Broyhn m. ‘obergäriges, helles Weizenbier’, urspr. aus Hannover, auch in Halberstadt gebraut, 3: verstr. elbostf., 4: BE-Me – ... Breihan is de scha’e for dek. Wedde 1938,77.
Lautf.: Broihaan, Broihn vereinz. HA; [broin] Beiträge-Nd 60 (WO-HWa); Breihan, breihn vereinz. sw elbostf., Id-Quea 146; [bran] BE-Me. – Etym.: Der Name soll angeblich vom Erfinder dieses Bieres Cord Broyhan (im Jahr 1526) hergeleitet sein (auch nach Angaben der Gilde-Brauerei AG Hannover, die dieses Bier noch herstellt), allerdings ist auch an einen Zusammenhang mit bräuen ( bren) zu denken, vgl. DWB 2,379, Wb-Thür 1,941; Zoder 1968 1,308 stellt den Familiennamen zu mnd. brien ‘brüten’, so dass der Name als ‘Brüthahn’, also als ‘Hahnrei’ gedeutet wird.
Brummer m. 1. ‘Gegenstand, der einen brummenden Ton von sich gibt’ 2: Mda-nwJe1b 68 (JE2-HSe). – 2. ‘aus einem Weidenzweig gefertigte Flöte’,  Fpe, 2: ZE-KlLei, 3: verstr. elbostf., 4: verstr. anhalt. – Bastlösereim:Pipe, Pipe, Bastian,
Lat minen Brummer gan ...
Vk-Anhaltb 76 (BA-Fro).
– 3. TiN – a. größere, schwarze Fliegenart, auch blaue oder grüne Schmeißfliegenart, verstr. – da sitt’n Brummer an de Wand HA-Oh. – b. ‘Viehbremse’,  2Bremse, auch von Stechfliegenarten, 1: SA-Bar, 2: vereinz. Altm., 3: vereinz. elbostf., 4: BLA-Sti, CA-Mi, BE-Me. – c. ‘ Hummel’ 2: JE1-Zi, 3: JE1-Ca, BE-Gü, 4: vereinz. w/mittleres anhalt. – d. ‘Hornisse’,  1Hornske, 1: SA-Gla, 2: JE2-NeuWa, 3: vereinz. sw elbostf. – 4. ‘vorn breit zulaufender Kahn’, Schifferspr., 2: Elbschifferspr. 109 (JE2-Mi). – 5. ‘lebhaftes, übermütiges Mädchen’ 3: Sprw-Börde.
Lautf.: Brummer, [brumr, -a brdb., -r s elbostf. anhalt.]; außerdem: Prummer, [prumr] BLA-Sti, Wb-Be; Brummert, [brumrd] ZE-KlLei, OSCH-Grö, verstr. ö elbostf. (außer nö), vereinz. w/mittleres anhalt.; Prummert KÖ-Pro; [brümr] MdanwJe1b 74 (JE2-HSe); Brömmer WE-Rok.
brunzen Vb. ‘angebrannt riechen’ 3: BE-Me.
Bermeister m. ‘Ortsvorsteher’, veralt., 3: QUE-GrSchie, 4: Vk-Anhalta 58, Vk-Ask 89 (BE-Me) – Jan Burmester von Damsendorp ... 1366, StB-Neuhaldensleben 204; Geven de burmestere scult enem beckere, dat sin brot to kleyne si ... 1353, StB-Osterwieck 2; Der pauermeister Veit Wagener hat haus un hoff zu Popitz ... Amt Nienburg 1563, Landreg-Anhalt 1,397.
Lautf.: Bauermeister. – Etym.: mnd. brmister ‘Dorfschulze, Vorsteher der Bauernschaft, Bürgermeister’, vgl. HWb-Mnd 1,375. Die Bezeichnung B. ist sächsisch und findet sich seit dem 12. Jh. häufig zwischen Harz und Elbe. Er war von Bauern gewählt und leitete das dörfliche Niedergericht. Im N ging das Wort nicht über die Ohre (dort fanden sich eingesetzte  Schulten), im S nicht über Helme und Unstrut hinaus. Im Mittelalter wurde es von ostsächsischen Siedlern mit über die Elbe genommen (z.B. ist es im Burger Landrecht aus dem 13. Jh. erwähnt) und musste dort erst im 15. Jh. endgültig dem Schulzen weichen. Studien-Elbostf 30 ff., Spr-Elbe/Saale 44 und 196 f.
