Junker m. ‘Edelmann’, veralt., 3: vereinz. elbostf. – Bauernregel:Lichtmess hell un klar
ward en gues Flassjahr,
Lichtmess dunkel
ward de Schaper en Junker
un de Bur en Eddelmann.
OSCH-Schw.
Kattenrs n., vorw. im Pl. 1. PflN ‘Binse’,  1Bse, 3: OSCH-Schw, verstr. WE, vereinz. BLA. – 2. ‘blühender Weidenzweig’ 3: Wb-We 63.
Lautf., Gram.: Kattenrs Sg., -er(e) Pl.; außerdem: Katzenreis Sg., -er Pl. WE-Lan; Nbff.: Kattenriste Pl.(?) WE-Il Wa; -ritze Pl.(?) WE-La; -ristenPl. WE-Ve Zi; -reste Pl.(?) OSCH-Schw, WE-Re; -rester Pl. WE-Da.
Kaude f. ‘Gerät zum Glätten und Säubern des zerkleinerten Flachses’ – Die K. ähnelt der Flachsbreche, besitzt aber stählerne anstatt hölzerner Leisten. 3: Rimpau 1901,73 (OSCH-Schl), Flachsbearb-Osch 235 (OSCH-Schw), Id-Eilsa 70.
Lautf.: Kaue Rimpau 1901,73 (OSCH-Schl), Flachsbearb-Osch 235 (OSCH-Schw); Kau Id-Eilsa 70. – Etym.: wohl Bezug zu mnd. kder ‘Flachsabfall’, vgl. HWb-Mnd 2,697, Kauder, Kuder auch in den obd. Mundarten, vgl. DWB 5,306f., sich daran anschließend in Gaunerspr. kauern ‘Flachs brechen’, vgl. Wb-Rotw [2529].
kauden Vb. ‘Flachs auf der  Kaude bearbeiten’ 3: OSCH-Schl, Flachsbearb-Osch 235 (OSCH-Schw).
Lautf.: kauen.
Klasse f. 1a. ‘Spinnstubengemeinschaft’,  Spinnstwe, 3: OSCH-Schw, WE-Dar La. – 1b. ‘Kaffeekränzchen’ 3: OSCH-Crot. – 2. in der Verbdg.: Klasse krgen ‘Einordnen von Kähnen in bestimmte Qualitätsgruppen nach einer technischen Überprüfung’, nur Kähne der ersten K. durften wertvolle Ladungen transportieren, Schifferspr., 2: Elbschifferspr. 318 (STE-Bit Tan, WO-Ro, JE2-Mi Pa), 4: a.a.O. 318 (CA-Ak).
Klump(en) m. 1a. ‘gekochter Kloß aus Kartoffeln oder Mehl’ 1: SA-Han Ho, 2: Wb-Altm 106, OST-Sto, GA-KloNeu, WO-Me Sa, verbr. mbrdb., 3: verbr. elbostf., 4: verbr. anhalt. – Der K. wurde roh auf die zu garenden Speisen gelegt und dann mit diesen in der  Grde gekocht. Speisen-Börde 386. K. wurde zu allen Gerichten gegessen. Es gab kaum eine Mahlzeit, bei der er fehlte, ob heiß oder kalt gegessen, zur Suppe, zum Braten, zum Frühstück oder zur Vesper. Ein verbr. Sonntagsgericht war selbst gemachter Sauerkohl, der mit Schaf- oder Schweinefleisch gekocht wurde, und K. Außerordentlich beliebt, vor allem in der Zeit von Oktober bis zur Fastnacht, waren mit anderen Zutaten verfeinerte Gerichte aus Mohrrüben und K. Kost-Ma 70f. – Suern Klump WO-Me Sa; Klump un Speck HA-Oh; Ries un kleine Klümpe OSCH-Schw; Swarten Klump Wb-Holzl 192 (HA-Eil); Klump un Plumen JE1-Ziep; Klump un Bratchen HA-Uep; Rda.: Kool un Klump füllt den Buren den Rump. Wb-Holzl 121. Reim:Hoch in de Danne!
Beier
(Bier) in de Kanne!
Klump op’n Disch,
de smecket frisch.
HA-Oh.
Tanzreim:balle wille düt nich,
balle wille dat nich,
balle wille Klump und Beern nich.
Id-Eilsa 50.
