lütt Adj. 1: verbr. nwaltm., 2: verbr. Altm., verstr. JE2, vereinz. JE1, ZE-KlLei, 3: verbr. elbostf. (außer s WA, CA belegt nur CA-Löd), 4: Wb-Ak 107, BE-Fr 1. ‘von vergleichsweise geringer Ausdehnung, geringem Umfang’,  kleinlittchen Hoff ‘kleine Bauernwirtschaft’ Beiträge-Nd 65 (WO-HWa); düt lütje Bauk Klaus 1936,III; der lüttje Finger QUE-West; sik ne lüttje Wost snurren (erbetteln) HA-Oh; dät Schwn is lütt as Frkng JE2-Scho; Hannjochen hare sick en lütgen witten Spitz opetreckt … Rauch 1929,70; det is mann rechtn lüttjen Mda-nwJe1a 36 (JE1-Ih); in mda. Benennungen der ON statt standardspr. Klein-: Littjen Garmslä ‘Klein Germersleben’, Littjen Wanzlä ‘Klein Wanzleben’ Wb-Holzl 137; Lüttchen Möringen ‘Klein Möhringen’ STE-KlMö; … eyn hus … in der lutken straten … 1471, StB-Neuhaldenslebena 91. – 2. ‘von vergleichsweise geringer Zeitdauer’ – tf’n lüttj ‘warte ein wenig’ Wb-Altm 130; Bi lütgen (nach und nach) har et an e fänget … Rauch 1929,71; Rda.: dat dert ne lüttje wichkeit! ‘das dauert aber lange!’ HA-Oh. – 3. ‘jung, noch nicht erwachsen’ – liddjes Dingg ‘kleines Kind’ BE-Fr; ein lüttjeck Kind OSCH-Ba; lüttje Oanten ‘junge Enten’ SA-Stei; De litje Rosel von Schulzens … Spr-Asch 24; dat Kint is noch tau lüttich HA-Oh; Sprw.: Lüttje Lü’e owerloopt laicht mid Zorn Wb-Holzl 34.
Lautf., Gram: lütt verstr. nwaltm., verbr. Altm., verstr. JE2, JE1-Kra, Id-Queb 9; lütte (wohl vorw. attr. sw. Nom. Sg., aus Belegen nicht ersehbar, ob attr. oder präd. Verwendung, gilt auch für die nachfolgenden -e Formen) vereinz. mittleres/s JE2; Lütt m. Wb-Altm 130; Lütten m. Akk. Sg. WO-Gli; Lüdden m. Akk. Sg. STE-Osth; (bei) litt’n Wb-Ak 107; lüttig, -ich vereinz. n elbostf. OSCH; luttich OSCH-Di; lüttk, [lütk] verstr. nwaltm., Wb-Altm 130; lüdk SA-Böd; lüttg Wb-We 84; lütkt SA-Pe; lüttge (wohl vorw. attr. sw. Nom. Sg.) JE2-Go, vereinz. n/w elbostf., QUE-Su; Lüttgen m. Akk. Sg. OSCH-KlQue; lüttj, lüttch vereinz. Altm. n elbostf., OSCH-Eil, Wb-We 84; lüttje, lüttche (wohl vorw. attr. sw. Nom. Sg.) vereinz. SA OST, verstr. s Altm., vereinz. JE2 JE1, ZE-KlLei, verbr. elbostf. (außer s WA, CA belegt nur CA-Löd); Lüttje, Lüttchen. CALV-Calv, JE2-Alt, verstr. n elbostf., vereinz. OSCH WE; Lütsche n. WO-Col; lüttjet (st. n. Nom. Sg.) JE1-Re, verstr. elbostf.; [lit] Beiträge-Nd 65 (WO-HWa), littch Wb-Holzl 135; litsch QUE-Tha; lit(t)je, littche (wohl vorw. attr. sw. Nom. Sg.) GA-Esch, WO-GrAm, WA-Sche, WE-Ost, Wb-Nharz 118, BA-Re, Spr-Asch 24; [lidjs] st. n. Nom. Sg. BE-Fr; litje m., n. Wb-Nharz 118; Littchen m. Akk. Sg. WE-Ost; Litsche n. GA-Bo; lüttgig, lüttchig, -jig, -ich SA-Im, verbr. n elbostf., Id-Eilsa 77, OSCH-Ho, WE-Is Rho; luttjich OSCH-Be; littjig, litjich HA-Va, Wb-Nharz 118; lüttjek st. n. Nom. Sg. OSCH-Ba Schl, verstr. WE; lüttjekes st. n. Nom. Sg. OSCH-Eils; lutjek st. n. Nom. Sg. OSCH-Di; littchek st. n. Nom. Sg. QUE-Su; lüttchen JE2-Za.