Butzemann m. 1a. Schreckgestalt für Kinder,  Spkeding, 3: vereinz. elbostf., 4: Mda-Sti 129, BE-Ge. – 1b. ‘Schreckgestalt für Kinder, die angeblich im Getreidefeld sitzt’,  Roggenmme, 3: Vk-Anhaltb 48 (BA-Mä), 4: a.a.O. 48 (BA-Gü, BE-Scha). – 1c. ‘Hausgeist, der angeblich im Ofen wohnt und an kalten Tagen die Stube wärmt’ 3: Vk-Ask 175, Spr-Asch 39, CA-Ca. – 2. ‘Vogelscheuche’,  Schüchter, 3: BA-Ba, BE-Gü, 4: vereinz. s BA, verbr. BE, Mda-Fuhne* § 401 (KÖ-Il Wie). – 3. ‘Strohpuppe, die in der Nacht vor Pfingsten einem Mädchen, das einen jungen Mann zurückwies, auf das Dach gesetzt wird’ 3: Vk-Ask 141. – 4. ‘Strohwisch’, als Verbotszeichen,  Strwisch, 4: BA-Sil. – 5. ‘dunkle Regenwolke’ 3: Vk-Anhaltc 2 (CA-Sta), 4: a.a.O. 2 (BA-Ha, BE-Me Neu).
Lautf.: Butzemann vereinz. elbostf.; Buze- CA-Ca; Botze-, Bozze- Spr-Asch 39, vereinz. BA, Vk-Anhaltc 2 (CA-Sta, BE-Me Neu); Botzemännchen Dim. Vk-Anhaltb 48 (BE-Scha); Potzemann BE-Ge; Boze- BA-Schie, btze- Vk-Ask 175; [bdsman] verbr. BE, Mda-Fuhne* § 401 (KÖ-Il Wie); Pozemann BA-Sil; ptzemn Mda-Sti 129. – Etym.: über die Herkunft können nur Vermutungen angestellt werden, das Wort wird meist zu ahd. bzen ‘klopfen schlagen’ gestellt (mhd. butze ‘klopfender Kobold, Poltergeist’, vgl. HWb-Mhd 1,402), daneben ist eine Herleitung aus dem RN Burckhard oder ein Bezug zu frnhd. butzen ‘schmücken, verhüllen’ nicht ausgeschlossen, vgl. Kluge242002,164, Paul102002,198, DWB 2,588 ff.
Danster m. ‘Schmierfleck, Fettfleck auf der Kleidung’,  Smrplack(en), 2: ZE-Cos Ze, 3: WA-GrOt, BE-Gü He, 4: verstr. anhalt. – dor hadd an Dansdor drne BE-Me.
Lautf.: [dansdr] BE-Gü He, vereinz. anhalt.; sonst: Tanster, [tanstr], [tanstr].
Doppelbrötchen n. ‘zweiteilige  Semmel’ 3: BE-Gü, 4: BE-Me.
Lautf.: [doblbrdn].
dörwen Vb. verbr. 1. Vollverb ‘die Erlaubnis zu etw. haben, zu etw. berechtigt sein’ – hei dert dat nich HA-Oh; ick döre man nah’n Marchte HA-Bee; Zus.: mrjen dr’m mor nich raus BE-Me. – 2. modales Hilfsverb – a. ‘die Erlaubnis zu etw. haben, zu etw. berechtigt sein’ – ik deaf dik nich inkkng laod’n SA-Dä; ... mucksen hat ä sich nich dirfen ... Richter o.J. 18; Op’n Diek dörst du gahn ... Lindauc o.J. 55; ... wenn de Ees’ls ausjefiehrt wurr’n, denn dorft’n se druff reit’n. Heimatkalender-Ze 1962,94 (ZE-Ze); ek hewwe dat nich darben daun Wb-Nharz 37; Rätsel: Wecker steiht in’t Holt un’ lärmt all’ Lü an, un’ keener därft äm Antwuhrt gäwen? – der Pfarrer von der Kanzel, Bewohner-Altm 2,168. – b. drückt einen Wunsch, eine Bitte, eine Aufforderung aus – Dänn därscht’e di goar nich rührn ... Heimatkalender-Je 1927,121 (JE2-Vie); baba, dat dorfste nich eten! Sprw-Börde; ... ahl to lang derft nich mehr duern ... Matthies 1903,2. – c. ‘sollen, geboten sein’ – ... wurumme dörrt ’n Bure sauwat ... nich ok mal äten? Rauch 1929,42 f.; Sylvesternacht dört’n kein Tüg (Wäsche) opp de Linig hängen laten, süss sterwet wer ut de Familij. OSCH-Schw; Awwer seine Muttersprache darf mor nich vorrachten ... Heese21919,3. – d. ‘müssen’ – ick dorrste maken, dat ick ... Wb-Holzl 77 (HA-Wef).
