Hgel m. 1. ‘Unebenheit im Acker, auf der Wiese’, auch ‘Anhöhe, Hügel’,  Barg, 3: Wb-Holzl 106 und 107, OSCH-Crot, BLA-Ca Rü Ti, CA-Fö. – 2. ‘Maulwurfshügel’,  Mollbarg, 3: Wb-Nharz 82, 4: BE-Sa – dor Maulwrf had Hjel jeschmissen BE-Sa. – 3. ‘Höcker, Buckel’ 3: CA-Fö.
Lautf.: Hügel CA-Fö; [hjl] BE-Sa; Hichel OSCH-Crot; Hugel BLA-Ti; Huchel BLA-Rü, CA-Fö, huchel Wb-Nharz 82; Höjjel Wb-Holzl 107 (HA-Eil); Höchel veralt. a.a.O. 106; Hejjel a.a.O. 107 (WA-KlWa). Zuss.: zu 2.: Maulwurfs-, Moll-, Mlworms-.
Hslk m. PflN ‘Dachhauswurz’ 2: Wb-Altm 88, 3: HA-Bee Oh, verstr. Nharz., 4: Vk-Ask 114 (BE-Sa) – Volksgl.: H. wird auf den Dächern gezogen (Wb-Nharz 84), in Sandersleben und Ballenstedt soll er verhindern, dass der Blitz Schaden anrichtet (Vk-Ask 114).
Lautf.: Hslk; außerdem: -lek HA-Oh.
Jauchefatt n. 1. ‘großes Fass, in dem Jauche für den Garten aufbewahrt wird’ 3: HA-Oh, Wb-Nharz 89, 4: Wb-Be. – 2. ‘Wagengestell mit länglichem Behälter zur Beförderung von Wasser oder Jauche’ 2: JE2-Scho, 4: BE-Sa Scha, Mda-Fuhne 137 (ö DE) – met dät Jauchfatt fat man d Jauche nn Acka JE2-Scho.
Lautf.: Jaukeft HA-Oh, jauke- Wb-Nharz 89; [jaufat] JE2-Scho; [jaunfas] BE-Sa Scha, Mda-Fuhne 137 (ö DE); [jaun-] Wb-Be.
Kaldne f., vorw. im Pl. 1a. ‘Gedärm, Eingeweide des Schlachtviehs’ verbr. – schmais de Galau’n uff’n Misd! DE-Ca – Gekochte K. waren eine übliche Speise: haide jiwweds Galdau’n mid Linsen BE-HErx; Galdau’n mid Glumb BE-Nie;Ruh, Ruh, Reste!
Unser Mann hett Gäste,
Hett ‘ne olle Kauh geschlacht,
Hett de Kaldun’n nich reine gemacht,
O du olle Mazpumpe
(Schimpfwort)!
Kaldüneckens schmecken sau stumpe.
Firmenich o.J. 163
(CA);
Rätsel: Et krüppt dorch’n Tun, treckt hinderher de Kaldun? – Stopfnadel mit Faden. Chr-Em 438.  Darm Fülltg Gedärm Gedärmse Gekrse Geschlinge Ingedme Ingedmels Ingesnde Ingewde Inster Kalbsgekröse 1Krse Kt Kutteln Micker. – 1b. übertr., auch derb für ‘Eingeweide, Leib des Menschen’ verbr. – Alle Underlat stuke de Wa’n in en Slaglock, dat se de Kaldunen in Buke schuttern. Wedde 1938,68; Hörn un Sähn war’n beinah vorjangn, un’s war, wie wenn’n alle Kallaun’n in’n Leiwe jeplatzt wie’ern. Wäschke 71913,29; maine Galdau’n gnurrn noche, d hann noch Hunger BE-Il; Rda.: et in’n kaldnen hebben ‘Leibschmerzen, eine Kolik haben’ Wb-Nharz 91; dass.: m kniptet in de Kaldn’n ZE-Kö; datt geiht in de krusen Kaldunen ‘den ganzen Körper erfassend, durch und durch’ WE-Oster; Dn jt’s dinne durch de Kaldau’n. ‘Er ist arm, hat wenig zu essen.’ Wb-Ak 83; dor hadde Galau’n foll ‘er ist betrunken’ BE-Sa. – 2. ‘Blättermagen des Rindes’,  Bldermgen, 2: verbr. JE2 JE1 – die janze Kaluhne JE2-Vie.
