Flittich m. 1. dass. wie  Flittje(n) 1., 2: JE1-Scha, verstr. ZE, 3: vereinz. sö elbostf., 4: BA-Ha, verbr. anhalt. – mor missen de Hinnor m de Fleddche vorschnai’n DE-Ca. – 2. dass. wie  Flittje(n) 2., 4: vereinz. anhalt. – ... mit sein’n lanken Rock mitte Flettche, die bale bes ane Äre reechten ... Wäschke 61915,64.
Lautf., Gram.: Flittig, -ch vereinz. sö elbostf., BA-Ha, CA-Lö Schw; [flidi] verstr. w BE; Flittch, [flit], [flid] JE1-Scha, vereinz. w BE; Flettig, -ch verstr. ZE s CA, vereinz. DE; Fleddich DE-Ka; Flettch, [flet], [fled] ZE-Lu, vereinz. BE, Mda-Fuhne 53 (verbr. KÖ DE); Flättig, -ch CA-Do, BE-La; Pl.: Flittige CA-Brei; Fliddiche CA-Sa; Flettiche ZE-Bra, BE-Grö; Flettije ZE-Bur; Fleddiche Heimatkalender-Börde 1925,64 (CA-Sa); Flettche, [flet], [fled] ZE-Roß We, Wäschke61915,64, DE-Ca. – Etym.: das Wort wird als Kontaminationsform von Fittich und Flügel angesehen, vgl. Wb-Obersächs 1,628, s. auch  Flittje(n).
Geblarre n. ‘ständiges lautes Rufen und Schreien, Geschrei’,  Spektkel, 2: JE2-Tu, JE1-Scha, 3: vereinz. elbostf., 4: BE-Neu, KÖ-Kö – dat Jeblarre hert nich opp HA-Oh.
Lautf.: Geblarre, J- vereinz. elbostf., BE-Neu; Geplarre QUE-GrSchie; Jeplärre JE2-Tu, JE1-Scha, KÖ-Kö.
gnatzig Adj. 1a. ‘schorfig, grindig, mit Ausschlag behaftet’, auch von Pflanzen, 2: Wb-Altm 66, 3: vereinz. w elbostf. – diene Kartuffeln sünd awer gnatzij HA-Bee. – 1b. ‘elend, verkommen, unsauber aussehend’ 3: Wb-Nharz 63. – 2. ‘steinig, voller Klumpen’, vom Ackerboden, 3: BLA-Brau. – 3a. dass. wie  1gnatterig 1., 2: GA-Da, WO-Zie, JE1-Scha, 3: vereinz. elbostf. – 3b. dass. wie  1gnatterig 2., auch ‘eigensinnig, starrköpfig’,  dickköppig, 1: SA-Dä, 2: STE-Schi Wa, JE1-Zi, 3: vereinz. elbostf., 4: Wb-Be, BE-HErx – gnatzich sn OSCH-Hor. – 3c. dass. wie  1gnatterig 3., von Tieren auch ‘beißwütig’ 1: SA-Dä, 2: Wb-Altm 66, JE1-Zi, 3: vereinz. elbostf. – dai Hund is gnatsich SA-Dä. – 3d. ‘geizig’,  gzig, 3: vereinz. elbostf., 4: BA-Ha – hei is tau gnatzich HA-Oh.
Lautf.: gnatzig, gnatsig, -ch, -j, j-, [gnatsi], [jnatsi] (omd.: [jnadsi]); außerdem: Nbf.: natzig BE-Gü.
grsgrmig Adj. ‘mürrisch, verdrießlich’, auch ‘finster, unfreundlich’, vom Aussehen,  brummig, 2: vereinz. Altm., JE1-Scha, 3: verstr. elbostf., 4: vereinz. omd. – griesgrämich kieken WE-Da.
Lautf.: griesgrämig, -ch, grieß-, jriesjrämig, -ch; außerdem: jrsjrmig Mda-Sti 147.
1Holle f. 1. ‘hochragendes Federbüschel am Kopf von Vögeln’,  Noll(e), 2: SA-Win, GA-Ga, JE1-Scha, 3: WO-Mei, HA-Va, verstr. w elbostf., JE1-Me, 4: verstr. nthür., BE-Ad. – 2. ‘Haarsträhne, Haarbüschel über der Stirn’ 3: Wb-Holzl 105, Wb-We* 215, Wb-Nharz 80, QUE-Que, 4: Mda-Sti 151, BA-Ha.
Lautf., Gram.: HolleSA-Win, GA-Ga, JE1-Me Scha, HA-Va, verstr. w elbostf. nthür., BE-Ad; Holl’n m. HA-Bee; Hulle GA-Nie Wa, [hul] WO-Mei.