Hofklump Kartuffelklte Kartuffelklump Klt Klunz Klt(en) Mehlkloß Mlklump Mlklunz Tüffelklt Tüffelklump Tüffelklt. – 1b. ‘Topfkuchen’,  Pottkken, 3: verstr. w elbostf., CA-Fö. – 1c. ‘Köder zum Angeln’ 2: Mda-Ze (verstr. ZE). – 2. ‘meist feuchte, zähe zusammengeballte Masse, Brocken’, bes. von Erde, 3: verstr. mittleres/s elbostf., 4: vereinz. omd. – an Klump’m Lm. Wb-Ak 91; roggen in klump un weiten in sump Roggen wird auf einen Acker gesät, der K. bildet, Weizen wird auf einem nassen Feld ausgebracht, Wb-Nharz 100; Klümpchen Dim. FlN, von harter fester Erde, Burghardt 1967,77 (WA-Ba Ste). – 3a. ‘Haufen, aufgehäufte Menge, hügelartig Angehäuftes’ 1: verbr. nwaltm., 2: verbr. Altm., vereinz. JE2 JE1, ZE-Roß, 3: WO-He, vereinz. mittleres/s elbostf., 4: Wb-Ak 91, Wb-Be – op einen Klumpen stahen ‘zusammengedrängt stehen’ CA-Fö; Rda.: et is alles in’n klump ‘efollen (zusammengefallen) Id-Queb 4; In’ Klump lig’n ‘in einer Schlägerei sein, in Streit liegen’ Wb-Altm* 60; alles in’n Klump sln ‘etw. völlig entzwei schlagen’ HA-Oh; dr hat sein Rd in Klump jefr’n Wb-Ak 91; äre Mudda is än oll Klump ‘ihre Mutter ist sehr dick’ JE2-Scho; n’ Klumpen Unglücke ‘ein großer, ungeschickter Mensch’ HA-Oh; sit te nich da wie son Klumpen Unglücke! HA-Bee; In n’n Klumpen tosammenschten ‘vor Schreck zusammenfahren’ Wb-Altm 106. – 3b. ‘geschichteter großer Holzhaufen’,  Holtdme(n), 1: SA-Zie, 2: OST-KlBeu Poll Wah. – 3c. ‘Heuhaufen’,  Heuhocke(n), 2: SA-Win, OST-Bi, GA-Fau. – 3d. ‘großer, ungeordneter Strohhaufen’,  Strdme(n), 2: OST-KlBeu. – 3e. ‘Misthaufen’, auf dem Feld, 2: OST-Bi. – 3f. ‘Rübenhaufen’ 1: SA-Rist. – 3g. ‘Maulwurfshügel’,  Mollbarg, 2: OST-Bi Schö. – 4. ‘harte Geschwulst’ 3: Wb-Nharz 100. – 5. ‘Anzahl, Menge’, bes. ‘Schar, größere Anzahl von Personen’,  Korpssei hat en Klump Kinner ‘sie hat viele Kinder’ 3: Wb-We 68.
Lautf., Gram.: Klump(en), Klump(e)n; außerdem: Klump’m Wb-Ak 91, [klumpm] SA-Zie, Mda-nwJe1a 44 (JE2-HSe, verbr. nw JE1), Wb-Be; [klump] JE2-Scho; [klumbm] SA-Rist; [glumb] Mda-Fuhne 17 (DE-Ca); [klumb] CA-Ak; [glumb] verbr. anhalt.; Klümp, [klümp] Pl.(?) SA-Ha KloNeu, GA-Fau; [klümp] Pl. OST-Bi; Klümpe Pl.(?) JE2-GrWud; Klümpe Pl. WO-Dru; Klümpk’n Dim. Wb-Altm. 106f.; Klimpe Pl. WO-Me; Klimpen Pl. BLA-Tr; [glimb] Pl. Mda-Fuhne* § 283 (BE-Le Pei, KÖ-Il, verstr. DE); [klimpr] Pl. DE-Els; [glimbr] Pl. verstr. anhalt. Zuss.: zu 1a.: Hwe-, Hof-, Kartuffel-, Ml-; zu 1b.: Hwe-, Ktel-; zu 2.: s-; zu 3b.: Holt-; zu 3c.: Heu-, Lde-; zu 3e.: Mess-; zu 3g.: Moll-, Mollworms-, Mollworps-, Mlworms-, Mlworps-.
knkendrge Adj. 1. ‘sehr, vollständig trocken’ 1: SA-Dä Rist, 2: Wb-Altm 41, JE2-Scho, 3: HA-Oh, Vö- gel-Nd 358 (HA-Wed), Wb-Nharz 103, 4: Wb-Ak 93.  TZ: klingendrge knitterdrge knkendrgig knorrendrge. – 2. Ausdeutung des Krächzens der Krähen, 3: OSCH-Schw, Vk-Harz 3,54.
Lautf.: knkendre HA-Oh; knokendrö OSCH-Schw, Vk-Harz 3,54; knookndreech Vögel-Nd 358 (HA-Wed); knkedr Wb-Nharz 103; knaokendrög Wb-Altm 41; [knkdr] SA-Rist; [knaokdroi] SA-Dä; knochendre Wb-Ak 93.
Ködderwter n. ‘Schnaps’,  Sluck, 3: HA-No, Sprw-Harzvorle 144, OSCH-Schw, WE-Rho – Rda.: hei harre Ködderwater e’drunken ‘er ist betrunken’,  dn, HA-No.
