2Harke f., in der Verbdg.: Frau Harke ‘in den  Twölftenumgehende Gestalt des Volksglaubens’ 2: Schmidt 1905,219 (JE2-Rog, JE1-Bö), Schwartz 1887,119ff. (JE2-Kam, vereinz. w JE1 ZE), 3: a.a.O. 119ff. (OSCH-He Rö, QUE-Su, BA-Ba) – Volksgl.: Frau H. wacht über die Einhaltung des Spinnverbots in den Zwölften. Findet sie bei ihrem Umzug Flachs auf dem Spinnrocken, so zerzaust sie dem betreffenden Mädchen die Haare (Schwartz 1887,119ff.), zerkratzt dessen Gesicht oder beschmutzt den Rocken (Sagen-Havel 321ff.).
Lautf.: HarkeSchwartz 1887,119ff. (JE2-Kam, vereinz. w JE1 ZE, OSCH-He Rö, QUE-Su, BA-Ba); Haake Schmidt 1905,219 (JE1-Bö); Arche a.a.O. 219 (JE2-Rog). – Etym.: in Flechsig 1975,92 wird Harke als Dim. zu  Hre mit Senkung des Stammvokals aufgefasst, das seinerseits als subst. Abl. zu as. hr ‘erhaben, verehrungswürdig’ gestellt wird.
Hasche f. ‘Hasche-, Fangespiel der Kinder’,  krgen, 2: verstr. ö ZE, 3: BA-Ba, 4: verbr. anhalt. – mir machn Hasche Wb-Be; da schpieltn Jungens Hasche Alt-Cö- then 80.
Zus.: Kluck-.
Hwertg n. 1. dass. wie  Hwertog 1., 3: verstr. Nharz., 4: verstr. nthür. – 2. dass. wie  Hwerstell, 3: WE-Dar He, BA-Ba Re, 4: BLA-Sti, QUE-Frie, BA-Ha.
Lautf.: Hwertg, -tüg WE-He, BLA-Wie, BA-Ho; -ti(e)g BLA-Ta Ti, BA-Ba; hwertch Wb-Nharz 72; Habertüg WE-Dee; -tüch QUE-Que; -tieg QUE-Tha West; Hawwertüg BA-Re; -tiech BA-Op Ra Rie; -ziek BA-Ha, -zi(e)g QUE-Frie, BA-Schie; -zch BLA-All Sti; [havrts] QUE-Hau.
Hemde n. ‘Hemd’ verbr. – in blten himme gn Wb-Nharz 79; dsig m a rnes Himme n DE-Ca; dat Ham’m müt umsoimt wn’n SA-Dä; Rda.: H gifft sn Hemm von’t Lw ‘er ist sehr freigiebig, gibt auch das letzte weg’ Wb-Altm 206; hei hat kein heil Himme wern erse ‘er ist völlig verarmt’ HA-Oh; hei hat Himme utgedreckt ‘er ist gestorben’ HA-Schw; man sachte Krischan, et Himme is ja noch datwischen WE-Be; wat sall ek mek schämen, ek hewwe ja en Himme anne WE-Be; Geit doch nicks äöwer de Rennlichkeit, sagt jene Fru, un kehrt all Sünndag morgen är Hem’ üm. Spr-Altm 15; Sprw.: et Himme ist negger wie der Rock Sprw-Börde; Rätsel: In ein Lock krup ik rin un komm ut drei wedder rut? – das Hemd, Chr-Em 439; dat werdige hilgedom unser leven vruwen himmede, dar se Cristum under to der werlde gedragen heft. 1414, Schöppenchr-Ma 339. – Brauch: Zur Verlobung erhielt der Bräutigam von der Braut ein selbst gesponnenes und dadurch bes. wertvolles H. Vk-Anhaltb 37 (ZE-Dee Ned Steu, BA-Ba Re). In Derenburg war dies nur bis 1850 üblich, dort trug das H. die reich verzierten Anfangsbuchstaben von Braut und Bräutigam. Vk-Harz 6/7,54.