Lautf., Gram.: aus den Belegen mit Laienschreibung ist eine sichere Zuordnung der Vokalquantität nicht möglich, für das Nwaltm., Nbrdb. und z.T. für das Anhalt. ist wohl vorw. von Langvokalen auszugehen: Inf.: dörw’n Wb-Altm 37; dörb(e)n vereinz. nwaltm., SA-KlGa Sa, OSCH-Nei; dörfen SA-Se, GA-Ge; dör’m, dörm, [dm] SA-Da Ho, verstr. ö/s nwaltm., sonst verbr. SA, OST-Flee, GA-Est Ku, WO-Zi; [dö] SA-Dä; dör(e)n GA-Oeb, verbr. HA OSCH n WE; dern, [dern] HA-Oh, Id-Eilsa 57; dörr(e)n, [dörn] CALV-Uth Zo, HA-Bü, Wb-Holzl 77 (HA-Eil); dorb(e)n WO-We, vereinz. nö elbostf., WE-Da; dorfen CA-Ca, Wb-Ak 44; [drfn] BE-Ad Al; drfm ZE-Roß; dorm’n WO-NiDo; dor’m Wb-Ak 44; dorr(e)n verstr. n elbostf.; derw(e)n vereinz. s OST n/mittleres STE, GA-Dee, OSCH-Dee KlQue; derb(e)n vereinz. ö SA w OST, GA-Wern, STE-Ta, JE2-Alt HSe, JE1-Bü, BA-Ge, vereinz. sö elbostf.; derrebm Wb-We* 205; derf(e)n vereinz. sw OST nw STE, OST-Kru, STE-Osth, vereinz. JE2, JE1-Zie Ziep, vereinz. omd.; dermen QUE-Frie; der’m, derm SA-Lag Mel, verstr. w Altm., OST-Ze, STE-Ste, JE2-Tu; der(e)n OSCH-Crot, vereinz. n WA; derr(e)n WO-Me, JE2-GrWu; derrun STE-Da, JE2-Kam Schö; dearwen STE-Kö; dearfen SA-Kal; deärfen JE1-Pa; därw(e)n, [drv()n] SA-Meh, verbr. OST, STE-Bad Peu Ro; därrwen STE-GrMö; därb(e)n vereinz. w Altm., OST-Werb, JE2-Fi; därf(e)n SA-GrGe Pa, vereinz. sw OST n/mittleres JE2, CA-Sta, BA-Gü; därm(e)n vereinz. s SA n GA, OST-GrBeu; där’m, dä(r)m, [drm], [dm] vereinz. nwaltm., verbr. w/mittlere Altm., vereinz. nö Altm., JE2-Red Schön, JE1-Grä; där(e)n vereinz. n/mittleres JE2; däern JE2-Tu; därron STE-GrMö, JE2-GrWud Reh; därrun vereinz. w JE2; darw(e)n vereinz. s nd.; darb(e)n, darbm WO-Sa, verstr. ö/s elbostf.; darf(e)n JE2-Jer, JE1-Mö Plö, ZE-Na Ze, WA-Do, CA-Sta, verstr. omd. (dort wohl vorw. --); darmen vereinz. sö Altm., JE1-Ca, vereinz. s elbostf.; dar’m, darm, [dar] JE1-Pre, verstr. ZE, WO-Gli, HA-Va, OSCH-Grö, BLA-Hü, verstr. sö elbostf., Wb-Ak 44; [dr] SA-Vi, verstr. s Altm., vereinz. w BE; [daron] STE-Bö; [darun] STE-Je; dürfen JE1-Zie, HA-Neu; düren WE-Sta; düören OSCH-Di; durfen KÖ-KlPa; [tur] Wb-Be; dirfen ZE-Dor Steu, vereinz. anhalt.; diern WE-Ost; 2. Sg. Präs.: derfst vereinz. n Altm., JE1-Bü; därfst STE-Ri