1huddern Vb. 1. ‘frösteln, vor Kälte schaudern’ 2: Wb-Altm 86, 3: Wb-Holzl 107, HA-Bee Oh, vereinz. sw elbostf., Vk-Ask 376, 4: Mda-Sti 108. – 2. ‘die Küken unter die Flügel nehmen, um sie zu wärmen’, von der Glucke,  1hurkeln, 3: QUE-West. – 3. refl. ‘sich zusammendrängen, um sich zu wärmen’ – dai klain Kükng huddan sik 1: SA-Dä. – 4. ‘sich im Staub baden’, von Hühnern, 4: Mda-Sti 108. – 5. ‘vor Schrecken oder Ekel schaudern’,  schuddern, 3: verstr. elbostf. (außer sö) – mik hat höllsche huddert vor Anges HA-Alv; mancher huddert sek dafor BLA-Be.
Lautf., Gram.: huddern; außerdem: huddrnVk-Ask 376; [hudn] SA-Dä; hundert 3. Sg. Präs. OSCH-Dee. Zus.: sonstiges: in-.
Inbund m.(?) ‘in den Patenbrief des Täuflings eingebundenes Geldstück’ 3: Vk-Harz 6/7,47 (BLA-Be).
Lautf.: Inbunk.
Karrenband n. dass. wie  Karrenrmen, 2: WO-Zie, 3: Vk-Harz 3,23 (BLA-Be), 4: Serimunt 1931 Nr. 18, Wb-Be, DE-Ca – mids Garrnband jds laichdor DE-Ca.
Lautf.: Karrnband WO-Zie, Vk-Harz 3,23 (BLA-Be), Serimunt 1931 Nr. 18; [kárnpant] Wb-Be; [garnband] DE-Ca.
Kermisse f. ‘Kirmes’ 3: WE-Dar, BLA-Brau, Wb-Nharz 93 (BLA-Be), 4: Mda-Sti 5, vereinz. sö KÖ sw DE – freuer wren de Wschen nich so freu emeijet w intsund, wen de junken Burschens n der Hogeisschen (ON Hohegeiß) Karemesse jungen, den brochten sei sek de Sensen erst mit un de Wetzesteine BLA-Brau. – Brauch: Die K. wurde in jedem Jahr an einem bestimmten Wochenende zwischen Erntedankfest und Totensonntag gefeiert, in benachbarten Dörfern auf versch. Wochenenden verteilt. Sie dauerte von Sonntag bis Montag, in früherer Zeit auch bis Dienstag. Vormittags ging man zum Gottesdienst, nachmittags und abends war Tanz. Den Besuchern aus den Nachbardörfern wurden Bündel mit Kuchen mitgegeben. In den Dörfern gab es versch. Kirmesverse, die von den Kindern gesungen wurden:In Riesdorf is Kermes,
da jiwwets was Koales, was Wärmes.
Wenn Kirmes ist, wenn Kirmes ist,
dann schlacht’t mein Vater ‘nen Bock,
dann tanzt meine Mutter, dann tanzt meine Mutter
da wackelt der ganze Rock.
Hier im Dorfe ist Kirmes,
da gibts was Kaltes, was Warmes,
da gibt’s ein Gläschen Wein und Bier
und ein freies Nachtquartier.
Serimunt 1929 Nr. 63.
– hist. ‘jährliche Messe zum Gedächtniss der Stiftung eines Gotteshauses’, erst später auch ‘der an diesem Tage abgehaltene Jahrmarkt’, vgl. HWb-Mnd 2,547: zcu Sandow in dem daghe, alze da kermesse was 1416 Magdeburger Schadensrechnung 1420, Cod. dipl. Brdb. 2.3,286; Uff Martini gipt das haus Dessaw oder die herschaft alle jar jerlich den kirchendienern, brawern, fischern und ackerleuten zu Dessaw ufm schlos ein kirmeßmalzeit … Amt Dessau und Lippehne 1547–1549, Landreg-Anhalt 1,42.
Lautf.: kármisse Wb-Nharz 93; KarmesseBLA-Brau, Vk-Anhalta 195; [garmz] vereinz. sw DE; krmisse Mda-Sti 5; Kermes Serimunt 1929 Nr. 63 (KÖ-Rie); Körmes WE-Dar, Kirmes Serimunt 1929 Nr. 63. – Etym.: mnd. kerk-, kerken-, kermisse HWb-Mnd 2,547.
2ketteln Vb. 1a. ‘kitzeln’ verbr. – … dersch Kitscheln nich vertra’n kunne … Wäschke 31919,9; Rda.: Dat kiddelt m maol. ‘Darüber empfindet er große Schadenfreude.’ Wb-Altm 101; hei is sau groot, dat hei nen lieben Gott binah undern Fäuten kisselt OSCH-Ba; Spss mott sn, s lnspei, da kissele hei sne Gresmutter mit de Messgrepe HA-Oh; Rätsel vom Ziehbrunnen: uns Grootknecht kitzelt uns klein Dickmoagd SA-Rie. – 1b. ‘von Juckreiz befallen sein, Juckreiz verspüren’, bes. in der Nase,  kribbeln, verstr. – de olle Meerettich hat mik in de Näse kisselt HA-Neu. – 1c. ‘brennen’, Empfindung der Hautreizung durch Brennnesseln, 3: OSCH-Di, WE-Elb. – 2. ‘reizen, zanken’ 3: Id-Eilsa 71. – 3. ‘heimlich und schadenfroh lächeln’,  grnen, 2: STE-Ost, 3: BLA-Be.
