Fingerngel m. wie Standardspr., 2: SA-Kal, OST-Dü, 3: HA-Oh, WA-Ste, 4: vereinz. anhalt. – Rda.: unnern Fingernaogel rieten ‘heimlich beiseite bringen’ SA-Kal. – Volksgl.: F. sollten nicht sonntags, sondern freitags geschnitten werden (ZE-Li, KÖ-Zehm). Viele weiße Punkte auf den F. bedeuten Glück (ZE-Mühl) oder Kindersegen (ZE-Ze). Vk-Anhalta 337.
Lautf., Gram.: Fingerngel HA-Oh; -nägel Pl. WA-Ste; -narel BE-Grö; [finl] OST-Dü; Fingernl vereinz. anhalt.; -naogel SA-Kal.
2Fre f. 1. ‘Wagenladung’, bes. Heu oder Getreide, 2: Wb-Altm 55, OST-Dü, verstr. STE, vereinz. CALV, WO-Zi Zie, verstr. n/mittleres JE2 mbrdb., 3: verstr. elbostf., 4: verstr. omd. – ne kleene Fuhre JE1-Gö; ... ’ne Fuhre Holz ... Richter o.J. 26; ... la’n uns ne Fauhre Wischenmeß op ... Rauch 1929,13; d k’m se met ne Fre Jeträide JE2-Scho.  Fder Frige Lopp Schäckerchen Schleppchen Slpel Slpels Slpsel Treckels Trecksel Zuckel Zuckels. – 2. ‘gehörige Menge an Schlägen, Prügel’ 3: vereinz. sw elbostf. – glk krist d ne Faur BLA-Brau.
Lautf.: [fr] WO-Zie; Fr Wb-Altm 55; Fau(h)re, [faur], [faor] verstr. elbostf.; Fauer QUE-Di; Fauere HA-Oh; Faur BLA-Brau; Fuere Wb-We* 255; [f] vereinz. CALV; Feure, Fäure OSCH-Di, WA-See; fure Mda-Sti 33; Fu(h)re, [fr] WO-Zi, verstr. JE2 JE1, vereinz. ZE, Vk-Unterharzb 71, Mda-Ro, verstr. omd.; Fuhr, [f] OST-Dü, vereinz. n/mittleres STE, JE2-Wa; [f] STE-Buch Steg; [fr] Mda-Ze (vereinz. ZE).
2Hicker m. dass. wie  Hicken, 2: OST-Dü, 3: WA-KlWa, Wb-We* 214.
Lautf.: Hicker; außerdem: Hikkerken Dim. Wb-We* 214.
Hse f. 1. ‘Hose für Männer’ verbr. – d Hse is jants väkndelt JE2-Scho; dai Heos is tau lank SA-Dä; Rda.: Hose wie Jacke ‘egal, dasselbe’ Sprw-Eils 39; de Hose vull hebben ‘Angst haben’ Wb-We 54; hei krijjt de Hese full ‘er bekommt Schläge’ HA-Oh; in kl’n Kn an Pr Hsen abtrecken ‘die große Notdurft verrichten’, Schifferspr., Wb-Ak 72; de fr het de hse ne ‘die Ehefrau hat die bestimmende Stellung inne’ Wb-Nharz 82; halw int Häm un halw int Hoasen ‘unvollkommen’ OST-Dü; hei hat de Beine te wt dorch de Hese ‘stken ‘seine Hose ist zu kurz’ HA-Oh; Kinderreim:ri, ra, rutt,
mne Hese is kaputt!
HA-Oh;
Peter Buber … heth an eynen witten rok eynen brunen mantell, grüne hasen, j grüne kapell vnd swarte har. 1492, FB Zerbst 21. – Volksgl.: Befindet sich unter der zum Trocknen aufgehängten Wäsche eine H., so lacht die Wäscherin durch das Hosenbein, um günstiges Wetter zum Trocknen zu bewirken. Vk-Anhalta 338; dorch de Hose juchen dass., Sprw-Börde, Wb-Nharz 90, Spr-Asch 46.  Brk Büxe Krlsbüxe Krlshse Männerhse Mannshse Mannsldehsen. – 2. ‘Blattscheide des Getreidehalms, Umhüllung der Ähre’ 2: Wb-Altm* 55, 3: Wb-Holzl 106, Wb-Nharz 82 – dat Koren is noch in de Hose Wb-Holzl 106; d’ Haow’r will nich t d’ Haos’n Wb-Altm* 55. – 3. ‘kleines Fass’, bes. für Butter oder Kienruß, 3: vereinz. elbostf.