Lautf., Gram.: Kaldune, [kaldn] Sg., Kaldunen, [kaldnn] Pl.; außerdem: Pl.: Kaldun’n, [kald], Kaldn, [kaldn] verstr. Altm., vereinz. JE2 JE1, ZE-Kö, verstr. elbostf.; Galdun’n, Galdun OSCH-Crot Har, vereinz. WA; [kaldiu] SA-Dä; kldu’n Mda-Sti 167; KaluhneSg. JE2-Vie; Kaldaunen CA-Ca, Serimunt 1930 Nr. 82, BE-Gü, Kaldau’n, [kaldáu] JE1-Zie, ZE-Roß, Wb-Ak 83, DE-Els; [galdau] vereinz. nw BE; [kaláune] Sg. Wb-Be; Kallaun’n Wäschke 71913,29, Kalaun KÖ-Bie; [galau], [galaun] verbr. anhalt.; Nbf.: Kaldarmen Wb-We 61.
karsten Vb. ‘mit dem  1Karst arbeiten’ 4: BE-Sa, Mda-Fuhne 206 (verstr. mittleres anhalt.).
Lautf.: [gršdn] Mda-Fuhne 206 (verstr. mittleres anhalt.); [gršn] BE-Sa.
Kartuffel f. 1. PflN ‘Kartoffel’, auch die Knolle, 2: verstr. ö STE, vereinz. n WO, verbr. s JE2 mbrdb., 3: allg. elbostf., 4: verbr. omd. – Kartoffel’l stechen ‘Kartoffeln pflanzen’ Wb-Ak 85; Kartuffeln planten dass., HA-Oh; d jsd de Gardoffel’l ab BE-Sa; Sprw.: de dummsten Bern hett de dicksten Kartuffeln HA-Oh; Bauernregel für den Pflanztermin: pflanzt Du mich im Mai, komme i glei, pflanzt Du mich im April, komme i wann i will! WE-Dee. – Bei der Ernte wurden die K. mit einem Spaten oder einer Kartoffelgabel herausgegraben, auf größeren Feldern auch herausgepflügt und anschließend von Helfern aufgesammelt; später erfolgte eine Nachlese auf dem bereits abgeernteten Feld; zum Erntevorgang vgl. Wb-Ak 85. Je nach Beschaffenheit wurden sie als Speise-, Futter- und Saatkartoffeln genutzt. Wb-Ak 85. Erst im 18. Jh. begann der Anbau der K. in Altm. und Börde. In der Altm. z.B. finden sich die ersten Kartoffelfelder in den dreißiger Jahren des 18. Jh., vornehmlich auf königlichen Domänen (Essen-nwAltm 30), für Dreileben (WO) wird das Jahr 1785 für den Beginn des Feldanbaus genannt (Wb-Holzl 116). Die zunächst von den Bauern argwöhnisch betrachtete Feldfrucht änderte die Essgewohnheiten, bes. im 19. Jh., erheblich. Fast allabendlich wurden nun Pellkartoffeln zusammen mit Speckstippe, Zwiebeln, Quark oder saurer Milch gereicht. Essen-nwAltm 14, Kost-Ma 75, Volkstum-Ma 97, Heimatgesch-Bad 33. Reim:Des Morgens Kartoffelsupp,
Des Mittags Kartoffelbrei,
Des Abends Kartoffeln ganz
Hier wohnt Kartoffelhans.
Vk-Anhalta 43.
rdappel rdtuffel Tuffel. – 2. Pl. ‘Pellkartoffeln’ – a. in der Verbdg.: afgekkte Kartuffeln 3: verstr. elbostf. – b. in der Verbdg.: obwelle Kartuffeln 3: WA-Un. – 3. ‘dicke Nase’, scherzh., 4: Wb-Be. – 4. ‘Loch im Strumpf’ 3: HA-Oh.
Lautf.: Kartuffel, [kartúfl] STE-Arne Grie, JE2-HBe HSe, verbr. elbostf., vereinz. nthür.; Kartuffele vereinz. elbostf.; Ka(r) tüffel, [ka(r)tüfl] STE-Je, vereinz. n WO, verstr. JE2, JE1-Kö; Kartoffel, [kartófl] STE-Ta, JE2-Alt Bu Pa, verbr. mbrdb., verstr. elbostf. omd.; Katoffel JE1-Ste, Wb-Ak 85; [gardofl] Mda-Fuhne 130 (verbr. BE KÖ DE). – Gram.: m. verstr. CA.
Katerseiche f. 1. dass. wie  Ktermge, 4: BA-Ha, BE-Sa – Rda.: dor sd aus w Gdorsaiche BE-Sa. – 2. PflN weiß blühende Strauchpflanze, aus deren getrockneten Stengeln Reisigbesen hergestellt werden, 4: BE-Me Sa.