3Holm m. 1. ‘Querbalken über dem Scheunentor’ 3: Wb-Holzl 106 – öwwern Holmen a.a.O. 106 (HA-Sie). – 2. ‘oberster Verbindungsbalken eines Flusswehrs’ 3: Wb-We 53. – 3. ‘dem Rand der steinernen Kuhkrippe aufgesetzter Balken’, an ihm werden die Kühe angekettet, 3: Wb-Holzl 106, Wb-Nharz 81 – an’n Holmen festbinnen Wb-Holzl 106 (WO-Dru). – 4. ‘das Querholz der Harke, an dem die Zinken sitzen’,  Harkenhft, 2: JE1-Scha. – 5. ‘Längsstange einer Leiter’ 3: Wb-Holzl 106.
Holt n. 1. Holz zur Verwendung als Bau- oder Brennmaterial bzw. zur Herstellung von Gegenständen, verbr. – dat Ding is t Holt emket HA-Oh; dät Schplint is t Holt emokt JE2-Scho; dät Holt is fsch (morsch) JE2-Scho; dat Ht hat all feaschpaokt (verrottet) SA-Dä; Hols hr! Kommando beim Fortbewegen schwerer Gegenstände, Wb-Ak 71; Rda.: dat is ne farschtersdochter, d het holt for der dr ‘sie hat einen üppigen Busen’ Wb-Nharz 81; ut Holt laten sich keine Bolzen dreihen ‘wer dumm ist, den kann man nicht gescheit machen’ Sprw-Börde; Sprw.: wu man Holt hauwet, fallt Späne Wb-We 53; Rätsel: Liet in’n Holte un schreit in’n Dörpe? – das Kind in der Wiege, Chr-Em 438; Liet int Holt un jeiht. – der Brotteig, STE-Ost; Wat liet in’t Holt un’ hät’n Hütken up? – das Bier im Fass, Bewohner-Altm 2,174; Steiht in’t Holt un lärmt. – der Pfarrer auf der Kanzel, SA-Rie; Wecker steiht in’t Holt un’ lärmt all’ Lü an, un’ keener därft äm Antwuhrt gäwen? – dass., Bewohner-Altm 2,168; Wat geiht in Holte un schitt witt? – die große Säge, HA-No; … do arbeiden se disse bruggen mit allen truwen unde vulbuweden de bruggen … und dat holt koften se ut dem holte to Gusen. 1422, Schöppenchr-Ma 368. – 2. ‘klein gehacktes (Stück) Brennholz’, vorw. in der Verbdg.: kleinet Holt, vgl. auch Kleinholt,  Klwe(n), verstr. – Bei min’n Onkel […] mockten se Holt. Heimatkalender-Je 1927,118 (JE2-Vie); Hle m an Armvull Hols inne Kiche! Wb-Ak 71. – 3. ‘Wald’ 1: SA-Bee Ch, 2: verstr. Altm., Siedler-Je § 271, JE1-Scha, 3: verbr. elbostf. (außer CA), 4: verstr. nthür. w BE; häufig in FlN, FlN-Ma/Anhalt 66 (verstr., außer nö Altm., w anhalt.) – ich je ins Hols BE-Fr; in’t Holt feuern HA-Oh; nn Holte ‘in den Wald’ WO-Mei; op’n Holte gn ‘durch den Wald gehen’ Wb-We 53; op’n holte rnt et Wb-Nharz 81; Rda.: holt rit un frit ‘im Wald zerreißt man leicht die Kleidung und bekommt man schnell Hunger’ Wb-Nharz 81; Sprw.: So ass’n in’t Holt rinn schrt, so schrt wedder rt. Wb-Altm 277; Item. hy heth ok bekant, dat hy to Brunßwik in der Dyffestraten eyne ko gestalen heth und hadde dy in dat holt gefurth. Dar is sy. 1487 FB Zerbst 35; Die dritte gemein heist das Forttichen, ist ein holz; … Amt Dessau und Lippehne 1547/49, Landreg-Anhalt 1,74.  Busch Danne Fichte Forst Fre Hg(en) 1Heide Kne Lfh gen Lfholt.