Lautf.: ketteln OSCH-Di; [ketn] Id-Eilsa 71; käddeln Wb-Altm 94; [kddln]Volksspr-Altm 90 (SA-Pre); [kssonn] a.a.O. 90 (SA-Böd); köseln JE1-Stei; [kes] WE-Elb; kitteln Spr-Altm 87, STE-Do Ho; kiddeln Wb-Altm 99, STE-Wa; kisseln SA-Pü, GA-Est, verbr. elbostf.; kissa’n SA-Han; kitzeln verstr. Altm., vereinz. JE2 JE1, verstr. elbostf., KÖ-Wu; [kits] verbr. ZE, Mda-Ro; [gids] BE-Ad, Mda-Fuhne 29 (DE-Ca); Kitscheln, [kítln] CA-Zu, Wb-Be, Wäschke 31919,9.
1Kluft f. 1a. ‘großes Stück Holz’ 3: Wb-We 68. – 1b. ‘Holzklotz, der zu Brennholz zerkleinert wird’,  Klotz, 3: WE-Ost, BLA-Be. – 1c. ‘verwachsener Holzklotz, der schwer zu spalten ist’,  Knorren, 3: WE-Sta, Wb-Nharz 100. – 1d. ‘klein gehacktes (Stück) Brennholz’,  Kl-we(n), 2: Wb-Altm 106, SA-La, 3: WE-Rho Schie, BLA-Brau. – 1e. ‘Stock, Knüppel’, vgl. Knuft 1a., 3: Beiträge-Nd 64 (WO-HWa), HA-Oh. – 1f ‘Peitschenstiel’,  Ptschenstock, vgl. Knuft 1b., 3: JE1-Ca, WA-Schw. – 2 ‘Spalt’ 3: Wb-We* 219.
Lautf.: Kluft; außerdem: Kluuft (1d.) SA-La.
knarschen Vb. ‘ein hartes, reibendes Geräusch hervorbringen’, vgl. knurschen, 3: BLA-Be, QUE-Di, 4: Mda-Sti 119.
Lautf.: [knar] BLA-Be; gnarschen QUE-Di; Nbf.: knerschen Mda-Sti 119.
Knst m. 1a. ‘Anfangs- und Endstück des Brotes’,  Kant(en), 1: verstr. nwaltm., 2: verstr. Altm., JE2-Ki, JE1-Kö, ZE-Dor Hu, 3: verbr. elbostf., 4: verstr. omd. – wer an besten bten kann, kricht’n Knust HA-Oh; Rda.: Oll Knst hölt Hs ‘altes Brot hält länger vor als frisch gebackenes’ Wb-Altm 278; De hat en grötsten Knust ejetten ‘er hat die längste Zeit gelebt’ Sprw-Harzvorld374. – Brauch: Vor dem Eintritt ins Haus schickt die Braut der ärmsten Familie des Ortes ein Brot, von dem sie vorher den K. abgeschnitten hat. Diesen hebt sie auf, um nie Mangel am täglichen Brot erleiden zu müssen. Hochzeit-Altm 36. – 1b. ‘großes Stück’ vom Brot, auch ‘dicke Brotscheibe’ 2: Wb-Altm 261, Beiträge-Altm 1,345, 3: Nd-Börde § 40 (WO-Schn), Id-Queb 5, BE-Gü, 4: Mda-Sti 163, Wb-Ak 94, DE-Thu – D haste dich awwer an Knst abjeswelt! Wb-Ak 94; Sprw.: ‘n groff (grober) Knst iss bät’r ass’n leddig Fst. Wb-Altm 261. – 1c. ‘Abschnitt einer mehrteiligen Semmel’ 2: Wb-Altm 111, Brauch-wAltm 54, SA-Kal, OST-Ar, vereinz. ö Altm., Heimatkalender-Ma 1930,81 (JE2-Vie), JE1-Ro, 3: JE1-Ca, 4: Wäschke 31909,106 – … brach sich o noch an Knust vonne Semmel ab … Wäschke 31909,106. – 2. Pl. ‘gebackene Kartoffeln’ 3: Rezepte-Harz 2, BLA-Be. – 3. ‘Apfelrest, Kerngehäuse des Apfels’,  Appelknst, 2: GA-Ack, JE2-Ma, verstr. mittleres JE1 ZE, 3: vereinz. elbostf. – 4a. dass. wie  Knurzel 1a., 2: ZE-Dor, 3: vereinz. s elbostf., 4: vereinz. w omd. – 4b. ‘Baumast’ 4: BE-Ge. – 4c. ‘Hebebaum am Wippbrunnen’, nur im Rätsel:uns Knecht Kns
hät’n Ding as’n Fst;
weiert de Wind,
bummelt äm dt Ding.