Lautf.: Katersaiche BA-Ha; [gdrzai] (1.) BE-Sa; [-z] BE-Me Sa.
Kibbeke(n) f., n. 1. ‘Auschlag, Entzündung am Mund’, bes. in den Mundwinkeln, 2: vereinz. WO JE1, 3: allg. elbostf., 4: vereinz. anhalt. – dor had Giwwegen BE-Sa; hei hat Kiwweken bet an beide ern HA-Oh; Rda.: lacht, dat de Kiwwecken blaumen ‘er lacht laut, mit weit aufgerissenem Mund’ Sprw-Börde – Wenn die Kinder am Schulbrunnen tranken, breiteten die Mädchen ihre Schürze, die Jungen ein Tuch über das Trinkgefäß, um sich vor K. zu schützen. Brauch-Anhalt 327 (WA).  Ecke Grwe Mlsr Mlske Mundsr Patt Speckhappen Speckkrappe Sperlingsecke Sperlingswinkel tslag Winkel Zilk. – 2. Pl. ‘Mundwinkel’ 3: Id-Queb 3. – 3. ‘die gelbe Haut in den Schnabelwinkeln junger Vögel’ 3: Wb-Holzl 119, Id-Eilsa 71.
Lautf.: Kiwwe(c)ke Sg., Kiwwe(c)ken Pl.; außerdem: -bb- , Kiwwicke vereinz. elbostf.; [giwgn] Pl. vereinz. anhalt. – Gram.: f.; außerdem: vereinz. nur im Pl.; Kiwwecken n. WO-He, HA-Eil. – Etym.: zu  Kibben?
kickern Vb. 1a. ‘laut, übermütig lachen’,  jchen, 2: vereinz. brdb., 3: vereinz. elbostf., 4: BA-Neu, verbr. anhalt. – d gen’n was gichorn BE-Il. – 1b. ‘(heimlich und) leise lachen’, bes. von Mädchen, 2: verbr. JE2 JE1 ZE, 3: HA-Oh, 4: Wb-Ak 87, Wb-Be – de Mkens kichert sik wat tesamme HA-Oh. – 2. ‘wiehern’, vom Pferd,  wern, 2: STE-Bü, 3: vereinz. s elbostf., 4: verbr. BE – es Frd gichord BE-Sa.
Lautf.: kickern, [kíkrn] JE2-Ba, verbr. JE1, vereinz. ZE BE DE; [kekrn] Mda-nwJe1a 35 (JE1-Dre); gickern JE1-Plö; [gigrn] vereinz. BE, Mda-Fuhne 31 (DE-Ca); [jikrn] QUE-Hau; kichern, [kírn] OST-Ren, STE-Bü, WO-Gli, JE2-Scho, Mda-nwJe1a 35 (verstr. n JE1), HA-Oh, WA-We, vereinz. s elbostf., BA-Neu, Wb-Be, KÖ-KlPa; [girn] verbr. BE; kü- chern DE-Or.
Kijack m. 1a. ‘Luftröhre der Gans’,  Görgel, auch ‘Kehlkopf der Gans’ 1: verstr. nwaltm., 2: Wb-Altm 98, vereinz. s Altm., 3: verbr. elbostf. – Der K. wurde nach dem Ausnehmen der Gans in ca. 10 cm lange Stücke geschnitten, die ringförmig gebogen und an den Enden zusammengesteckt wurden. Nach dem Trocknen wurden diese Ringe als Garnwickel benutzt (HA-Bee Oh). Hatte man zuvor noch eine Erbse hineingesteckt, so konnte man den Ring als Rassel für Kleinkinder verwenden (Sprw-Harzvorlf 22). – 1b. ‘Hals der Gans’ 3: WE-Oster. – 2. ‘Kehle, Kehlkopf’ 1: SA-Pü, 3: vereinz. w elbostf., WA-KlWa. – 3. ‘Zäpfchen im Hals’,  1Tappen, 3: WA-Dom, 4: BE-Sa. – 4. Pl. ‘auffällig verwachsene Kartoffeln’ – dat sind lauter Kijaker 3: Sprw-Börde.
Lautf.: Kjack, Ki(e)jak; außerdem: Gijack OSCH-Be; [gjag] BE-Sa; KejackSA-Pü, Wb-Altm 98, GA-Le, CALV-Zo; Kä- jack SA-Me, WA-ABra, Wb-Holzl 118 (WA-KlWa); Kaiak SA-Ah; Keigak SA-Han; Käijack WE-Ost; Kiäjak WE-Sta. – Gram.: Kijaker Pl. Sprw-Börde.