Ballon m. 1. ‘(Luft-)Ballon’ 3: OSCH-Di, 4: Wb-Be. – 2. ‘Kopf’ 4: BE-Al, Wb-Be – t krist jlai ns ’n Pallong Androhung von Prügel, a.a.O.
Lautf.: Balong, [balo]; außerdem: [palo] Wb-Be.
Bsel m. abw. 1a. ‘vergesslicher, zerstreuter, gedankenloser Mensch’ 3: vereinz. elbostf. – 1b. ‘träger, langsamer Mensch’,  Trntte, 3: OSCH-Di. – 2. ‘schwatzhafter Mensch, der Nichtiges redet’,  Quassel, 3: Sprw-Börde.
Lautf.: Basel, bsel Sprw-Börde, Wb-Nharz 21; Bassel, -zz- HA-Oh, OSCH-Di. – Etym.: zur Verwandschaftsbezeichnung Base, übertr. ‘geschwätzige, sich am Klatsch beteiligende Frau (auch Mann)’, vgl. Paul 102002,137.
Blaff m. ‘kurzes, trockenes Husten’ 3: OSCH-Di, Wb-Nharz 28.
2Blse f. ‘Blasinstrument’, bes. ‘(Kinder-)Trompete’ 3: HA-Oh, OSCH-Di, 4: vereinz. anhalt.
Lautf.: Blse, blze HA-Oh, OSCH-Di, Vk-Anhaltb 72 (DE-Mo); Blse Wb-Ak 36; [plze] Wb-Be.
Btel m. 1. ‘Schlägel, Werkzeug zum Klopfen’ 3: OSCH-Di. – 2. ‘gepökeltes und gekochtes Schweinebein’, bes. das obere fleischige Stück am Vorderbein,  sbn, 1: SA-Bee, 2: SA-Sta, GA-Kö, verstr. ö Altm. (außer nö), HA-Sa, JE2-Ge, verstr. w JE1, JE1-GrLüb Ist, ZE-Dor, 3: verbr. elbostf., 4: vereinz. w anhalt. – 3. ‘kleiner Junge’ – en lüttjen Bötel 3: Wb-Holzl 68. – 4. Geschlechtsteil des Ebers’,  Psel, 3: CA-Wer.
Lautf.: Bötel SA-Bee Sta, GA-Kö, verstr. ö Altm. (außer nö), HA-Sa, JE2-Ge, verstr. w JE1, JE1-GrLüb Ist, verbr. n/w elbostf.; Bödel WO-Zie, JE1-Me, HA-Uep War; Böetel Id-Eilsa 54, WE-Wa; Betel WO-Me Sa, verstr. sw JE1, ZE-Dor, verbr. ö/s elbostf., vereinz. w anhalt.; [bdl] vereinz. w BE; büötel OSCH-Di Schl; Böttel OSCH-Di GrQue, QUE-Wed, BA-Rie; Bettel OSCH-Weg, QUE-Di. – Gram.: n. belegt WO-Sa, JE2-Ge, HA-Sie.
bten Vb. 1a. ‘büßen, durch Buße von seiner Schuld frei werden’, auch ‘für etw. eine Strafe erleiden’ 4: Mda-Sti 40, Wb-Ak 36 – Du hast mei’n Brder vorhauet, das mußte bßen! a.a.O. 36. – 1b. ‘befriedigen’ – sin Lust bt’n 2: Wb-Altm 23. – 2. ‘Krankheiten besprechen, durch Zauberformeln zu heilen versuchen’ 2: verstr. brdb., 3: verstr. elbostf., 4: verstr. anhalt. – te Rse (Wundrose) psn Wb-Be; dat musst d beut’n lt’n HA-Oh; Da loff seine Mutter num bei de Miehme Scholln, die verschtunt sich druf, die solle’n pieß’n. Wäschke 71913,29; Bötespruch für Kinder:Böt, böt, böt;
Hoas’ heatt veer Föt,
Kreih heatt man tweei,
moarg’n deat’t nich mehr weeih.
Matthies 1912,31 (SA-
NFe).
– Volksgl.: Nur wenige Menschen beherrschen die Kunst des B. Sie sind davon überzeugt, ihre Gabe von Gott erhalten zu haben. Diese Fähigkeit kann nicht erlernt werden, sie wird von Mann auf Frau und von Frau auf Mann weitergegeben. Besprochen werden versch. Krankheiten, hauptsächlich Blutungen, Wundrose, Brand, Wundschmerzen, Gicht, Zahnschmerzen, Geschwülste, Würmer und Warzen, aber auch behextes Vieh. Die besprechende Person kommt und geht schweigend, auch im Haus des Kranken darf nicht gesprochen werden, die Besprechungsformeln werden leise aufgesagt. Um die Wirksamkeit des B. zu gewährleisten, sollte auch dem Besprecher weder gedankt noch ihm Geld gegeben werden. Als günstig erweist sich die Zeit vor Sonnenaufgang oder nach Sonnenuntergang, wenn möglich bei abnehmendem Mond. Beim B. selbst wird mit der Hand über die erkrankte Stelle gestrichen bzw. darüber hinweggepustet. Dabei werden Beschwörungsworte aufgesagt, die Aufforderungen zum Vergehen der Krankheit enthalten und in christliche Formeln eingebettet sind. verstr., vgl. bes. Bewohner-Altm 2,299 ff., Vk-Anhalta 292 ff. Auch im nd. Gebiet dominieren hd. Formeln: gegen Wundrose:Jesus kam an einen Rosenstrauch,
Pflückt sich eine Rose ab,
Stach sich halb den Finger ab.