Lautf.: Hemde, [hemd] vereinz. s JE2, verstr. JE1 nö CA, ZE-Göd, verbr. w BE KÖ DE (jüngere Generation); Hemmede BA-Ha; [hem] verstr. w JE1 nö CA, hemme Mda-Sti 14; Hämd SA-Bre GrGe, OST-Ko, JE2-Scho; [hmt] Mda-Ar 26; Hemt SA-Vi; Hämm, Hemm vereinz. Altm., JE2-Wa; Hemne, [hemn] JE1-Rie, verstr. ZE, KÖ-GrPa, DE-Or; Himd Spr-Altm 76; Himm, [hi] verstr. nwaltm., Wb-Altm 82, GA-KloNeu; [hm] Mda-Ar 26; Himme, [him] JE2-De, verbr. elbostf. anhalt.; Himne, [himn] verstr. anhalt.; [himz] KÖ-Thu; Hamd SA-Rie Win, OST-Gla; [h] SA-Dä. Zuss.: Hals-, Henk-, Mannshemd, wer-.
Himmelskwer m. TiN ‘Marienkäfer’,  Marenkwer, 1: SA-Lüd Ro, 2: vereinz. Altm., JE1-Schor, ZE-Dor, 3: JE1-Lo, BA-Ba, 4: vereinz. anhalt. – Kindervers: Himmelskäfer flieg zum Himmel, hole Kuchen und Wein. SA-Sta.
Lautf.: Himmelkäwer, [himlkwr] SA-Ro Stör, vereinz. STE, JE1-Lo, DE-Zie; -käwe STE-Hü; -käber WO-Co Uetz; Himmelskäfer SA-Lüd Sta, GA-Ga, ZE-Dor, BA-Ba, DE-Jo Tö; Himmel- BE-Le, KÖ-Wa; Himmelskäferchen Dim. JE1-Schor, DE-De Reh.
Hirschsprung m. PflN ‘Kanadisches Berufkraut’ 3: Vk-Anhalta 75 (BA-Ba).
Holdersprosse f., vorw. im Pl., dass. wie  Hölderplack 1., 3: vereinz. w JE1, BA-Ba, vereinz. nö CA, BE-He, 4: verstr. anhalt. – dor had awwor Hollorschbrossen ins JesichdeDE-Ca. – Volksgl.: Gegen H. wurde der aus den Schnittflächen von Weinreben austretende Saft angewandt (Wb-Ak 70), ebenso frisch abgezogener Birkensaft, der Saft der Wolfsmilch, der ersten Holunderblüten, gequetsche Erdbeeren oder Kondenswasser von Fensterscheiben (Vk-Anhalta 288).
Lautf., Gram.: Holdersprossen CA-GrRo KlRo We, BE-La Pob, KÖ-Ost, vereinz. DE; Hol’lersprosse Sg. Wb-Ak 70; [holrbros] Sg. Mda-Fuhne 35 (DE-Ca) (veralt.); [hor- brosn] verstr. BE; HollersprossenVk-Anhalta 288, CA-Lö, BE-Bo, verstr. ö anhalt.; -sprossn BE-Ge; Heldersprossen BA-Ba; Hellerschpruten JE1-Gü; -sprossen JE1-Pre Ran; -schprossen JE1-Ca, CA-Gli.
Holttuffel m., vorw. im Pl. dass. wie  Höltsche(n), 1: SA-Pe, 2: STE-Dah, WO-Ri, JE2-See, verstr. JE1, vereinz. ZE, 3: HA-AHa NHa, vereinz. ö elbostf., BA-Ba.
Lautf., Gram.: Holttüffel JE1-Dö; Höld- STE-Dah; -tüwwel WO-Ri; Pl.: Holttuffeln CA-Löd; -tüffeln WO-Da, HA-AHa, JE1-Try Wol Zi, [holttüfln] HA-NHa; Holttiffeln JE1-HZi; -toffeln ZE-Ned Ro, BA-Ba; -töffeln JE1-GrLüb; -teffeln JE1-Prö; Höldtuffeln SA-Pe; Holz- JE2-See, WA-Ost Schw Ste, CA-Bo; -tüffeln JE1-Dan Sche; -tiffeln JE1-Ca; -toffeln ZE-Reu Stra.
hoppen Vb. dass. wie  hopsen, 1: SA-Roh, 2: verstr. nö Altm., GA-Kö, JE2-Ki, 3: HA-Erx Hi, BA-Ba, CA-Salz.