1: SA-Ab.
– 5. ‘klumpenförmige Geschwulst oder Verhärtung am Körper’ 3: Wb-Nharz 103. – 6. ‘Haarknoten am Hinterkopf der Frau’ 2: Wb-Altm* 60, STE-Wa. – 7a. in der Verbdg.: Dät is’n groffen Knust. ‘Das ist ein grober, schwerfälliger, ungehobelter Mensch.’, im Anschluss an 1a.,  Klotz, 2: Beiträge-Altm 1,345. – 7b. ‘ Bäcker’, scherzh., 3: ADVk Nr. 238b (HA-Sü). – 7c. ‘kleiner Mensch’,  Knirps – Heischevers:ick bin n klnr kns,
unn wenn ji mick nischt jewwn wollt,
denn scht ick ji int hs.
3: Vk-Ask 137 (QUE-Scha).
– 7d. ‘ Kleinknecht’ 2: JE2-Ro.
Lautf., Gram.: Knu(u)st, Knst, Knuhst, [knsd]; außerdem: [gnsd] verstr. BE, DE-Thu; [knstn] Pl. OST-Kru, STE-Ro Schi; [gnsdn] BE-Ad; Knste Pl. JE1-Ro; [knst] Pl. SA-Kal; Knstk’n Dim. Wb-Altm 111; Knieste Pl. Rezepte-Harz 2, BLA-Be; Knistchen Dim. BLA-Sti; [kniust] verstr. nwaltm.; Knaust JE1-Schor Walt, verstr. ZE; Knoust WE-Ho Rho; Gnaust QUE-Scha Wed, [gnausd] BE-Dro Sa; Jnaust QUE-Frie Su; Kns SA-Ab, Lieder-Ma Nr. 476 (JE1-Ran), JE1-Schor, OSCH-KlQue, WE-El, Vk-Ask 137, KÖ-Grö Wer; Knaus HA-War; Knauht ZE-Wa. Zuss.: zu 1a.: Knurr-, Kuss-, Lache-; zu 2.: lknster; zu 3.: Hunk-; zu 4.: Holt-, wen-.
Koltschle f. 1. ‘kalt servierte (süße) Suppe’, bes. ‘Bier- und Branntweinkaltschale’,  Brkoltschle, 1: SA-Han, 2: vereinz. Altm., JE2-Alt Mi, 3: verstr. elbostf., 4: Wb-Be. – Bier (STE-Ho, Id-Eilsa 74, Wb-Nharz 105), Branntwein (Hochzeit-Altm 42, Anmerkung – BLA-Be) oder Milch (Id-Eilsa 74) waren die jeweiligen Hauptbestandteile der K., in die vorw. Brot eingebrockt wurde. Mitunter enthielt die K. auch Bier und Branntwein zusammen sowie Honigkuchen. Hochzeit-Altm 42 (n Altm.). Die mit Alkohol versetzten K. sind wohl hauptsächlich zu bestimmten Anlässen, z.B. bei einer Hochzeitsfeier (Hochzeit-Altm 42) oder zu Weihnachten (Brauch-wAltm 14; Hochzeit-Altm 42, Anmerkung – BLA-Be), gereicht worden. Brauch: Zum Neujahrsfest fanden sich in altm. Orten die Bauern im Gasthaus ein, wo ihnen der Wirt eine K. spendierte. Brauch-wAltm 14 (SA-Dre Han). – 2. ‘saubere, schöne Geschichte’, iron., 2: Wb-Altm 96.
Lautf., Gram.: Kollschoal SA-Vi; Kolleschoale JE2-Mi, -schl QUE-Di; [kll] OSCH-He; Koscha(h)le, -schle, [kl] vereinz. s elbostf.; Kalschale WA-We; [-le] Wb-Be; Kascha(a)le Wb-Holzl 116, HA-Bee Eil; -schl Hochzeit-Altm 42; -schol GA-KloNeu; -schoale, -schle, [-l] Brauch-wAltm 14, Beiträge-Nd 64 (WO-HWa), JE2-Alt; -schaol, -schoal Wb-Altm 96, OST-Sto, STE-Ho; -scha SA-Han; kschle Mda-Weg 104; kuschln Pl. Vk-Ask 223.
kolzen Vb. 1. ‘kleine, meist heimliche Tauschgeschäfte machen’, bes. von Kindern,  tschen, 3: BLA-Be. – 2. ‘sich schlaflos hin- und herwälzen’ 2: verstr. nw mbrdb., JE1-GrLü – int Bedde hen un her ekolzt JE2-HSe.
Lautf., Gram.: kolzen vereinz. nw mbrdb., JE1-GrLü, BLA-Be; kolzt 3. Sg. Präs. JE1-Wo; ekolzt Part. Prät. JE2-HSe.