Jesus sprach: “Nun, Rose, sollst du nicht mehr blühen!”

Bewohner-Altm 2,309.
nd.: gegen Blutungen:Ick boete di in Gottes Noam’m:
Du saßt nich staek’n,
Du saßt nich braek’n,
Du saßt nich kill’n,
Du saßt nich schwill’n.
Abergl-Ma 251 (GA-Ga).
– 3. ‘Feuer anzünden’, auch ‘mit Feuer unvorsichtig umgehen oder damit spielen’,  gkeln, 1: vereinz. nwaltm., 2: verstr. Altm., vereinz. n JE2, 3: Wb-Holzl 68, Mda-War 68, OSCH-Di, Id-Eilsa 51 – Füer böten SA-Meh.
Lautf., Gram.: böt(e)n, bt(e)n SA-Gla, verstr. nbrdb., MdanwJe1a 38 (vereinz. nw JE1), vereinz. s elbostf.; boete 1. Sg. Präs. Abergl-Ma 251 (GA-Ga); boet, böt Imp. Sg. Matthies 1912,31 (SA-NFe), verstr. ö Altm.; [bt] Mda-Ar 38; [bd] JE2-Scho; böiten JE2-Schö; [btn] verstr. w JE1; pszen Mda-Sti 40; boiten, beuten, bäuten verstr. elbostf.; beiten, [baitn] vereinz. sö elbostf.; [buit] vereinz. nwaltm.; [btn] MdanwJe1a 38 (JE2-HSe, verstr. n JE1); büten WO-Ma; [betn] Dialekt-Ma 10 (verbr. mittleres/s JE1, ZE-Dor Göd); bieten Vk-Anhaltb 12 (verstr. ZE); bieß(e)n, bßen, [bsn] ZE-Roß, CA-Ca, Wb-Ak 36; pieß’n, [psn] Wb-Be, Wäschke 71913,29; Part. Prät.: ebott Id-Eilsa 51; ebött, eboit’t Wb-Holzl 68; jebießt Serimunt 1930 Nr. 82.
Brkland n. ‘sumpfiges Wiesen- und Weideland’,  2Brk, 3: OSCH-Di, QUE-Tha.
Lautf.: Braukland.
Bufftich m. ‘Stoß’ 3: OSCH-Di, Id-Eilsa 55.
1Bummel f., m. 1a. ‘Gehänge’, bes. ‘Ohrgehänge’ 3: Wb-We 20, 4: KÖ-GrPa. – 1b. dass. wie  Bumbam 1., 2: SA-Pre, 3: Mda-nwJe1b 75 (JE1-Ra). – 1c. ‘männl. Geschlechtsteil’ 3: OSCH-Di. – 1d. auch in der Verbdg.: up’n Bummel ‘letzter Kahn in einem Schleppzug’, Schifferspr., 2: Elbschifferspr. 301 (STE-Bit, WO-Ro, JE2-Mi Pa). – 1e. ‘zwischen Schiff und Kaimauer gehängtes rundes Holzstück, das als Puffer dient’, Schifferspr., 2: a.a.O. 263 (JE2-Mi Pa). – 2a. ‘Troddel, Quaste’ 4: Wb-Be. – 2b. ‘Blüte des Hasel- und Weidenstrauchs’,  Katte, 2: ZE-Reu. – 3. dass. wie  Bummelante, 3: Wb-Nharz 35.
Lautf., Gram.: (1.), (2.): Bummel, [buml] SA-Pre, Elbschifferspr. 301 (STE-Bit, WO-Ro, JE2-Mi), a.a.O. 263 (JE2-Mi Pa), Mda-nwJe1b 75 (JE1-Ra), ZE-Reu; bommel, [boml] Elbschifferspr. 301 (JE2-Pa), OSCH-Di; Bommeln Pl. Wb-We 20; Pommel, [poml] Wb-Be, KÖ-GrPa; (3.): bummel Wb-Nharz 35; bei (1.), (2.) ist das Genus – wenn belegt – f., bei (3.) m.
bummeln Vb. 1. ‘herabhängen und dabei hin und her schwingen, pendeln, schaukeln’ 1: SA-Ab, 2: vereinz. Altm., 3: vereinz. elbostf., 4: vereinz. anhalt. – Was bommelt denn d n dei’n Arremel? Wb-Ak 38; ... leit de Beine bummeln un simmeliere ober de Sache hen un her. Lindaua o.J. 93. – 2a. ‘ trdeln, zögerlich sein, langsam handeln’, bes. bei der Arbeit, 1: SA-Dä, 3: OSCH-Di, Wb-Nharz 35, 4: BLA-All. – 2b. ‘faulenzen, müßig sein, untätig umherstreifen’ 2: Wb-Altm 28, 3: OSCH-Di, Wb-Nharz 35, 4: Wb-Be. – 2c. ‘langsam umherlaufen, schlendern, spazieren gehen’ 2: STE-Ho, Francke 1904,92, 3: vereinz. elbostf., 4: Heese21919,37 – Mor jehn jetzt ehrscht n bisjen bummeln ... a.a.O. 37.
Lautf., Gram.: bummeln Inf., bummelt 3. Sg. Präs.; außerdem: [pumln] (2b.) Wb-Be; [bumll] Mda-nwJe1b 75 (JE1-Ra); [bumn] SA-Dä; nur (1.): bommelte 3. Sg. Prät. Wäschke 61915,13; [pomln] Wb-Be; bommel’l Wb-Ak 38.