Maikrabbel m. dass. wie  Maikwer 1., meist scherzh. oder Kinderspr., 2: JE2-Alt, JE1-Ih Kö, vereinz. ZE, 3: vereinz. elbostf.
Lautf.: Maikrabbel JE2-Alt, JE1-Ih Kö, WE-Dee, Id-Queb 10; -kraw(w)el, [krawl] vereinz. ZE, HA-Sie Som.
Marse f. ‘im Wasser aufgestelltes Netz zum Fischfang’,  Schfhmen, 2: Mda-nwJe1b 73 (JE1-Ih).
Etym.: zu altsorb. mrea, altpoln. mrzea ‘Fischnetz’, im Deutschen auch zu Briese umgeformt, vgl. Eichler 1965,31.
mulsch Adj. 1. ‘überreif, weich, von innen faulend’, bes. von Birnen, 1: vereinz. nwaltm., 2: SA-Sa, verbr. mittlere/ö/s Altm. JE2, JE1-Go, 3: JE1-Ra, verbr. n elbostf., vereinz. OSCH, WA-Do Schw, verstr. sw elbostf. (außer BLA) – de Beern lijjet all te lange, se wehrt all mulsch HA-Bee.  fsch fschig knatschig msig matschig ml mlig morsch morschig mr(we) mdek mull mulschig mulsterig wermr pumpeml rosch roschig rottig vermulscht; die wichtigsten Synonyme s. Kt. – 2. dass. wie  mulmig 2., 2: JE2-Scho, 3: verstr. w elbostf. (außer BLA), WA-Et Ha Un – mulschet Holt WE-Ost. – 3. ‘übermütig’ 2: Mda-nwJe1b 72 (JE1-Ih).
Lautf.: mul(l)sch, [mul]; außerdem: mulscht OST-Neu; mulch OST-Kö, WO-Bl, WA-Et; musch SA-Lüd; mlsch OST-Me; [m] SA-Dä; molsch GA-Fle See, JE2-Ki Ze, JE1-Go, WO-Ba, HA-All, WE-Is Ri; unter Einfluss von  ml?: moolsch HA-NHa Wed, WE-Zi.
Muschte f. ‘Muskatnuss’ 2: Mda-nwJe1b 73 (JE1-Ih), 3: Nd-Börde § 82, Id-Queb 12.
Lautf.: muskate Id-Queb 12; [ma’t] Nd-Börde § 82; [maat] Mda-nwJe1b 73 (JE1-Ih).
Nacht f. 1. ‘Tageszeit zwischen dem späten Abend und der Morgendämmerung’ verstr. – et Nachts ‘in der Nacht’ HA-No; b nachte dass., Wb-Nharz 131; Bi Nachten goah’k dao mien Lew’dag nich we’r vöärbi. Pohlmann 1905ff.,116; Vor Nacht isse jekom’m. Wb-Ak 118; lest’n Nacht waiat tau dsta (dunkel) SA-Dä; dao will ik east Nacht iwa schlaop’m SA-Dä; g Nacht Grußformel vor dem Schlafengehen, QUE-Di; Rda.: b nacht un newel ‘ganz heimlich’ Wb-Nharz 131; de Fawrke geit Dch un Nacht HA-Oh; sik de Nacht umme de ern sln ‘wegen etw. nachts nicht zum Schlafen kommen’ HA-Oh; Sprw.: de Nacht is keines Minschen Fründ Wb-We 91; Inne Nacht sin alle Katzen jrau. Wb-Ak 118. – 2. ‘die zwölf Nächte zwischen Weihnachten und dem 6. Januar’,  Twölften – a. in der Verbdg.: de hilligen twölf Nächte 1: SA-Dö, 2: SA-GrAp, STE-Sche, JE2-Par, Vk-Anhaltb 25 (ZE-Cos Stra), ZE-Reu, 3: vereinz. elbostf., 4: BA-Gü, vereinz. anhalt. – b. in der Verbdg.: de hilligen Nächte 2: OST-Bi, GA-Wet, STE-Ei Kre, JE2-Bre See Wu, JE1-Ih Mö, vereinz. ZE, 3: verstr. elbostf., 4: BA-Ha, Vk-Anhaltb 25 (BE-Il). – c. in der Verbdg.: de twölf Nächte 