Lautf.: Holt verstr. brdb. elbostf.; Haolt GA-Mie, STE-Lü; Ho(o)t, [ht] verstr. nwaltm.; Hooed SA-Ah; Holz, [holts] verstr. s ZE, OSCH-Emm, verstr. sö elbostf. omd.; Hols Wb-Ak 71, [hols] verstr. w JE1 nö CA, vereinz. BE; [hol(t)s] Dialektgeogr-Elbe/Saale Kt. 3 (verbr. s ZE n CA anhalt.) – Etym.: Hols hr! Wb-Ak 71 auch als ‘Hol es her!’ deutbar. Zuss.: zu 1.: Hassel-, Huppen-, Kappen-, Kn-, Krn-, Kersen-, Knallbüssen-, Knorr-, Krp-, Lang-, Lattenholz, Linden-, M ser-, Meine-, Mrwe-, Mudden-, Nütt-, ster-; zu 2.: Heinotter-, Kachel-, Kachelwen-, Kn-, Klafter-, Klapperholz, Klapperstorchenholz, Klein-, Klwen-, Knäcker-, Knack-, Knäppnerholz, Knickholz, Knister-, Knüppel-, K-ken-, Kreien-; zu 3.: Lf-; sonstiges: Hänge-, Hangel-, Hn-, Harken-, Helm-, Hinderass-, Kant-, Krf-, Klapphölzer, Kn-wel-, Knüppel-, Kopp- , Krnen-, Krümmel-, Krumm-, Kummet-, Mler-, Mangel-, Mantel-, Nudelholz.
Hrn n. 1a. ‘spitzer, harter Auswuchs am Kopf bestimmter Tiere’ verstr. – d Osse het tw Hne JE2-Scho; Rda.: sek dat Sl ümme de Hören smiten laten ‘sich zur Heirat bewegen lassen’ Wb-We 53; einen in horne hebben ‘betrunken sein’,  dn, Wb-Nharz 82; Hei nämmt sick vöäl up de Höär’n. ‘Er bürdet sich viel auf, stellt sich schwierige Aufgaben.’ Bewohner-Altm 1,338; Wenn ‘r Häörn hr, denn stött ‘r. ‘Wenn er könnte, wie er wollte, so käme man mit ihm nur schwer aus.’ Wb-Altm 278; j elder de bok, j schtwer et horn obszö- ne Anspielung, Wb-Nharz 82. – 1b. ‘Geweih’ 3: OSCH-Di. – 1c. ‘die von Tieren an Hörnern und Hufen gebildete harte Substanz’ 3: Wb-Holzl 106, OSCH-Di. – 2. ‘schmerzhafte Beule, die man sich durch Stoß oder Schlag zugezogen hat’,  Brsche, 1: SA-Bee, 2: GA-Wu, JE1-Schor, ZE-Cob, 3: vereinz. elbostf., 4: BA-Ha Sil, Wb-Ak 71, CA-Löb, verbr. BE – d hasd awwor an Horn n Gobb BE-Gü; ich hawwe mich an orntlijes Horn ’n Tts jerennt Wb-Be. – 3. ‘das spitze Ende einer Leiter’ 3: Wb-Nharz 82. – 4. ‘hornförmiges Gerät des Schmieds, das in den Amboss gesteckt wird’ 4: Wb-Ak 71. – 5. Dim. ‘Gebäckstück von gekrümmter Form’ 2: STE-Ste, JE1-Scha, 3: WE-Elb, BLA-Hü. – 6. ‘Winkel, auslaufendes Ackerstück, in eine Niederung oder ein Gewässer hineinragende hohe Landzunge, Halbinsel’, in FlN, 2: vereinz. Altm., verbr. JE2 JE1, 3: verstr. elbostf., 4: vereinz. anhalt – … dat hus geleghen up dem horne … 1428, SchB-Akenc 37; … izlicher hat zu seinem hauß 2 stucken oder 1 horn oder 1 kabel graß zu Nawendorf. Amt Dessau und Lippehne 1547/49, Landreg-Anhalt 1,54.