Schi, CALV-Calv; dorfst vereinz. WA, WE-Weh; darfst JE1-Scha, HA-Va, verstr. mittleres/s elbostf., DE-Que; döörst Wb-Holzl 77; dörst (wohl vorw. Länge) vereinz. HA, Wedde 1938,71, WE-Rho; derst, [derst] HA-Oh, Id-Eilsa 57; dorst HA-Hu Oh; därscht Heimatkalender-Je 1927,121 (JE2-Vie); darst JE2-Ba; dürst WA-Et; 3. Sg. Präs.: dörf SA-Zier; dörft vereinz. w SA; derf verstr. nö Altm., vereinz. ö JE2 nö JE1; derft mit Enklise des Personalpron. n. Matthies 1903,2; derft SA-La, Hausfr-Altm 1924,34 (Kredel), JE2-Schön; därf vereinz. sw OST, GA-Klö, JE2-Cab; därft, [drft] SA-Dä, Bewohner-Altm 2,168, OST-Hei Wo, STE-KlMö; darf STE-Bir, JE2-Mü, JE1-Wa, verstr. s nd. omd.; darft OST-Pe; darp BLA-Rü, QUE-Su; döört Wb-Holzl 77, Bode 1908,55, WA-Sche; dört (wohl vorw. Länge) verstr. HA OSCH; dert, [dert] HA-Oh, Id-Eilsa 57; dörrt Rauch 1929,42; deert OSCH-Crot; 1./3. Sg. Prät.: dorfte Heimatkalender-Ze 1964,91 (ZE-Ze), Wb-Nharz 37; dorrefte Vk-Harz 8,30; dorrste, [dorst] HA-Bee Eim, Id-Eilsa 57; durste Rauch 1929,168, Gorges 1938,33; Part. Prät.: edorft Wb-Nharz 37; [jdorft] Mda-Ze (ZE-Roß); [-durft] a.a.O. (vereinz. ZE); [dorst] Id-Eilsa 57; edert HA-Oh; edörrt Wb-Holzl 77.
1Dwel m. 1. ‘hölzerner Zapfen, Holzpflock zum Verbinden von Teilen’ 3: vereinz. elbostf., 4: DE-Ca Lau. – 2. ‘Griff an der Sense’ 3: BE-Me. – 3. ‘kleiner Amboss zum Dengeln der Sense’,  1Stpel, 3: WE-Oster.
Lautf.: Döwwel Wb-Holzl 77; Döbbel WE-Oster; [devl] Beiträge-Nd 61 (WO-HWa); Dowwel, [dowl] Wb-Nharz 44, vereinz. anhalt.; Dwel HA-Oh. – Etym.: im Mnd. nebeneinander dvel und dvel ‘Zapfen’, vgl. HWb-Mnd 1,462 und 501.
Drft m. 1. ‘eisernes, dreibeiniges Gestell, auf das beim Kochen auf offenem Feuer Töpfe und Kessel gestellt werden’, veralt., ausf. vgl. Vk-Unterharzb 40 ff., 1: SA-Dä, 2: Kredel 1927,74, 3: verstr. elbostf., 4: Mda-Sti 138, Vk-Unterharzb 41 (BA-Schie), BE-Me – op den Drewet wert de Kokelpott opesett HA-Um. – 2. ‘dreibeiniger Schemel’, vgl. Drbn, 3: Wb-We 30. – 3. PflN ‘Rainfarn’ 2: Wb-Altm 39.
Lautf.: Drefot, Drft Wb-Altm 39, Kredel 1927,74; Drewet, [drvt] verstr. elbostf.; Drebet Wb-We 30; [drws] BE-Me; trwes Mda-Sti 138; [drewt] Id-Eilsa 58; Dreifaut HA-Oh, Vk-Unterharzb 40 (jüngere Form); [draifut] SA-Dä.