Be; klemmt Part. Prät. Lindauc o.J. 84; klemmte 3. Sg. Prät. Wäschke 41910,60; [gle] BE-Nie. Zus.: zu 2b.: in-.
klitschen Vb. 1a. ‘mit kleinen Tonkugeln spielen’,  snappen, 2: CALV-Uth, WO-Me Sa, 3: WO-Ol, JE1-Ca, Wb-Holzl 121, vereinz. CA. – 1b. dass. wie  klsen 2., 2: ZE-Sta (slt.), 3: JE1-Ca. – 2a. ‘klatschen’, Kinderspr., 3: Mda-Weg 102. – 2b. ‘knallen’, in verächtlichem Sinne, 2: Mda-nwJe1a 43 (JE1-Gra Scha), 3: a.a.O. 43 (JE1-Nie). – 3. ‘kleben’, von Plakaten u.ä., 2: ZE-Roß. – 4. ‘schlecht backen’, bes. Kuchen, 4: Wb-Be, DE-Ca.
Lautf.: klitschen, [klit()n]; außerdem: [glidn] DE-Ca. – Etym.: Steht im Zush. mit klitsch, lautmalend für ein helles klatschendes Geräusch, vgl. Kluge 231995,451.
Knäckerling m., vorw. im Pl. PflN Pflaumensorte mit kleinen runden gelben oder blauen Früchten,  Spelling, 2: JE1-Gra, Mda-nwJe1b 75 (JE1-HZi Wö), 3: a.a.O. 75 (JE1-Ra), 4: Vk-Anhalta 77 (BA), Wb-Ak 92, DE-Els Or Ro.
Lautf., Gram.: Knäckerlinge Pl. JE1-Gra; [gnegrli] Pl. DE-Or; Knkerlink Wb-Ak 92, KnäkerlingVk-Anhalta 77 (BA); [gngrlig] DE-Ro; [knkrli] Pl. DE-Els; [knakrli] Pl. Mda-nwJe1b 75 (JE1-HZi Ra Wö); Nbf.: Knäckling STE-Wa. – Etym.: Die Abgrenzung des K. (Prunus insititia) zur Echten Pflaume (P. domestica) ist schwierig. Die Frucht ist bei vielen Abarten kugelig, daher wohl auch der Name, der auf nd. Knicker ‘Kugel, Murmel’ zurückgeht, vgl. Wb-PflN 3,1132, DWB 5,1419.
Mlbutte f. 1. dass. wie  Mlbre 1., 2: Mda-nwJe1b 75 (JE2-HSe, JE1-Gra), Mda-sJe1 35 (JE1-Schw), ZE-Bur HLe Ro, 3: Mda-nwJe1b 75 (JE1-Bie Ger Wol). – 2. ‘Frucht der Heckenrose’,  Hgebutte, 2: ZE-Nu Roß.
Lautf., Gram.: Mehlbutte ZE-Bur; -butten Pl. ZE-HLe Ro; -putte ZE-Roß; [melputn] Pl. Mda-nwJe1b 75 (JE1-Bie Wol), Mda-sJe1 35 (JE1-Schw); [mlbutn] Pl. Mda-nwJe1b 75 (JE2-HSe, JE1-Gra); [-putn] Pl. a.a.O. 75 (JE1-Ger); Mealputte ZE-Nu.
Melkschrank m. ‘Schrank zur Lagerung der gefüllten  Melksatten’ 2: JE1-Gra, ZE-Ste; 3: vereinz. elbostf., 4: Wb-Ak 113, Wb-Be – wei harrn dehuus en jroten Mellekschrank, … doa wurrn de Sattn drin upjeschtoapelt, ummer so en Schticker dreie, viere upnänner ZE-Ste.
Lautf.: Melkschrank; außerdem: Mellek- ZE-Ste, Heimatgesch-Bad 24; Millich- Wb-Ak 113, [milirak] Wb-Be.