Lautf.: Hoorn, Hrn Wb-Holzl 106 (1c.), verstr. s elbostf.; [hrn] GA-Da; [hn] OST-Ko; Hern HA-Oh; Horn, [horn] SA-Bee, GA-Wu, JE1-Schor, Mda-Ze (ZE-Roß), ZE-Cob, HA-All, verstr. s elbostf., verbr. nthür. w anhalt.; horne, [horn] verstr. ZE; huoren (1c.) OSCH-Di; Höörn, Hrn verstr. w elbostf.; Hern WE-Wa; [hn] SA-Ku, OST-Kru; [hn] WO-HWa; Hören Wb-We 53; Häörn Wb-Altm 77; [hr] Siedler-Je § 117 (s JE2); [härn] Siedler-Je § 117 (s JE2, n JE1); [hn] SA-Jü, verstr. n/ö Altm.; [hän] Siedler-Je § 117 (n JE2); [hn] Mda-Ar 30; [hn] verstr. s Altm.; [hon] GA-Bo; [hn] JE2-Scho; Hörn HA-Sie, OSCH-Hor; hüören OSCH-Di (1b.); [hr] Siedler-Je § 117 (mittleres JE2); [hr] a.a.O. § 117 (s JE1); [hrn] a.a.O. § 117 (s JE1); [hn] WO-Mei; [haen] SA-Hö; [hoin] SA-Die Pe Wü; [häin] SA-Da El; [hurn] DE-Ca (veralt.); Dim.: Hörnchen STE-Ste, JE1-Scha, WE-Elb, BLA-Hü. – Gram.: Pl.: Höörn Wb-Holzl 107; Häörn Wb-Altm 278, Höär’n Bewohner-Altm 1,338; [hn] SA-Ku, OST-Ko Kru; [hn] GA-Bo, WO-HWa; Hern HA-Oh; Hörner Spr-Altm 78; Hören Wb-We 53; [hrn] GA-Da; [hn] SA-Jü, verstr. n/ö Altm.; [hn] verstr. s Altm.; [hon] GA-Bo; [hn] JE2-Scho; [hn] WO-Mei; [hoin] SA-Die Pe Wü; [häin] SA-Da El; [haen] SA-Hö; [hernr] Mda-Fuhne 67 (verstr. s anhalt.); hernder Mda-Sti 46; [horner] ZE-Roß, Horner Wb-Ak 71; [hornr] Mda-Ze (verstr. ZE); Harrner QUE-Di; [harnr] Mda-Fuhne 67 (verstr. anhalt.); harnr Mda-Ro; harnder Wb-Nharz 82. Zuss.: zu 1.: Hirsch-, K-; zu 5.: Martins-; sonstiges: K-.
1Ht f. 1. ‘Gewebeschichten, die die Oberfläche des menschlichen und tierischen Körpers umschließen’ vereinz. – ik heff m än jants’n Fltsch’n Ht afferd’n JE2-Scho; Rda.: bet op de Hd nt ‘völlig durchnässt’ Wb-We 54; met ht un hren ‘völlig, restlos’ Wb-Nharz 84; ut der Hd fören ‘wütend werden’ Wb-We 54; t heilder ht kommen ‘unerwartet, ohne erkennbare Ursache eintreten’ Wb-Nharz 84; mit heilder Hut dervon kommen ‘etw. ohne schlimmere Folgen überstehen’ Sprw-Börde; De kann nich in heel’ Hut lew’n. ‘Er ist streitsüchtig, neigt zu Tätlichkeiten.’ Bewohner-Altm 1,341; in keinder gden ht schtekken ‘nicht gesund sein’ Wb-Nharz 84; hei henget man noch knappe in der Hd ‘er ist sehr abgemagert’ Wb-We 54; is nischt wie Hut un Knocken dass., Sprw-Börde; Sprw.: Du müst dn Ht sülwst to Marcht draogn, un so dr verköp’n ass’t gaon will. Wb-Altm 275; in andre Hü’e is guud Raime sni’en Wb-Holzl 107; Rätsel: ‘t hat noin Hü’e un bitt alle Lü’e – die Zwiebel, Wb-Holzl 107. – 2. ‘Haut, die das Bauchfett des Schweins umschließt’,  Flse, 4: BE-Nie Sa Scha. – 3. ‘Schale der Wurst’,  Worstpelle, 2: GA-Vi, 4: BE-Am. – 4a. ‘Haut auf der gekochten Milch’,  Pelle, 2: OST-Schö, GA-Bo, WO-Col, JE1-Scha, 3: vereinz. elbostf., 4: Vk-Anhaltb 10 (BA-Ha), vereinz. anhalt. – 4b. ‘Fettschicht auf ungekochter Milch’,  Sne, 3: BE-Gü, 4: BE-Al Dro.
Lautf.: Ht, [ht], Hdvereinz. nd., Mda-Sti 19, Vk-Anhaltb 10 (BA-Ha); Haut, [haut] OST-Schö, WO-Col, JE1-Ra Scha, OSCH-Em, BLA-Ta, BA-Ali, vereinz. nö CA, verstr. anhalt. Zuss.: zu 1.: K-; zu 2.: Lsen-; zu 4a.: Melk-.
inmummen Vb. refl. dass., 1: SA-Ho, 2: verstr. Altm., JE2-Kam, JE1-Scha, 3: WA-HDo.
Lautf.: inmumm(e)n; außerdem: -mümm’n JE2-Kam.