Lautf.: Hse, [hz] SA-Sta, verstr. mittlere/ö Altm., vereinz. JE2 JE1, verstr. ZE elbostf. anhalt.; Hs, [hs] verstr. s nwaltm., w/n Altm., JE2-Reh; Hosen verstr. nö Altm., GA-Eick La, JE2-GrWul Wu Zo, CA-GrRo KlRo, DE-Mo; Hoase, [hz], [hz] vereinz. ö Altm. JE2, JE1-Bü, ZE-Ned Ra Reu; Hoas, [hs], [hs] vereinz. ö Altm.; Hoasen, Haos’n, [hz()n] SA-Jee, verstr. ö Altm., GA-Ziep, verstr. JE2, JE1-Ge We, ZE-Gö Nu Stre; [haozn] Mda-Ro; Haus SA-Dö NFe; Häos, [hos] verstr. nwaltm.; [haz] verbr. JE1, verstr. ZE; Hese HA-Oh, hese Mda-Weg 98; Huse QUE-GrSchie; huoze OSCH-Di Schl; Huese Wäschke 61920,153; Hös SA-Dre; Oase ZE-Buk; Dim.: (3.) Höseken Wb-We 54; hseken Wb-Nharz 78; Hoiseken Wb-Holzl 107. – Gram.: auf -n auslautende Formen (außer Dim.) sind Pl. mit singularischer Bed. Zuss.: zu 1.: Krls-, Knie-, Ledder-, Männer-, Manns-, Mannsldehsen; sonstiges: Ms-.
humpeln Vb. 1. ‘hinken’ 2: Wb-Altm 86, Hausfr-Altm 1927,43 (STE-Ber), JE2-Jer Scho, ZE-Roß, 3: verstr. elbostf., 4: Mda-Sti 95, vereinz. anhalt. – Du humpelst jo, wat hast denn an de Ft? Wb-Altm 86. Denn humpele se na de Dör, se harre en betchen veel mit Remetismus te daune. Rauch 1929,166.  TZ: hinken hunkeln hunken kaduksen lmen 2lumpen lunzen. – 2. ‘hüpfen’,  hopsen, 2: OST-Dü, GA-Vo, STE-Ga, JE2-Kl, JE1-Re Try Wö, 4: Wb-Ak 72.
Lautf.: humpeln, [humpln]; außerdem: [hump] ZE-Roß, humpel’l Wb-Ak 72; [humb] DE-Ca.
infeistern Vb. ‘tüchtig einheizen’,  inbten, 1: SA-Brie, 2: SA-Im, OST-Dü, ZE-Ra.
Lautf.: infeistern SA-Im; -feustern SA-Brie, OST-Dü; einfestern ZE-Ra.
kleckern Vb. ‘kleine Mengen Flüssigkeit oder feuchter, breiiger Masse herabtropfen lassen und dadurch Flecke verursachen’,  klickern, 2: OST-Dü, verstr. ZE, 3: HA-Oh, Wb-We* 219, 4: Wb-Be, DE-Ca Vo – d hasd doch schonn wellor jegleggord DE-Ca.
Lautf.: kleckern, [klekrn] ZE-Roß, HA-Oh, Wb-We* 219, Wb-Be, DE-Vo; [klekrn] Mda-Ze (verstr. ZE); [klekn] OST-Dü; [glegrn] DE-Ca.