Lautf.: Ködderwater HA-No, Sprw-Harzvorle 144, OSCH-Schw; Kedder- WE-Rho.
lm Adj. 1. ‘durch Lähmung oder Verletzung bewegungsunfähig’ verbr. – hei hat ‘n lmen Faut HA-Oh. – 2. ‘kraftlos, erschöpft, müde’,  slapp, 2: vereinz. SA, ZE-Roß, 3: OSCH-Schw, CA-Ca, 4: Wb-Ak 101.
Lautf.: lahm, lm verstr. elbostf., Mda-Sti 16; [lm] verstr. mbrdb. elbostf. anhalt.; [lam] Mda-Ze; lm vereinz. SA. Zuss.: zu 1.: krz-, lenden-, lungenlahm, msken-; zu 2.: lenden-.
Lichtmess f. ‘2. Februar’, urspr. kirchlicher Festtag, der an die kultische Reinigung Marias am 40. Tag nach der Geburt Jesu und an dessen Weihung im Tempel erinnerte, auch Mariä Lichtmess, verbr. – Lostag für Aussagen über den Frühlingsbeginn und die Ernte: wennt t Lichtmäss stüamt un snait, is de Somma nich ma wt SA-Rist; Lichtmissen süht de Schaper lewer ‘n Wulf in’n Stall wie de Sunne HA-No; Lichtmeß dunkel, ward de Schaper an Junker un de Bur en Eddelmann OSCH-Schw; Lichtmessen hell un klar, jibt an jutet Flachsjahr Spr-Asch 49; … jift’n guues Koarnjoar Brauch-Ma 257 (GA-Mie); ab L. werden die Tage spürbar länger und der Frühling naht: n Lichtmess nimmet jede Dch ‘n Hnenkrt (Hahnenschrei) tau HA-Oh; no Lichtmeß traut de Voß det Iß nich mehr OST-Dü;Martine
Schlachten de Leute ihre Schwine,
Lichtmessen
Hab’n sie sie wieder aufgegessen
Ackerbau-Anhalt 363
(KÖ-Wü);
Mariä Lichtmessen
Können die Herrn bei Tage essen!
Und auch die Armen
Wenn sie etwas haben
a.a.O. 280 (CA-Fro).
– Brauch: Ab L. wurde die Vespermahlzeit wieder eingenommen. Brauch-wAltm 21. In den Spinngemeinschaften bekränzten die Mädchen die Lampe, da nun kaum noch Lampenlicht bei ihren Zusammenkünften erforderlich war. Brauch-Ma 257, Mda-Ohre 355, BrauchwAltm 21f. In einigen Orten zogen die Burschen von Haus zu Haus, stäupten die jungen Mädchen mit Ruten und sammelten Eier und Würste, die dann gemeinsam bei Bier und Schnaps im Wirtshaus verzehrt wurden. SA-GrGi, Brauch-wAltm 21, JE1. Verschiedentlich fanden Feiern und Zusammenkünfte statt wie z.B. das Bauernmahl in Frose, ein festliches öffentliches Essen mit festgelegter Speisenfolge für die Honoratioren des Ortes (Ackerbau-Anhalt 281), der Bauern- und Knechteball in Biederitz oder die Gemeindeversammlungen in der Altm., auf denen die jährliche Rechnungsabnahme erfolgte. Ihnen schlossen sich meist Feiern an. (BrauchwAltm 19). L. galt als kleiner Festtag, d. h. größere Arbeiten (Feldbestellung, Spinnen) durften nicht verrichtet werden und es wurden besondere Speisen verzehrt (z.B. Tiegelbraten in Wistedt, süße Milchsuppe mit Semmeln im Drömling). Brauch-wAltm 21. Die Hirten bekamen an diesem Tag ihren Vierteljahreslohn und konnten wechseln oder wieder gemietet werden. Brauch-wAltm 20, Vk-Anhalta 38. Da der Lohn der Hirten von der Zahl der zu hütenden Tiere abhing, wurde zu L. das Vieh gezählt. Brauch-Rie 746. – Volksgl.: L. geborenes Vieh taugt nicht zur Zucht. Brauch-Anhalt 160, Vk-Anhalta 25. In der Nacht liefen die Mädchen vor das Dorf. Von dort, wo Hundegebell ertönte, sollte der zukünftige Mann kommen. Vk-Anhalta 157 (ZE-Na).
Lautf.: Lichtmes(s), -meß; außerdem: [litms] SA-Rist; Lichtmess(e)n Brauch-wAltm 19, verstr. SA, STE-Ber, verbr. elbostf., verstr. anhalt.; -misse HA-Oh; -missen verstr. w JE1, HA-No; Lechtmisse Wb-We* 223; lechtmissen Wb-Nharz 115; Lichtmäten WE-Be. – Gram.: -en Belege Dativformen.