2: STE-Go Ost, ZE-Bur, 3: WE-Mi, QUE-Ga. – d. in der Verbdg.: die zwölf rauhen Nächte4: Vk-Anhaltb 25 (BE-Fr). – e. in der Verbdg.: die langen Nächte 4: a.a.O. 25 (BE-Il, DE-Mei). – f. in der Verbdg.: die geheimen Nächte 4: a.a.O. 25 (BE-Il). – g. in der Verbdg.: de witten Nächte 3: WE-Schie. – h. in der Verbdg.: de grulichen Nächte 3: BE-KlMü. – 3. in der Verbdg.: fre Nacht ‘Nacht vor Pfingsten’ 1: BrauchwAltm 59f. (vereinz. nwaltm.), 2: a.a.O. 59f. (vereinz. SA, verstr. GA, STE-Bu Kö), 3: vereinz. n elbostf. – Brauch: In dieser N. ist es den jungen Männern erlaubt, Schabernack zu treiben. So werden z.B. Ackerwagen auseinandergenommen und auf den Dächern wieder zusammengebaut oder das Vieh der Bauern vertauscht. Die Burschen haben bei ihrem Rundgang sogar das Recht zu stehlen, weshalb die Bauern Geld oder Naturalien bereitlegen. Beim Abhalten eines Dorfgerichts werden Personen, bes. die Mädchen des Ortes, getadelt oder verspottet. Brauch-wAltm 59f. – 4. in der Verbdg.: de kolden Nächte ‘die drei Eisheiligen’,  shilligen, 2: JE1-Grü, 3: HA-Sie.
Lautf., Gram.: Nacht, [nat]; außerdem: ncht Mda-Sti 13; Pl.: Nächte verstr. nd. (außer nwaltm. und n/mittlere Altm.), BA-Gü Ha, verstr. anhalt.; Nächt SA-Dö, vereinz. n/mittlere Altm.; Nechte HA-Oh, nechte Wb-Nharz 131; [ned] BE-He Wa; nachte Wb-Nharz 131, Mda-Sti 13. Zuss.: zu 1.: Johannis-, Matthias-, Midder-.
neddersetten Vb. refl. ‘sich hinsetzen, Platz nehmen’ 2: Wb-Altm 145, Mda-nwJe1b 73 (JE2-HSe, JE1-Ih Scha), 3: Klaus 1936,49, Wb-Nharz 133 – Sett di nädder Wb-Altm 145.
Lautf., Gram.: neddersetten Wb-Nharz 133; setten nedder 3. Pl. Prät. Klaus 1936,49; [zet nedr] Imp. Sg. Mda-nwJe1b 73 (JE2-HSe, JE1-Ih Scha); Sett ndd’r Imp. Sg. Wb-Altm 145.
Nler f. 1. ‘Trödelei, langsames Arbeiten oder Tä- tigsein’ 3: Wb-We* 228. – 2. ‘nichtiges Gerede, Geschwätz’,  Quassel, 1: SA-Ch, 2: Wb-Altm 145, vereinz. sö Altm., JE2-HSe, JE1-Ih Nie, 3: vereinz. n elbostf. – Dei dumme Nöälderie van sienen Dod is öhm gliek, … Rauch 1929,104. – 3. ‘unverständliches, undeutliches Gerede’,  1nusseln, 2: GA-Kä, JE2-Fi, 3: WO-HWa.
Lautf.: Nölerie vereinz. s GA, WO-Och; Nlere Wb-We* 228; Nölerei GA-Kä, WO-Bu Uetz, JE2-Fi, JE1-Ih Nie; Näöler Wb-Altm 145, Nöäler HA-Oh; Nöälerei JE2-HSe; Nöäleräi STE-Schl Scho; Nöälderie Rauch 1929,104; Naölerei STE-De; Nä(h)lerie WO-HWa, HA-Neu; Nählere WO-GrAm; Nälerei SA-Ch; Nlere Wb-We* 228.
Nusseljochen m. dass. wie  Nusseler 2., 2: MdanwJe1a 51 (JE1-Ih Pa), Mda-sJe1 31 (JE1-Ka).
Lautf.: [nuzljon] Mda-sJe1 31 (JE1-Ka); Nbf.: [nustljan] Mda-nwJe1a 51 (JE1-Ih Pa).