Klucke f. 1a. ‘brütende oder Küken führende Henne’ verstr. – Mir han anne Klucke jesetzt ‘wir haben eine Glucke auf ein Nest mit Bruteiern gesetzt’ Wb-Ak 91; Rda.: dik is woll de Glucke von de Eier elopen? zu jmdm., der ein verdrießliches Gesicht macht, CA-Fö; Den het de Klucke hackt. ‘Er ist nicht recht gescheit.’ Vk-Harz 3,46; Rätsel: kröppt dörch’n Tun und schläpt Därm noh. – Glucke und Küken (SA-Rie). – Brauch: Um zeitig viele Glucken zu haben, wurde vom ersten Samenweizen (Samengerste, KÖ-Wu) den Hühnern eine Hand voll gegeben (CA-Zu). Man setzte die Glucken gern an Fleischtagen, d.h. dienstags und donnerstags zum Brüten, bes. günstig soll der Himmelfahrtstag sein (CA-Zu). Wenn Hühner brüten, soll auf dem Hof kein Holz gehackt werden. Vk-Anhalta 28. – 1b. ‘alte Henne’ 2: JE1-Dre Re Rie. – 2a. in der Verbdg.: le Klucke Schimpfwort, 3: HA-Oh. – 2b. ‘ein aus Trägheit längere Zeit herumsitzender Mensch, Faulpelz’, Schimpfwort, vgl. klucken 3b.Oll’ Kluck 2: Wb-Altm 106. – 3. in der Verbdg.: Glucken und Küken PflN ‘Schwanenblume’, die Blüten stellen die Glucken dar, die Knospen werden als Küken angesehen, 2: OST-Dü, 3: Flora-Gerwisch.
Lautf., Gram.: Klucke, Kluk(k)e, [kluk]; außerdem: Kluck, kluk verstr. nwaltm. Altm.; [klk] Mda-Ar 30; Glukke Wb-We 40, Glucke CA-Fö; Glucken Pl. Flora-Gerwisch; [glug] Mda-Fuhne 17 (DE-Ca). Zus.: zu 2b.: Hs-.
knweln Vb. 1a. dass. wie  knweken, 1: SA-Ah Brie, 2: verstr. Altm. JE2, verbr. JE1 ZE, 3: verstr. elbostf., 4: vereinz. s CA, BE-Neu. – 1b. ‘kleine Stücke abschneiden’, von Brot oder Wurst, 4: CA-Ak. – 2. ‘knabbern, abkauen’ 4: Mda-Sti 95. – 3. ‘mit dem Messer schnitzen’,  snippeln, 2: OST-Dü. – 4. ‘sich am Schorf einer Wunde  kratzen’ 3: BE-Gü.
Lautf., Gram.: knieweln STE-Wa, vereinz. WO, JE2-Go Ki Schö, JE1-Bü Lo Plö, BLA-Rü, CA-Bie KlRo We; kniwelt 3. Sg. Präs. STE-Bir; knwel’l, [knw] CA-Atz Löd Sta, Wb-Ak 93; kniefeln, [knfln] verbr. JE1 ZE, vereinz. WA, verstr. CA; kniefelt 3. Sg. Präs. CA-Sa; kniebeln, knbeln STE-KlSchwa, vereinz. WO, JE2-HBe Kar, JE1-Lei Nie Wa, OSCH-Di, WA-Schw, Wb-We* 220, CA-Egg Löd Pö, BE-Gü; kniepeln JE1-Dan; gnieweln OST-Gies Id Krum, HA-Ost, WE-Strö; gniwo Imp. Sg. SA-Ah; jnieweln GA-Le; gniefel STE-HWu; egniewelt Part. Prät. WE-Re; gniebeln OST-Gies Id Krum; jniepeln STE-Bin; kniw(w)eln JE2-Nkli, Mda-Sti 95; [kniw] vereinz. w JE1, verstr. QUE, CA-Ca Löb, BE-He Neu; knibbeln OSCH-Osch; gniw(w)eln SA-Kun, QUE-Scha; gniwwl’n SA-HTr; gniwwelt 3. Sg. Präs. WE-Dar; gniffeln OSCH-Ad Gü; gnibbeln SA-Brie, GA-Wan Wer, JE2-Wa; knüweln JE2-GrWu; knüffeln OST-Dü.
Klrpe f. TiN ‘Raupe des Kohlweißlings’ 1: SA-Ah, 2: OST-Dü, STE-Kre, WO-Sa, JE2-Za, ZE-Bur, 3: WA-Am.
Lautf., Gram.: Kohlrup STE-Kre; Pl.: -rupen; außerdem: -raupen ZE-Bur.