Johann ohne Genus ’24. Juni’ verstr. – dai Kamö’n (Kamillen) mün’n um Johannich arum plückt w’n SA-Dä; Jhannich mott de Pachte betlt wern HA-Oh; Der Tag gilt als einer der längsten des Jahres: üm Johann blifft ümma schummrich ra msikngjrau JE2-Scho; Rda.: sau lank w de Dch forr Jhannich ‘sehr lang’ HA-Oh; Bauernregel: f Jhannich bitt um Rng, nh kümmt he ungelng SA-Rist. – Brauch: Zu J. wurde nicht gearbeitet (Wb-Altm 264, Volksfeste-Altm 296), z.T. fiel die  Hgelfer auf diesen Tag (Brauch-wAltm 90). Anderenorts wurde bei einem Umzug unter Musikbegleitung die  Johanniskrne durch das Dorf getragen, dies konnte mit einem Heischegang verbunden sein. Volksfeste-Altm 290 (STE-Osth), Brauch-Ma 273f. (STE-Bo, WO-Ol), JE1-Pre, Vk-Anhalta 257 (CA-Zu). Die Krone konnte an der Spitze eines Mastes (Vk-Anhalta 257), einer Tanne (Vk-Harz 8,64) oder der stehen gebliebenen Pfingstmaie (Brauch-Rie 748) befestigt werden. Die Tanne wurde auch mit Esswaren geschmückt (WE-El, BLA-Ta), die Kinder tanzten um die Johanniskrone (BLA-Rü So). Vk-Harz 8,65. Auch Tanzveranstaltungen der Jugend waren üblich. Diese wurden häufig von den Mädchen ausgerichtet (verstr. ZE, verbr. anhalt.)  auch Johannisdanz, Mädchenjohann, Mädchentanz. Nur in der ö Altm. und in JE2 waren  Johannisfer üblich. In Radegast wurde ein Brunnenfest gefeiert, vereinz. wurden von Mitternacht bis spätestens Sonnenaufgang die Brunnen gereinigt (Vk-Anhalta 257). Der Johannistag war Tag des Dienstwechsels für das Gesinde. JE2-Ki, WO-Ba, CA-GrRo, ADVk Nr. 150 (JE1-Gra, BA-Ba). – Volksgl.: Die Nacht des Johannistages eignet sich für Liebesorakel ( auch Johannisnacht). So kann ein Mädchen im Traum den zukünftigen Mann sehen, wenn es zu J. zwischen 11.00 und 12.00 Uhr unter strengstem Stillschweigen neun Arten Blumen sammelt, sie zum Kranz windet und unter ihr Kopfkissen legt. Brauch-Ma 273 (WO-Ol). Den zu J. oder am Vorabend gesammelten Pflanzen wird bes. starke Heilkraft zugeschrieben. Vk-Altm 239, Brauch-wAltm 89f., Vk-Anhalta 257f., Wirth 1928,34. Z.T. ist auch hierfür die Zeit zwischen 11.00 und 12.00 Uhr vorgeschrieben (GA-Wer). Zum Schutz vor Hexen, Unholden und anderem Unheil nagelt man in der Johannisnacht ein Hufeisen auf die Türschwelle, anderenorts bricht man zu J. zwischen 11.00 und 12.00 Uhr Zweige des Faulbaums und hängt sie im Stall auf (DE-Go). Vk-Anhalta 258. Über der Tür befestigt man Eschenzweige, um das Haus zu schützen. Vk-Harz 8,66 (QUE-Ga). Auch die  Johanniskrne (dort ausf.) wird zum Schutz vor versch. Unheil angebracht. Wer zu J. an Blumen riecht, bekommt Blut- oder Nasenkrebs. Brauch-Ma 273 (HA-Sü), Mda-Ohre 360 (GA-Rä). Am Johannistag badet man nicht, weil das Wasser ein Opfer sucht.Vk-Anhalta 257 (ZE-Ze, BA-GrAls, KÖ-Kö, DE-De). Die Flüsse Bode und Holtemme fordern Opfer (Vk-Harz 8,66), ein Tümpel in Neuhaldensleben rief mit menschlicher Stimme nach einem Opfer (Brauch-Ma 273).
Lautf.: [johan] JE2-Scho, Johanni BE-Grö; [johani] SA-Dä Sta, Johannich HA-Oh, Chr-Em 427, WE-Dee; [jhani] SA-Rist; Johannig WE-Oster; [johanij] Nd-Börde § 57; Jhnnije Mda-Sti 127; Jehanne Wb-Ak 77; Jehannig Wb-Altm 264; Jehannich Zauber-Ma 95 (GA-Mie), Wb-Holzl 112, Id-Eilsa 69, QUE-Di. Zus.: Knechte-.